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Der Index, mit dem ASML die Verbundenheit seiner Beschäftigten mit dem Unternehmen misst, ist binnen eines Jahres von 78 auf 73,5 Prozent gefallen. Konzernchef Christophe Fouquet zieht daraus eine Konsequenz für die eigene Bezahlung: Sechs Fragen der jährlichen Mitarbeiterbefragung fließen künftig in die Langfristvergütung der Führung ein, auch in die des Vorstands. Angekündigt hat Fouquet den Schritt in einem internen Memo, das Business Insider eingesehen hat.[1]

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Für die Belegschaft sei 2026 „ein Jahr voller Umbrüche, das viele aufgewühlt hat“ gewesen, schreibt Fouquet darin. Ein ASML-Sprecher bestätigte gegenüber Business Insider, dass der neue Index in die Vergütung der obersten Führungsebenen einschließlich des Vorstands eingeht.[1]

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • ASML-Chef Christophe Fouquet nimmt einen neuen Index aus sechs Fragen der Mitarbeiterbefragung in die Langfristvergütung der Führung auf.
  • Gefragt wird unter anderem, ob Beschäftigte ohne Angst vor Nachteilen ihre Meinung sagen und ob sie der Konzernführung vertrauen.
  • Bisher zählen die Verbundenheit der Beschäftigten und Inklusion zusammen mit 6,7 Prozent in Fouquets Langfristbonus, das neue Gewicht nennt ASML nicht.
  • Bei der Deutschen Telekom beeinflusst die Mitarbeiterzufriedenheit seit 2025 die Höhe des Jahresbonus im Vorstand.

Was hat Fouquet angekündigt?

Lohntüte mit Aufkleber (drei volle Sterne) auf weißem Hintergrund
Über 38.000 von 44.000 ASML-Mitarbeitern beantworteten die Jahresbefragung. Daraus entwickelte die Konzernleitung den Workplace Experience Index aus sechs Fragen zu Meinungsfreiheit, Vertrauen und Teameffizienz

An der diesjährigen Mitarbeiterbefragung nahmen mehr als 38.000 der rund 44.000 ASML-Beschäftigten teil. Aus den Antworten hat die Konzernspitze sechs Fragen ausgewählt und zu einer neuen Kennzahl verdichtet, dem Workplace Experience Index. Die Fragen lauten unter anderem, ob Beschäftigte ihre Meinung ohne Angst vor Nachteilen äußern können, ob sie der obersten Führung vertrauen, ob ihre Teams effizient arbeiten und ob sich der direkte Vorgesetzte für sie als Person interessiert. „In den kommenden Jahren“ werde der Index die Vergütung der obersten Führungskräfte direkt beeinflussen, schreibt Fouquet.[1]

Offen bleibt das Gewicht. Wie stark der Index im Bonus zählt und ab welchem Jahr, hat ASML nicht mitgeteilt. Über Gewicht und Ziele entscheidet der Aufsichtsrat im Rahmen der Vergütungspolitik, die die Hauptversammlung 2025 beschlossen hat.[2]

Warum greift Fouquet gerade jetzt in die Vergütung ein?

Den Rückgang erklärt Fouquet selbst mit einer Phase großer Veränderungen. Im Januar hatte ASML angekündigt, bis zu 1.700 Stellen zu streichen, vor allem Führungsposten in Technik und IT, um Hierarchieebenen abzubauen. Später erklärte der Konzern, weniger Stellen zu streichen als geplant.[1] Gleichzeitig will ASML mehr Maschinen bauen. Am 14. Oktober meldete ASML für das dritte Quartal einen Rekordumsatz von 11,7 Mrd. € und warnte, die geplanten Liefermengen würden die Nachfrage der Kunden 2027 und 2028 nicht vollständig decken. Für 2028 prüft der Konzern deshalb einen Ausbau der Kapazität über die bisher angekündigten 30 Prozent hinaus.[3] Ein Hersteller, der seine Fertigung ausbauen will, kann sich eine verunsicherte Entwicklungsabteilung schlecht leisten.

Neu ist das Instrument bei ASML nicht. Laut Geschäftsbericht 2025 hängt Fouquets Langfristbonus für die Jahre 2025 bis 2027 zu 25 Prozent an der relativen Aktionärsrendite, zu 35 Prozent an der Kapitalrendite, zu 20 Prozent am internen Technology Leadership Index und zu 20 Prozent an ESG-Zielen. Verbundenheit der Beschäftigten und Inklusion machen darin zusammen 6,7 Prozent aus.[2] Insgesamt verdiente Fouquet 2025 rund 7,0 Mio. €, der Zielwert seines Langfristbonus steigt für den Leistungszeitraum 2026 bis 2028 auf 300 Prozent des Grundgehalts.[2] Mit dem neuen Index rücken das Vertrauen in die Führung und die Frage, ob Kritik ohne Nachteile möglich ist, ausdrücklich in die Bonusformel.

Fouquet macht das Vertrauen der Belegschaft zur Gehaltsfrage. Wirken kann der Schritt nur, wenn der Anteil am Bonus spürbar ausfällt.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Wie ASML die Belegschaft in den Vorstandsbonus holt
Befragung, Langfristbonus und Vergleich mit der Telekom, Stand 24. Oktober 2026
Die Befragung 2026
Index der Verbundenheit
78 % → 73,5 %

Mehr als 38.000 der rund 44.000 Beschäftigten nahmen teil. Der Wert sank im Jahr des Umbaus.

Der neue Index
  • Sechs Fragen aus der Befragung, darunter:
  • Meinung äußern ohne Angst vor Nachteilen
  • Vertrauen in die oberste Führung
  • Interesse des Vorgesetzten an der Person
Fouquets Langfristbonus 2025 bis 2027
  • 35 % Kapitalrendite
  • 25 % relative Aktionärsrendite
  • 20 % Technology Leadership Index
  • 20 % ESG-Ziele, davon 6,7 % Verbundenheit und Inklusion

Gesamtvergütung 2025: rund 7,0 Mio. €. Das Gewicht des neuen Index nennt ASML nicht.

Zum Vergleich: Telekom
Jahresbonus des Vorstands
± 20 %

Die Mitarbeiterzufriedenheit zählt zu einem Drittel in einem Multiplikator, der den Jahresbonus kürzt oder erhöht.

Was bedeutet das für Unternehmen in Deutschland?

Im Vergütungssystem 2025 der Deutschen Telekom fließt die Mitarbeiterzufriedenheit zu einem Drittel in einen Multiplikator ein, der den Jahresbonus des Vorstands um bis zu 20 Prozent kürzt oder erhöht. Der Aufsichtsrat ordnete die Kennzahl bewusst dem Jahresbonus zu, damit sich Veränderungen zeitnah in der Bezahlung zeigen.[4]

Börsennotierte Aktiengesellschaften müssen im Vergütungssystem jedes finanzielle und nichtfinanzielle Leistungskriterium der variablen Vergütung angeben, und bei jeder wesentlichen Änderung stimmt die Hauptversammlung über das System ab.[5] Prüfen Sie als Aufsichtsrat oder Gesellschafter, welche Befragungswerte tatsächlich Führung messen und wie stark sie zählen. Achten Sie außerdem auf die Anonymität der Befragung: Sobald ein Bonus an den Antworten hängt, steigt für Vorgesetzte der Anreiz, auf ihre Teams einzuwirken.

FAQ: ASML, Fouquet und die Vorstandsvergütung

Was ist der Workplace Experience Index von ASML?

Der Index fasst sechs Fragen der jährlichen ASML-Mitarbeiterbefragung zusammen, etwa ob Beschäftigte ohne Angst vor Nachteilen ihre Meinung sagen und ob sie der obersten Führung vertrauen. Laut einem internen Memo von Christophe Fouquet fließt der Wert künftig in die Langfristvergütung von Führung und Vorstand ein.

Wie viel verdient ASML-Chef Christophe Fouquet?

Laut Geschäftsbericht 2025 erhielt Fouquet im vergangenen Jahr eine Gesamtvergütung von rund 7,0 Mio. €. Der Zielwert seines Langfristbonus liegt für den Leistungszeitraum 2026 bis 2028 bei 300 Prozent des Grundgehalts.

Koppeln deutsche Konzerne die Vorstandsvergütung an die Mitarbeiterzufriedenheit?

Ja, zum Beispiel die Deutsche Telekom. In ihrem Vergütungssystem 2025 zählt die Mitarbeiterzufriedenheit zu einem Drittel in einem Multiplikator, der den Jahresbonus des Vorstands um bis zu 20 Prozent kürzt oder erhöht.

Quellen

5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Business InsiderThe CEO of Europe’s most valuable company says he is tying his pay to employee satisfaction (englisch, mit Auszügen aus dem internen Memo)23.10.2026
  2. ASML HoldingAnnual Report 2025, Form 20-F, Remuneration Report (englisch)Februar 2026
  3. ASML HoldingASML reports €11.7 billion total net sales and €5.0 billion net income in Q3 2026 (englisch)14.10.2026
  4. Deutsche TelekomVorstandsvergütungssystem 2025 (PDF)
  5. Bundesministerium der Justiz§ 87a Aktiengesetz, Vergütungssystem börsennotierter Gesellschaften, und § 120a Aktiengesetz, Votum zum Vergütungssystem

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