Niklas Östberg bleibt Vorstandschef von Delivery Hero und nimmt seinen im Mai angekündigten Abschied zurück. Aufsichtsrat und Gründer begründen die Kehrtwende mit dem laufenden Übernahmeangebot von Uber über 41,50 Euro je Aktie. Östbergs Dienstvertrag läuft bis April 2029, den Berliner Konzernsitz hat Uber bis mindestens 2029 zugesagt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Mit mehr Energie als je zuvor“ will Niklas Östberg Delivery Hero weiter leiten, wie der Berliner Konzern am 24. September mitteilte.[2] Gut vier Monate zuvor hatte der Mitgründer angekündigt, den Vorstandsvorsitz spätestens zum 31. März 2027 abzugeben.[3] Diesen Plan hoben Aufsichtsrat und Östberg nun gemeinsam auf.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Niklas Östberg bleibt über den 31. März 2027 hinaus Vorstandschef von Delivery Hero.
- Als Grund nennt der Konzern die veränderte Lage durch das Übernahmeangebot von Uber.
- Uber kommt samt der Zusage von Prosus auf rund 53 Prozent, die Annahmefrist endet am 5. November 2026.
Warum bleibt Niklas Östberg an der Spitze von Delivery Hero?

Die Ad-hoc-Mitteilung nennt einen einzigen Grund: die grundlegend geänderte Situation infolge des laufenden Übernahmeangebots.[1] Einen neuen Vertrag brauchte Östberg dafür nicht, denn sein bestehender Dienstvertrag läuft noch bis zum 30. April 2029. Uber bietet den Aktionären 41,50 Euro je Aktie in bar, für das gesamte Eigenkapital ergibt der Preis rund 12,9 Milliarden Euro.[4]
Aufsichtsratschefin Kristin Skogen Lund sagt: „Angesichts der laufenden Transaktionen mit Uber und SSW freuen wir uns sehr, dass Niklas das Unternehmen auch in der nächsten Phase weiterhin leiten wird.“ Östberg begründet seinen Verbleib mit dem Geschäftsverlauf: Die Everyday-App-Strategie funktioniere, Wachstum und Profitabilität beschleunigten sich. Im zweiten Quartal wuchs das Bruttowarenvolumen bereinigt um 11,3 Prozent auf 13,2 Milliarden Euro, und Delivery Hero hob die Jahresprognose für alle vier Kennzahlen an.[5]
Was hat sich seit der Rückzugsankündigung im Mai geändert?
Laut Bloomberg stand Östberg im Mai unter dem Druck eines Aktionärs. Der Hongkonger Fonds Aspex Management hatte demnach öffentlich einen Umbau der Führung verlangt und seinen Anteil auf rund 15 Prozent erhöht. Am 12. Mai kündigte Delivery Hero den Wechsel an der Spitze an.[3] Später kaufte Uber laut Bloomberg die Aspex-Aktien, der Fonds hinter der Forderung ist damit ausgestiegen.
Ubers Durchgriff bleibt auch mit der künftigen Mehrheit begrenzt. Direkt und über Derivate hält Uber gut 36 Prozent, mit der unwiderruflichen Zusage von Prosus über 16,68 Prozent kommen rund 53 Prozent zusammen.[4] Zugleich verzichtet Uber drei Jahre lang auf einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag. Ohne diesen Vertrag darf Uber dem Vorstand keine Weisungen erteilen, der Vorstand leitet die börsennotierte SE weiter in eigener Verantwortung. Ein externer Nachfolger hätte einen Konzern geführt, dessen Mehrheitseigner schon feststeht und dessen 14 Ländergesellschaften an SSW Partners gehen sollen.
- 12.05.2026Östberg kündigt seinen Rückzug bis spätestens 31. März 2027 an
- 16.07.2026Uber kündigt das Übernahmeangebot für Delivery Hero an
- 27.08.2026Uber veröffentlicht die Angebotsunterlage, die Annahmefrist beginnt
- 24.09.2026Aufsichtsrat und Östberg vereinbaren seinen Verbleib als Vorstandschef
- 05.11.2026Die Annahmefrist endet
- 2. Hj. 2027Erwarteter Vollzug nach Fusionskontrolle und weiteren Freigaben
Uber sichert sich die Mehrheit, darf Delivery Hero aber drei Jahre lang keine Weisungen erteilen. In dieser Zwischenzeit führt der Gründer den Konzern sicherer als ein Neuling von außen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet Östbergs Verbleib für Aktionäre, Partner und Berlin?
Am Angebot ändert die Personalie für Aktionäre nichts. Die Annahmefrist läuft bis zum 5. November 2026, die Mindestannahmeschwelle liegt bei 50 Prozent plus einer Aktie.[4] Anfang September empfahlen Vorstand und Aufsichtsrat die Annahme. Den Vollzug erwartet Uber nach der kartellrechtlichen Prüfung im zweiten Halbjahr 2027.
Für den Standort Berlin hat Uber zugesagt, den Konzernsitz zu erhalten und die Berliner Belegschaft bis mindestens 2029 nicht zu verändern. Zusätzlich will Uber in den nächsten fünf Jahren zwei Milliarden Euro in Deutschland investieren.[6] Restaurants und Händler in den Märkten, die Delivery Hero an SSW Partners abgibt, darunter Österreich und Spanien, sollten ihre Verträge jetzt prüfen, denn mit dem Vollzug wechseln die dortigen Landesgesellschaften den Eigentümer. Ob Östberg nach dem Vollzug unter Uber weitermacht, lassen beide Konzerne in ihren Mitteilungen offen.
FAQ: Niklas Östberg, Delivery Hero und Uber
Warum bleibt Niklas Östberg CEO von Delivery Hero?
Delivery Hero begründet die Entscheidung mit der grundlegend geänderten Lage durch das laufende Übernahmeangebot von Uber. Aufsichtsrat und Östberg vereinbarten am 24. September 2026, dass er über den 31. März 2027 hinaus Vorstandschef bleibt. Sein Dienstvertrag läuft bis zum 30. April 2029.
Wann wollte Östberg ursprünglich abtreten?
Am 12. Mai 2026 kündigte Delivery Hero an, dass Östberg den Vorstandsvorsitz spätestens zum 31. März 2027 abgibt. Der Aufsichtsrat wollte die Nachfolgersuche bis Ende 2026 abschließen. Laut Bloomberg ging der Ankündigung Druck des Aktionärs Aspex Management voraus.
Wie viel bietet Uber für Delivery Hero?
Uber bietet 41,50 Euro je Aktie in bar, für das gesamte Eigenkapital rund 12,9 Milliarden Euro. Die Annahmefrist endet am 5. November 2026. Mit der Zusage von Prosus kommt Uber auf rund 53 Prozent, den Vollzug erwartet Uber im zweiten Halbjahr 2027.
Was sagt Uber zum Standort Berlin zu?
Uber hat zugesagt, den Konzernsitz von Delivery Hero in Berlin zu erhalten und die Berliner Belegschaft bis mindestens 2029 nicht zu verändern. Zusätzlich will Uber in den nächsten fünf Jahren zwei Milliarden Euro in Deutschland investieren.
Quellen
[1] Delivery Hero SE (Ad-hoc-Mitteilung, 24.09.2026): „Niklas Östberg bleibt über den 31. März 2027 hinaus Vorstandsvorsitzender (CEO) der Delivery Hero SE“
[2] Delivery Hero (24.09.2026): „Niklas Östberg bleibt weiterhin CEO von Delivery Hero“
[3] Delivery Hero (12.05.2026): „Niklas Östberg to hand over CEO role at Delivery Hero after fifteen years“
[4] Uber Technologies (27.08.2026): „Uber Publishes Offer Document for its Takeover Offer for Delivery Hero“
[5] Delivery Hero (27.08.2026): „Delivery Hero raises full-year 2026 guidance as Everyday App strategy drives further acceleration in growth“
[6] Uber Technologies (16.07.2026): „Uber Announces Acquisition Offer for Delivery Hero“
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