Rund 240 Beschäftigte von Thermo Fisher in Bremen haben am Dienstag zum ersten Mal für mehrere Stunden die Arbeit niedergelegt. Der US-Konzern will 85 Stellen in der Bremer Produktion nach Brünn in Tschechien verlagern. Am selben Tag protestierten in Langenselbold mehr als 300 Beschäftigte gegen den Abbau von gut 60 Stellen.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenIn Bremen verhandelt die IG Metall inzwischen über einen Sozialtarifvertrag, unter anderem über Abfindungen. Ein Sprecher des Mutterkonzerns bekräftigte am Dienstag, dass die Produktion aus Kostengründen nach Tschechien gehen soll.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- In Bremen sollen 85 von rund 500 Stellen nach Brünn gehen, die Belegschaft streikt für einen Sozialtarifvertrag.
- In Langenselbold will Thermo Fisher gut 60 von rund 600 Stellen in Produktion und Verwaltung streichen.
- An beiden Standorten hat das Unternehmen die Alternativkonzepte der Betriebsräte abgelehnt.
- In Brünn baut Thermo Fisher seinen Standort mit einem Neubau für rund 2.000 Arbeitsplätze aus.
Was plant Thermo Fisher in Bremen?

Thermo Fisher baut in Bremen Messgeräte für Labore. Die Pläne zur Verlagerung wurden im Frühjahr bekannt, im September bestätigte das Unternehmen die Verlagerung von 85 Stellen. Das entspricht etwa jeder sechsten der rund 500 Stellen am Standort. Ein Alternativkonzept von Betriebsrat und IG Metall lehnte die Geschäftsführung Mitte September ab.[3] Die Abbaupläne sind damit angekündigt und bestätigt, eine Einigung mit der Belegschaft steht noch aus.
Das Unternehmen begründet die Verlagerung mit höherer Effizienz. Die Arbeitnehmervertreter befürchten, dass die 85 Stellen nur der Anfang sind und der Bremer Standort früher oder später ganz schließt. Die Geschäftsführung widerspricht: Thermo Fisher habe in den vergangenen zehn Jahren mehr als 40 Millionen Euro in Bremen investiert und plane weitere Investitionen, sagte ein Sprecher im September. Die Bremer Beschäftigten arbeiteten rentabel, hielt IG-Metall-Geschäftsführerin Ute Buggeln dagegen.[3][4] Nach Darstellung der IG Metall Hanau-Fulda soll die Produktion in Bremen vollständig enden.[2]
Was ist in Langenselbold geplant?
Im hessischen Langenselbold im Main-Kinzig-Kreis kündigte Thermo Fisher den Abbau Ende April an. Schon Anfang Mai demonstrierten dort rund 350 Beschäftigte.[6] Betroffen sind gut 60 der derzeit rund 600 Stellen, also etwa jede zehnte. In den Jahren zuvor hatte der Standort nach Angaben der IG Metall bereits mehr als 100 Stellen verloren.[2]
Betriebsratschef Walter Heidenfelder berichtete am Dienstag, der Arbeitgeber habe auch das Alternativkonzept des Langenselbolder Betriebsrats weitgehend abgelehnt. Erarbeitet hatte es der Betriebsrat mit einem wirtschaftlichen Sachverständigen. In der kommenden Woche verhandeln beide Seiten erneut.[2][5] Im August erhielt Landrat Thorsten Stolz Hausverbot, nachdem er sich hinter die Belegschaft gestellt hatte. Am Dienstag durfte André Arenz aus dem geschäftsführenden Vorstand der IG Metall laut Gewerkschaft nicht im Werk zu den Beschäftigten sprechen.[5] Arenz nannte das Vorgehen „unseriös und nicht hinnehmbar“: Ein Unternehmen mit zweistelligen Renditen wolle Arbeitsplätze im großen Stil abbauen.[2]
Warum geht die Arbeit nach Brünn?
Brünn gehört zu den größten Standorten des Konzerns. Thermo Fisher fertigt dort vor allem Elektronenmikroskope und Spektrometer und beschäftigte nach Angaben der Niederlassung schon im Juni 2025 rund 2.300 Menschen. Damals begann der Bau einer neuen Halle mit 60.000 Quadratmetern Fläche und Platz für rund 2.000 Beschäftigte. Sie soll die Kapazität für Forschung und Fertigung in Brünn verdoppeln.[7] Die Bremer Stellen gehen also an einen Standort, den Thermo Fisher gerade ausbaut.
Gegen die Verlagerung selbst dürfen die Bremer nicht streiken, sie ist eine unternehmerische Entscheidung. Erlaubt ist ein Streik für einen Sozialtarifvertrag, der die Folgen regelt, etwa Abfindungen, Qualifizierung oder längere Kündigungsfristen. So hat das Bundesarbeitsgericht 2007 entschieden. Den gleichen Weg ging die IG Metall bei der Walter AG in Münsingen, die 160 Stellen vor allem nach Schweden verlagert. Bei Mann+Hummel in Speyer, wo 600 Stellen wegfallen sollen, plant sie eine Streikabstimmung. Tschechien zieht auch andere Fertigung an: Daimler Truck will ab 2027 in Cheb ein Lkw-Werk für rund 1.000 Beschäftigte bauen. Ob in Langenselbold ebenfalls Warnstreiks folgen, hängt nach Angaben der IG Metall von der Haltung des Konzerns ab.[2]
Quellen
7 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Radio Bremen (buten un binnen)Thermo Fisher-Mitarbeiter demonstrieren gegen Stellenabbau in Bremen
- Osthessen News nach einer Mitteilung der IG Metall Hanau-FuldaWegen Stellenabbau: Widerstand der Thermo-Fisher-Beschäftigten geht weiter
- Radio Bremen (buten un binnen)Kein Umdenken: Thermo Fisher will Bremer Stellen ins Ausland verlegen
- Radio Bremen (buten un binnen)Thermo Fisher will 85 Jobs in Bremen streichen
- Radio PrimaveraErneuter Protest bei Thermo Fisher in Langenselbold
- Radio PrimaveraLangenselbold: Demo gegen Stellenstreichungen bei Thermo Fisher
- Seznam ZprávyAmerický výrobce mikroskopů investuje v Brně miliardy
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