Salesforce zahlt 47,50 Dollar je Braze-Aktie in bar, umgerechnet zum Kurs von 0,87 rund 41,30 Euro und laut Investing.com 58 Prozent über dem letzten Schlusskurs. Dafür bekommt der CRM-Konzern eine Plattform, die Push-Nachrichten, E-Mails und In-App-Nachrichten an das Verhalten der Nutzer koppelt, während sie die App noch geöffnet haben.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenVor 13 Jahren kaufte Salesforce den Newsletter-Dienst ExactTarget für rund 2,5 Milliarden Dollar, heute umgerechnet etwa 2,2 Milliarden Euro, und baute daraus die Marketing Cloud. Für Braze setzt der Konzern nun einen Unternehmenswert von rund 5,66 Milliarden Dollar an, umgerechnet etwa 4,9 Milliarden Euro.[1] Den Abschluss erwartet Salesforce im Geschäftsjahr 2028, das am 1. Februar 2027 beginnt.
Das Wichtigste in Kürze
- Salesforce übernimmt den New Yorker Anbieter Braze für rund 4,9 Milliarden Euro, Aktionäre und Behörden müssen noch zustimmen.
- Braze steuert Kundenkommunikation über App, Web, E-Mail, SMS und WhatsApp und zählt rund 2.770 Kunden.
- Braze betreibt getrennte Serverumgebungen für die EU. Für Kunden dort zählen nach dem Abschluss vor allem die Liste der Unterauftragsverarbeiter und das Wechselrecht aus dem Data Act.
Was kauft Salesforce mit Braze?

Braze speichert jede Aktion eines Nutzers als Ereignis und aktualisiert damit laufend sein Kundenprofil. Anhand dieses Profils entscheidet die Plattform, welche Nachricht über welchen Kanal und zu welchem Zeitpunkt verschickt wird. Laut Salesforce verarbeitet das System jährlich Billionen von Nachrichten und automatisierten Arbeitsschritten.[1] Im Quartal bis Ende Juli setzte Braze 227,2 Millionen Dollar um, rund 197,7 Millionen Euro und 26 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Operativ blieb nach US-Bilanzregeln ein Verlust von 18,1 Millionen Dollar, etwa 15,7 Millionen Euro.[2]
In der Mitteilung ordnet Salesforce Braze allen vier Ebenen seiner Plattform zu, von der Datenebene Data 360 bis zu den KI-Agenten in SIForce.[1] Konkret soll Braze die kanalübergreifende Personalisierung der Marketing Cloud stärken. Braze-Chef Bill Magnuson kündigte an, das Unternehmen werde unter dem Namen Braze weiterentwickelt.[1]
Warum zahlt Salesforce diesen Preis?
Die Marketing Cloud stammt aus der E-Mail-Welt von ExactTarget. Braze ist dagegen für Apps gebaut, mit In-App-Nachrichten, personalisierten Feeds und Anzeigen, die sich in Echtzeit aktualisieren. Im Massengeschäft mit Endkunden, etwa bei Lieferdiensten wie Instacart oder Bezahl-Apps wie Venmo, schließt Salesforce damit eine Lücke.
Dazu passt die Reihenfolge der Zukäufe. Im November 2025 schloss Salesforce die Übernahme des Datenspezialisten Informatica ab, rund acht Milliarden Dollar oder knapp 7 Milliarden Euro schwer.[3] Informatica ordnet die Daten, Braze soll auf dieser Grundlage die Nachrichten auslösen. Dass die KI-Agenten Umsatz bringen, ist noch nicht belegt: In einer Partnerbefragung nannte niemand Agentforce als Umsatztreiber. An der Börse kam der Preis laut Investing.com schlecht an, die Salesforce-Aktie gab am Dienstag, 20. Oktober, zunächst rund 3 Prozent nach.
Jede Übernahme verspricht offene Schnittstellen. Gemessen wird sie daran, was der Ausstieg nach drei Jahren kostet.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für Braze-Kunden in Europa?
Braze betreibt neben den US-Instanzen zwei EU-Instanzen, also getrennte Serverumgebungen mit eigenen Adressen unter braze.eu.[4] Wie Salesforce die Verträge der Braze-Kunden überführt, sagt die Mitteilung nicht. Kommen nach der Integration neue Unterauftragsverarbeiter hinzu, muss Braze seine Kunden nach der DSGVO vorher informieren. Diese können dann Einspruch erheben.[5]
Den Ausstieg regelt der Data Act. Verträge über Cloud-Dienste dürfen für einen Wechsel höchstens zwei Monate Kündigungsfrist vorsehen, danach bleiben 30 Tage für den Umzug. Ab dem 12. Januar 2027 sind Wechselentgelte ganz verboten.[6] Für Marketing-Verantwortliche mit Braze im Marketing-Stack heißt das:
- Die Liste der Unterauftragsverarbeiter abonnieren und jede Änderung nach dem Abschluss auf Datenübermittlungen in die USA prüfen.
- Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist notieren, damit eine Entscheidung nach dem Abschluss nicht an der Frist scheitert.
- Einen Export der Kundenprofile und Ereignisdaten testen, solange beide Anbieter noch getrennt arbeiten.
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- SalesforceSalesforce Signs Definitive Agreement to Acquire Braze
- Braze bei der US-Börsenaufsicht SECBraze Reports Strong Fiscal Second Quarter 2027 Results
- SalesforceSalesforce Completes Acquisition of Informatica
- Braze-EntwicklerdokumentationAPI basics, Abschnitt zu den Instanzen (abgerufen am 20. Oktober 2026)
- Amtsblatt der EUVerordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Art. 28 Abs. 2
- Amtsblatt der EUVerordnung (EU) 2023/2854 (Data Act), Art. 25 und 29
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