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Eine SAP-Aktie lässt sich seit Dienstag auch sonntags um drei Uhr nachts verkaufen, sofern die eigene Bank angeschlossen ist. Außerhalb der Xetra-Zeiten übernimmt die zur Gruppe gehörende Plattform 360X den Handel mit allen 40 DAX-Werten. Kurse entstehen dort auf Anfrage und nicht im Orderbuch, der Maßstab für den DAX bleibt Xetra.

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58 Stunden lang ruhte bisher an jedem Wochenende der Handel mit DAX-Aktien bei der Deutschen Börse, von Freitag 22 Uhr bis Montag 8 Uhr. Seit dem 27. Oktober springt in diesen Lücken 360X ein.[1] Die Deutsche Börse will damit laut Kassamarkt-Chef Eric Leupold als erste europäische Börsengruppe Standardwerte rund um die Uhr anbieten.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Alle 40 DAX-Aktien sind seit dem 27. Oktober 2026 nachts und am Wochenende über 360X handelbar.
  • In diesen Zeiten entstehen Kurse per Preisanfrage statt im Orderbuch.
  • Xetra bleibt unverändert, Schlusskurse von 360X fließen nicht in die Eröffnung auf Xetra ein.

Wie funktioniert der Nachthandel über 360X?

Ein weißer Wecker zeigt 3:00 Uhr und hat ein orangefarbenes Schild mit „Geöffnet“ angehängt
Xetra nutzt offenes Orderbuch, 360X arbeitet in Randzeiten über Request for Quote: Bank fragt Kurs an, Liquiditätsgeber macht verbindliches Angebot

Xetra sammelt Kauf- und Verkaufsaufträge in einem offenen Orderbuch, der Kurs entsteht dort, wo sich Angebot und Nachfrage treffen. Auf 360X läuft der Handel in den Randzeiten über eine Preisanfrage, im Fachjargon Request for Quote: Eine Bank fragt für ihren Kunden einen Kurs an, Liquiditätsgeber antworten mit einem verbindlichen Angebot, der Auftrag wird zu diesem Preis ausgeführt oder verworfen.[1] Die Qualität des Preises hängt davon ab, wie viele Händler um drei Uhr nachts antworten.

Gehandelt werden die gewöhnlichen DAX-Aktien mit ihren regulären ISIN, keine Token und keine Derivate. Die Geschäfte laufen in Euro über die bestehenden Clearstream-Konten der Teilnehmer. Welche Banken und Broker bereits mitmachen, nennt die Deutsche Börse nicht.

Warum bleibt Xetra der Maßstab für den DAX?

Die Deutsche Börse trennt beide Handelsplätze bewusst. Schlusskurse auf 360X bestimmen weder die Eröffnungskurse noch die Eröffnungsauktion auf Xetra.[1] Carlo Kölzer, bei der Deutschen Börse für Digitales und Devisen zuständig und Co-Chef von 360X, spricht von der „absoluten Integrität der zentralen Xetra-Referenzzyklen“, die erhalten bleiben soll. Ein einzelnes Angebot um drei Uhr nachts bildet keinen Markt ab, der DAX wird deshalb weiter mit Kursen aus dem Xetra-Orderbuch berechnet.

In den USA läuft dieselbe Entwicklung mit größerer Wucht. Nasdaq führt am 6. Dezember 2026 eine Nachtsitzung von 21 bis 4 Uhr Ostküstenzeit ein (3 bis 10 Uhr deutscher Zeit), mit Vor- und Nachbörse sind das 23 Handelsstunden an fünf Tagen.[2] Noch weiter gehen Anbieter von Aktien-Token. Gegen die Pläne von OKX und der NYSE-Mutter für einen Token-Handel rund um die Uhr haben bereits 22 Unternehmen Einspruch eingelegt, Robinhood verkauft Kunden in der EU Aktien-Token als Derivate.

DAX-Handel ohne Pause
Wo die 40 DAX-Aktien bei der Deutschen Börse gehandelt werden, Stand 27. Oktober 2026
40
DAX-Aktien sind rund um die Uhr handelbar, als echte Aktien mit regulärer ISIN
58 Std.
Wochenendpause von Freitag 22 Uhr bis Montag 8 Uhr, die 360X seit dem 27. Oktober überbrückt
8,5 Std.
Haupthandel auf Xetra mit Auktionen, werktags von 9 bis 17:30 Uhr
23 Std.
Handelstag an der Nasdaq ab 6. Dezember 2026, an fünf Tagen pro Woche

Ein Handelstag mit DAX-Aktien

9 bis 17:30 Uhr
Xetra-Haupthandel mit offenem Orderbuch, Eröffnungs- und Schlussauktion als Referenz für den DAX
8 bis 22 Uhr
erweiterter Handel für Privatanleger auf Xetra, montags bis freitags
Nachts
360X übernimmt, Kurse entstehen per Preisanfrage bei Liquiditätsgebern
Wochenende
360X handelt durchgehend, Schlusskurse fließen nicht in die Xetra-Eröffnung am Montag ein

Nachts gibt es für DAX-Aktien keinen Marktpreis, nur Angebote. Die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs zeigt, was die Bequemlichkeit kostet.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was ändert der Handel rund um die Uhr für Anleger und Unternehmen?

Privatanleger kommen nur über ihre Hausbank an den Nachthandel. Nach § 82 WpHG schuldet jede Bank ihren Kunden die bestmögliche Ausführung und nennt die Handelsplätze dafür in ihren Ausführungsgrundsätzen. Fehlt 360X in dieser Liste, führt die Bank nachts keine Order über die Plattform aus. Für den Anfang empfehlen sich zwei Schritte:

  • Nachts und am Wochenende nur mit Limit kaufen oder verkaufen, weil ohne Orderbuch kein laufender Kurs als Orientierung dient.
  • Bei der Bank erfragen, ob 360X angebunden ist und welche Gebühren nachts gelten.

Auch die DAX-Konzerne selbst spüren den Schritt. Insiderinformationen müssen nach Artikel 17 der Marktmissbrauchsverordnung unverzüglich veröffentlicht werden, oft am Abend, wie zuletzt bei der gesenkten Umsatzprognose von Cancom um 17:59 Uhr. Für DAX-Werte trifft eine solche Ad-hoc-Mitteilung künftig auch nachts und am Sonntag auf einen handelbaren Markt, nicht erst am nächsten Morgen.

Quellen

2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Deutsche BörseDeutsche Börse Group Launches 24/7 Trading for DAX 40 Equities on 360X (27. Oktober 2026), mit Zitaten von Eric Leupold und Carlo Kölzer
  2. Nasdaq23/5 Trading Information Hub (abgerufen am 27. Oktober 2026)

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