240,6 Millionen Anthropic-Aktien rechnet der Börsenprospekt Dario Amodei zu, zum Preis der letzten Finanzierungsrunde rund 14 Mrd. Dollar oder 12,3 Mrd. €. Vier Fünftel davon versprach der Anthropic-Chef wohltätigen Zwecken, rechtlich bindet ihn die Zusage laut Prospekt nicht. Über Aktien, die andere an zwei Spendenfonds geben, stimmt Amodei dagegen selbst ab.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenAm Montag veröffentlichte Anthropic den Börsenprospekt in der Datenbank der US-Börsenaufsicht SEC.[1] Anfang Oktober berichtete Reuters aus dem Entwurf erst über Amodeis Vergütung für 2025, den Anteilsbesitz der Gründer legte das Papier damals nicht offen. Jetzt stehen die Zahlen für alle sieben Mitgründer im Dokument.
Das Wichtigste in Kürze
- Dario Amodei werden 240,6 Millionen Aktien zugerechnet, zum Preis der Finanzierungsrunde vom Frühjahr 2026 rund 12,3 Mrd. €.
- Die sieben Mitgründer halten zwischen 231,8 und 244,2 Millionen Aktien, Tom Brown mehr als Amodei.
- Die Zusage, 80 % der eigenen Aktien zu spenden, nennt Anthropic freiwillig und widerruflich.
- Über 4,6 Millionen Aktien zweier Spendenfonds stimmt Amodei per unwiderruflicher Vollmacht ab.
Wie viel von Anthropic gehört Dario Amodei?

Die sieben Gründer halten fast gleich große Pakete. Amodei besitzt laut Aufstellung der Großaktionäre 237,8 Millionen Stammaktien direkt oder über Trusts, dazu kommen Optionen und Aktienanwartschaften, die bis Ende November ausübbar oder unverfallbar werden.[1] Mitgründer Tom Brown kommt auf 244,2 Millionen Aktien, Sam McCandlish auf 231,8 Millionen, Schwester Daniela Amodei auf 241,4 Millionen.
Einen Börsenkurs hat die Aktie noch nicht. Im Mai und Juni 2026 zahlten Investoren 589 Dollar je Vorzugsaktie aus der Finanzierungsrunde Series H, Anthropic wandelt jede davon in zehn Stammaktien um. Daraus ergeben sich 58,90 Dollar je Stammaktie und für Amodeis Paket rund 14,2 Mrd. Dollar. Im April kaufte eine Investorengruppe Altaktionären Papiere für 25,91 Dollar je Stück ab, auch Dario und Daniela Amodei verkauften dabei. Die Stückzahl bleibt im Prospekt offen.
Was ist das Spendenversprechen wert?
Alle sieben Gründer sagten zu, 80 % ihrer Anthropic-Aktien für gemeinnützige Zwecke einzusetzen. Bei Amodei entspräche das zum Preis dieser Finanzierungsrunde rund 9,9 Mrd. €. Im Kapitel über Risiken beschreibt Anthropic die Zusagen als „freiwillige, widerrufliche Bekundungen“ der wohltätigen Absicht jedes Gründers, die „keine rechtlich bindenden Verpflichtungen“ darstellen.[1] Zeitpunkt, Höhe und Empfänger hängen auch von Steuer- und Nachlassplanung ab.
Für Anleger birgt die Zusage zugleich ein Kursrisiko. Verkaufen Stiftungen oder Fonds gespendete Aktien nach Ablauf der Sperrfristen, könnte das Angebot den Kurs drücken, warnt Anthropic.
Eine Spendenzusage über 9,9 Milliarden Euro, die Amodei jederzeit widerrufen kann, bleibt bis zur Übertragung eine Absichtserklärung.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Aktien je Gründer in Millionen, Stand 30. September 2026
Einschließlich Optionen und Aktienanwartschaften, die bis Ende November 2026 ausübbar oder unverfallbar werden. Der größte und der kleinste Anteil liegen gut 5 % auseinander.
Warum stimmt Amodei über fremde Spenden ab?
Anthropic arbeitet mit zwei US-Spendenfonds zusammen, die gespendetes Vermögen an gemeinnützige Organisationen weiterreichen: dem Daffy Charitable Fund und dem Dechomai Asset Trust. Beschäftigte und andere Aktionäre spenden dort Aktien, Mitarbeiterspenden stockt Anthropic mit stimmrechtslosen Aktien auf. In Verträgen mit dem Unternehmen räumen beide Fonds Dario Amodei eine unwiderrufliche Vollmacht für die Stimmrechte ein.[1] Ausgenommen sind Aktien, die Amodei selbst oder seine Familie spendet. Derzeit betrifft die Vollmacht 4,6 Millionen Aktien, knapp 2 % seines eigenen Pakets.
Bosch trennt Kapital und Stimmrechte ebenfalls. Die Robert Bosch Stiftung hält rund 94 % des Kapitals, aber keine Stimmen, rund 93 % der Stimmrechte liegen bei der Robert Bosch Industrietreuhand KG.[2] Bei Anthropic wandert das Stimmrecht gespendeter Aktien dagegen zum Firmenchef. Neben der Sonderaktie der Gründer mit 50,1 % der Stimmen wächst so Amodeis eigener Stimmenanteil mit jeder fremden Spende an die beiden Fonds.
Für Entscheider, die beim Börsengang Anthropic-Aktien zeichnen wollen, lohnt später der Blick in die erste Einladung zur Hauptversammlung. Dort steht, wie viele Stimmen Amodei über die Spendenfonds lenkt.
Quellen
2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Anthropic, PBC, Börsenprospekt (Formular S-1) bei der US-Börsenaufsicht SECRegistration Statement on Form S-1, eingereicht am 26.10.2026
- BoschUnternehmen, Abschnitt Gesellschafter und Stimmrechte
Mehr Newshunger?
- Eric Schmidts Anthropic-Anteil könnte bis zu 17 Milliarden Euro wert werden
- Amodei räumt Fehler ein, hält aber an Anthropics Wettlauf fest
- Nadella: KI-Modelle werden für die meisten Aufgaben zur Massenware
- Peter Thiel: Apple hat seit Steve Jobs nichts Neues gemacht
- Lip-Bu Tan investierte in Classiq, jetzt kauft Intel das Start-up für 2,3 Mrd. Dollar
- Wer sind die 15 reichsten Tech-Milliardäre?
