Rund drei Viertel der nächsten Elektromodelle von VW, Skoda und Cupra könnten laut Manager Magazin die Elektronikarchitektur nutzen, die VW mit Xpeng für China entwickelt hat. Die Technik des US-Partners Rivian bliebe dann den teureren Modellen vorbehalten. Markenchef Thomas Schäfer rechnet mit 4 bis 5 Mrd. Euro weniger Entwicklungskosten, entschieden hat der Vorstand noch nicht.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenStellen Sie sich vor, der elektrische Golf rollt 2029 mit Zonenrechnern vom Band, deren Software Ingenieure in China geschrieben haben. Markenchef Thomas Schäfer schlägt laut Manager Magazin genau diesen Weg vor.[1] Nach Angaben von Reuters, die sich auf den Bericht stützt, will Schäfer den Plan an diesem Dienstag der Konzernspitze vorstellen. Volkswagen äußerte sich nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Laut Manager Magazin sollen rund drei Viertel der kommenden E-Modelle von VW, Skoda und Cupra die China-Architektur CEA nutzen, darunter der ID. Golf und ein elektrischer Octavia.[1]
- Die Rivian-Technik bliebe teureren Modellen vorbehalten, in das Gemeinschaftsunternehmen investiert VW bis zu 5,8 Mrd. Dollar.[3]
- Schäfer erwartet laut dem Bericht 4 bis 5 Mrd. Euro weniger Entwicklungskosten, große Modelle würden bis zu 8.000 Euro je Auto günstiger.
- Der Vorstand hat den Plan noch nicht freigegeben, die Pressestelle lehnte einen Kommentar ab.
Warum kommt die Software aus China so viel billiger?

Am stärksten schlagen laut Manager Magazin die Stundensätze zu Buche. Eine Entwicklerstunde kostet VW in China rund 60 Euro, in Deutschland rund 120 Euro und im Gemeinschaftsunternehmen mit Rivian rund 174 Euro.[1] Hinzu kommt die Bauweise.
Die China Electrical Architecture, kurz CEA, hat VW im April 2024 angekündigt. Entwickelt haben das System Xpeng, die VW-Tochter VCTC und Cariad China.[2] Statt vieler einzelner Steuergeräte bündeln wenige Zonenrechner die Funktionen eines Fahrzeugbereichs, laut VW sinkt die Zahl der Steuergeräte so um bis zu 30 %. Gegenüber dem Elektrobaukasten MEB wollten die Partner die Kosten der China-Plattform um 40 % senken. Dass Xpeng-Technik allein noch keine Käufer bringt, zeigt der schwache Absatz des ID. Unyx 08 in China.
Was bleibt dann für Rivian?
VW und Rivian starteten ihr Gemeinschaftsunternehmen im November 2024, Volkswagen sagte bis zu 5,8 Mrd. Dollar zu. Die ersten Konzernmodelle mit Rivian-Architektur sollten ab 2027 kommen, als erstes der ID. Every1.[3] Seit der Gründung hat der Konzern weitere Bausteine nach außen vergeben, beim automatisierten Fahren etwa laut Spiegel an das Londoner Unternehmen Wayve.
Ganz verzichten kann VW auf Rivian nicht. Das US-Handelsministerium verbietet ab dem Modelljahr 2027 den Verkauf von Neuwagen, deren Software für Vernetzung oder automatisiertes Fahren von Firmen unter chinesischer Kontrolle stammt.[4] Für die Marke Scout und das geplante Audi-Werk in Georgia scheidet die CEA damit aus. Der Konzern müsste also zwei Architekturen parallel pflegen, eine für China und Europa und eine für Nordamerika.
Zwei Architekturen, ein Konzern
Bei Rivian kostet die Entwicklerstunde fast dreimal so viel wie in China, gegen diese Rechnung kommt keine Strategie an.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Plan für Flotten und Zulieferer in Europa?
Die Verantwortung für den Code bleibt beim Hersteller, egal wo die Software entsteht. Seit Juli 2024 müssen alle Neuwagen in der EU die UN-Regelungen R155 und R156 erfüllen: Ohne zertifiziertes Managementsystem für Cybersicherheit und Software-Updates erhält kein Modell eine Typgenehmigung.[5] Für Einkäufer und Lieferanten folgt daraus:
- Fuhrparkleiter fragen bei künftigen VW-Elektroautos nach, in welchen Rechenzentren die Fahrzeugdaten liegen und wer die Updates verteilt.
- Zulieferer mit Steuergeräten oder Software für die MEB-Nachfolger kalkulieren ein, dass Entwicklungsaufträge nach China wandern. Bei der VW-Softwaretochter Cariad stehen bereits rund 1.000 Stellen zur Disposition.
Über die Architektur des ID. Golf entscheidet VW also bereits Jahre vor dem Marktstart, den der Konzern laut Manager Magazin auf 2029 verschoben hat.[1]
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Manager MagazinVolkswagen: VW will China-Software für zentrale Modelle und nicht Rivian (26. Oktober 2026, hinter Bezahlschranke)
- CariadSmart vehicles at ‚China speed‘
- Rivian und Volkswagen GroupFaster, leaner, more efficient: Rivian and Volkswagen Group announce the launch of their joint venture (Pressemitteilung)
- Bureau of Industry and SecurityCommerce Finalizes Rule to Secure Connected Vehicle Supply Chains from Foreign Adversary Threats
- EUR-LexVerordnung (EU) 2019/2144 über die Typgenehmigung von Kraftfahrzeugen hinsichtlich ihrer allgemeinen Sicherheit
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