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Der Essener Baukonzern Hochtief bereitet laut Handelsblatt eine eigene Bewerbung um eine KI-Gigafactory vor. Die EU will bis zu sieben solcher Rechenzentren mitfinanzieren, als Partner von Hochtief ist Vodafone im Gespräch.

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Am 1. Oktober verschob das EU-Gemeinschaftsunternehmen EuroHPC die Frist für seine Ausschreibung um drei Wochen: Angebote sind nun bis zum 3. Dezember um 17 Uhr möglich statt bis zum 12. November.[5] Mehr Zeit bleibt damit auch für Konsortien, die sich gerade erst bilden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Hochtief verhandelt laut Handelsblatt mit mehreren Partnern, darunter Vodafone, und prüft verschiedene Standorte.
  • Die spanische Hochtief-Mutter ACS plant laut Bericht ein eigenes Angebot mit Telefónica und Santander.
  • Die EU und ihre Mitgliedstaaten wollen bis zu sieben Anlagen mit bis zu 10 Milliarden Euro unterstützen.
  • Das Geld fließt in den Kauf von Rechenzeit, der größte Teil stammt aus dem EU-Haushalt ab 2028.

Was plant Hochtief?

Kranmodell hebt Serverschrank und orange Tafel mit Text „Bis 3.12.“ vor weißem Hintergrund
Hochtief verhandelt mit Vodafone über gemeinsame Bewerbung für Rechenzentrum an mehreren möglichen Standorten

Das Handelsblatt beruft sich auf mehrere Personen aus dem Bewerberfeld.[1] Demnach verhandelt Hochtief mit möglichen Partnern über eine eigene Bewerbung, einer davon sei Vodafone. Für das Rechenzentrum prüft der Konzern laut Bericht mehrere Standorte. Hochtief und Vodafone wollten die Angaben auf Anfrage der Zeitung nicht kommentieren.

Schon im Juni 2025 reichte Hochtief zusammen mit Ionos bei der EU-Kommission eine Interessenbekundung für Bau und Betrieb einer KI-Gigafactory ein.[3] Ob Ionos noch zum Konsortium gehört, geht aus dem Bericht nicht hervor.

Laut Halbjahresbericht haben sich die Aufträge von Hochtief für Rechenzentren binnen zwölf Monaten mehr als verdoppelt, der Auftragsbestand des Konzerns erreichte 84,8 Milliarden Euro. Zu den jüngsten Aufträgen zählen Rechenzentren für Meta in Kanada und den USA und ein Projekt für NTT Global in Berlin.[4] Viel Wachstum hängt so an wenigen Großkunden, ein mögliches Klumpenrisiko.

Warum dürfen Mutter und Tochter nicht gemeinsam planen?

Laut Handelsblatt bewirbt sich auch die spanische Hochtief-Mutter ACS, gemeinsam mit Telefónica und der Bank Santander. Beide Bewerbungen gelten demnach den großen Anlagen mit mindestens 100.000 Spezialprozessoren.[1] Nach den Ausschreibungsbedingungen müssen ihre Angebote vollständig unabhängig voneinander entstehen. Rechtlich sind beide Unternehmen eigenständig, ACS hält aber die Mehrheit an Hochtief.

Die Trennung schützt den Wettbewerb um die sieben Plätze. Stimmen Mutter und Tochter ihre Preise ab, treten sie nur noch zum Schein gegeneinander an.

Brüssel fördert keine Rechenzentren, sondern kauft Rechenzeit im Voraus. Den größten Teil der Rechnung bezahlt erst der nächste EU-Haushalt.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Europas Rechenzeit-Einkauf
Die Ausschreibung für KI-Gigafactories in Zahlen
bis zu 7
KI-Gigafactories, verteilt auf mindestens sieben EU-Staaten
10 Mrd. €
öffentliches Geld von EU und Mitgliedstaaten, verteilt auf zwei Lose mit 4 und 6 Milliarden Euro
20 Mrd. €
private Investitionen sollen mindestens hinzukommen
3. Dez.
endet die Angebotsfrist, ursprünglich war der 12. November vorgesehen
18 Monate
nach der Auswahl Anfang 2027 sollen die Anlagen spätestens in Betrieb gehen

Was bekommt die EU für ihr Geld?

EuroHPC und mehrere Mitgliedstaaten kaufen bei den ausgewählten Konsortien gemeinsam Rechenzeit ein, über einen Rahmenvertrag mit späteren Einzelaufträgen.[5] Die öffentliche Hand tritt damit als fester Großkunde auf und senkt das Risiko für private Geldgeber. Das Geld stammt zum Teil aus dem laufenden EU-Haushalt, zum größten Teil aus dem Finanzrahmen 2028 bis 2035.[2]

Jede Anlage muss mindestens drei- bis viermal so viele moderne KI-Prozessoren haben wie die stärksten KI-Fabriken in Europa. Außerdem verlangt EuroHPC eine ausreichende Anschlussleistung für Strom sowie sparsamen Umgang mit Energie und Wasser.[6]

Was bedeutet das für Unternehmen in Deutschland?

Auch die Telekom will sich bewerben und stellt rund eine Milliarde Euro für eine KI-Gigafactory in Aussicht. Über den Standort entscheidet oft der Netzanschluss: In Schladen-Werla steht der Anschluss für 200 Megawatt, ein Betreiber fehlt dort noch.

Unternehmen, die heute Rechenleistung für eigene KI-Modelle brauchen, müssen nicht bis 2028 warten. Über die 19 bestehenden KI-Fabriken vergibt EuroHPC schon jetzt Rechenzeit. Start-ups und Mittelständler erhalten über ein vereinfachtes Einstiegsverfahren binnen zwei Arbeitstagen einen Testzugang, für größere Vorhaben stehen eigene Antragswege offen.[7]

Quellen

7 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. HandelsblattKI: Baukonzern Hochtief plant eigene Bewerbung für ‚AI Gigafactory‘ (20. Oktober 2026, hinter Bezahlschranke)
  2. EuroHPC Joint UndertakingThe EuroHPC Joint Undertaking launches the AI Gigafactories Call30.07.2026
  3. IONOS GroupIONOS reicht Interessenbekundung für KI-Gigafactory ein (EQS-News)20.06.2025
  4. HochtiefPressemitteilung zum ersten Halbjahr 2026 (PDF)
  5. EU-Portal Funding & TendersCall for Tenders for the selection of Artificial Intelligence Gigafactory Consortia and the establishment of AI Gigafactories (EUROHPC/2026/OP/0008, Änderungsbekanntmachung vom 1. Oktober 2026)
  6. EuroHPC Joint UndertakingCall for tenders for the selection of Artificial Intelligence Gigafactory Consortia and the establishment of AI Gigafactories (Ausschreibungsseite)
  7. EuroHPC Joint UndertakingAI Factories Access Calls (Zugangswege Playground, Fast Lane und Large Scale)

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