Mann+Hummel will sein Filterwerk in Speyer bis spätestens Ende 2028 schließen und hält laut IG Metall an diesem Plan fest. Die Gewerkschaft will ihre Mitglieder deshalb über einen Streik abstimmen lassen, rund 600 Beschäftigte arbeiten an dem Standort. Am Dienstag, 6. Oktober, treffen sich beide Seiten zum nächsten Verhandlungstag.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBei Mann+Hummel in Speyer verhandeln Unternehmen, Betriebsrat und IG Metall seit Monaten über einen Interessenausgleich, eine Einigung steht aus. „Es geht nur noch darum, wie der Standort geschlossen werden soll. Und nicht ob“, sagt Wladislaw Wolter, politischer Sekretär der IG Metall Ludwigshafen-Frankenthal.[1] Die Ludwigsburger Konzernzentrale äußert sich nicht zu den Gesprächen, die Details seien vertraulich.
Das Wichtigste in Kürze
- Mann+Hummel kündigte am 16. April an, das Werk in der Brunckstraße bis spätestens Ende 2028 vollständig zu schließen.
- Von den rund 600 Beschäftigten arbeiten etwa 400 in der Produktion und in produktionsnahen Bereichen.
- Ein Alternativkonzept von Betriebsrat und IG Metall lehnte das Unternehmen am 22. September vollständig ab.
- Rechnet man TE Connectivity hinzu, sollen in Speyer bis Ende 2028 gut 1.200 Industriearbeitsplätze wegfallen.
Wo stehen die Verhandlungen bei Mann+Hummel?

Die Schließung steht auf der Stufe Ankündigung. Mann+Hummel spricht in seiner Mitteilung vom April von einer Absicht und kündigte Gespräche über Interessenausgleich und Sozialplan an.[2]
Betriebsrat, Beschäftigte und IG Metall entwickelten mit der Technologieberatungsstelle TBS Rheinland-Pfalz ein eigenes Konzept für den Standort. Am 22. September wies die Arbeitgeberseite sämtliche Vorschläge zurück.[3] Birgit Mohme, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Ludwigshafen-Frankenthal, kündigte daraufhin tarifpolitische Maßnahmen an, falls das Unternehmen nicht über eine Zukunftsvereinbarung verhandle.
Laut Wolter bleibt den Beschäftigten jetzt nur noch tarifpolitischer Druck, deshalb sollen die Mitglieder über einen Streik abstimmen. Auch zum Verhandlungstag am 6. Oktober ruft die IG Metall zu einer Kundgebung auf.[1]
Worum darf die IG Metall in Speyer streiken?
Gegen die Schließung selbst darf die Belegschaft nicht streiken, die Standortfrage gilt als freie unternehmerische Entscheidung. Erlaubt ist ein Arbeitskampf um einen Sozialtarifvertrag, der die Folgen der Schließung ausgleicht, etwa über Abfindungen oder eine Transfergesellschaft. So entschied das Bundesarbeitsgericht im April 2007 (Az. 1 AZR 252/06). Die Höhe der Forderung prüfen Gerichte dabei nicht.
Ein Streik gefährdet die Lieferfähigkeit von Mann+Hummel gerade in der Phase, in der die Fertigung schrittweise an andere Werke wandern soll. Jeder Euro im Sozialtarifvertrag schmälert zudem die Ersparnis, die sich der Konzern vom Umzug verspricht. Denselben Hebel setzte die IG Metall Ende September bei der Walter AG in Münsingen an, nachdem dort 94,3 Prozent der Mitglieder für einen Streik gestimmt hatten.
Sechs Jahre nachdem Mann+Hummel die Fertigung aus Ludwigsburg nach Speyer verlagert hat, soll auch das Werk in Speyer schließen. Verhandeln lässt sich nur noch der Preis des Abschieds.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Warum gibt Mann+Hummel ausgerechnet Speyer auf?
2020 beschloss Mann+Hummel das Ende der Produktion am Stammsitz Ludwigsburg, das Werk in der Pfalz bekam zusätzliche Fertigung. Noch 2022 nannte das Unternehmen Speyer einen „wichtigen Teil unserer Industriestrategie“, berichtete die Rheinpfalz zum 70. Werksjubiläum. Gefertigt werden dort vor allem Luft-, Öl- und Luftentölelemente für Landwirtschaft, Bauwirtschaft und Maschinenbau.
Als Gründe für das Aus nennt Mann+Hummel schwaches Wachstum in Europa, hohe Energie- und Arbeitskosten sowie Zölle.[2] Die Produktion soll in bestehenden Werken gebündelt werden, dort will der Konzern Skaleneffekte und seine automatisierten Anlagen besser nutzen. Laut dem Branchendienst Parts & Service News übernehmen vor allem die tschechischen Werke Nová Ves und Uherský Brod. Eine Arbeitsstunde in der deutschen Industrie kostete 2025 im Schnitt 49,50 Euro, 41 Prozent mehr als im Industrie-Durchschnitt der EU.[4]
Speyer verliert bis Ende 2028 zwei große Fertigungen. Erst am 30. September vereinbarte TE Connectivity mit dem Betriebsrat das Produktionsende in Speyer, dort fallen rund 630 Stellen weg. Betriebsräte in vergleichbarer Lage sollten früh eigene Zahlen vorlegen, ein Gegenkonzept mit externer Beratung wie in Speyer kann später als Messlatte für den Sozialplan dienen. Welche Rolle die Kosten am Standort spielen, beleuchtet unsere Analyse „Standort Deutschland: Ist da noch was zu retten?“.
Quellen
[1] SWR Aktuell: „600 Jobs bedroht: IG Metall erhöht Druck auf Mann+Hummel“ (04.10.2026)
[2] Mann+Hummel: „MANN+HUMMEL prüft Produktionsverlagerung aus Speyer“ (16.04.2026)
[3] IG Metall Ludwigshafen-Frankenthal: „Arbeitgeber lehnen Alternativkonzept vollständig ab“ (22.09.2026)
[4] Statistisches Bundesamt: „Eine Arbeitsstunde kostete im Jahr 2025 durchschnittlich 45,00 Euro“, Pressemitteilung Nr. 148 (29.04.2026)
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