Citipost aus Hannover, die Berliner PIN AG und vier weitere regionale Briefdienste legen ihr Geschäft mit bundesweiten Großkunden zusammen. Ihr Gemeinschaftsunternehmen Deutschlandversand übernimmt den insolventen Dienstleister dvs und soll ab Januar 2027 ein gemeinsames Zustellnetz steuern. Gegenüber steht die Deutsche Post mit zuletzt 87 Prozent Marktanteil im Briefbereich.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Das ist ein historischer Schritt für den deutschen Briefmarkt“, sagt Jörg Kosel, Geschäftsführer von Deutschlandversand. Bislang arbeiteten die alternativen Anbieter im nationalen Geschäft nach seinen Worten größtenteils nebeneinander und tauschten ihre Sendungen über zwei getrennte Systeme aus.
Das Wichtigste in Kürze
- Gesellschafter zu gleichen Teilen sind Citipost, Südwest-Mail, der Schwäbische Verlag, Postholding Süd, Marketing Service Magdeburg und die PIN AG.
- Deutschlandversand kauft dvs und die Zustellgesellschaft Xendis, wirksam mit der Eintragung ins Handelsregister.
- Ab 1. Januar 2027 kommen nationaler Vertrieb und Netzsteuerung aus einer Hand, zustellen werden weiter die regionalen Partner.
- Laut Bundesnetzagentur deuten die Marktdaten im Briefbereich auf monopolistische Strukturen hin.
Was ändert sich für Großversender?

Banken, Versicherungen und Behörden sollen künftig einen einzigen Ansprechpartner für den bundesweiten Versand über die privaten Netze bekommen. Die regionalen Briefdienste bleiben eigenständige Unternehmen und stellen in ihrem Gebiet weiter selbst zu. „Der neue Deutschlandversand bringt die Mengen, die regionalen Briefdienste bringen die Fläche“, sagt Kosel.
Laut dem Fachmagazin VerkehrsRundschau gehen zum Jahreswechsel das Zustellnetz Mail Alliance und der Dialogpost-Spezialist PIN Direkt im Gemeinschaftsunternehmen auf. Deutschlandversand bezeichnet den größten Zukauf, dvs aus Ratingen, als Nummer zwei im Geschäft mit Firmenpost. Die Deutsche Post, seit September eine Tochter der DHL AG, bleibt mit Abstand der größte Anbieter.
Warum rücken die Wettbewerber gerade jetzt zusammen?
Viele regionale Briefdienste gehören zu Zeitungsverlagen, deren Zusteller die Briefe auf ihrer Tour gleich mitnehmen. Eine Zustelltour kostet fast dasselbe, ob die Tasche voll oder halb leer ist. Alle Anbieter zusammen beförderten 2023 noch 10,92 Milliarden Briefe, nach 11,93 Milliarden im Jahr davor.[1] Die Briefmenge sank damit binnen eines Jahres um gut 8 Prozent.
Der Ratinger Dienstleister dvs meldete im Februar 2026 zusammen mit seiner Tochter Xendis Insolvenz in Eigenverwaltung an. Als wesentlichen Grund nannte das Unternehmen damals das Umsatzsteuerprivileg der Deutschen Post.
Deutschlandversand wird erst zur Alternative, sobald ein Brief nach Passau so verlässlich ankommt wie einer nach Hannover.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Der Dienstleister aus Ratingen und seine Tochter Xendis melden Insolvenz in Eigenverwaltung an.
Deutschlandversand mit Sitz in Hannover kauft dvs und Xendis, wirksam mit der Eintragung ins Handelsregister.
Mail Alliance und PIN Direkt gehen im Gemeinschaftsunternehmen auf, Vertrieb und Netzsteuerung laufen zentral.
Welche Rolle spielt die Umsatzsteuer?
Steuerfrei sind nach § 4 Nr. 11b des Umsatzsteuergesetzes Universaldienstleistungen eines Anbieters, der sich gegenüber dem Bundeszentralamt für Steuern verpflichtet, sie im gesamten Bundesgebiet anzubieten.[2] Ein regionaler Briefdienst allein kann diese Zusage nicht geben. Ausgenommen von der Befreiung sind unter anderem individuell ausgehandelte Verträge.
Gerade die Zielkunden von Deutschlandversand spüren die Steuer: Banken und Versicherungen erbringen überwiegend selbst steuerfreie Leistungen und können die Umsatzsteuer auf das Porto deshalb meist nicht als Vorsteuer abziehen. Behörden fehlt der Abzug in der Regel ganz.
Für Unternehmen mit viel Papierpost kommt der neue Anbieter zur rechten Zeit. Die Bundesnetzagentur will der Post ab Januar im Schnitt 20,35 Prozent höhere Briefpreise erlauben, zugleich ändern sich die Briefformate der Post. Vor der nächsten Ausschreibung lohnt ein Vergleich von Preis, Laufzeit und eigener Vorsteuerlage. Bei Kündigungen und Mahnungen zählt zudem der Zugangsnachweis: Den Beweiswert des Einwurf-Einschreibens stellte das Bundesarbeitsgericht im Mai infrage.
Quellen
2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- BundesnetzagenturVeröffentlichung der Zahlen für den Brief- und Paketmarkt 2023 (Pressemitteilung vom 02.04.2025)
- Bundesministerium der JustizUmsatzsteuergesetz, § 4 Steuerbefreiungen bei Lieferungen und sonstigen Leistungen, Nr. 11b
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