Der finnische Edelstahlkonzern Outokumpu baut seine Anlage für Biokohle im Fährhafen Sassnitz-Mukran nicht. Rund 40 Millionen Euro und 25 Arbeitsplätze hatte der Konzern im Dezember 2024 angekündigt, der Mietvertrag mit dem Hafen ist aufgehoben. Gescheitert ist das Projekt an der Abwärme: Für die Wärmemengen fehlen auf Rügen die Abnehmer.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Aufgrund der wirtschaftlichen Betrachtung haben wir entschieden, die ursprüngliche Planung aufzugeben“, sagte eine Outokumpu-Sprecherin laut Deutscher Presse-Agentur.[1] Zuerst hatte der NDR über den Rückzug berichtet. Als Gründe nennt Outokumpu veränderte Rahmenbedingungen und die begrenzte Möglichkeit, die Abwärme regional abzusetzen.
Das Wichtigste in Kürze
- Outokumpu gibt die geplante Biokohle-Anlage in Sassnitz-Mukran auf.
- Angekündigt waren im Dezember 2024 rund 40 Millionen Euro und bis zu 25 feste Stellen.
- Sassnitz kann die Abwärme nicht aufnehmen, die den Einkauf des Altholzes finanzieren sollte.
Was hatte Outokumpu in Mukran vor?

Im Dezember 2024 beschloss Outokumpu, rund 40 Millionen Euro in eine Anlage zu investieren, die jährlich 15.000 Tonnen Biokohle aus Altholz herstellen sollte. Der Betrieb sollte im ersten Halbjahr 2026 starten.[2] Platz bot das frühere Betonummantelungswerk im Hafen, das einst Rohre für Nord Stream 2 ummantelte.[1]
Das Granulat sollte per Schiff nach Tornio in Finnland gehen, wo eine Pelletieranlage daraus Biokoks presst, der bei der Herstellung von Ferrochrom fossilen Koks ersetzt. Ferrochrom liefert das Chrom, ohne das Edelstahl rostet. Laut Outokumpu ließen sich so rund 50 Prozent der direkten Emissionen senken. Der Konzern verwies zudem auf den möglichen Wegfall der kostenlosen Zuteilung im EU-Emissionshandel.[2]
Über Investitionsbeschluss und Mietvertrag kam das Projekt nicht hinaus. Im Hafen sind laut Ostdeutscher Allgemeiner Zeitung nur Vorarbeiten geleistet, die ein anderer Investor nutzen könnte.[3]
Warum rechnete sich die Anlage nicht?
Bei der Pyrolyse zerlegt Hitze unter Luftabschluss das Altholz in festen Kohlenstoff und brennbare Gase, aus denen Outokumpu am Standort Wärme und Strom erzeugen wollte.[2] Geplant war, die Abwärme ins Fernwärmenetz von Sassnitz einzuspeisen und damit den Einkauf des Abfallholzes zu finanzieren.[1]
Berechnungen ergaben laut Ostdeutscher Allgemeiner Zeitung, dass die rund 9.000 Einwohner der Stadt diese Wärmemengen nicht aufnehmen können.[3] Ohne Wärmeerlös hätte Outokumpu Holz, Betrieb und Schiffstransport allein über die Biokohle bezahlen müssen.
Anlagen dieser Art brauchen neben Halle und Kai einen Wärmeabnehmer in der Nähe. Hafenchef Henry Forster will die Wärme deshalb im Umkreis von 10 bis 20 Kilometern verteilen und arbeitet an einem Energiekonzept für ganz Rügen.[3]
Was bedeutet die Absage für Sassnitz?
Die Stadt verliert erhoffte Gewerbesteuer und 25 geplante Stellen, bestehende Arbeitsplätze fallen nicht weg.[3] Bürgermeister Leon Kräusche (parteilos) nannte die Entscheidung schade, zumal Stadt und Unternehmen intensiv zusammengearbeitet hätten. Der Hafen verweist auf rund 400 Hektar Gewerbefläche und auf weitere, noch ungenannte Interessenten.
Mukran reiht sich in eine Serie gestoppter Ansiedlungen ein. McCain baut die Pommesfabrik in Mehrum trotz 60 Millionen Euro Fördergeld vorerst nicht. Intel steckt fünf Milliarden Euro in Irland, während Magdeburg leer ausgeht. In Mecklenburg-Vorpommern will Breyden die Eisengießerei in Ueckermünde schließen, EEW streicht in Rostock rund 100 Stellen.
Wirtschaftsförderungen und Hafenbetreiber können aus Mukran eine Prüffrage mitnehmen: Steht für die Abwärme ein Abnehmer fest, bevor der Mietvertrag unterschrieben ist? Für das frühere Nord-Stream-Werk beginnt die Mietersuche von vorn.
Quellen
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