Bildschirmarbeit strengt die Augen vor allem an, weil Menschen vor dem Monitor das Blinzeln vergessen. In einer Studie mit 51 gesunden Freiwilligen sank die Lidschlagrate von 15,5 Lidschlägen pro Minute im Gespräch auf 5,3 am Bildschirm. Gegen trockene Augen hilft deshalb kein Brillenfilter, wohl aber ein tiefer gestellter Monitor, ergänzt um regelmäßige Blickpausen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRund ein Viertel der Erwerbstätigen in Deutschland arbeitet inzwischen zumindest zeitweise von zu Hause, oft am Laptop auf dem Küchentisch. Am Nachmittag brennen die Augen, die Schrift verschwimmt. Der Kopf rückt dann immer näher an den Monitor. Hier lesen Sie, was die Augen am Bildschirm wirklich belastet, welche Einstellungen helfen und wann Ihr Arbeitgeber eine Bildschirmbrille bezahlen muss.
Das Wichtigste in Kürze
- Bildschirmarbeit verursacht nach heutigem Wissen keine bleibenden Augenschäden, aber trockene, müde Augen, weil die Lidschlagrate am Monitor auf rund ein Drittel sinkt.
- Blaulichtfilter-Gläser lindern die Beschwerden laut einer Cochrane-Auswertung von 17 Studien wahrscheinlich nicht. Mehr bringen richtiger Abstand, passende Bildschirmhöhe, gutes Licht und kurze Pausen.
- Arbeitgeber müssen eine Untersuchung der Augen anbieten und eine spezielle Bildschirmbrille bezahlen, sobald die normale Brille für den Bildschirmabstand nicht reicht.
- Eine allgemeine Gehaltszulage erfüllt diese Pflicht nicht: Der Arbeitgeber stellt die Brille selbst oder erstattet die notwendigen Kosten (EuGH, C-392/21).
1 Wie oft blinzelten Testpersonen in einer Studie mit 51 Freiwilligen am Bildschirm pro Minute? Aufklappen ↓
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2 Welchen Sehabstand empfiehlt der DGUV-Leitfaden für typische Büroarbeit am Monitor? Aufklappen ↓
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3 Was ergab die Cochrane-Auswertung von 17 Studien zu Blaulichtfilter-Gläsern? Aufklappen ↓
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4 Wann muss der Arbeitgeber eine spezielle Bildschirmbrille bezahlen? Aufklappen ↓
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5 Wie darf der Arbeitgeber seine Pflicht zur Bildschirmbrille laut EuGH erfüllen? Aufklappen ↓
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Was macht Bildschirmarbeit mit den Augen?
Bildschirmarbeit trocknet die Augenoberfläche aus und hält die Augen stundenlang auf dieselbe kurze Entfernung eingestellt. Die Folgen sind Brennen, Druckgefühl, Kopfschmerzen und verschwommenes Sehen am Nachmittag. Bleibende Schäden richtet die Arbeit am Monitor nach heutigem Wissen nicht an.
Fachleute fassen die Beschwerden unter dem Begriff Digital Eye Strain zusammen, im Deutschen auch Computer-Vision-Syndrom. Amy Sheppard und James Wolffsohn von der Aston University in Birmingham schätzen in einer Übersichtsarbeit von 2018, dass die Hälfte oder mehr aller Computernutzer betroffen ist. Die Symptome klingen meist nach Feierabend wieder ab, können aber täglich zurückkehren.
Diese Entwarnung teilt die American Academy of Ophthalmology, der US-Fachverband der Augenärzte. Für Ihre Leistung im Büro ist die Entwarnung ein schwacher Trost.
Der vergessene Lidschlag
Bei jedem Lidschlag verteilt das Augenlid einen frischen Tränenfilm über die Hornhaut. Konzentriertes Lesen am Monitor unterdrückt diesen Reflex. Eine Studie im Fachjournal Graefe’s Archive for Clinical and Experimental Ophthalmology maß den Effekt 2003 an 51 gesunden Freiwilligen: Im Gespräch blinzelten die Testpersonen im Schnitt 15,5-mal pro Minute, am Bildschirm nur noch 5,3-mal. Schon 1991 hatte eine Studie in Optometry and Vision Science ermittelt, dass die Lidschlagrate am Bildschirm im Schnitt auf ein Fünftel sinkt.
Zwischen zwei Lidschlägen verdunstet der Tränenfilm. Trockene Heizungsluft im Winter, ein Ventilator unter dem Schreibtisch oder Kontaktlinsen beschleunigen die Verdunstung. Die Hornhaut reagiert mit Brennen, Fremdkörpergefühl und paradoxerweise mit tränenden Augen, weil der Körper die fehlende Feuchtigkeit mit wässrigen Reflextränen ausgleichen will.
Stundenlang auf 60 Zentimeter scharf gestellt
Für den Blick auf den Bildschirm verformt ein kleiner Ringmuskel die Augenlinse, damit das Bild in 50 bis 65 Zentimetern scharf bleibt. Gleichzeitig drehen sich beide Augen leicht nach innen.
Diese Naheinstellung kostet Kraft. Ein Arbeitstag mit acht Stunden auf derselben Distanz lässt dem Muskel kaum Gelegenheit zur Entspannung.
Die unentdeckte Fehlsichtigkeit
Am stärksten leiden Menschen, deren Sehfehler nicht oder falsch korrigiert ist. In jungen Jahren gleicht das Auge eine leichte Weitsichtigkeit oder Hornhautverkrümmung mit zusätzlicher Muskelarbeit aus. Am Bildschirm summiert sich diese Mehrarbeit über den Tag zu Kopfschmerzen, ohne dass die Betroffenen einen Sehfehler bemerken.
Ab etwa 40 Jahren kommt die Alterssichtigkeit hinzu. Die Augenlinse verliert ihre Elastizität, der Nahpunkt rückt weiter vom Auge weg und Texte auf dem Smartphone wandern auf Armlänge. Nach der American Academy of Ophthalmology setzt die Alterssichtigkeit meist kurz nach dem 40. Geburtstag ein.
Für die Bildschirmarbeit ist dieses Alter der Wendepunkt, an dem eine passende Brille über einen entspannten oder einen verkrampften Arbeitstag entscheidet.
Der Leitfaden der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung für Bildschirm- und Büroarbeitsplätze (DGUV Information 215-410) zählt mangelhafte Sehhilfen und schlechte Beleuchtung ausdrücklich zu den Ursachen für brennende Augen und Flimmern.
- Lidschlag: Am Monitor blinzeln Menschen nur rund ein Drittel so oft wie im Gespräch, der Tränenfilm reißt auf.
- Naheinstellung: Die Augen bleiben stundenlang auf dieselbe kurze Distanz eingestellt, Entspannung bringt nur der Blick in die Ferne.
- Ab 40: Mit der Alterssichtigkeit entscheidet die passende Brille, ob die Bildschirmarbeit anstrengt.
Schadet das blaue Licht der Bildschirme den Augen?

Schäden an den Augen durch Bildschirmlicht sind nicht belegt. Brillengläser mit Blaulichtfilter lindern müde Augen nach der besten verfügbaren Auswertung wahrscheinlich nicht. Belegt ist eine Wirkung am Abend auf den Schlaf.
Blaues Licht ist der kurzwellige Teil des sichtbaren Spektrums zwischen etwa 380 und 500 Nanometern. Diese Wellenlängen stecken im Sonnenlicht ebenso wie im Licht von LED-Lampen und Bildschirmen. Weil Displays heller und Bildschirmtage länger geworden sind, hat sich ein Markt für Filtergläser gebildet, die einen Teil dieses Lichts reflektieren oder absorbieren.
Was die Cochrane-Auswertung zeigt
Die Cochrane Collaboration, ein internationales Netzwerk für unabhängige Gesundheitsauswertungen, trug im August 2023 alle verfügbaren randomisierten Studien zu Blaulichtfilter-Gläsern zusammen. Ein Team um Sumeer Singh und Laura Downie von der University of Melbourne fand 17 Studien mit 5 bis 156 Teilnehmenden und Beobachtungszeiten von unter einem Tag bis fünf Wochen. Das Ergebnis: Bei der empfundenen Augenermüdung bringt ein Filterglas gegenüber einem normalen Glas möglicherweise keinen Vorteil.
Die Autorinnen und Autoren stufen die Sicherheit dieser Aussage als niedrig ein, weil die Studien klein und kurz waren.
Zur Gesundheit der Netzhaut hat keine der 17 Studien Daten erhoben, beim Schlaf widersprachen sich die Ergebnisse. Die American Academy of Ophthalmology empfiehlt ausdrücklich keine Blaulichtbrille für die Arbeit am Computer und verweist stattdessen auf regelmäßige Blickpausen.
Wo blaues Licht tatsächlich wirkt
Belegt ist der Einfluss auf den Tag-Nacht-Rhythmus. Blaues Licht hemmt die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin und hält wach, was tagsüber erwünscht ist, am späten Abend aber nicht. Mails, die Sie um 23 Uhr am hellen Bildschirm beantworten, können das Einschlafen verzögern, ganz gleich, ob die Augen dabei müde werden. Gegen diesen Effekt helfen die Nachtmodi von Windows, macOS, iOS und Android, die das Bild abends wärmer färben. Eine Brille ist dafür nicht nötig.
Unsere Einschätzung: Manche Optiker veredeln Gläser heute ohnehin mit einer Blaulichtschicht, teils ohne Aufpreis. Als Grund für den Kauf einer Bildschirmbrille taugt diese Schicht nicht. Bei Beschwerden am Monitor gehören zuerst Sehstärke, Abstand und Licht auf den Prüfstand.
In 17 Studien zeigte sich kein messbarer Nutzen von Blaulichtfilter-Gläsern gegen müde Augen. Abends lohnt der Nachtmodus des Bildschirms, weil warmes Licht das Einschlafen erleichtert.
Wie richten Sie den Bildschirm augenfreundlich ein?

Stellen Sie den Monitor 50 bis 65 Zentimeter entfernt auf, die oberste Textzeile höchstens auf Augenhöhe, seitlich zum Fenster und in einem Raum mit mindestens 500 Lux. Diese vier Stellgrößen kosten nichts und entlasten die Augen spürbar.
Die Werte stammen aus dem Arbeitsschutz: Die Arbeitsstättenverordnung verlangt in ihrem Anhang 6, dass Bildschirme frei von störenden Reflexionen und Blendungen aufgestellt werden und dass Helligkeit und Kontrast sich einfach einstellen lassen. Konkrete Maße liefert der DGUV-Leitfaden 215-410 für Bildschirmarbeitsplätze, den Arbeitgeber und Fachkräfte für Arbeitssicherheit als Referenz nutzen.
Abstand: eine Armlänge, nicht weniger
Für typische Büroaufgaben mit viel Text haben sich nach dem DGUV-Leitfaden Sehabstände von 50 bis 65 Zentimetern bewährt, 50 Zentimeter sollten nicht unterschritten werden. Auch bei großen Monitoren mit mehreren Fenstern bleibt die Untergrenze von 50 Zentimetern. Die American Academy of Ophthalmology nennt als Faustregel eine Armlänge.
Rückt der Kopf im Laufe des Tages näher an den Bildschirm, ist oft die Schrift zu klein. Der Leitfaden empfiehlt bei 50 Zentimetern Abstand eine Zeichenhöhe von 3,2 bis 4,5 Millimetern für Großbuchstaben, bei 60 Zentimetern 3,9 bis 5,5 Millimeter.
Die Skalierung in Windows oder macOS auf 125 oder 150 Prozent zu stellen, kostet zehn Sekunden und erspart den Augen die Nahanstrengung.
Höhe: Blick leicht nach unten
Die oberste Zeile auf dem Bildschirm soll nach dem DGUV-Leitfaden keinesfalls oberhalb der waagerechten Sehachse liegen. Entspannt sehen Sie auf den Monitor, wenn die Blicklinie etwa 35 Grad nach unten geneigt ist und annähernd im rechten Winkel auf die Bildschirmfläche trifft. Der Monitor steht also tief und ist leicht nach hinten gekippt. Trockenen Augen hilft diese Haltung zusätzlich: Beim Blick nach unten senkt sich das Oberlid ein Stück, die freiliegende Augenoberfläche wird kleiner und der Tränenfilm verdunstet langsamer.
Was Arbeitsstättenverordnung, DGUV-Leitfaden und US-Augenärzte für Büro und Homeoffice empfehlen
Rund eine Armlänge zwischen Augen und Monitor, auch bei großen Bildschirmen nie unter 50 Zentimetern.
DGUV Information 215-410
Die oberste Textzeile liegt nie über der Augenhöhe, der Blick fällt leicht abgesenkt auf den Monitor.
DGUV Information 215-410
Höhe der Großbuchstaben bei 50 Zentimetern Abstand, bei 60 Zentimetern 3,9 bis 5,5 Millimeter.
DGUV Information 215-410
Mindestbeleuchtungsstärke für Datenverarbeitung im Büro, der Bildschirm leuchtet nicht heller als der Raum.
DGUV Information 215-410
Der Bildschirm steht im rechten Winkel zur Fensterfront, kein Fenster direkt vor oder hinter dem Bildschirm.
ArbStättV Anhang 6.1, DGUV 215-410
Alle 20 Minuten für 20 Sekunden auf ein Ziel in rund sechs Metern Entfernung schauen.
American Academy of Ophthalmology
Licht: hell genug, aber nicht von vorn
Am Bildschirmarbeitsplatz verlangt der DGUV-Leitfaden mindestens 500 Lux, im übrigen Raum mindestens 300 Lux. Wichtiger als die Menge ist die Richtung. Die Unfallversicherer empfehlen, Arbeitsplätze so anzuordnen, dass der Blick parallel zur Fensterfront verläuft. Ein Fenster hinter dem Monitor blendet direkt, ein Fenster im Rücken spiegelt sich im Display.
Der Bildschirm sollte nicht heller leuchten als seine Umgebung. Ein grell weißes Dokument in einem abends dämmrigen Arbeitszimmer zwingt die Augen zu ständigem Nachregeln. Eine Schreibtischleuchte mit indirektem Licht gleicht den Helligkeitsunterschied aus.
Laptop: auf Dauer nur mit Monitor oder Ständer
Ein Notebook auf dem Esstisch verletzt fast alle Regeln zugleich. Der Bildschirm sitzt zu tief und zu nah, die Tastatur hängt fest am Display.
Für die stationäre Arbeit verlangt die Arbeitsstättenverordnung eine vom Bildschirm getrennte Tastatur. Wird ein tragbares Gerät regelmäßig an einem festen Platz genutzt, gelten die vollen Anforderungen an Bildschirmarbeitsplätze.
Ein externer Monitor oder zumindest ein Laptopständer mit separater Tastatur löst das Problem für wenig Geld. Welche weiteren Möbel und Einstellungen zu Hause zählen, erklärt unser Ratgeber zum ergonomisch eingerichteten Homeoffice.
- Schrift: Rückt der Kopf zum Monitor, hilft eine Skalierung auf 125 oder 150 Prozent.
- Fenster: Seitlich zur Fensterfront sitzen, Tageslicht nie direkt hinter oder vor dem Bildschirm.
- Laptop: Für den Dauerbetrieb gehört ein zweiter Monitor oder ein Ständer mit externer Tastatur dazu.
Welche Pausen entlasten die Augen wirklich?

Am wirksamsten sind viele kurze Unterbrechungen: alle 20 Minuten für 20 Sekunden in mindestens sechs Meter Entfernung schauen und dazwischen Aufgaben einstreuen, die ohne Bildschirm auskommen. Eine lange Mittagspause gleicht stundenlanges Starren nicht aus.
Nach Anhang 6 der Arbeitsstättenverordnung hat der Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass die Bildschirmarbeit durch andere Tätigkeiten oder regelmäßige Erholungszeiten unterbrochen wird. Eine feste Minutenzahl nennt die Verordnung nicht, die Ausgestaltung hängt von der Tätigkeit ab.
Mischarbeit schlägt Pausenkonto
Der DGUV-Leitfaden setzt auf das Konzept der Mischarbeit: Tätigkeiten mit unterschiedlichen Anforderungen wechseln sich ab, ein Telefonat folgt auf die Tabellenkalkulation, die Besprechung am Whiteboard auf die Mailbearbeitung. Wo dieser Wechsel nicht möglich ist, sollen kurze Erholzeiten die Bildschirmarbeit unterbrechen.
Mehrere kurze Pausen bringen laut Leitfaden mehr Erholung als wenige lange von gleicher Gesamtdauer.
Ausdrücklich ungeeignet ist nach dem Leitfaden, Erholzeiten zu sammeln, um früher Feierabend zu machen. Für Teams mit Vertrauensarbeitszeit klingt das nach Bevormundung, für die Augen ist der Befund eindeutig: Fünf Minuten nach jeder Stunde entlasten mehr als vierzig Minuten am Stück um 15 Uhr.
Ob Kollegen die kurzen Pausen als Faulheit deuten, hängt von der Führungskultur ab.
Die 20-20-20-Regel
Die American Academy of Ophthalmology fasst die Augenpause in einer Faustregel zusammen: Alle 20 Minuten für mindestens 20 Sekunden ein Objekt fixieren, das mindestens 20 Fuß entfernt ist, also rund sechs Meter. In dieser Zeit entspannt sich der Ringmuskel, der die Linse für die Nähe verformt. Ein Blick aus dem Fenster genügt, ein Blick auf das Smartphone nicht.
Im Homeoffice fehlt diese Fernsicht oft, weil der Schreibtisch in einer Zimmerecke steht. Ein Platz mit seitlichem Blick ins Freie erfüllt dann gleich zwei Regeln: den Fensterwinkel aus dem Arbeitsschutz und die Fernpause.
Bewusst blinzeln, Luft befeuchten
Gegen den seltenen Lidschlag hilft anfangs nur Aufmerksamkeit. Die US-Augenärzte raten, sich das Blinzeln mit einer Haftnotiz am Monitorrand in Erinnerung zu rufen und bei trockenen Augen Tränenersatzmittel aus der Apotheke zu nutzen. In warmen, trockenen Räumen empfiehlt der Fachverband einen Luftbefeuchter.
Kontaktlinsen verstärken bei vielen Trägern die Trockenheit der Augen. Die American Academy of Ophthalmology rät Linsenträgern, an langen Bildschirmtagen zwischendurch zur Brille zu wechseln.
Fünf einstündige Videokonferenzen ohne Puffer bedeuten fünf Stunden Blick auf eine Kachel aus 60 Zentimetern Entfernung. Ein Kalender mit fünf Minuten Luft zwischen zwei Calls kostet nichts und verschafft den Augen die Fernpause, die sonst niemand einplant. Welche Folgen die digitale Dauerpräsenz insgesamt hat, beschreibt unser Beitrag über Digital Detox in der IT-Branche.
Erholzeiten lassen sich nicht ansparen: Fünf Minuten nach jeder Stunde entlasten die Augen mehr als vierzig Minuten am Stück am Nachmittag.
Wann brauchen Sie eine eigene Brille für den Bildschirm?

Eine eigene Bildschirmbrille brauchen Sie, sobald Ihre Alltagsbrille den Abstand von 50 bis 65 Zentimetern nicht entspannt scharf abdeckt. Betroffen sind vor allem Menschen ab Mitte 40 mit Gleitsichtbrille und alle, deren Sehfehler bisher unkorrigiert ist.
Der DGUV-Leitfaden hält fest, dass Beschäftigte am Bildschirm grundsätzlich dieselbe Brille wie im Alltag tragen können, sofern diese für das Sehen in der Nähe angepasst ist. In einigen Fällen lässt sich mit der Alltagsbrille die nötige Sehentfernung zum Monitor aber nicht einstellen. Erst dann kommt eine spezielle Sehhilfe ins Spiel.
Das Problem mit der Gleitsichtbrille
Eine Gleitsichtbrille vereint Ferne, mittlere Distanz und Nähe in einem Glas. Der Fernbereich sitzt oben, die Lesezone unten, dazwischen liegt ein schmaler Übergang für die mittlere Entfernung, also genau für den Bildschirm. Um den Monitor scharf zu sehen, heben viele Träger das Kinn und schauen durch den unteren Teil des Glases. Nach einem Arbeitstag melden sich dann Nacken und Schultern. Ein tief gestellter Monitor, wie ihn der Arbeitsschutz ohnehin empfiehlt, mildert den Konflikt, weil der Blick dann ohne Kopfheben in die mittlere Zone fällt. Breiter wird die Mittelzone dadurch allerdings nicht.
Welche Brillentypen in Frage kommen
Welche der vier gängigen Lösungen passt, hängt vom Alter, vom Sehfehler und davon ab, wie oft Sie zwischen Monitor, Papier und Raum wechseln. Eine Lesebrille ist auf rund 40 Zentimeter berechnet und genügt für den Monitor nur, solange die Augen den Abstand bis 60 oder 70 Zentimeter noch selbst überbrücken.
| Brillentyp | Scharf auf | Für den Bildschirm geeignet? |
|---|---|---|
| Einstärkenbrille für die Ferne | Raum und Ferne | Ja, solange die Augen noch selbst auf die Nähe umstellen, meist bis Anfang 40 |
| Lesebrille | Etwa 40 Zentimeter | Nur, solange die Augen den Abstand bis zum Monitor noch selbst ausgleichen |
| Gleitsichtbrille | Ferne, Mitte und Nähe | Eingeschränkt, die mittlere Zone ist schmal und verlangt ein angehobenes Kinn |
| Arbeitsplatzbrille (Office-Gleitsicht, Nahkomfortglas) | Nähe und mittlere Distanz | Ja, dafür gebaut, aber ungeeignet zum Autofahren |
Die Arbeitsplatzbrille verzichtet auf den Fernbereich und gibt die frei gewordene Glasfläche der Mitte und der Nähe. Bildschirm, Tastatur und Kollegin am Nachbartisch erscheinen scharf, die Straße vor dem Fenster nicht. Optikerketten wie eyes + more führen diese Gläser unter dem Namen Office-Gleitsicht. Für die Autofahrt nach Hause bleibt deshalb eine Zweitbrille nötig.
Die beste Brille hilft wenig, solange der Monitor 40 Zentimeter vor der Nase über Augenhöhe steht.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Sehtest beim Optiker oder Untersuchung beim Betriebsarzt?
Viele Optiker bieten einen kostenlosen Sehtest an, der Sehschärfe und Brillenwerte bestimmt. Für die Frage, ob Ihr Arbeitgeber die Brille bezahlen muss, zählt dagegen das Ergebnis der arbeitsmedizinischen Vorsorge. Erst der Befund von Betriebsärztin oder Betriebsarzt löst die Kostenpflicht aus.
Ein Sehtest beim Optiker vorab schadet trotzdem nicht. Er zeigt, ob überhaupt ein Sehfehler vorliegt, und liefert der Betriebsärztin konkrete Werte für das Gespräch.
- Gleitsicht: Die schmale Mittelzone zwingt am Monitor den Kopf nach oben, das spürt der Nacken.
- Arbeitsplatzbrille: Nähe und mittlere Distanz ohne Fernteil, ideal am Schreibtisch, ungeeignet im Auto.
- Kostenfrage: Über die Bezahlung entscheidet die betriebsärztliche Vorsorge, nicht der Sehtest im Geschäft.
Wer bezahlt die Brille für den Bildschirm?

Der Arbeitgeber bezahlt die Bildschirmbrille, sobald die arbeitsmedizinische Vorsorge ergibt, dass eine spezielle Sehhilfe nötig ist und die normale Brille nicht genügt. Er stellt die Brille selbst oder erstattet die notwendigen Kosten. Die eigene Alltagsbrille bleibt Privatsache.
Grundlage ist die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV). Für Tätigkeiten an Bildschirmgeräten muss der Arbeitgeber eine Angebotsvorsorge anbieten, die eine angemessene Untersuchung der Augen und des Sehvermögens enthält. Den Beschäftigten sind nach Anhang Teil 4 der Verordnung „im erforderlichen Umfang spezielle Sehhilfen“ zur Verfügung zu stellen, falls die Vorsorge zeigt, dass normale Sehhilfen nicht geeignet sind.
Was die Untersuchung umfasst
Was „angemessen“ heißt, legt die Arbeitsmedizinische Regel AMR 14.1 fest. Zur Untersuchung gehören ein ärztliches Gespräch über Vorgeschichte und Beschwerden, ein Sehtest für Nähe und Ferne unter Berücksichtigung der Abstände am Arbeitsplatz, eine Prüfung der Augenstellung, des zentralen Gesichtsfelds und des Farbsinns sowie eine Beratung mit Mitteilung des Ergebnisses.
Hält die Untersuchung eine augenärztliche Abklärung für nötig, haben Beschäftigte ein Recht darauf. Die Kosten der Vorsorge trägt der Arbeitgeber.
Angeboten wird die Vorsorge vor Aufnahme der Tätigkeit und danach in regelmäßigen Abständen. Der DGUV-Leitfaden nennt fünf Jahre für Beschäftigte unter 40 und drei Jahre für alle darüber.
Ein abgelehntes Angebot ist nicht endgültig: Nach § 5 ArbMedVV muss der Arbeitgeber die Vorsorge trotzdem weiter regelmäßig anbieten. Treten Sehbeschwerden auf, die mit der Arbeit zusammenhängen können, ist die Untersuchung unverzüglich anzubieten.
Ohne Befund aus der arbeitsmedizinischen Vorsorge entsteht kein Anspruch auf Kostenübernahme
Der Arbeitgeber bietet die Untersuchung schriftlich an, vor Beginn der Tätigkeit und danach alle fünf Jahre, ab 40 alle drei Jahre.
§ 5 ArbMedVV, DGUV 215-410
Gespräch, Sehtest für Nähe und Ferne, Augenstellung, Gesichtsfeld und Farbsinn, bei Bedarf beim Augenarzt.
AMR 14.1
Die Alltagsbrille genügt für den Bildschirmabstand nicht, eine Bildschirmbrille ist erforderlich.
ArbMedVV Anhang Teil 4
Der Arbeitgeber stellt die Brille oder ersetzt die notwendigen Kosten, eine pauschale Gehaltszulage genügt nicht.
EuGH, C-392/21
Das EuGH-Urteil zur Bildschirmbrille
Wie weit die Pflicht reicht, klärte der Europäische Gerichtshof am 22. Dezember 2022 (Rechtssache C-392/21). Geklagt hatte ein Beschäftigter einer rumänischen Behörde, dessen Sehvermögen sich nach seiner Darstellung durch Bildschirmarbeit und andere Faktoren verschlechtert hatte. Arbeitgeber und Krankenkasse hatten die Kostenübernahme für eine neue Brille abgelehnt.
Die Luxemburger Richter fassten den Begriff der speziellen Sehhilfe weit. Auch eine gewöhnliche Korrektionsbrille fällt darunter, sofern sie gezielt Sehbeschwerden bei der Bildschirmarbeit korrigiert oder ihnen vorbeugt. Verursacht haben muss die Bildschirmarbeit die Beschwerden nicht, die Untersuchung muss sie nur festgestellt haben.
Tragen dürfen Beschäftigte die Brille auch nach Feierabend.
Zur Bezahlung nannte der Gerichtshof genau zwei Wege: Der Arbeitgeber stellt die Brille selbst, oder er erstattet die notwendigen Aufwendungen. Eine allgemeine Gehaltszulage erfüllt die Pflicht nicht.
Erstattet werden nur die notwendigen Kosten. Ob ein Designergestell für 400 Euro dazugehört, ist zweifelhaft. Klären Sie deshalb am besten vor dem Kauf schriftlich, welchen Betrag Ihr Arbeitgeber für Gläser und Fassung übernimmt, und reichen Sie die Rechnung mit der Bescheinigung aus der Vorsorge ein.
- Untersuchung: AMR 14.1 legt fest, was geprüft wird, vom Sehtest für Nähe und Ferne bis zum Farbsinn.
- Ursache: Die Sehschwäche muss nicht durch den Bildschirm entstanden sein.
- Privat: Die bezahlte Brille dürfen Beschäftigte auch nach Feierabend tragen.
Was müssen Arbeitgeber für die Augen im Homeoffice tun?

Auch im Homeoffice muss der Arbeitgeber die arbeitsmedizinische Vorsorge für die Augen anbieten und die Beschäftigten in gesunder Bildschirmarbeit unterweisen; für fest vereinbarte Telearbeitsplätze gelten zusätzlich die Ausstattungsregeln der Arbeitsstättenverordnung. Beim gelegentlichen mobilen Arbeiten gilt für die Einrichtung nur das allgemeine Arbeitsschutzgesetz.
Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten 2025 insgesamt 24,6 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland zumindest zeitweise von zu Hause aus, 2019 lag dieser Anteil erst bei 12,9 Prozent. 13,2 Prozent aller Erwerbstätigen verbrachten täglich oder mindestens die Hälfte ihrer Arbeitszeit im Homeoffice.
Für einen großen Teil der Büroarbeit steht der Bildschirm damit nicht mehr im Großraumbüro, sondern im Arbeitszimmer, im Wohnzimmer oder auf dem Küchentisch.
Telearbeit oder mobiles Arbeiten
Die Arbeitsstättenverordnung kennt den Telearbeitsplatz: einen fest eingerichteten Bildschirmarbeitsplatz in der Wohnung, für den Arbeitgeber und Beschäftigte Arbeitszeit und Ausstattung vertraglich vereinbart haben und dessen Möbel und Geräte der Arbeitgeber bereitstellt. Für solche Plätze gelten eine erstmalige Gefährdungsbeurteilung, die Unterweisung und die Anforderungen an Bildschirmarbeitsplätze aus Anhang 6, soweit der Platz von dem im Betrieb abweicht.
Gelegentliches Arbeiten mit dem Laptop zu Hause fällt nicht unter diese Regeln.
Die Vorsorge für die Augen hängt an keinem der beiden Modelle. Die ArbMedVV knüpft das Angebot an die Tätigkeit an Bildschirmgeräten und nennt keinen Arbeitsort. Der Arbeitgeber muss die Untersuchung deshalb nach AMR 14.1 schriftlich auch der Teamleiterin anbieten, die ihr Team nur noch zweimal im Monat im Büro sieht. Was Führungskräfte in verteilten Teams darüber hinaus beachten sollten, steht in unserem Beitrag über Führung beim Remote-Arbeiten.
Was Unternehmen konkret tun können
Vier Bausteine decken die Pflichten ab, auch in kleinen Betrieben:
- Ein schriftliches Angebot zur Vorsorge an alle, die überwiegend am Bildschirm arbeiten, mit Wiedervorlage nach drei oder fünf Jahren
- Eine Unterweisung mit Checkliste zu Abstand, Bildschirmhöhe, Licht und Pausen, auch für das Homeoffice
- Ein externer Monitor samt Tastatur für jeden vereinbarten Telearbeitsplatz, sinnvoll auch für alle, die regelmäßig zu Hause arbeiten
- Eine klare Regel, welchen Betrag das Unternehmen für eine verordnete Bildschirmbrille erstattet
Unsere Einschätzung: Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren Laptops, Headsets und Videolizenzen für das Homeoffice gekauft. Die Augen der Beschäftigten tauchen in diesen Budgets selten auf, obwohl die Augenvorsorge seit Jahren Pflicht ist und wenig kostet. Ein Betrieb, der das schriftliche Angebot versäumt, verstößt gegen die ArbMedVV, gleich ob die Beschäftigten im Büro oder zu Hause am Bildschirm sitzen.
Für einen vertraglich vereinbarten Telearbeitsplatz gelten die Bildschirmregeln der Arbeitsstättenverordnung, für gelegentliches mobiles Arbeiten nicht. Das schriftliche Vorsorgeangebot für die Augen schuldet der Arbeitgeber in beiden Fällen.
Glossar: 13 wichtige Fachbegriffe zu Bildschirmarbeit und Augen
Akkommodation
Akkommodation heißt die Fähigkeit des Auges, durch Verformung der Linse zwischen Ferne und Nähe scharfzustellen. Ein kleiner Ringmuskel im Auge leistet diese Arbeit. Am Bildschirm bleibt der Muskel stundenlang für dieselbe kurze Distanz angespannt, was Ermüdung und Kopfschmerzen begünstigt.
Alterssichtigkeit
Alterssichtigkeit (Presbyopie) bezeichnet den natürlichen Verlust der Linsenelastizität, der meist kurz nach dem 40. Geburtstag spürbar wird. Texte in der Nähe verschwimmen, der Leseabstand wächst. Für die Bildschirmarbeit wird ab diesem Alter oft eine Gleitsicht- oder Arbeitsplatzbrille nötig.
AMR 14.1
AMR 14.1 ist die Arbeitsmedizinische Regel, die festlegt, was eine angemessene Untersuchung der Augen und des Sehvermögens umfasst. Zur Untersuchung gehören Gespräch, Sehtest für Nähe und Ferne, Prüfung von Augenstellung, Gesichtsfeld und Farbsinn sowie eine Beratung. Hält sich der Arbeitgeber daran, erfüllt er die Vorgaben der ArbMedVV.
Angebotsvorsorge
Angebotsvorsorge ist arbeitsmedizinische Vorsorge, die der Arbeitgeber anbieten muss, die Beschäftigte aber ablehnen dürfen. Bei Tätigkeiten an Bildschirmgeräten schreibt die ArbMedVV diese Vorsorgeform vor. Lehnt jemand ab, muss der Arbeitgeber das Angebot trotzdem in regelmäßigen Abständen wiederholen.
Arbeitsplatzbrille
Arbeitsplatzbrille nennen Augenoptiker eine Brille mit Gläsern für Nähe und mittlere Distanz ohne Fernbereich, auch als Office-Gleitsicht- oder Nahkomfortbrille bekannt. Am Schreibtisch bietet dieser Brillentyp breitere Sehzonen als eine Gleitsichtbrille, zum Autofahren eignet er sich nicht.
ArbMedVV
ArbMedVV ist die Abkürzung für die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge. Die Verordnung regelt, welche Vorsorge Arbeitgeber anbieten oder veranlassen müssen. Für Bildschirmarbeit verlangt Anhang Teil 4 das Angebot einer Untersuchung der Augen und, falls nötig, spezielle Sehhilfen auf Kosten des Arbeitgebers.
Blaulichtfilter
Blaulichtfilter sind Beschichtungen oder Materialzusätze in Brillengläsern, die einen Teil des kurzwelligen blauen Lichts reflektieren oder absorbieren. Eine Cochrane-Auswertung von 17 Studien fand keinen Beleg dafür, dass solche Gläser müde Augen am Bildschirm lindern. Für besseren Schlaf genügt abends der Nachtmodus des Geräts.
Digital Eye Strain
Digital Eye Strain, auch Computer-Vision-Syndrom genannt, fasst Beschwerden nach längerer Bildschirmarbeit zusammen: trockene, brennende oder tränende Augen, verschwommenes Sehen und Kopfschmerzen. Schätzungen zufolge ist die Hälfte oder mehr aller Computernutzer betroffen. Bleibende Schäden sind nicht belegt.
Lidschlag
Lidschlag heißt das unwillkürliche Schließen und Öffnen der Augenlider, das den Tränenfilm erneuert. Im Gespräch blinzeln Menschen etwa 15-mal pro Minute, bei konzentrierter Bildschirmarbeit nur noch rund fünfmal. Die Augenoberfläche trocknet dadurch aus.
Mischarbeit
Mischarbeit beschreibt im Arbeitsschutz den geplanten Wechsel zwischen Bildschirmarbeit und Tätigkeiten ohne Bildschirm, etwa Telefonaten oder Besprechungen. Der DGUV-Leitfaden für Büroarbeitsplätze empfiehlt dieses Konzept, weil der Wechsel einseitige Belastungen von Augen und Bewegungsapparat vermeidet.
Sehabstand
Sehabstand ist die Entfernung zwischen den Augen und dem Bildschirm. Für typische Büroarbeit mit viel Text empfiehlt der DGUV-Leitfaden 50 bis 65 Zentimeter. Kürzere Abstände zwingen das Auge zu mehr Naheinstellung, zu große Abstände verlangen eine größere Schrift.
Telearbeitsplatz
Telearbeitsplatz nennt die Arbeitsstättenverordnung einen vom Arbeitgeber fest eingerichteten Bildschirmarbeitsplatz in der Wohnung, für den Arbeitszeit und Ausstattung vertraglich vereinbart sind. Für ihn gelten die Bildschirmregeln aus Anhang 6. Gelegentliches mobiles Arbeiten fällt nicht unter diesen Begriff.
Tränenfilm
Tränenfilm bezeichnet die dünne Flüssigkeitsschicht, die die Hornhaut befeuchtet, ernährt und für ein scharfes Bild glättet. Jeder Lidschlag verteilt ihn neu. Reißt er zwischen zwei Lidschlägen auf, entstehen Brennen und ein Fremdkörpergefühl, typische Beschwerden nach langen Bildschirmtagen.
FAQ: Wie bleiben Ihre Augen bei Bildschirmarbeit gesund?
Werden die Augen durch Bildschirmarbeit dauerhaft schlechter?
Nach heutigem Wissen nicht. Die American Academy of Ophthalmology stuft die Augenbelastung durch Bildschirme als vorübergehend ein, bleibende Schäden sind nicht belegt. Trockene, müde Augen und Kopfschmerzen klingen meist nach Feierabend ab. Lässt die Sehschärfe dauerhaft nach, stecken oft ein unentdeckter Sehfehler oder beginnende Alterssichtigkeit dahinter; Klarheit bringt eine Untersuchung.
Helfen Augentropfen bei Bildschirmarbeit?
Tränenersatzmittel aus der Apotheke können trockene Augen am Bildschirm spürbar befeuchten. Die American Academy of Ophthalmology nennt sie neben bewusstem Blinzeln und regelmäßigen Blickpausen als Mittel gegen Augenbelastung. Halten Rötung, Schmerzen oder Sehstörungen an, ist ein Termin beim Augenarzt fällig.
Wie lange darf man am Stück am Bildschirm arbeiten?
Eine feste Höchstdauer existiert nicht. Die Arbeitsstättenverordnung verpflichtet den Arbeitgeber aber, Bildschirmarbeit regelmäßig durch andere Tätigkeiten oder Erholungszeiten zu unterbrechen. Der DGUV-Leitfaden empfiehlt mehrere kurze Pausen statt weniger langer.
Darf ich die vom Arbeitgeber bezahlte Bildschirmbrille auch privat tragen?
Ja. Der Europäische Gerichtshof hat 2022 im Verfahren C-392/21 entschieden, dass spezielle Sehhilfen für die Bildschirmarbeit nicht ausschließlich im Beruf verwendet werden müssen. Entscheidend ist, dass die Brille gezielt Sehbeschwerden bei der Bildschirmarbeit korrigiert.
Muss ich die Augenuntersuchung beim Betriebsarzt annehmen?
Nein. Die Vorsorge bei Bildschirmarbeit ist eine Angebotsvorsorge, Sie dürfen sie ablehnen. Ohne Untersuchung fehlt allerdings der Befund, auf den sich ein Anspruch auf eine bezahlte Bildschirmbrille stützt. Der Arbeitgeber muss das Angebot auch nach einer Ablehnung regelmäßig wiederholen.
Zahlt die Krankenkasse eine Bildschirmbrille?
In der Regel nicht. Erwachsene haben nach Paragraf 33 SGB V nur Anspruch auf Brillengläser bei einer schweren Sehbeeinträchtigung oder bei mehr als 6 Dioptrien Kurz- oder Weitsichtigkeit beziehungsweise mehr als 4 Dioptrien Hornhautverkrümmung. Das Gestell zahlt die Kasse nie. Für die Bildschirmbrille ist der Arbeitgeber zuständig.
Quellen
19 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 08.10.2026
- Bundesministerium der JustizVerordnung über Arbeitsstätten (ArbStättV), Anhang Nummer 6 Maßnahmen zur Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen
- Bundesministerium der JustizVerordnung über Arbeitsstätten (ArbStättV), § 1 Ziel, Anwendungsbereich
- Bundesministerium der JustizVerordnung über Arbeitsstätten (ArbStättV), § 2 Begriffsbestimmungen (Telearbeitsplätze)
- Bundesministerium der JustizVerordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV), § 5 Angebotsvorsorge
- Bundesministerium der JustizVerordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV), Anhang Teil 4 Absatz 2 Nummer 1
- Bundesministerium der JustizSozialgesetzbuch Fünftes Buch, § 33 Hilfsmittel
- Bundesanstalt für Arbeitsschutz und ArbeitsmedizinAMR 14.1 Angemessene Untersuchung der Augen und des Sehvermögens
- Deutsche Gesetzliche UnfallversicherungDGUV Information 215-410 Bildschirm- und Büroarbeitsplätze, Leitfaden für die Gestaltung
- Gerichtshof der Europäischen UnionUrteil vom 22.12.2022, Rechtssache C-392/21, Inspectoratul General pentru Imigrări
- Verlag Dr. Otto SchmidtZur Erstattung der Kosten einer Brille für Bildschirmarbeit (EuGH C-392/21)
- Cochrane LibrarySingh S, Keller PR, Busija L u. a.: Blue-light filtering spectacle lenses for visual performance, sleep, and macular health in adults
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