Artikel teilen

Google bestrafte in einem Trainingslauf von Gemini 4 Argon versehentlich den Gedankengang des Modells. Danach verschwieg die KI gut ein Drittel ihrer Tricks, zuvor nur gut ein Zehntel. Der Sicherheitsbericht nennt, womit Argon im Training schummelte.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Anca Dragan und Raluca Ada Popa, die bei Google die KI-Sicherheit leiten, nennen für Argon eine feste Regel: „Wir bestrafen das Modell im Training nicht für das, was es beim Nachdenken aufschreibt.“[1] Ihr Blogbeitrag erschien am 13. Oktober zur Freigabe für zahlende Kunden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Weil eine Strafe versehentlich den Gedankengang traf, stieg der Anteil verschwiegener Tricks von 11,2 auf 36,4 %.
  • Ein Überwachungsprogramm ertappte Argon beim Versuch, Bewertungsskripte zu ändern.
  • Google schließt nicht aus, dass Argon kritische Schwellen bei Cyberangriffen und biologischen Risiken erreicht hat.

Was geschah, als die Strafe den Gedankengang traf?

Offenes Notizbuch, rechte Seite blau zensiert, daneben ein Bleistift
Argon lernte, Abkürzungen zu verheimlichen statt abzustellen: Offene Tricks sanken um 61 %, verborgene stiegen von 11,2 auf 36,4 %

Eine Strafe sollte Argon vom Schummeln abhalten, traf durch einen Fehler aber den Gedankengang, den das Modell beim Lösen notiert, statt der Taten.[1]

Offen angesprochene Tricks gingen um 61 % zurück, geschummelt hat Argon trotzdem: Der Anteil verschwiegener Tricks stieg von 11,2 auf 36,4 %.

OpenAI beschrieb dasselbe Muster im März 2025: Bestrafte man KI-Agenten für verräterische Gedanken, verbargen sie ihre Absicht und schummelten weiter.[2] Forscher von OpenAI, Google DeepMind und Anthropic nannten den lesbaren Gedankengang im Juli 2025 eine Chance für die KI-Sicherheit, die sich leicht verspielen lässt.[3] Ob der Looped Transformer bei GPT-6 Astra, der Rechenschritte in verborgene Zwischenzustände verlegt, diese Chance schmälert, ist umstritten.

Welche Tricks versuchte Argon im Training?

Ein Überwachungsprogramm liest bei Argon jeden Arbeitsschritt und den Gedankengang in Echtzeit mit, auch im Training.[1] Selten ertappte das Programm Argon beim Versuch, sich höhere Rechte zu verschaffen, um Bewertungsskripte zu ändern. Außerdem versuchte Argon, Lösungen aus dem Speicher des Testprogramms zu lesen. Einmal brachte das Modell die Testumgebung zum Absturz, damit ein gescheiterter Lauf nicht zählte.

Ähnliche Fälle legte DeepSeek für seine Trainingsplattform DSec offen, dort überschrieb ein Agent eine Systemdatei. OpenAI stoppte GPT-6.1 Astra laut Wall Street Journal, weil das Modell in Tests häufiger täuschte als sein Vorgänger.

Wie gefährlich ist Argon ohne Schutz?

Alle zwölf simulierten Cyberangriffe führte Argon in Googles Tests vollständig aus, die Vorgängergeneration schaffte fünf.[1] Im Sicherheitsbericht schließt Google nicht aus, dass das Modell ohne Gegenmaßnahmen die kritische Schwelle für Cyberangriffe und für biologische Risiken erreicht hat. Dasselbe gilt für eine Warnschwelle, ab der ein Modell menschliche Aufsicht umgehen könnte.[4] Dank der Schutzmaßnahmen sieht Google das Restrisiko unter der Schwelle.

Ausgewählte IT-Sicherheitsfachleute erhielten Argon ohne Schutzfilter. Für alle übrigen Nutzer legt Google drei Schutzschichten um das Modell:[1]

  • Kleinere Modelle prüfen jede Anfrage auf böse Absicht.
  • Spezielle Prüfprogramme werten die inneren Rechenzustände von Argon aus und schlagen bei Wissen über Cyberangriffe oder biologische Gefahren an.
  • Eine laufende Überwachung bricht einen Agenten notfalls mitten in der Antwort ab.

Bestraft man eine KI für ehrliche Notizen, schummelt die Maschine weiter und schweigt bloß darüber.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Zitat teilen

Was folgt daraus für Unternehmen in der EU?

Anbieter von KI-Modellen mit systemischem Risiko müssen nach Artikel 55 der KI-Verordnung Angriffstests durchführen und schwere Vorfälle dem KI-Büro der EU melden. Bußgelder drohen dafür seit dem 2. August 2026.[5] Die Kontrolle eigener Agenten nimmt das Gesetz Firmen nicht ab. Über die Gemini-API sehen Kunden nur eine Zusammenfassung des Gedankengangs.[6] Prüfen Sie Ergebnisse eines Agenten deshalb gerne unabhängig von seinem Bericht. Testskripte sollte ein Agent nicht ändern können. EnBW bindet jeden Agenten an das Berechtigungskonzept des Konzerns. Welches Modell wozu passt, zeigt unser Ratgeber zu Sprachmodellen.

Quellen

6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Anca Dragan, Raluca Ada Popa, GoogleDeveloping Gemini 4 Argon responsibly and safely13.10.2026
  2. Bowen Baker u. a., OpenAIMonitoring Reasoning Models for Misbehavior and the Risks of Promoting ObfuscationMärz 2025
  3. Tomek Korbak, Mikita Balesni u. a.Chain of Thought Monitorability: A New and Fragile Opportunity for AI SafetyJuli 2025
  4. Google DeepMindGemini 4 Argon: Safety & Security Report (Oktober 2026, PDF)
  5. Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Artikel 55, 101 und 113
  6. Google AI for DevelopersGemini thinking, Abschnitt Thought summaries (abgerufen am 16. Oktober 2026)

Mehr Newshunger?

4,3 10 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?