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Heidelberg Materials setzt sein CO2-Abscheideprojekt GeZero im Zementwerk Geseke vorerst aus. Ab 2029 sollte die Anlage jährlich 700.000 Tonnen CO2 abscheiden, die EU fördert das Vorhaben mit rund 191 Millionen Euro. Dem Konzern fehlt eine verlässliche Kette für Transport und Speicherung des Gases.

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Im norwegischen Brevik scheidet ein Zementwerk von Heidelberg Materials seit Juni 2025 CO2 im industriellen Maßstab ab, im britischen Padeswood baut der Konzern seit Dezember 2025 die nächste Anlage.[1] Das deutsche Vorzeigeprojekt in Geseke im Kreis Soest pausiert er dagegen in der bisherigen Form. Für den laufenden Betrieb des Werks ändert sich laut Mitteilung nichts.[1]

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Heidelberg Materials pausiert GeZero und will das Projekt neu zuschneiden.
  • Geplant waren rund 700.000 Tonnen abgeschiedenes CO2 im Jahr bei mehr als 500 Millionen Euro Investition.
  • Als Grund nennt der Konzern das wirtschaftliche Risiko bei Transport und Speicherung.
  • Der Konzern fordert eine staatliche Absicherung für Vorreiter und CO2-Speicher an Land.

Warum pausiert Heidelberg Materials GeZero?

Modellbahnszene: CO2-Kesselwagen am Prellbock mit „Pause“-Schild
Heidelberg Materials pausiert CO2-Abscheidungsanlage in Geseke wegen fehlender Transport- und Speicherlösungen für CO2

Heidelberg Materials begründet die Pause mit der Wertschöpfungskette, an der die Anlage hängt. Lösungen für Transport und Speicherung des CO2 stünden nicht rechtzeitig und nicht mit einem akzeptablen wirtschaftlichen Risiko für den Konzern als Emittenten bereit.[1] Christoph Streicher, General Manager Deutschland, spricht von einem Entschluss „nach sorgfältiger Abwägung“, der Standort Geseke bleibe „von großer Bedeutung“.[1]

Wo hakt die Kette?

Geseke liegt im Binnenland, ohne direkten Zugang zu einer Wasserstraße. Nach dem Plan von 2023 sollte das verflüssigte CO2 per Bahn zum Umschlagterminal des damaligen Partners Wintershall Dea in Wilhelmshaven fahren und von dort per Schiff oder Pipeline zu Speicherstätten unter der Nordsee gelangen.[2] Bahn, Hafen, Leitung und Speicher betreiben andere Unternehmen. Ist ein Glied beim Start nicht fertig, steht eine Anlage für mehr als eine halbe Milliarde Euro ohne Abnehmer für ihr CO2 da.

Abscheiden kann Heidelberg Materials, das zeigt Brevik. In Geseke fehlt der Anschluss, und den baut kein Zementwerk allein.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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GeZero: Was in Geseke geplant war
Das CO₂-Abscheideprojekt von Heidelberg Materials liegt seit dem 22. Oktober 2026 auf Eis
700.000 t
CO₂ pro Jahr sollte die Anlage abscheiden
3,5 %
der Emissionen der deutschen Zementindustrie entspricht diese Menge
über 0,5 Mrd. €
Gesamtinvestition, davon rund 191 Mio. € aus dem EU-Innovationsfonds
2029
geplanter Start, nicht mehr zu halten
Die geplante Kette vom Ofen bis zum Speicher
Werk Geseke
Abscheiden
Oxyfuel-Ofen der zweiten Generation, CO₂ wird gereinigt und verflüssigt
Werk Geseke
Verladen
Zwischenspeicher und Bahnverladung auf dem Werksgelände
Bahn
Wilhelmshaven
Umschlagterminal des Speicherpartners
Schiff oder Pipeline
Nordsee
Transport zu den Speicherstätten auf See
Speicher
unter dem Meeresboden
ehemalige Öl- und Gaslagerstätten oder salzwasserführende Gesteinsschichten

Was fehlt in Deutschland noch?

Seit der Änderung des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes im November 2025 sind Speicher zulässig, die weitgehend unter der ausschließlichen Wirtschaftszone in der Nordsee liegen. Unter dem Festland darf CO2 nur gespeichert werden, wenn ein Bundesland das für sein Gebiet erlaubt.[3] Genau diese Option nennt Heidelberg Materials als Hebel für Binnenstandorte und verlangt zusätzlich eine staatliche Risikoabsicherung für Vorreiter.[1]

Die EU setzt mit der Netto-Null-Industrie-Verordnung bis 2030 das Ziel einer Speicherkapazität, die jährlich 50 Millionen Tonnen CO2 aufnimmt.[4] Was aus der Förderung des EU-Innovationsfonds über rund 191 Millionen Euro wird, lässt die Mitteilung offen.[5]

Ist GeZero ein Einzelfall?

Im August hat Heidelberg Materials bereits die CO2-Abscheidung in Edmonton gestoppt, dort wegen des niedrigen CO2-Preises in Kanada. Technisch funktioniert die Abscheidung bereits: Im Heidelberg-Materials-Werk Mergelstetten läuft seit Juli eine Oxyfuel-Anlage im industriellen Maßstab, das Verfahren, auf das auch GeZero setzt. Der Konzern will nun zuerst die Projekte umsetzen, bei denen sich das Geschäft schon rechnet.[1] Vollständig dekarbonisierter Zement aus Geseke kommt damit nicht wie geplant ab 2029 auf den Markt.

Quellen

5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Heidelberg MaterialsGeZero: Umsetzung des CO₂-Abscheideprojekts pausiert – Standort Geseke bleibt von großer Bedeutung (Mitteilung vom 22. Oktober 2026)
  2. Heidelberg MaterialsErstes vollständig dekarbonisiertes Zementwerk in Deutschland: Heidelberg Materials erhält Förderung aus dem EU-Innovationsfonds (Mitteilung vom 13. Juli 2023, PDF)
  3. Kohlendioxid-Speicherungsgesetz§ 2 Geltungsbereich, landesrechtliche Gebietsbestimmung, Absätze 3 und 5
  4. Verordnung (EU) 2024/1735 (Netto-Null-Industrie-Verordnung)Artikel 20, Unionsziel für die CO₂-Injektionskapazität
  5. Heidelberg MaterialsGeZero (Projektseite, abgerufen am 23. Oktober 2026)

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