Die Netze Duisburg haben im Stadtteil Meiderich ein neues Umspannwerk für rund 21 Millionen Euro in Betrieb genommen. Bis 2031 will die Tochter der Stadtwerke Duisburg 200 Millionen Euro in das Stromnetz der Stadt stecken. Den Grund nennt sie in derselben Mitteilung: Die Spitzenlast, die Duisburg aus dem Übertragungsnetz beziehen kann, ist ausgeschöpft.[1]
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenFür Unternehmen ist das eine Standortfrage. Wer in Duisburg ein Rechenzentrum, einen Batteriespeicher oder einen Ladepark mit hoher Leistung anschließen will, bekommt sie nur noch über ein Zuteilungsverfahren.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Umspannwerk Meiderich kostete rund 21 Millionen Euro und versorgt bis zu 15.000 Haushalte im Duisburger Norden.
- Bis 2031 investieren die Netze Duisburg 200 Millionen Euro, geplant sind unter anderem zwei weitere Umspannwerke.
- Die verfügbare Spitzenlast von 400 Megavoltampere muss sich laut Netzbetreiber langfristig mehr als verdoppeln.
Was haben die Netze Duisburg in Meiderich gebaut?

Das neue Umspannwerk steht direkt neben seinem Vorgänger. Drei Jahre Planung und drei Jahre Bau hat es gebraucht. Die Anlage setzt die Hochspannung von 110.000 Volt auf 10.000 Volt herab und leitet den Strom in die Wohnviertel, wo Netzstationen ihn auf 400 Volt für die Haushalte bringen.[1]
Mit 21 Millionen Euro ist Meiderich nur ein kleiner Teil des Programms. Die 200 Millionen Euro bis 2031 gelten für das gesamte Stromnetz. Nach der heutigen Planung braucht Duisburg zwei weitere Umspannwerke, rund 900 neue Netzstationen und mehr als 2.500 Kilometer neue Leitungen. Heute ist das Stromnetz gut 5.000 Kilometer lang, alle Gemeindestraßen der Stadt kommen zusammen auf rund 1.900 Kilometer.[1]
Auf das Jahr gerechnet sind das rund 40 Millionen Euro. Das ist mehr als der Gewinn, den die Netzgesellschaft 2024 auswies: 29,8 Millionen Euro bei 366,2 Millionen Euro Umsatz.[3] Insgesamt wollen die Stadtwerke Duisburg in den kommenden Jahren mehr als drei Milliarden Euro in die Energiewende vor Ort investieren, die Hälfte des bestehenden Stromnetzes muss dafür modernisiert oder neu gebaut werden.[3]
Warum reicht die Leistung in Duisburg nicht mehr?
Wärmepumpen und Elektroautos erhöhen den Leistungsbedarf in den Wohngebieten, gleichzeitig speisen immer mehr Solaranlagen Strom ein. Dazu kommen Betriebe, die Prozesse von Gas und Öl auf Strom umstellen. Die Anträge auf zusätzliche Leistung steigen nach Angaben der Netze Duisburg seit Jahren.[1]
Der Engpass liegt im vorgelagerten Netz. Der Strom für das Duisburger Netz wird laut Netzbetreiber nicht vor Ort erzeugt, er kommt über Hochspannungsleitungen aus dem Übertragungsnetz von Amprion, und zwar an nur zwei Übergabepunkten. Dort stehen 400 Megavoltampere Spitzenlast zur Verfügung. „Die Spitzenlast erreicht inzwischen ihre Kapazitätsgrenze“, heißt es in der Mitteilung. Zusätzliche Einspeisepunkte stimmt der Netzbetreiber mit Amprion ab, ein Termin steht nicht in der Mitteilung.[1]
Auch die Stadtwerke bauen ihre Erzeugung um. Im Energiepark Wanheim ersetzen sie bis Ende 2029 für rund 200 Millionen Euro einen Gasturbinenblock aus den 1970er-Jahren. Rheinwasser-Wärmepumpen und bis zu zwei Elektrokessel mit je 30 Megawatt thermischer Leistung machen dort Wärme aus Strom, Blockheizkraftwerke mit zusammen rund 67 Megawatt elektrischer Leistung erzeugen Strom und Wärme.[2] Das ist ein eigenes Projekt neben dem Netzausbau.
Duisburg kann sein Verteilnetz für 200 Millionen Euro ausbauen. Wie viel Leistung in der Stadt ankommt, hängt trotzdem an zwei Übergabepunkten. Wer hier ein Rechenzentrum plant, sollte zuerst danach fragen.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zusätzlich zum neuen Werk in Meiderich.
Sie bringen den Strom auf 400 Volt für Haushalte und Betriebe.
Das heutige Netz ist gut 5.000 km lang.
Neue Übergabepunkte aus dem Amprion-Netz, ohne genannten Termin.
Was bedeutet der Engpass für Unternehmen in Duisburg?
Für Vorhaben mit mehr als fünf Megavoltampere, etwa Rechenzentren, Batteriespeicher oder Schnellladeparks, haben die Netze Duisburg 2024 ein standardisiertes Vergabeverfahren eingeführt. Neben dem direkten Anschluss sind darin flexible oder regelbare Anschlüsse vorgesehen, bei denen der Netzbetreiber die Leistung zeitweise drosseln kann, sowie eine anteilige Verteilung der freien Leistung.[1]
Wie knapp 400 Megavoltampere für eine Großstadt sind, zeigt ein Vergleich: Für das Rechenzentrum in Trebbin südlich von Berlin rechnet der Vorhabenträger mit rund 180 Megawatt. Ein einziges Projekt dieser Größe bräuchte rechnerisch fast die Hälfte der Leistung, die heute für ganz Duisburg bereitsteht. Megavoltampere und Megawatt sind nicht identisch, die Größenordnung stimmt aber.
Duisburg ist mit dem Problem nicht allein. In Dresden steckt SachsenNetze bis 2030 rund 300 Millionen Euro ins Stromnetz, weil sich der Bedarf der Stadt mit den Chipfabriken im Norden verdreifachen soll. Wie teuer ein fehlender Anschluss werden kann, zeigte sich zuletzt in England: Microsoft stieg laut Telegraph bei Nscales Rechenzentrum in Essex aus, nachdem der Netzanschluss erst für die 2030er-Jahre in Aussicht stand.
Unternehmen, Projektentwickler und Bauherren sollten deshalb früh mit konkreten Leistungsdaten auf den Netzbetreiber zugehen, empfiehlt Geschäftsführer Andreas Massing: „Je früher wir von größeren Vorhaben wissen, desto besser können wir sie in unserer Netzplanung berücksichtigen.“ Für Duisburg, wo Betriebe zunehmend auf Strom umstellen, wird die freie Anschlussleistung damit zum Standortfaktor. Wie schnell sie wächst, entscheidet sich bei den neuen Einspeisepunkten aus dem Übertragungsnetz.[1]
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Rundschau Duisburg (Mitteilung der Netze Duisburg)Stromnetz: Netze Duisburg investieren 200 Millionen Euro in neues Umspannwerk
- Stadtwerke DuisburgStartschuss zur Modernisierung des Energieparks Wanheim: Stadtwerke Duisburg investieren 200 Millionen Euro
- ZfKDuisburg setzt auf Großwärmepumpen und investiert massiv in die Stromnetze
Mehr Newshunger?
- SachsenNetze investiert 300 Millionen Euro ins Dresdner Stromnetz: Der Bedarf soll sich bis 2030 verdreifachen
- 180-Megawatt-Rechenzentrum in Trebbin: Der Bau läuft, die Betriebsgenehmigung fehlt
- Microsoft steigt laut Telegraph bei Nscale in Essex aus: Der Netzanschluss kommt erst in den 2030ern
- MaxSolar baut in Ansbach 100 Megawattstunden Speicher für das Verteilnetz
- Hochtief plant laut Handelsblatt eine Bewerbung um eine KI-Gigafactory der EU
- Stadtwerke Duisburg investieren 200 Millionen Euro in Wanheim und holen Fernwärme aus dem Rhein
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