Rund zehn Kilometer lang ist die 380-Kilovolt-Leitung, die der Netzbetreiber TenneT am Montag in Salzgitter in Betrieb nimmt. Den Strom braucht vor allem die Salzgitter AG, deren Elektrolichtbogenofen im ersten Halbjahr 2027 den ersten CO2-armen Stahl liefern soll. Offen bleibt, wann Wasserstoff das Erdgas ersetzt und was aus den beiden übrigen Hochöfen wird.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen„Richtig ist, dass der ‚grüne‘ Stahl zunächst erstmal teurer sein wird“, sagt Salzgitter-Chef Gunnar Groebler.[4] Für den Umbau seines Werks rechnet der Konzern mit deutlich mehr Strombedarf. Die Leitung dafür nimmt TenneT heute in Betrieb, zusammen mit dem Umspannwerk Bleckenstedt/Süd und der Schaltanlage Liedingen.[1][2]
Das Wichtigste in Kürze
- Die 380-kV-Freileitung verbindet Liedingen mit Bleckenstedt/Süd und verbessert neben dem Stahlwerk auch die Versorgung anderer Betriebe und Haushalte.
- Salzgitter investiert 2,7 Milliarden Euro in die erste Umbaustufe, rund eine Milliarde Euro kommt als Förderung von Bund und Land.
- Der Elektrolichtbogenofen ersetzt einen Hochofen, über die beiden anderen will der Konzern frühestens 2028 entscheiden.
- ArcelorMittal hat vergleichbare Pläne in Bremen und Eisenhüttenstadt 2025 trotz zugesagter Förderung aufgegeben.
Wofür braucht ein Stahlwerk eine eigene Höchstspannungsleitung?

Im Hochofen entzieht Koks dem Eisenerz den Sauerstoff und liefert zugleich die Hitze. Im neuen Verfahren von Salzgitter übernimmt diese Aufgabe eine 140 Meter hohe Direktreduktionsanlage, zuerst mit Erdgas, später mit Wasserstoff.[3][4] Das Ergebnis sind graue Kugeln aus Eisenschwamm, die ein Elektrolichtbogenofen zu Rohstahl schmilzt. Der Energiebedarf wandert damit von der Kokerei ins Stromnetz. Schon das Erdgas soll den CO2-Ausstoß ungefähr halbieren,[4] mit Wasserstoff will Salzgitter bis zu 95 Prozent einsparen.[3]
Vom Projektstart bis zum Baubeginn im März 2024 vergingen rund drei Jahre, im Bundesbedarfsplan steht die Leitung als Abschnitt des Vorhabens 59.[2] TenneT setzte dafür 26 Masten mit 44 bis 70 Metern Höhe. Einen Teil des Grünstroms hat sich Salzgitter bereits gesichert, mit einem Liefervertrag für Solarstrom samt Batteriespeicher.
Warum hält Salzgitter am Umbau fest, während andere aussteigen?
ArcelorMittal ist 2025 ausgestiegen. Der Konzern verzichtete auf 1,3 Milliarden Euro Förderung für Bremen und Eisenhüttenstadt, weil sich der Umbau unter den Marktbedingungen nicht rechne.[5] Vergangene Woche legte Heidelberg Materials die CO2-Abscheidung in Geseke auf Eis, weil Transport und Speicherung unsicher sind. Salzgitter bleibt bei der ersten Stufe und plant in Duisburg für die Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) Deutschlands größten Elektrolichtbogenofen. Für den Rest nimmt sich der Konzern mehr Zeit: Über die beiden übrigen Hochöfen in Salzgitter entscheidet er frühestens 2028.[4]
Den Engpass verlagert die Leitung nur. Erdgas kostet ein Vielfaches des Preises zu Beginn der Planung, und für Wasserstoff fehlen Mengen und ein Transportnetz.[4] Wie teuer ein fehlender Netzanschluss wird, zeigt Microsoft: Laut Telegraph steigt der Konzern aus einem Rechenzentrum in Essex aus, dessen Anschluss erst in den 2030er-Jahren käme.
Salzgitter hat jetzt die Leitung für den grünen Stahl, über die Rendite entscheiden die Preise für Erdgas und Wasserstoff.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet der Anschluss für Stahlkunden und andere Industriebetriebe?
Einkäufer müssen nicht bis 2027 warten. Salzgitter verkauft unter der Marke SALCOS schon heute Träger und Profile der Tochter Peiner Träger, im Elektroofen aus Schrott und mit Ökostrom geschmolzen: 299 Kilogramm CO2-Äquivalent je Tonne.[6] Fragen Sie für die Emissionsbilanz Ihrer Lieferkette (Scope 3) gerne nach der Einstufung im Low Emission Steel Standard (LESS), einer Kennzeichnung für CO2-armen Stahl, und nach der Umweltproduktdeklaration.
Betriebe mit eigenen Plänen zur Elektrifizierung sollten den Netzanschluss früh anfragen. In Salzgitter dauerte der Weg vom Plan bis zum Strom mehr als fünf Jahre, und in Duisburg stößt das Stromnetz zur Spitzenlast schon an seine Grenzen.
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- NDRHöchstspannungsleitung für Salzgitter AG nimmt Betrieb auf
- TenneTIndustrieleitung Salzgitter: Die Lebensader für die industrielle Transformation (Factsheet zum Baustart, PDF)
- Salzgitter AGSALCOS: Salzgitter Low CO2 Steelmaking (Programmseite, abgerufen am 26. Oktober 2026)
- NDRSalzgitter AG: Endspurt beim Umbau zu grünem Stahl
- ArcelorMittalArcelorMittal Europe urges faster implementation of Steel and Metals Action Plan
- Salzgitter AGSALCOS: CO2-reduzierte Stahlprodukte (Produktseite, abgerufen am 26. Oktober 2026)
Mehr Newshunger?
- Salzgitter schließt Deutschlands größten Solar-Batterie-Vertrag für grünen Stahl
- Deutschlands größter Elektrolichtbogenofen: Salzgitter startet den HKM-Umbau
- Salzgitter hebt die Prognose auf 825 Millionen Euro und übernimmt HKM ganz
- Salzgitter verkauft DESMA und konzentriert sich auf den grünen Stahl
- Heidelberg Materials pausiert CO2-Abscheidung in Geseke, Transport und Speicherung sind zu unsicher
- Saarland und Stahlindustrie geben 50 Millionen Euro für Siliziumkarbid aus Dillingen
- Swiss Steel will Edelstahlwerke in Hagen und Krefeld verkaufen oder schließen
- MaxSolar baut in Ansbach 100 Megawattstunden Speicher für das Verteilnetz
- Eisen: Der Strompreis entscheidet über Europas Stahl
- Kokskohle: der Rohstoff, an dem Deutschlands Stahl hängt
