Der chinesische Robotaxi-Anbieter Pony.ai, der Fahrdienst inDrive und Nvidia wollen in Kasachstans Hauptstadt Astana fahrerlose Taxis testen, beginnen soll das im ersten Halbjahr 2027. Unterschrieben haben die drei Unternehmen am 23. Oktober eine Absichtserklärung. Für Pony.ai ist Kasachstan der erste Markt in Zentralasien.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenDie Tests in Astana beginnen erst, wenn sich die Partner mit der kasachischen Regierung geeinigt haben, berichtet die chinesische Wirtschaftszeitung Daily Economic News.[1] inDrive vermittelt nach eigenen Angaben Fahrten in mehr als 1.200 Städten in 47 Ländern und ist vor allem in Schwellenländern aktiv.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Pony.ai liefert Robotaxis der siebten Generation, inDrive betreibt den Dienst über seine App, Nvidia stellt Rechenplattform und Sicherheitssoftware.
- Zuerst sind Testfahrten ohne Fahrgäste mit Sicherheitsfahrer geplant, fahrerlos soll der Dienst erst später unterwegs sein.
- Wie viele Fahrzeuge nach Astana kommen, sagt inDrive nicht.
- Zu einer ähnlichen Absichtserklärung für Riad aus dem Jahr 2025 nennt inDrive keinen Stand.
Was haben die drei Unternehmen vereinbart?

Arbeitsteilung. Pony.ai stellt Fahrzeuge und Fahrsoftware, inDrive übernimmt Betrieb und Kundendienst auf seiner Plattform. Nvidia steuert seine Rechenplattform Hyperion und das Sicherheitssystem Halos bei.[2] Gemeinsam wollen die Partner prüfen, ob sich Fahrten der Stufe 4 über die inDrive-App technisch, rechtlich und wirtschaftlich anbieten lassen.[2] Auf Stufe 4 fährt das Auto in einem festgelegten Gebiet ohne menschlichen Fahrer.
Erst mit, dann ohne Fahrer. Laut inDrive-Technikchef Yuri Misnik beginnt das Projekt mit Testfahrten ohne Fahrgäste, bei denen ein Sicherheitsfahrer an Bord ist. Danach sollen Fahrgäste zusteigen, zunächst weiterhin mit Sicherheitsfahrer, der fahrerlose Betrieb ist das Ziel für später.[3] Die Zahl der Fahrzeuge nannte Misnik auf Nachfrage des Fachdienstes Zag Daily nicht.
Warum Astana. Pony.ai begründet die Wahl mit der Rechtslage: Kasachstan habe im Juni per Erlass Digitalisierung und KI gefördert und als eines der ersten Länder der Region einen Rechtsrahmen für fahrerlosen Verkehr geschaffen.[2] inDrive-Chef Arsen Tomsky verweist auf das Klima. Astana gilt als zweitkälteste Hauptstadt der Welt, die Tests sollen zeigen, wie die Technik mit Schnee und Frost zurechtkommt.[3] Am selben Tag besuchte Nvidia-Chef Jensen Huang Astana und bezeichnete Kasachstan als künftige Drehscheibe für KI-Rechenleistung.
Warum holen sich Fahrdienste die Robotaxi-Technik von außen?
Kunden hier, Technik dort. Fahrdienste wie inDrive, Uber oder Bolt bringen Kunden und Erfahrung im Betrieb mit, die Fahrsoftware kaufen sie bei Spezialisten ein. Pony.ai wiederum muss im Ausland keine eigene Flotte aufbauen. In Zagreb besitzt und betreibt das Unternehmen Verne die Wagen, in London sollen die Robotaxis später über die Uber-App buchbar sein.
Nvidias Plattform als Klammer. Hyperion ist eine Referenzplattform aus Bordrechner und Sensoren, auf der die Fahrsoftware verschiedener Anbieter laufen kann. Zwei Tage vor der Kasachstan-Meldung hatte Bolt angekündigt, 2027 in Madrid Robotaxis mit Nvidias Fahrsoftware einzusetzen. Auch Volvo und Mercedes setzen beim automatisierten Fahren auf Nvidias Komplettpaket.
Absichtserklärungen ohne Starttermin. Eine Absichtserklärung ist in der Regel nicht bindend. inDrive hatte 2025 bereits eine mit AI Driver unterschrieben, dem saudischen Vertriebspartner des chinesischen Robotaxi-Anbieters WeRide. Geplant war ein Start in Riad im ersten Halbjahr 2026, danach in Dschidda. Zum Stand dieses Projekts äußerte sich Misnik gegenüber Zag Daily nicht.[3]
Eine Absichtserklärung ist noch kein Fahrplan. Entscheidend ist der Tag, an dem in Astana der erste Fahrgast ohne Sicherheitsfahrer einsteigt.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was gilt für Robotaxis in Deutschland?
Genehmigter Betriebsbereich. Autos mit autonomer Fahrfunktion dürfen in Deutschland nur mit Betriebserlaubnis oder Typgenehmigung und nur in einem behördlich genehmigten Betriebsbereich fahren.[4] Der Halter muss außerdem eine Technische Aufsicht stellen, die das Fahrzeug aus der Ferne überwacht und alternative Fahrmanöver freigeben kann. Uber plant Robotaxis in München, die Technik dafür liefert mit Momenta ebenfalls ein chinesischer Anbieter.
Drei Unternehmen, eine Fahrt. Plattform, Technikanbieter und Fahrzeughalter sind bei solchen Projekten oft verschiedene Firmen. Für Kommunen, Verkehrsbetriebe und Flottenbetreiber, die mit Fahrdiensten über Robotaxis verhandeln, lohnt deshalb ein genauer Blick in die Verträge.
- Klären Sie schriftlich, welches Unternehmen Halter ist und die Technische Aufsicht stellt.
- Fragen Sie, wo Kamera- und Fahrdaten verarbeitet werden und welches Unternehmen darauf zugreifen kann.
- Lassen Sie sich bei einer Absichtserklärung einen Zeitplan mit den nötigen Genehmigungen vorlegen.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Daily Economic News (每日经济新闻) via Sina小马智行联手inDrive在哈萨克斯坦率先试点Robotaxi (chinesisch)
- CNMO小马智行Robotaxi首次落地中亚 与inDrive、英伟达合作 (chinesisch, 23. Oktober 2026, mit der Mitteilung von Pony.ai)
- Zag DailyInDrive and Pony AI pledge robotaxis for Kazakhstan next year (englisch)
- Bundesministerium der Justiz§ 1e StVG und § 1f StVG
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