Zwischen 1,65 und 1,75 Mrd. Euro Umsatz erwartet Cancom für 2026, 100 Mio. Euro weniger als bisher geplant. Firmenkunden entscheiden langsamer und verschieben vor allem Projekte rund um den Arbeitsplatz, während knappe Speicherchips Notebooks und PCs verteuern. Seine Ergebnisziele bestätigt der Münchner IT-Dienstleister trotzdem.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenUm 17:59 Uhr am Montag verschickte Cancom eine Ad-hoc-Mitteilung: Im dritten Quartal setzte der Konzern nach vorläufigen Zahlen rund 412 Mio. Euro um, nach 423,9 Mio. Euro ein Jahr zuvor.[1] Der Vorstand hatte mit mehr gerechnet. Für IT-Entscheider im Mittelstand zeigen die Zahlen, wie stark das Zögern beim Gerätekauf inzwischen bei den Systemhäusern ankommt.
Das Wichtigste in Kürze
- Cancom erwartet für 2026 nur noch 1,65 bis 1,75 Mrd. Euro Umsatz, bisher waren 1,75 bis 1,85 Mrd. Euro geplant.[1]
- Die Ziele für das EBITDA (110 bis 130 Mio. Euro) und das EBITA (55 bis 75 Mio. Euro) bleiben.
- Im dritten Quartal sank das EBITDA von 27,1 auf 24,1 Mio. Euro, der Umsatz um knapp 3 %.
- Als Grund nennt Cancom längere Entscheidungswege und verschobene Projekte, vor allem im Geschäft mit Arbeitsplatz-IT.
Warum stockt ausgerechnet das Geschäft mit Arbeitsplätzen?

Der Vorstand führt den Rückgang auf die anhaltende Kaufzurückhaltung der Kunden zurück. Entscheidungen dauern länger, Projekte rutschen nach hinten, am deutlichsten im Bereich Workplace, also bei Notebooks, PCs und deren Einrichtung. Den Bedarf an Digitalisierung hält Cancom für strukturell hoch.[1]
Parallel verteuert sich die Hardware. Laut Gartner lieferten die Hersteller im dritten Quartal weltweit 55,4 Mio. PCs aus, 22,4 % weniger als ein Jahr zuvor, weil die Anbieter höhere Kosten für Arbeitsspeicher und Datenträger an die Käufer weitergeben.[2] IDC rechnet für 2026 mit 17 % höheren Durchschnittspreisen. Viele Käufer, private wie gewerbliche, hatten ihre Bestellungen laut den Marktforschern ins erste Quartal vorgezogen, um den Preiserhöhungen zuvorzukommen.[3] Michael Dell sieht in denselben Speicherchips den Engpass für die KI-Server seines Konzerns.
Wie passen weniger Umsatz und das bestätigte Gewinnziel zusammen?
Im ersten Halbjahr verdiente Cancom an jedem Euro Umsatz mehr als ein Jahr zuvor. Der Umsatz sank von 803,8 auf 775,9 Mio. Euro, der Rohertrag stieg dagegen um 2,2 % auf 343,3 Mio. Euro. Das EBITDA legte um 34 % auf 49,2 Mio. Euro zu. Konzernchef Rüdiger Rath sprach von einem Halbjahr, das „spürbar von verzögerten Investitionsentscheidungen unserer Kunden“ geprägt gewesen sei, und verwies auf die Kostenkontrolle.[4]
Nach neun Monaten kommt Cancom nach Rechnung von Dr. Web auf rund 1,19 Mrd. Euro Umsatz und 73,3 Mio. Euro EBITDA. Für die Untergrenze der neuen Spanne braucht Cancom im Schlussquartal mindestens 462 Mio. Euro Umsatz und 36,7 Mio. Euro EBITDA, ein Jahr zuvor standen 484 und 38,7 Mio. Euro zu Buche.[5] Im Juli 2025 hatte Cancom die Prognose schon einmal wegen Kaufzurückhaltung angepasst,[6] am Jahresende erreichte der Konzern das neue Ziel.[5]
Was Cancom im vierten Quartal erreichen muss
Cancom verkauft weniger Notebooks und will trotzdem so viel verdienen wie geplant, weil Service mehr abwirft als Hardware.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt die Flaute für IT-Einkäufer?
Auf mehr Service und weniger Hardware setzt auch Bechtle, das seine Umsatzrendite vor Steuern bis 2030 von 3,6 auf 5,0 % heben will. Cancom sucht neue Erlöse unter anderem als Partner der Behörden-Cloud Delos. Über die Gerätepreise entscheiden allerdings Speicherhersteller und PC-Marken, nicht die Händler. Für die Planung 2027 folgt daraus:
- Ersatzbedarf für 2027 gehört früh in den Rahmenvertrag, mit festen Preisen und Lieferterminen. Eine Entspannung bei den Speicherchips erwartet IDC nicht vor Ende 2027.
- Für Standardarbeitsplätze lohnt der Blick auf generalüberholte Notebooks und PCs, die vorhandene Budgets strecken.
Den vollständigen Neunmonatsbericht legt Cancom am 12. November vor.[1] Erst dann zeigt sich, ob die Kunden im Schlussquartal nachziehen.
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Cancom SECANCOM SE publishes preliminary Q3 2026 figures and revises its revenue forecast for the 2026 financial year (Ad-hoc-Mitteilung nach Art. 17 MAR, 26. Oktober 2026, 17:59 Uhr)
- GartnerGartner Says Worldwide PC Shipments Declined 22.4% in Third Quarter of 2026 As Component Cost Inflation Raised ASPs (12. Oktober 2026, vorläufige Zahlen)
- IDCPC Market Enters Volatile Territory as Memory Shortage Persists Through 2027
- Cancom SECANCOM continues to significantly strengthen profitability in H1.26 (11. August 2026), mit Zitat von Rüdiger Rath
- Cancom SEBusiness rebound continues: CANCOM meets 2025 forecast (12. Februar 2026, vorläufige Zahlen zum Geschäftsjahr 2025)
- Cancom SECANCOM SE veröffentlicht vorläufige Zahlen für das erste Halbjahr 2025 und passt Prognose für das Geschäftsjahr 2025 an (Ad-hoc-Mitteilung)
Mehr Newshunger?
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