Die Familie Getty und Koch Equity Development stecken bis zu 533 Millionen Dollar in Getty Images und übernehmen den Bildanbieter vollständig. Dafür hat das Unternehmen am Mittwoch in Delaware ein Verfahren nach Chapter 11 beantragt, die bestehenden Aktien werden eingezogen.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenIm April überwies Getty Images 110,9 Millionen Dollar an frühere Inhaber von Optionsscheinen, die vor Gericht gegen das Unternehmen gewonnen hatten.[1] Weitere Urteile stehen aus. Nach dem Sanierungsplan, den Getty am 21. Oktober beim Insolvenzgericht in Delaware eingereicht hat, erhalten solche Kläger nichts mehr (Stand: 21. Oktober, 11 Uhr).
Das Wichtigste in Kürze
- Der Antrag betrifft nur einige US-Gesellschaften, das Geschäft läuft laut Getty normal weiter.
- Die Aktie, seit Ende September nur noch außerbörslich gehandelt, wird eingezogen. Neue Eigentümer sind allein die Familie Getty und Koch.
- Aktionäre und klagende Inhaber von Optionsscheinen gehen nach dem Plan leer aus.
- Abgeschlossen sein soll die Sanierung bis zum Jahresende.
Wie läuft die Sanierung ab?

Den Plan hatte Getty am 12. Oktober mit seinen wichtigsten Geldgebern vereinbart. Die nötige Mehrheit der Gläubiger hat die Zustimmung schon zugesagt.[2] Bei einem solchen vorab abgestimmten Verfahren muss das Gericht vor allem einen fertig ausgehandelten Plan bestätigen. Die Vereinbarung sieht dafür 55 Tage nach dem Antrag vor, abgeschlossen sein soll die Sanierung nach 75 Tagen.
Die Inhaber unbesicherter Anleihen über 270 Millionen Dollar erhalten zusammen rund 170,2 Millionen in bar. Besicherte Kreditgeber verzichten auf einen Teil der Zinsen und warten länger auf die Rückzahlung. Bis zum Abschluss leiht Koch dem Unternehmen bis zu 143 Millionen Dollar, Lieferanten werden voll bezahlt. Vorstandschef Craig Peters nennt den Antrag „einen verfahrenstechnischen Schritt“.[3]
Warum gehen die Kläger leer aus?
Getty will mit dem Verfahren auch Verbindlichkeiten aus Rechtsstreitigkeiten „außerhalb des operativen Geschäfts“ bereinigen und nennt sie nicht einzeln.[3] Deutlicher wird die Sanierungsvereinbarung: Forderungen aus den Optionsscheinen und dem Rechtsstreit darum erhalten keine Zahlung.[2] Grundlage ist Paragraf 510(b) des US-Insolvenzgesetzes. Ansprüche aus dem Kauf von Wertpapieren des Schuldners stehen danach auf einer Stufe mit den Aktionären, also in der Rangfolge ganz hinten.
Die Optionsscheine stammen aus dem Börsengang 2022 über eine Mantelgesellschaft (SPAC). Frühere Inhaber verklagten Getty wegen Vertragsbruchs und bekamen recht. Offen sind unter anderem Urteile über 67,8 Millionen Dollar plus Zinsen, gegen die Getty Berufung eingelegt hat.[1] Ende Juni hatte Getty dafür 99,5 Millionen Dollar zurückgestellt, frei verfügbar waren nur 51,6 Millionen.
Bei Getty räumt Chapter 11 neben den Schulden auch Urteile ab, die das Unternehmen vor Gericht verloren hat.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was ändert sich für Kunden und Fotografen?
Laut Getty vorerst nichts: Getty Images, iStock und Unsplash arbeiten weiter wie bisher, ebenso die über 600.000 Fotografen und Videofilmer, die Bilder liefern.[3] Die europäischen Gesellschaften sind nicht Teil des Verfahrens.
Unter Druck steht das Geschäft trotzdem. Im zweiten Quartal sank der Umsatz um 2,5 Prozent auf 229,1 Millionen Dollar.[1] Die Fusion mit Shutterstock ließ Getty im Juli platzen, weil die britische Wettbewerbsbehörde CMA den Verkauf von Shutterstocks Geschäft mit redaktionellen Bildern verlangte. Dazu kommt, was KI-Bildgeneratoren der Fotobranche abverlangen.
Ein deutsches Gegenstück zu Chapter 11 ist das Restrukturierungsgesetz StaRUG. Auch damit lassen sich Altaktionäre gegen ihren Willen herausdrängen, so geschehen 2024 bei Varta. Akuten Handlungsbedarf haben Getty-Kunden nicht. Laden Sie dennoch die Lizenznachweise Ihrer genutzten Bilder herunter und prüfen Sie im Vergleich der Bildagenturen, welche Alternative zu Ihrem Bedarf passt.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Getty Images HoldingsQuartalsbericht Form 10-Q zum 30. Juni 2026 (SEC, 10. August 2026), Anmerkung 11 zu Rechtsstreitigkeiten
- Getty Images HoldingsForm 8-K zur Sanierungsvereinbarung (SEC)
- Getty ImagesGetty Images Advances Financial Restructuring to Strengthen Balance Sheet and Support Future Growth (GlobeNewswire)
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