Für 17,4 Millionen Euro will Disney eine dauerhafte Lizenz an ausgewählten Rechten von Character.AI erwerben, den Betrieb der App übernimmt der Konzern damit nicht. Der Chatbot-Anbieter hat in Delaware ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11 eingeleitet, der Verkauf unter Aufsicht des Gerichts soll bis Ende November oder Anfang Dezember abgeschlossen sein. Findet sich kein Käufer für den Betrieb, schaltet Character.AI die Plattform ab.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Kostspielig in Entwicklung und Wachstum“ sei das Geschäft mit KI-Unterhaltung, schreibt Character.AI in den Unterlagen für das Insolvenzgericht.[1] Zusammen mit möglichen Haftungsrisiken aus Rechtsstreitigkeiten und Verfahren mit Behörden hätten die hohen Kosten dazu geführt, dass das Unternehmen nicht genug Geld erwirtschaftet. Kentucky hatte im Januar als erster US-Bundesstaat geklagt und wirft der Plattform vor, Kinder zur Selbstverletzung verleitet zu haben.
Das Wichtigste in Kürze
- Character Technologies, der Betreiber von Character.AI, beantragte am 12. Oktober 2026 beim Insolvenzgericht in Delaware Gläubigerschutz nach Chapter 11.
- Disney bietet als erster Bieter 17,4 Millionen Euro für eine nicht exklusive, unbefristete Lizenz, andere Interessenten können höher bieten.
- Vermögen und Verbindlichkeiten beziffert der Antrag auf jeweils 43,5 bis 87 Millionen Euro.
- Bis zum Verkauf laufen App und Abos weiter, Nutzer können ihre Daten exportieren oder ihr Konto löschen.[2]
Warum reicht Disney eine Lizenz?

Den früheren Character.AI-Chef Karandeep Anand holte Disney schon im September als ersten konzernweiten Technikvorstand, weitere Entwickler sollten ihm folgen. Neben dem Geld stellt Disney diese früheren Beschäftigten für den Übergang bereit, damit die Plattform bis zum Verkauf weiterläuft.
Google sicherte sich 2024 eine nicht exklusive Lizenz an den Sprachmodellen von Character.AI und holte die Gründer Noam Shazeer sowie Daniel De Freitas zurück, laut Wall Street Journal für rund 2,3 Milliarden Euro. Mit dem Geld zahlte Character.AI seine Investoren aus. Zurück blieben Plattform, Nutzer und Haftungsrisiken, wie unsere Analyse des Geschäftsmodells hinter den KI-Freunden zeigt. Ein ähnliches Konstrukt aus Lizenz und Personalwechsel prüft das US-Justizministerium laut Bloomberg gerade bei Nvidias Milliardendeal mit Groq.
Was passiert mit den Klagen gegen Character.AI?
Das US-Insolvenzrecht erlaubt in § 363, Vermögen unter Aufsicht des Gerichts frei von Rechten Dritter zu verkaufen, etwa sofern diese strittig sind oder sich mit Geld abgelten lassen.[3] Der Käufer erhält dann die Rechte, die Ansprüche der Kläger richten sich weiter gegen die Insolvenzmasse.
Mehrere Familien hatten Character.AI und Google nach Suiziden oder Selbstverletzungen von Jugendlichen verklagt, im Januar schlossen die Parteien Vergleiche. Pennsylvania klagt seit Mai, weil sich ein Chatbot als approbierter Psychiater ausgegeben haben soll. Offene Chats für Minderjährige hatte Character.AI bereits im November 2025 abgeschaltet.
Der Weg in die Insolvenz
Google zahlte 2024 rund 2,3 Milliarden Euro für Gründer und Lizenz, Disney bietet jetzt 17,4 Millionen Euro. So schnell verfällt der Wert eines KI-Start-ups, auf dem Klagen lasten.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Unternehmen, die KI-Dienste von Start-ups nutzen?
Character.AI richtete sich an Privatnutzer, die Lehre gilt aber für jeden Geschäftskunden eines jungen KI-Anbieters. Im US-Verfahren gehen personenbezogene Daten nur an einen Käufer, falls die Datenschutzerklärung das erlaubt oder ein Ombudsmann für Verbraucherdatenschutz den Verkauf prüft (11 U.S.C. § 363(b)(1)). Nach Art. 28 Abs. 3 Buchst. g DSGVO muss ein Auftragsverarbeiter Ihre Daten nach Vertragsende nach Ihrer Wahl löschen oder zurückgeben.[4]
- Rückgabe: Legen Sie im Vertrag zur Auftragsverarbeitung fest, in welchem Format Prompts, Chatverläufe und Einstellungen zurückkommen.
- Export: Sichern Sie diese Daten regelmäßig selbst, statt im Insolvenzfall auf den Anbieter zu warten.
- Kontrollwechsel: Vereinbaren Sie ein Sonderkündigungsrecht für den Fall, dass ein Dritter den Anbieter oder seine Technik übernimmt.
- Ausweichmodell: Halten Sie ein zweites Modell bereit. Wie Sie Anbieter vor dem Lizenzkauf vergleichen, zeigt unser Ratgeber.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- StrettoCharacter Technologies, Inc., Fall Nr. 26-11603 (BLS), U.S. Bankruptcy Court for the District of Delaware (Antrag vom 12. Oktober 2026)
- Character.AIAn Update on Character.ai
- Legal Information Institute, Cornell Law School11 U.S. Code § 363, Use, sale, or lease of property
- EUR-LexVerordnung (EU) 2016/679 (Datenschutz-Grundverordnung), Art. 28
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