Intel übernimmt den israelischen Quantensoftware-Anbieter Classiq, laut Calcalist für 2,3 Milliarden Dollar (rund 2 Milliarden Euro). Intel-Chef Lip-Bu Tan hält privat Anteile an dem Start-up. In seiner Mitteilung zum Kauf erwähnt Intel die Beteiligung nicht.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenIm Februar 2022 stieg Lip-Bu Tan bei Classiq ein, drei Jahre bevor er Intel-Chef wurde.[3] Am Montagabend gab Intel den Kauf des Start-ups aus Tel Aviv bekannt.[1] An den Verhandlungen nahm Tan laut Calcalist wegen seiner privaten Beteiligung nicht teil.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Intel zahlt laut Calcalist rund 2 Milliarden Euro in bar und Aktien, der Abschluss ist für 2027 geplant.
- Lip-Bu Tan blieb auch als Intel-Chef Geldgeber von Classiq.
- Intels Pressemitteilung nennt die Beteiligung nicht, laut Calcalist verhandelte Tan nicht mit.
Was kauft Intel mit Classiq?

Classiq entwickelt seit 2020 eine Software, mit der Entwickler Quantenprogramme schreiben, ohne sich auf einen bestimmten Quantenprozessor festzulegen. Intel forscht seit 2015 an Qubits aus Silizium. „Der Zusammenschluss mit Classiq macht aus Intels Quantencomputing-Sparte einen Geschäftsbereich, der alles aus einer Hand liefert“, sagt Tan.[1]
Den Kaufpreis nennt Intel nicht. Zahlt der Konzern die von Calcalist genannte Summe, läge der Preis rund elfmal so hoch wie die gut 174 Millionen Euro, die Classiq seit der Gründung eingesammelt hat.[2][3] Bis zum Abschluss im ersten Halbjahr 2027 bleiben beide Firmen eigenständig.
Wie eng ist Tan mit Classiq verbunden?
Bei der Finanzierungsrunde über 95,7 Millionen Euro im Mai 2025 zählte Tan laut CTech weiter zu den Geldgebern, zwei Monate nach seinem Wechsel an die Intel-Spitze.[3] Die Höhe seines Anteils ist nicht bekannt. Tan hatte von 2009 bis 2021 den Chipdesign-Spezialisten Cadence geführt. Im September beschrieb er Classiq in einem Podcast als Versuch, für Quantencomputer aufzubauen, was Cadence für das Chipdesign ist.
Laut Reuters führte Intel nach Tans Amtsantritt eine Befangenheitsregel ein: Hat Tan einen Interessenkonflikt, nimmt er an Entscheidungen von Verwaltungsrat und Intel Capital nicht teil.[3] Ähnlich lag der Fall beim KI-Chiphersteller SambaNova: Dort sitzt Tan dem Verwaltungsrat vor und laut Bloomberg stockten im Januar Gespräche über eine Übernahme durch Intel.[4]
Kaufpreis laut Calcalist, in bar und Aktien
Finanzierung von Classiq seit 2020
geplanter Abschluss des Kaufs
Tan hat Classiq früher erkannt als Intel. In die Pressemitteilung zum Kauf hätte seine Beteiligung trotzdem gehört.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Unternehmen im DACH-Raum?
Intel folgt einem Trend der Branche: IBM kaufte im Juli die Forschungslabore von HRL und wählte damit einen zweiten Weg zum Quantencomputer. Chiphersteller sichern sich so die Werkzeuge, mit denen Kunden programmieren. Aus dem DACH-Raum mischt Infineon mit und fertigt die Quantenchips des Zürcher Start-ups ZuriQ. Intel verspricht, Classiqs Anbindung an Quantenrechner anderer Hersteller weiter zu pflegen.[1] Nutzen Sie Classiq bereits, lassen Sie sich diese Zusage gerne schriftlich geben.
Der Deutsche Corporate Governance Kodex empfiehlt Vorständen, Interessenkonflikte unverzüglich dem Aufsichtsratsvorsitzenden offenzulegen.[5] Für Gründer heißt das: Ein prominenter Geldgeber kann Jahre später auf der Seite des Käufers stehen. Intels Lage beleuchtet unsere Analyse des Chip-Pioniers.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- IntelIntel to Acquire Classiq to Create a Full-stack Quantum Computing Platform (Pressemitteilung, englisch)
- Calcalist, über YnetnewsIntel to acquire Israeli quantum startup Classiq for $2.3 billion in record deal (englisch)
- CTechIntel CEO Lip-Bu Tan backed Classiq years before its acquisition (englisch)
- Bloomberg, über Bloomberg LawSambaNova Said to Seek Funding After Intel Takeover Talks Stall (englisch)
- Regierungskommission Deutscher Corporate Governance KodexE. Interessenkonflikte, Deutscher Corporate Governance Kodex in der Fassung von 2022, Empfehlung E.2
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