Die Stadtwerke Duisburg investieren rund 200 Millionen Euro in den Energiepark Wanheim. Wärmepumpen am Rheinufer, Gasmotoren und Elektrokessel übernehmen dort ab Ende 2029 die Arbeit eines Kraftwerksblocks aus den 1970er-Jahren. Den Takt gibt das Wärmeplanungsgesetz vor: Ab 2030 muss jedes Wärmenetz 30 Prozent seiner Wärme aus erneuerbaren Quellen oder Abwärme beziehen.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Mit einem symbolischen Spatenstich haben die Stadtwerke Duisburg am 18. September den Umbau im Süden der Stadt begonnen.[1] „Wir verändern die Struktur unserer Erzeugung grundlegend“, sagte der Vorstandsvorsitzende Marcus Vunic. Im Mittelpunkt steht die Fernwärme: Mehr als 30 Prozent davon sollen künftig Wärmepumpen aus dem Rheinwasser gewinnen.[2]

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Stadtwerke Duisburg bauen den Energiepark Wanheim für rund 200 Millionen Euro um, die neuen Anlagen sollen Ende 2029 in Betrieb gehen.
  • Kernstück sind Rheinwasser-Wärmepumpen mit zunächst 45 und später 60 Megawatt Wärmeleistung, dazu Gasmotoren und Elektrokessel.
  • Eine Fördersumme und neue Arbeitsplätze nennen die Stadtwerke nicht.

Was entsteht in Wanheim?

Heizkörperthermostat in Wasserglas mit blauem Aufkleber »Rhein«
Drei Wärmepumpen à 15 MW, bis zu 15 Gasmotoren in Blockheizkraftwerken (67 MW Strom, 80 MW Wärme) und Elektrokessel mit 30 MW bilden die Anlage

Drei Anlagentypen. Zunächst entstehen drei Wärmepumpen mit je 15 Megawatt, eine vierte folgt später. Bis zu 15 Gasmotoren in Blockheizkraftwerken liefern im Endausbau rund 67 Megawatt Strom und 80 Megawatt Wärme, zum Start laufen zehn davon. Die Motoren vertragen schon heute eine Beimischung von 20 Prozent Wasserstoff.[1] Dazu kommt zunächst ein Elektrokessel mit 30 Megawatt, ein zweiter ist vorgesehen. Die Gesamtplanung liegt bei Iqony Solutions, die Wärmepumpen baut Bilfinger, die Motorenanlage ETW Energietechnik als Generalunternehmer.

Zeitplan verschoben. Das Projekt hat mit dem Spatenstich die Bauphase erreicht. Auf der Projektseite nennen die Stadtwerke noch Ende 2028 oder Anfang 2029 als Start,[2] die Mitteilung zum Spatenstich spricht von Ende 2029. Block A geht bereits Mitte 2027 vom Netz, rund zweieinhalb Jahre vor dem Betriebsbeginn der neuen Anlagen.

Warum setzen die Stadtwerke auf drei Techniken zugleich?

Gesetzliche Quote. Das Wärmeplanungsgesetz verlangt, dass jedes Wärmenetz ab 2030 mindestens 30 Prozent seiner Wärme aus erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme bezieht, ab 2040 mindestens 80 Prozent.[3] Die Wärmepumpen allein sollen diese erste Hürde nehmen. Großstädte wie Duisburg mussten zudem bis Ende Juni ihre kommunale Wärmeplanung vorlegen.

Strompreis entscheidet. Aus einer Kilowattstunde Strom gewinnt eine Flusswärmepumpe bis zu drei Kilowattstunden Wärme.[4] In Stunden mit teurem Strom lohnen sich stattdessen die Gasmotoren, die Strom und Wärme zugleich erzeugen. Bei Überschüssen aus Wind und Sonne heizen die Elektrokessel das Netzwasser direkt auf. Nach demselben Prinzip ersetzt BASF in Ludwigshafen Gas durch eine 50-Megawatt-Wärmepumpe.

Energiepark Wanheim: der Umbau in Zahlen
Was die Stadtwerke Duisburg bis Ende 2029 bauen
200 Mio. €
Investition der Stadtwerke, eine Fördersumme nennt die Mitteilung nicht
60 MW
Wärme aus Rheinwasser-Wärmepumpen im Endausbau, zum Start 45 MW
67 MW
Strom aus bis zu 15 Gasmotoren, die 20 Prozent Wasserstoff vertragen
30 %
Wärme aus erneuerbaren Quellen oder Abwärme schreibt das Wärmeplanungsgesetz jedem Netz ab 2030 vor
2027 / 2029
Block A geht Mitte 2027 vom Netz, die neuen Anlagen starten Ende 2029

In Wanheim entscheidet künftig der Strompreis, welche Anlage die Fernwärme liefert. Ob sich die 200 Millionen Euro rechnen, hängt an den Stunden, in denen Strom billiger ist als Gas.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Wie schneidet Duisburg im Vergleich ab?

Kleinere Anlagen. Duisburg ist nicht die erste Stadt, die Wärme aus dem Rhein holt. MVV in Mannheim betreibt seit Herbst 2023 eine Flusswärmepumpe und baut bis 2028 eine zweite mit bis zu 165 Megawatt.[4] RheinEnergie plant in Köln ab 2028 eine Anlage mit 150 Megawatt und rechnet mit rund 100 Millionen Euro Fördergeld von Land und EU.[5] Duisburg setzt auf kleinere Einheiten und kombiniert sie mit Gas.

Gas bleibt Stütze. Die Wasserstofffähigkeit der Motoren nützt erst, wenn Wasserstoff zu bezahlbaren Preisen in Wanheim ankommt. Bis dahin hängt ein Teil der Erzeugung am Gaspreis. Steuerbare Gasanlagen gewinnen zugleich an Wert, weil nach dem Kohleausstieg 2030 laut Evonik eine Lücke bei Gaskraftwerken droht. Am Industriestandort Duisburg fällt die Investition in eine Phase des Rückzugs: ArcelorMittal beendet die Stahlerzeugung in Duisburg.

Was bedeutet das für Unternehmen in Duisburg?

Preisklauseln prüfen. Betriebe mit Fernwärmeanschluss sollten ihre Preisgleitklausel lesen, sobald Strom statt Gas einen größeren Teil der Kosten ausmacht. Wie strittig solche Klauseln sind, zeigt das Verfahren gegen E.ON in Hamm.

Abwärme anbieten. Das Gesetz rechnet unvermeidbare Abwärme auf die Quote an. Unternehmen mit warmer Abluft oder Kühlwasser können den Stadtwerken deshalb eine Einspeisung anbieten.

Quellen

[1] Stadtwerke Duisburg: Startschuss zur Modernisierung des Energieparks Wanheim (18.09.2026)

[2] Stadtwerke Duisburg: Energiepark Wanheim (Projektseite)

[3] Bundesministerium der Justiz: Wärmeplanungsgesetz, § 29 Anteil erneuerbarer Energien in Wärmenetzen

[4] MVV Energie: Flusswärmepumpen

[5] RheinEnergie: So funktioniert Europas größte Flusswasserwärmepumpe (09.01.2025)

Mehr Newshunger?

4,6 21 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?