Artikel teilen

Chinas Marktaufsicht SAMR hat die Übernahme des Liefervermittlers Maiyatian durch Meituan in einer öffentlichen Anhörung verhandelt, der ersten in einer chinesischen Fusionsprüfung. Zusammen kamen beide Firmen 2024 auf mehr als die Hälfte des chinesischen Marktes für Liefervermittlung, obwohl der Kauf unter den Meldeschwellen lag. Ob Meituans Zusagen genügen, entscheidet die Behörde erst noch.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Die Meituan-Übernahme von Maiyatian ist der erste Fall im Plattformsektor, bei dem Peking eine Anmeldung verlangt, obwohl der Deal die Meldeschwellen des Staatsrats nicht erreicht.[1] Am 10. Oktober schilderte Xie Fang aus der Leitung der zweiten Antimonopol-Abteilung der SAMR, wie die Anhörung am 18. September verlief. Den Inhalt der Zusagen hat die Behörde bislang nicht veröffentlicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Meituan und Maiyatian hielten 2024 zusammen mehr als 50 Prozent des chinesischen Marktes für Liefer-Aggregatoren.
  • Die SAMR befürchtet, dass kleine Händler ihre Kurierdienste nicht mehr frei wählen können.
  • Zur Anhörung kamen Konkurrenten wie Taobao Shangou und JD.com, dazu Kurierdienste, Händler sowie Fahrer.
  • Meituan hat Auflagen angeboten, deren Wortlaut die Behörde nicht veröffentlicht.

Warum prüft Peking einen Deal unterhalb der Schwelle?

Eisenbahnweiche und Schalthebel mit „Verkauft“-Etikett auf weißem Sockel vor hellem Hintergrund
Maiyatian vermittelt Bestellungen zwischen Händlern und Kurierdiensten. Gehört die Plattform dem Marktführer Meituan, verliert sie ihre Neutralität

Maiyatian betreibt eine Vermittlungsplattform: Händler, die selbst ausliefern, vergeben ihre Bestellungen darüber an verschiedene Kurierdienste.[1] Seinen Wert bezieht ein solcher Aggregator aus der Neutralität, weil kein Kurierdienst die Schaltstelle besitzt. Gehört die Plattform dem Marktführer bei Essenslieferungen, entscheidet Meituan mit, welche Kuriere Aufträge erhalten. Im Lieferkrieg mit Alibaba, JD.com und Pinduoduo kann diese Macht über die Zustellung Marktanteile verschieben.

Den Hebel liefert das reformierte Kartellgesetz von 2022. Nach Artikel 26 darf die SAMR auch kleinere Zusammenschlüsse an sich ziehen, sofern Hinweise auf eine Beschränkung des Wettbewerbs vorliegen. Die Behörde sieht zwei Gefahren: Händler könnten Kurierdienste nicht mehr frei wählen, und Meituan könnte seine Kontrolle über Essenslieferungen und den Sofort-Einzelhandel ausbauen.[2] Zugleich will die SAMR ruinösen Preiswettbewerb verhindern, gegen den sie bereits bei Hotelbuchungsplattformen vorgeht.

Worüber stritten die Beteiligten in der Anhörung?

Am Tisch saßen Konkurrenten wie Alibabas Taobao Shangou und JD.com.[1] Hinzu kamen die Kurierdienste Shansong und UU Paotui, außerdem Verbände, Händler, Fahrer sowie Fachleute. Im Kern ging die Debatte darum, ob sich Meituans Zusagen überhaupt durchsetzen lassen. Misstrauen hat Vorgeschichte: 2021 verhängte die SAMR gegen Meituan eine Strafe von 3,44 Milliarden Yuan, rund 459 Millionen Euro zum Kurs von 0,133 Euro je Yuan (EZB, 9. Oktober 2026). Der Konzern hatte Händler zu Exklusivverträgen gedrängt.

Auch Europa kennt solche Zugangszusagen. Für die Freigabe der Ceconomy-Übernahme bot JD.com der EU-Kommission an, kleinere Konkurrenten seine Logistik mitnutzen zu lassen. Eine Zusage schützt den Wettbewerb nur, solange eine Behörde ihre Einhaltung überwacht.

Ein neutraler Vermittler verliert seinen Wert an dem Tag, an dem ihn der größte Kunde kauft.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zitat teilen
Meituan kauft den Vermittler
Was die chinesische Marktaufsicht an der Übernahme von Maiyatian stört
über 50 %
Marktanteil hielten Meituan und Maiyatian 2024 zusammen bei Liefer-Aggregatoren
18. Sept.
fand die erste öffentliche Anhörung einer Fusionsprüfung in China statt
459 Mio. €
Strafe verhängte die SAMR 2021 gegen Meituan wegen erzwungener Exklusivverträge
1. Fall
im Plattformsektor, bei dem China trotz verfehlter Meldeschwelle eine Anmeldung verlangt

Prüfung unterhalb der Meldeschwellen

Womit Behörden kleine Zukäufe großer Konzerne an sich ziehen
China
Artikel 26 Kartellgesetzseit 2022, Meituan ist der erste Plattformfall
Deutschland
Paragraf 39a GWBRethmann meldet seit November 2025 jeden Zusammenschluss an
Deutschland
TransaktionswertPrüfpflicht ab 400 Mio. € Kaufpreis, auch bei kleinem Zielunternehmen
EU
Artikel 14 DMAGatekeeper melden Brüssel jede geplante Übernahme

Was bedeutet der Fall für Unternehmen in Europa?

Auch das Bundeskartellamt greift unterhalb der Umsatzschwellen ein. Seit November 2025 muss die Rethmann-Gruppe nach Paragraf 39a GWB drei Jahre lang jeden Zusammenschluss anmelden,[3] selbst ein regionales Gemeinschaftsunternehmen von Remondis und AWIGO. Digitalkonzerne mit Gatekeeper-Status melden Brüssel nach Artikel 14 des Digital Markets Act jede geplante Übernahme.

Ein ähnlicher Seitenwechsel läuft in Deutschland bei Paketautomaten: Die Deutsche Post kauft mit Myflexbox einen Betreiber anbieteroffener Stationen. Händler und Logistiker sollten bei solchen Käufen prüfen, welche Ausweichpartner ihnen bleiben, und Zugangsrechte vertraglich absichern. Befürchten Konkurrenten Nachteile, können sie der Kartellbehörde vor der Freigabe Belege vorlegen.

Quellen

3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. China News ServiceChinesische Behörde äußert sich zur öffentlichen Anhörung im Fall der Maiyatian-Übernahme durch Meituan10.10.2026
  2. XinhuaErste öffentliche Anhörung in Chinas Fusionskontrolle prüft Meituan-Übernahme10.10.2026
  3. BundeskartellamtBundeskartellamt verpflichtet Rethmann-Gruppe zur Anmeldung künftiger Zusammenschlüsse24.11.2025

Mehr Newshunger?

4,5 10 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?