Im tschechischen Cheb sollen ab Ende des Jahrzehnts rund 1.000 Beschäftigte jährlich etwa 25.000 Lkw montieren. Die lackierten Fahrerhäuser liefert weiter das Werk Wörth am Rhein. Dort schließt ein Tarifvertrag mit der IG Metall betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2034 aus.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas geplante Lkw-Werk von Daimler Truck in Cheb soll im neuen Industriepark an der Autobahn D6 entstehen, nahe der Grenze zu Oberfranken. Angekündigt hatte der Konzern das Werk Ende März, nun nannte eine Sprecherin von Mercedes-Benz Trucks der Frankenpost Anfang 2027 als Baubeginn.[1] Bei der Suche nach Personal spielt laut der Zeitung auch das deutsche Grenzgebiet eine Rolle.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Bau in Cheb soll Anfang 2027 beginnen, der Produktionshochlauf ab Ende des Jahrzehnts.
- Bis 2030 investiert Daimler Truck über 2 Mrd. Euro in die deutschen Lkw-Werke, rund die Hälfte davon in Wörth.
- Tschechiens Wirtschaftsminister Karel Havlíček schließt Investitionsanreize für das Werk aus.
Was plant Daimler Truck in Cheb?

In Cheb sollen Lkw mit Diesel- und mit alternativen Antrieben vom Band laufen, rund 25.000 im Jahr. Das Werk übernimmt einen Teil des heutigen Programms aus Wörth, dem größten Lkw-Montagewerk von Mercedes-Benz Trucks, und aus dem türkischen Aksaray. Die Fahrerhäuser liefert Wörth als lackierte Rohbauten zu.[2] Daimler Truck rechnet mit rund 1.000 Arbeitsplätzen in Fertigung, IT, Qualitätskontrolle und Instandhaltung, die tschechische Regierung spricht von rund 1.100.
Das Projekt steht zwischen Standortentscheidung und Spatenstich. Für die erste Ausbaustufe nennt die Regierung in Prag bis zu 8 Mrd. Kronen, nach Umrechnung der Außenwirtschaftsagentur GTAI vom April rund 330 Mio. Euro. Wirtschaftsminister Karel Havlíček betonte, der Staat zahle keinerlei Investitionsanreize.[3]
Warum montiert Daimler Truck künftig in Tschechien?
Achim Puchert, Chef von Mercedes-Benz Trucks, begründete das Werk im März so: „Mit unserem neuen Montagewerk in Cheb stärken wir die Wettbewerbsfähigkeit unseres Produktionsnetzwerkes mit Fokus auf Kostenoptimierung und Komplexitätsmanagement.“[2] Den Kostenabstand beziffert Eurostat: Eine Arbeitsstunde im verarbeitenden Gewerbe kostete 2025 in Deutschland 49,50 Euro, in Tschechien 20,20 Euro.[5]
Die Arbeitsteilung folgt den Kosten. Rohbau und Lackierung der Fahrerhäuser bleiben mit ihren kapitalintensiven Anlagen in Wörth, die personalintensive Montage zieht nach Cheb. Ganz ohne staatliche Hilfe kommt das Werk trotzdem nicht aus: Die 65 Hektar im Industriepark hat die staatliche Entwicklungsagentur SIRS vorbereitet, für den Güterverkehr fließen 12 Mio. Euro in den Bahnhof Cheb.[3]
Die deutsche Industrie kennt das Muster. Mercedes-Benz verweist im Streit um seine deutschen Werke auf die niedrigen Faktorkosten im ungarischen Kecskemét. Semikron Danfoss verlegt Teile der Fertigung aus Flensburg in die Slowakei, während die Walter AG 160 Stellen aus Münsingen vor allem nach Schweden verlagert.
Daimler Truck schließt betriebsbedingte Kündigungen in Wörth bis Ende 2034 aus, der Hochlauf in Cheb beginnt Ende des Jahrzehnts. Die volle Rechnung für Wörth kommt erst nach 2034.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das Werk für Wörth und die Grenzregion?
Daimler Truck führt Wörth weiter als Leitwerk und will bis 2030 über 2 Mrd. Euro in die deutschen Produktionsstandorte stecken, rund die Hälfte davon in Wörth.[2] Für das Werk nennt der Konzern eine Belegschaft von 7.500 bis 10.000 Menschen.[6] Wie viele Stellen dort durch die Verlagerung entfallen, hat Daimler Truck nicht beziffert. Betriebsratschef Thomas Zwick sagte im März: „Mit der Fortschreibung des Zukunftsvertrags im Rahmen von Cost Down Europe konnten wir Wörth als Volumenwerk fixieren.“[2]
Mit dem Sparprogramm Cost Down Europe will Daimler Truck bis Ende 2030 mindestens 1 Mrd. Euro dauerhaft einsparen. Im Gegenzug sind an allen deutschen Standorten betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2034 ausgeschlossen, erstmals festgehalten in einem Zukunftstarifvertrag mit der IG Metall.[4]
Für Zulieferer verschiebt sich die Logistik: Teile für die Montage gehen ab Ende des Jahrzehnts teils nach Cheb statt in die Pfalz. Näher am neuen Werk liegen Betriebe in Oberfranken und der Oberpfalz, die sich früh als Lieferanten oder Dienstleister ins Gespräch bringen können. Personalverantwortliche im Fichtelgebirge bekommen jenseits der Grenze einen neuen Wettbewerber um Fachkräfte. In der Debatte um den Standort Deutschland zeigt Cheb, dass ein Abstand von fast 30 Euro je Industriestunde ein Werk auch ohne Investitionsförderung über die Grenze zieht.
Quellen
[1] Frankenpost: „1000 Arbeitsplätze: Das plant Daimler im neuen Lkw-Werk in Cheb“ (06.10.2026)
[2] Daimler Truck: „Mercedes-Benz Trucks macht europäisches Produktionsnetzwerk fit für die Zukunft“ (31.03.2026)
[3] Germany Trade & Invest (GTAI): „Tschechien zieht neuen Großinvestor an Land“ (01.04.2026)
[4] Gesamtbetriebsrat der Daimler Truck AG: „Sicherheit in unsicheren Zeiten“ (Presse-Information, 06.06.2025)
[5] Eurostat: „Labour cost levels by NACE Rev. 2 activity“ (Datensatz lc_lci_lev, verarbeitendes Gewerbe, Stand 2025)
[6] Daimler Truck: „Wörth, Mercedes-Benz Werk“ (Standortseite, abgerufen am 06.10.2026)
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