Zwei Jahre nach dem Start von Agentforce meldet Salesforce mehr als eine Milliarde Euro wiederkehrenden Jahresumsatz mit der Agentenplattform. In einer Partnerbefragung der Investmentbank TD Cowen nannte kein einziger Implementierungspartner Agentforce als Treiber der eigenen Abschlüsse. Der Abstand zwischen beiden Zahlen liegt im Preismodell.

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Agentforce steht seit knapp zwei Jahren im Markt. Die Bilanz fällt je nach Blickwinkel gegensätzlich aus. Salesforce-Chef Marc Benioff verweist auf 3,8 Milliarden abgearbeitete Agenten-Arbeitseinheiten, die Systemhäuser dagegen berichten TD Cowen von gedämpfter Nachfrage.

Das Wichtigste in Kürze

  • TD Cowen befragte Salesforce-Partner in den USA, in Europa und in Asien zur Nachfrage nach Agentforce.
  • Kein Befragter nennt Agentforce als Treiber der eigenen Abschlüsse.
  • Salesforce wies am 27. Mai 2026 rund 1,04 Milliarden Euro wiederkehrenden Jahresumsatz allein für Agentforce aus.
  • Gartner erwartet bis Ende 2027 den Abbruch von mehr als 40 Prozent aller Agentenprojekte.

Was sagen die Salesforce-Partner über Agentforce?

Vier leere, ein beschriftetes Becherglas sowie ein großes, volles Glas
Ein Drittel der Befragten zeigt starkes Interesse mit ersten Käufen, 56 Prozent erwarten Nachfrage später, nur ein Drittel der Partner erreichte ihre Ziele

Ein Drittel meldet Interesse, keiner meldet Umsatz. 33 Prozent der Befragten berichten von starkem Interesse samt ersten Kauf- und Testvorgängen, 56 Prozent erwarten die Nachfrage erst später, 11 Prozent sehen kaum unmittelbaren Bedarf. Über das gesamte Salesforce-Portfolio erreichte nur ein Drittel der Partner die eigenen Ziele, im Vorquartal lag der Anteil noch bei 43 Prozent.

Der Konzern selbst nennt andere Zahlen. Zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 wies Salesforce am 27. Mai 2026 einen wiederkehrenden Jahresumsatz von 1,2 Milliarden US-Dollar allein für Agentforce aus, umgerechnet rund 1,04 Milliarden Euro zum Kurs von 0,87 am 24. August 2026.[1] Wie eng das Agentengeschäft mit dem Konzernumbau verknüpft ist, zeigt ein Blick auf das Geschäftsmodell hinter dem CRM-Imperium. Große Einzelabschlüsse wie die Agentenlizenz für die US-Veteranenbehörde laufen ohnehin direkt über Salesforce.

Warum verdienen die Partner nichts daran?

Das Preismodell verlagert den Umsatz aus dem Projekt in den Verbrauch. Agentforce rechnet über Flex Credits ab. 100.000 Credits kosten 500 US-Dollar, also rund 435 Euro, eine Standardaktion kostet 20 Credits und damit knapp neun Cent. Ein Kunde startet damit ohne monatelanges Einführungsprojekt. Genau dieses Projekt war bisher die Einnahmequelle der Systemhäuser.

Die zweite Ursache steckt in den Daten. Analysten von KeyBanc Capital Markets berichten von Kunden, deren Unternehmensdaten für belastbare Agentenarbeit zu uneinheitlich sind. Ein Agent scheitert dann nicht am Sprachmodell, sondern an widersprüchlichen Stammdaten. Dieselbe Lücke beschreibt die Beobachtung, dass KI-Agenten die Aufgabe erledigen, aber nicht den Job.

Agentforce: die Zahl des Anbieters, die Zahl der Partner
Partnerbefragung von TD Cowen, Konzernzahlen von Salesforce, Stand 24. August 2026.
0 %
Partner mit Agentforce-Abschlüssen
Kein Befragter nennt Agentforce als Treiber der eigenen Abschlüsse, so die Partnerbefragung von TD Cowen
33 %
Partner mit starkem Interesse
Weitere 56 Prozent erwarten die Nachfrage erst später, 11 Prozent sehen kaum unmittelbaren Bedarf
1,04 Mrd. €
Agentforce-ARR bei Salesforce
Wiederkehrender Jahresumsatz zum 27. Mai 2026, umgerechnet aus 1,2 Mrd. US-Dollar zum Kurs 0,87 am 24. August 2026
über 40 %
Agentenprojekte vor dem Abbruch
Anteil, den Gartner bis Ende 2027 an steigenden Kosten, unklarem Nutzen oder fehlenden Risikokontrollen scheitern sieht
Die Abrechnung erklärt einen Teil des Abstands: Agentforce läuft über Flex Credits, 100.000 Credits kosten rund 435 Euro, eine Standardaktion knapp neun Cent. Der Kunde startet damit ohne großes Einführungsprojekt. Genau dieser Auftrag war bisher die Einnahmequelle der Partner.

Eine Umsatzzahl des Herstellers sagt nichts darüber, ob die Technik im eigenen Betrieb trägt. Das belastbare Signal liefern die Projekte der Partner, in denen sich bislang wenig bewegt.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was heißt das für Entscheider im DACH-Raum?

Der Engpass sitzt bei Kompetenz und Daten, nicht beim Sprachmodell. Gartner rechnet damit, dass bis Ende 2027 mehr als 40 Prozent aller Agentenprojekte an steigenden Kosten, unklarem Nutzen oder fehlenden Risikokontrollen scheitern. Von mehreren Tausend Anbietern hält Gartner nur etwa 130 für echte Agentenanbieter, beim Rest sehen die Analysten nur neu etikettierte Assistenten und Chatbots.[2]

Für deutschsprachige Betriebe kommt eine rechtliche Ebene dazu. Artikel 4 der KI-Verordnung verpflichtet Betreiber seit dem 2. Februar 2025 dazu, für ausreichende KI-Kompetenz ihres Personals zu sorgen. Bei jungen Firmen ist die Praxis weiter: 48 Prozent der von Bitkom befragten 102 Startups setzen bereits selbstständige KI-Agenten ein.[3] Im etablierten Mittelstand fehlt dagegen oft der Plan hinter dem Werkzeug, wie zuletzt der Fall Siemens Healthineers zeigte.

Vor der nächsten Agenten-Ausschreibung lohnen zwei Prüfungen: eine Verbrauchsprognose in Credits über zwölf Monate und ein Datencheck der Systeme, auf die der Agent zugreifen soll. Die Umsatzkurve des Anbieters ersetzt beides nicht. Weitere Artikel zum Thema stehen in der KI-Kategorie von Dr. Web.

Quellen

[1] Salesforce: „Salesforce Delivers Record First Quarter Fiscal 2027 Results“

[2] Gartner: „Gartner Predicts Over 40% of Agentic AI Projects Will Be Canceled by End of 2027“

[3] Bitkom: „Jedes zweite Startup setzt selbstständige KI-Agenten ein“

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