Die Unternehmensgruppe Theo Müller schließt das Homann-Saucenwerk in Rogätz und die Schnittkäserei von Sachsenmilch in Leppersdorf. In beiden Betrieben arbeiten je rund 160 Menschen. Zugleich führt der Molkereikonzern Gespräche über einen möglichen Kauf von Vogtlandmilch in Plauen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Werksschließung der Müller-Gruppe in Rogätz ist für die Elbe-Heide nördlich von Magdeburg der zweite Rückschlag binnen einer Woche. Ende September hatte die insolvente Colbitzer Heide-Brauerei mangels Investor ihr Aus zum Jahresende angekündigt. Nun steht auch das Homann-Werk vor dem Ende.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Schnittkäserei in Leppersdorf (Landkreis Bautzen) schließt zum 31. Dezember 2026, betroffen sind rund 160 von etwa 3.000 Beschäftigten am Standort.
- Das Homann-Saucenwerk in Rogätz (Landkreis Börde) stellt die Produktion bis Ende September 2027 ein, alle rund 160 Arbeitsplätze am Standort fallen weg.
- Müller begründet das Aus in Rogätz mit sinkender Nachfrage nach Saucen im Glas und hohem Investitionsbedarf.
- Mit den Betriebsräten will der Konzern über Weiterbeschäftigung und Qualifizierung verhandeln, ein Sozialplan steht noch aus.
Was schließt Müller in Sachsen und Sachsen-Anhalt?

In Leppersdorf trifft der Beschluss nur einen Teil des Großstandorts. Die Schnittkäserei samt Verpackung und Verwaltung schließt zum Jahresende, die Sauermilchkäserei und die Mozzarella-Produktion laufen weiter.[1] Rund 160 der etwa 3.000 Beschäftigten bei Sachsenmilch sind betroffen, gut 5 %. Zuerst hatte die Leipziger Volkszeitung berichtet, ein Konzernsprecher bestätigte die Pläne.
Rogätz trifft der Schritt härter. Dort verschwindet das ganze Werk mit seinen rund 160 Arbeitsplätzen, die Produktion endet bis spätestens Ende September 2027.[2] Homann hatte den Standort 2008 übernommen, seit 2011 gehört der Feinkosthersteller zur Müller-Gruppe. Im Februar 2024 hatten Homann-Beschäftigte in Rogätz laut Volksstimme noch gestreikt.
Beide Schließungen stehen auf der Stufe der Ankündigung. Mit den Betriebsräten will Müller über Weiterbeschäftigung innerhalb der Gruppe, einvernehmliche Vertragsanpassungen sowie Qualifizierung sprechen.[3] Ein Interessenausgleich steht noch aus, Zahlen zu Abfindungen nennt der Konzern nicht.
Warum rechnen sich die beiden Linien nicht mehr?
Für Rogätz nennt Müller einen Nachfragetrend: Kundinnen und Kunden greifen seltener zu Saucen im Glas und bevorzugen andere Verpackungen. Die sinkende Auslastung verschärft die Kostenprobleme des Werks, zugleich stehen größere Investitionen an.[3] Müller müsste also in Anlagen investieren, die schon heute zu wenig ausgelastet sind. Diese Rechnung geht für den Konzern nach eigenen Angaben nicht mehr auf.
Für die Käserei in Leppersdorf bleibt die Begründung vage. Der Konzernsprecher verweist auf interne und externe Rahmenbedingungen, unter denen sich der Bereich trotz aller geprüften Optionen nicht wirtschaftlich betreiben lasse. Welche Bedingungen gemeint sind, sagt der Konzern nicht.
Homann hat einen solchen Einschnitt schon einmal erlebt. Im April 2017 kündigte Müller an, die Homann-Werke in Dissen, Lintorf, Bottrop und Floh-Seligenthal zu schließen und die Feinkostproduktion in Leppersdorf zu bündeln.[4] Rogätz überstand diese Runde. Neun Jahre später schrumpft ausgerechnet der Standort, der damals als Zentrum galt. Rogätz verliert sein Werk ganz.
Was bedeutet das Aus für Region und Milchmarkt?
Der Konzern selbst schrumpft keineswegs. Gegenüber dem MDR bestätigte Müller Gespräche über einen möglichen Kauf der Vogtlandmilch in Plauen, in einem frühen Stadium und unter Vorbehalt der Kartellbehörden.[1] Bereits 2023 hatte die Gruppe das deutsche Markengeschäft von FrieslandCampina samt Landliebe übernommen.
Ein Konzern, der zukauft und gleichzeitig Werke schließt, sortiert nach Rendite je Linie, nicht nach Treue zum Standort.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Zulieferer von Gläsern und Deckeln sollten jetzt klären, wann die Abrufe aus Rogätz enden und ob andere Homann-Werke die Mengen übernehmen. Milcherzeuger rund um Leppersdorf fragen am besten bei Sachsenmilch nach, in welche Produkte ihre Milch nach dem Jahreswechsel fließt. Personalverantwortliche in den Landkreisen Börde und Bautzen können dagegen mit Bewerbungen von Fachkräften aus der Lebensmitteltechnik rechnen. Für die Debatte um den Standort Deutschland zählen solche Beschlüsse über einzelne Produktionslinien oft mehr als jede Konjunkturprognose.
Quellen
[1] MDR: „Sachsenmilch schließt Schnittkäserei in Leppersdorf“ (06.10.2026)
[2] Volksstimme: „Erst Streik, nun arbeitslos: Homann entlässt mit Werk-Aus 160 Mitarbeiter in der Börde“ (06.10.2026)
[3] Unternehmensgruppe Theo Müller, Mitteilung via dpa bei t-online: „Lebensmittel-Riese schließt Werke in Ostdeutschland“ (06.10.2026)
[4] Lebensmittel Praxis: „Müller-Gruppe schließt Homann-Werke“ (21.04.2017)
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