Der Vorstand von Automattic hat Firmengründer Matt Mullenweg in eine bezahlte Auszeit geschickt und CFO Mark Davies zum Interims-CEO ernannt. Drei Aufsichtsräte und der Finanzchef stimmten dafür, Mullenweg dagegen. Für Millionen WordPress-Seiten wiegt eine andere Frage schwerer als der Machtkampf: Bleibt die Kontrolle über WordPress.org bei Mullenweg persönlich?

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Matt Mullenweg hat die eigene Beurlaubung fast beiläufig verkündet. „Und die größte Neuigkeit: Morgen schaffe ich es nicht zum Führungstreffen”, schrieb der WordPress-Mitgründer am 9. September 2026 in einem internen Slack-Kanal von Automattic, bevor der eigentliche Vorgang folgte. Damit erreicht der Dauerstreit um WordPress und den Hoster WP Engine die Chefetage.

Das Wichtigste in Kürze

  • Automattics Vorstand hat CEO Matt Mullenweg in eine bezahlte Auszeit versetzt, CFO Mark Davies übernimmt interimistisch.
  • Mullenweg bleibt im Vorstand, spricht aber von einem Beschluss „hinter meinem Rücken” und stimmte dagegen.
  • Auslöser ist der eskalierte Rechtsstreit mit WP Engine samt Sanktionsantrag und Marken-Fehde.
  • Für Seitenbetreiber bleibt der Betrieb stabil, offen ist die Kontrolle über WordPress.org.

Was geschah im Vorstand von Automattic?

Lederstuhl mit Sombrero-Stickerei und Schild
Automattics Vorstand beurlaubt Gründer Matt Mullenweg am 9. September 2026. CFO Mark Davies übernimmt als Interims-CEO, Mullenweg bleibt Vorstandsmitglied

Am 9. September 2026 stimmte der Vorstand von Automattic dafür, Firmengründer Matt Mullenweg in eine bezahlte Auszeit zu schicken. CFO Mark Davies rückt als Interims-CEO nach, Mullenweg bleibt einfaches Vorstandsmitglied. Die Investigativplattform 404 Media hat die internen Slack-Nachrichten eingesehen und die Beurlaubung von einem Automattic-Sprecher bestätigt bekommen.[1]

Laut Mullenweg fassten CFO Davies und die Vorstandsmitglieder Ann Dunwoody, der frühere Automattic-Chef Toni Schneider und Sue Decker den Beschluss „hinter meinem Rücken”. Die Vorlage habe er 50 Minuten vor Sitzungsbeginn erhalten, seine Bitte um Prüfung durch unabhängige Anwälte sei abgelehnt worden. Mullenweg stimmte gegen die eigene Beurlaubung, blieb aber in der Minderheit.

Warum der Streit mit WP Engine die Chefetage erreicht

Der Führungswechsel fällt nicht vom Himmel. Seit Herbst 2024 führt Mullenweg einen öffentlichen Feldzug gegen den Hoster WP Engine, der in einen teuren Rechtsstreit mündete. WP Engine wirft Automattic inzwischen die Vernichtung von Beweismitteln vor und hat einen Sanktionsantrag gestellt.

Die Beurlaubung steht am Ende einer langen Eskalationskette. Das Alignment-Angebot trieb 2024 rund 159 Mitarbeiter aus der Firma, später folgten Wasserzeichen zur Enttarnung undichter Stellen und der Versuch, sich das Wort „automatic” als Marke schützen zu lassen. Mullenweg nannte den WP-Engine-Prozess zudem als Grund, das Vorzeigefeature Echtzeit-Zusammenarbeit aus WordPress 7.0 zu streichen.

Chronik eines Machtkampfs
Wie der Streit um WordPress in zwei Jahren die Spitze von Automattic erreichte
September 2024

Der Feldzug beginnt

Mullenweg greift den Hoster WP Engine öffentlich an und sperrt zeitweise den Zugang zu WordPress.org.

Oktober 2024

Alignment-Angebot

Rund 159 Beschäftigte nehmen eine Abfindung an und verlassen Automattic.

April 2025

Wasserzeichen entdeckt

In internen Kanälen tauchen Wasserzeichen auf, die undichte Stellen enttarnen sollen.

November 2025

Streit ums Wort

Automattic beansprucht das Wort „automatic” als Marke und fordert einen Anbieter zur Umbenennung auf.

Mai 2026

Vorwurf der Beweisvernichtung

WP Engine wirft Automattic vernichtete Beweismittel vor und stellt einen Sanktionsantrag.

September 2026

Der Vorstand greift durch

Das Gremium beurlaubt Mullenweg, Finanzchef Mark Davies übernimmt als Interims-CEO.

Ein Interims-CEO ordnet die Firma, nicht das Ökosystem. Solange WordPress.org an einer einzelnen Person hängt, bleibt das offene Projekt der eigentliche Unsicherheitsfaktor.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was WordPress-Betreiber im DACH-Raum jetzt beachten

Für die Millionen Seiten, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf WordPress laufen, gibt es keinen Grund zur Panik. Der Betrieb, die Updates und das Plugin-System laufen unverändert weiter. Sicherheitsrelevante Aktualisierungen wie zuletzt bei WordPress 7.0.4 sollten Agenturen trotzdem sofort einspielen.

Wichtig bleibt die Unterscheidung zweier getrennter Baustellen. Der Vorstand kontrolliert die Firma Automattic, nicht aber WordPress.org, die Plugin-Registry und die WordPress Foundation, die weiter eng mit Mullenweg persönlich verknüpft sind. Ein Wechsel im Chefsessel ändert also nichts an der Person, die im Ernstfall den Zugang zum Plugin-Verzeichnis steuert.

Als Agentur lohnt sich jetzt ein zweiter Bezugsweg für kritische Updates, etwa ein sauberes Backup vor jedem Core-Update und ein geprüftes Hosting mit eigenem Sicherheits-Monitoring. Ein Blick auf die eingesetzte Plattform schadet ebenfalls nicht, wie unser WordPress-Hosting-Vergleich zeigt.

Quelle

[1] 404 Media: „Automattic CEO Matt Mullenweg Put on ‚Leave of Absence’” (9. September 2026)

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