Google hat am 30. September Gemini 4 Argon vorgestellt, das der Konzern als sein bislang leistungsfähigstes KI-Modell bezeichnet. Zunächst erhalten nur ausgewählte Cyber-Verteidiger aus Googles Fairwind-Programm Zugriff, ausdrücklich ohne die üblichen Cyber-Schutzfilter. Als Nächste sollen zahlende API-Kunden und Abonnenten von Google AI Ultra folgen, einen Termin nennt der Konzern nicht.

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Eine Million Token darf eine einzelne Antwort von Gemini 4 Argon lang werden, die bisherige Grenze lag bei 64.000. Koray Kavukcuoglu, Senior Vice President bei Google DeepMind und Chief AI Architect von Google, beschreibt das Modell als Werkzeug für lange, mehrstufige Aufgaben in Softwareentwicklung, Finanz- und Rechtsarbeit sowie Cyberabwehr.[1] Laut Reuters kommt der Start nach monatelangen Verzögerungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Google stellte Gemini 4 Argon am 30. September 2026 vor, erste Nutzer sind Teilnehmer des Fairwind-Programms für Cyberabwehr.
  • Für diese Verteidiger und interne Teams verzichtet Google bei Argon auf die Cyber-Schutzfilter.
  • In Googles Vergleichstabelle führt Argon bei Wissensarbeit, bei zwei Coding-Tests liegen GPT-6 Astra und Claude Opus 5.5 vorn.
  • Zum Einführungspreis kostet eine Million Eingabe-Token 1,74 €, eine Million Ausgabe-Token 8,70 €.

Was kann Gemini 4 Argon?

Absperrung mit blauem Seil und Schild „NUR CYBER-ABWEHR“ vor weißem Hintergrund
Argon übertrifft GPT-6 Astra und Claude Opus 5.5 im Vals Index für Wissensarbeit mit 68,9 % Genauigkeit

In Googles Vergleichstabelle liegt Argon bei Wissensarbeit klar vorn. Im Vals Index, der Aufgaben aus Finanzen, Recht, Steuern und Programmierung bündelt, erreicht das Modell 68,9 %, GPT-6 Astra 63,1 % und Claude Opus 5.5 67,0 %.[2] Bei Harveys Test für juristische Agentenarbeit kommt Argon auf 19,6 %, die beiden Konkurrenten bleiben unter 6 %. Im Programmiertest DeepSWE v1.1 führt Argon mit 77,9 %.

Dieselbe Tabelle zeigt auch Rückstände. Bei FrontierSWE v2 erreicht Argon 55,0 %, Astra dagegen 65,5 %. Im Terminal-Bench 4.0, der Agentenarbeit auf der Kommandozeile misst, liegt Opus 5.5 neun Prozentpunkte vor Argon. Laut Bloomberg berichten Google-Beschäftigte, dass Argon bei der praktischen Arbeit schwächer abschneidet als in den Tests und mit bestimmten Programmieraufgaben Mühe hat. Google widerspricht dieser Darstellung.

Warum bekommen Cyber-Verteidiger das Modell zuerst?

Den Ausschlag gibt das Dual-Use-Problem solcher Modelle. Ein Modell, das Schwachstellen findet, prüft und Patches schreibt, kann dieselben Lücken auch für einen Angriff aufbereiten. Schutzfilter gegen Exploit-Anfragen bremsen deshalb auch Sicherheitsteams aus. Google löst den Konflikt über den Empfängerkreis und stellt vertrauenswürdigen Verteidigern sowie eigenen Teams Argon ausdrücklich ohne Cyber-Schutzfilter bereit.[1]

Als Rahmen dient das Fairwind-Programm, das Google am 2. September mit Gemini 3.8 Flash Cyber und dem Patch-Werkzeug CodeMender startete. Mehr als 650 Partner nehmen am Programm teil, darunter Behörden, Betreiber kritischer Infrastruktur aus Gesundheit, Telekommunikation, Energie und Finanzen sowie zentrale Technologieplattformen.[3] Die Teilnehmer müssen den Zugang auf ihre Teams für Cybersicherheit, Incident Response und Penetrationstests beschränken; Mehr-Faktor-Authentifizierung ist Pflicht.

Google folgt damit einem Muster der Branche. OpenAI stufte GPT-6 Astra als erstes eigenes Modell in die Cyber-Risikostufe „Critical“ ein und verzichtete laut Wall Street Journal Ende September auf den Start des Nachfolgers GPT-6.1 Astra. Anthropic durfte Claude Mythos 5 im Sommer zunächst nur rund 100 US-Organisationen bereitstellen, die das US-Handelsministerium namentlich gelistet hatte. Zusätzlich beteiligt sich Google am freiwilligen Verfahren der US-Regierung, das staatlichen Prüfern vor dem Start Zugriff auf neue Modelle gewährt.[1]

Gemini 4 Argon im Vergleich
Eckdaten des neuen Google-Modells und ausgewählte Testwerte aus Googles Modellübersicht
1 Mio.
Ausgabe-Token je Antwort, bisher lag die Grenze bei 64.000
650+
Partner im Fairwind-Programm, über das die ersten Cyber-Verteidiger Argon erhalten
1,74 €
je Million Eingabe-Token zum Einführungspreis, später 3,48 €
8,70 €
je Million Ausgabe-Token zum Einführungspreis, später 17,40 €

Testwerte in Prozent (höchster Wert je Zeile farbig)

TestGemini 4 ArgonGPT-6 AstraClaude Opus 5.5
Vals Index68,963,167,0
Harvey Legal Agent19,65,43,8
DeepSWE v1.177,974,174,2
FrontierSWE v255,065,562,3
Terminal-Bench 4.057,458,266,4
CWE-bench v168,068,067,0

Bei Gemini 4 Argon stehen Sicherheitsteams und Behörden vor dem zahlenden Kunden in der Schlange. Europäische Firmen planen deshalb besser mit den Modellen, die sie heute nutzen können, statt auf den nächsten Starttermin aus Mountain View zu warten.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was bedeutet der Start für Unternehmen in der EU?

Beim Preis setzt Google zum Start auf einen Rabatt: In der Einführungsphase kostet eine Million Eingabe-Token 1,74 €, eine Million Ausgabe-Token 8,70 €. Danach steigen die Preise auf 3,48 € und 17,40 €, umgerechnet mit 0,87 € je US-Dollar (Stand 30. September 2026).[1] Ein Rechenbeispiel: Eine einzige Antwort in voller Länge von einer Million Token käme nach der Einführungsphase auf 17,40 €.

Regulatorisch gilt in der EU die KI-Verordnung. Anbieter von Modellen mit systemischem Risiko müssen nach Artikel 55 ihre Modelle bewerten, schwerwiegende Vorfälle melden und die Cybersicherheit gewährleisten. Seit dem 2. August 2026 kann die EU-Kommission diese Pflichten durchsetzen.[4] Die Aufsicht dürfte sich die Fassung ohne Cyber-Schutzfilter genau ansehen. Einen Tag vor dem Start unterschrieb Google-Chef Sundar Pichai im Weißen Haus ein freiwilliges KI-Abkommen mit vier Kontrollebenen. Ob europäische Fairwind-Partner Argon bereits erhalten, lässt Google offen.

Bis zum breiten Start empfehlen sich drei Schritte:

  • Fragen Sie gerne bei Ihrem IT-Sicherheitsdienstleister nach, ob er am Fairwind-Programm teilnimmt und Argon für Schwachstellenanalysen einsetzt.
  • Testen Sie Coding-Aufgaben vor einem Modellwechsel mit eigenen Repositorys, denn bei FrontierSWE v2 und Terminal-Bench 4.0 liegt Argon hinter der Konkurrenz.
  • Legen Sie vor der API-Anbindung ein Kostenlimit pro Anfrage fest, weil Antworten mit Hunderttausenden Token die Rechnung schnell erhöhen.

Weitere Hintergründe zu Modellen und Agenten finden Sie in der KI-Rubrik von Dr. Web.

FAQ: Gemini 4 Argon

Was ist Gemini 4 Argon?

Gemini 4 Argon ist das leistungsfähigste KI-Modell von Google und eröffnet die Gemini-4-Generation. Google DeepMind hat Argon für lange, mehrstufige Aufgaben in Softwareentwicklung, Finanz- und Rechtsarbeit sowie Cyberabwehr gebaut. Eine Antwort darf bis zu eine Million Token lang werden.

Wann ist Gemini 4 Argon für alle verfügbar?

Einen Termin nennt Google nicht. Zuerst erhalten ausgewählte Cyber-Verteidiger aus dem Fairwind-Programm Zugriff. Danach sollen Entwickler, Unternehmen und Verbraucher folgen, beginnend mit zahlenden API-Kunden und Abonnenten von Google AI Ultra.

Was kostet Gemini 4 Argon?

Zum Einführungspreis kostet eine Million Eingabe-Token 2 US-Dollar, rund 1,74 €, und eine Million Ausgabe-Token 10 US-Dollar, rund 8,70 €. Nach der Einführungsphase verdoppelt Google beide Preise. Zwischengespeicherte Eingaben rechnet Google mit 95 % Rabatt ab.

Was ist das Fairwind-Programm von Google?

Fairwind ist ein Google-Programm für Cyberabwehr, gestartet am 2. September 2026. Mehr als 650 Partner aus Behörden, kritischer Infrastruktur und Technologieplattformen erhalten darüber vorab KI-Modelle wie Gemini 3.8 Flash Cyber und das Patch-Werkzeug CodeMender. Über das Programm vergibt Google jetzt auch die ersten Zugänge zu Gemini 4 Argon.

Ist Gemini 4 Argon besser als GPT-6 Astra?

In Googles eigener Tabelle liegt Argon bei Wissensarbeit, langen Kontexten und dem Coding-Test DeepSWE vorn. Bei FrontierSWE v2 und Terminal-Bench 4.0 erreichen GPT-6 Astra beziehungsweise Claude Opus 5.5 höhere Werte. Für den eigenen Einsatz lohnt ein Test mit typischen Aufgaben aus dem Unternehmen.

Quellen

[1] Google: „Gemini 4 Argon: our next era of frontier intelligence“, Koray Kavukcuoglu, 30. September 2026

[2] Google DeepMind: „Gemini“, Modellübersicht mit Vergleichstabelle zu Gemini 4 Argon

[3] Google: „Google’s Fairwind Program: Cyber defense tools for trusted partners“, 2. September 2026

[4] EUR-Lex: Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Artikel 55

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