Taiwans Wettbewerbsbehörde verbietet Grab den Kauf von Foodpanda Taiwan, den Delivery Hero für 600 Mio. Dollar (rund 520 Mio. €) vereinbart hatte. Den Ausschlag gibt der Anteil von 13,1 Prozent, den Uber an Grab hält.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenIm Dezember 2024 untersagte die Fair Trade Commission (TFTC) dem Fahrdienstkonzern Uber, Foodpanda Taiwan zu übernehmen. Am 21. Oktober 2026 wies dieselbe Behörde auch den zweiten Käufer ab, den Fahrdienst- und Lieferkonzern Grab aus Singapur.[1] Für Delivery Hero platzt damit ein Verkauf, den Vorstandschef Niklas Östberg im März den ersten Schritt bei der Prüfung strategischer Optionen nannte.[3]
Das Wichtigste in Kürze
- Die TFTC untersagt Grab die Übernahme von Foodpanda Taiwan, vereinbart war ein Kaufpreis von 600 Mio. Dollar in bar.
- Uber hält rund 13,1 Prozent an Grab und betreibt in Taiwan mit Uber Eats den einzigen großen Konkurrenten.
- Grabs Zusagen zum Einfluss von Uber reichten der Behörde nicht.
- Delivery Hero kann Rechtsmittel einlegen und hat für das Scheitern eine Ausgleichszahlung vereinbart.
Warum stoppt Taiwan den Verkauf an Grab?

Den Markt für Essenslieferungen in Taiwan teilen sich Foodpanda und Uber Eats, die TFTC spricht von einem Duopol. Grab ist in Taiwan bisher nicht aktiv und hätte den Platz von Foodpanda eingenommen.[1] Uber hält allerdings 13,1 Prozent an Grab, und Ubers Vorstandschef saß lange im Verwaltungsrat von Grab.
Die Behörde argumentiert mit dem Gewinnanteil: Jeder Kunde, den Uber Eats der Konkurrenz Grab mit Rabatten abjagt, schmälert den Gewinn eines Unternehmens, an dem Uber mitverdient. Dass Uber wegen zweier Aktiengattungen nur 3,9 Prozent der Stimmen hält, ändert für die Behörde daran nichts. Neue Anbieter hätten gegen zwei etablierte Plattformen zudem kaum eine Chance.
Grab bot an, Ubers Anteil zu verwässern, Uber-Vertreter aus dem Verwaltungsrat fernzuhalten und den Austausch sensibler Geschäftsdaten zu unterbinden. Die TFTC hält diese Zusagen für nicht durchsetzbar und verlangt einen kleineren Uber-Anteil oder dessen Verkauf. Nur ein Kommissionsmitglied stimmte für eine Freigabe mit Auflagen.
Welche Rolle spielt Uber?
Ubers eigener Kauf von Foodpanda Taiwan scheiterte 2024 an derselben Behörde. Nach der Fusion der beiden Marktführer hätte Uber Eats laut TFTC Preise und Provisionen ungestört erhöhen können.[4]
2018 verkaufte Uber sein Südostasien-Geschäft gegen 27,5 Prozent der Anteile an Grab, Singapurs Wettbewerbsbehörde CCCS verhängte deshalb Bußgelder gegen beide. Die TFTC hält den Konzernen vor, den Verstoß damals in Kauf genommen zu haben.[1]
Eine weitere Verbindung erwähnt die Entscheidung nicht: Uber hält rund 37 Prozent der Stimmrechte an Delivery Hero und will den Berliner Konzern für 41,50 Euro je Aktie ganz übernehmen. Beim Verkauf an Grab wäre Uber damit an Käufer und Verkäufer zugleich beteiligt gewesen.
Ein Uber-Anteil von 13,1 Prozent mit 3,9 Prozent der Stimmen kostet Delivery Hero einen Verkauf über rund 520 Millionen Euro.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was folgt für Delivery Hero und für Käufer in Europa?
Delivery Hero verweist in seiner Ad-hoc-Mitteilung auf das Recht, Rechtsmittel einzulegen, und auf eine Ausgleichszahlung, die der Kaufvertrag unter bestimmten Bedingungen vorsieht.[2] Ob der Konzern klagt oder einen dritten Käufer sucht, lässt die Mitteilung offen.
Gegen Delivery Hero selbst verhängte die EU-Kommission im Juni 2025 zusammen mit der Tochter Glovo 329 Mio. € Bußgeld, erstmals für den wettbewerbswidrigen Einsatz einer Minderheitsbeteiligung an einem Konkurrenten.[5] Das deutsche Kartellrecht wertet auch Beteiligungen unterhalb von 25 Prozent mit wettbewerblich erheblichem Einfluss als Zusammenschluss.[6]
Unternehmen, die eine Tochter oder Sparte verkaufen, sollten deshalb vor der Unterschrift die Aktionäre des Käufers prüfen. Hält ein Wettbewerber im Zielmarkt Anteile oder Sitze im Aufsichtsgremium, gehört eine Ausgleichszahlung für den Fall eines Verbots in den Vertrag.
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Fair Trade Commission Taiwan公平會禁止Grab與富胖達股份有限公司(foodpanda)結合 (Pressemitteilung)
- Delivery Hero SEDie Taiwanesische Wettbewerbsbehörde (TFTC) erteilt keine Freigabe für den Verkauf des Foodpanda-Geschäfts in Taiwan an A2G Holdings Inc. (Grab) (Ad-hoc-Mitteilung)
- Grab Holdings LimitedGrab to Acquire Delivery Hero’s foodpanda Delivery Business in Taiwan (Form 6-K, Exhibit 99.1)
- Fair Trade Commission Taiwan兩大外送平臺結合,公平會喊卡! (Pressemitteilung)
- Europäische KommissionCommission fines Delivery Hero and Glovo €329 million for participation in online food delivery cartel (Pressemitteilung IP/25/1356)
- Gesetze im Internet§ 37 Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB), Zusammenschluss (Absatz 1 Nummer 4)
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