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Die Bundesnetzagentur will der Deutschen Post ab Januar 2027 im Schnitt 20,35 Prozent höhere Briefpreise erlauben, fast doppelt so viel wie in der Entscheidung von 2024. Auf den heutigen Standardbrief umgelegt wären das 1,14 Euro statt 95 Cent. Firmen mit Rechnungs- und Mahnversand auf Papier sollten ihre Portokosten für 2027 deshalb neu kalkulieren.

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Das Briefporto der Deutschen Post hängt an einer Formel, in die auch die Zahl der Briefe eingeht, und diese Zahl schrumpft seit Jahren. „Wesentlicher Grund für das steigende Porto sind die stark abnehmenden Briefmengen“, sagt Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur.[1] Die Bonner Behörde veröffentlichte am 12. Oktober ihre geplante Entscheidung für die Jahre 2027 und 2028.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für Briefe von Privatkunden und für die Geschäftspost plant die Bundesnetzagentur einen Preisspielraum von durchschnittlich 20,35 Prozent.
  • Bei Paketen von Privatkunden liegt der Spielraum bei 10,72 Prozent.
  • Wie stark Standardbrief, Postkarte oder Einschreiben einzeln steigen, entscheidet die Post selbst.
  • Stellungnahmen sind bis zum 30. Oktober möglich, die endgültige Entscheidung folgt voraussichtlich im November.

Wie kommt die Bundesnetzagentur auf 20,35 Prozent?

Briefwaage mit Brief und blauem Schild „+20%“ vor weißem Hintergrund
Briefporto kann um 20,35 Prozent erhöht werden: Bundesnetzagentur rechnet 4,04 Prozent Inflation mit negativem Produktivitätsfortschritt von minus 16,31 Prozent

Für beide Jahre zusammen setzt die Bundesnetzagentur eine Inflationsrate von 4,04 Prozent an. Von diesem Wert zieht die Formel den Produktivitätsfortschritt ab, der Preise sonst drückt. Bei Briefen fällt dieser Fortschritt mit minus 16,31 Prozent negativ aus.[1] Abgezogen wird also eine negative Zahl, und so addieren sich 4,04 und 16,31 zum Preisspielraum von 20,35 Prozent.

Zusteller, Sortierzentren und Filialen kosten fast dasselbe, egal wie viele Briefe durchlaufen, deshalb steigen mit jedem fehlenden Brief die Stückkosten. Die DHL Group beziffert den Rückgang der Briefmenge für 2025 auf gut 7 Prozent, für das erste Quartal 2026 auf 13 Prozent. Personal- und Versorgungslasten aus der Bundespost-Zeit, die Wettbewerber nicht tragen, erkannte die Behörde vollständig an, andere Mehrkosten nur teilweise. Die Entscheidung gilt für die Deutsche Post AG, seit September eine Tochter der DHL AG.

Dreht sich die Preisspirale weiter?

Als Grund für den Schwund nennt die Bundesnetzagentur ausdrücklich die E-Rechnung, die ab 2028 für alle Unternehmen Pflicht wird. Firmen mit mehr als 800.000 Euro Vorjahresumsatz müssen im Geschäft mit anderen Unternehmen sogar schon ab Januar 2027 elektronisch abrechnen. Jeder Brief, der dadurch wegfällt, erhöht die Stückkosten der übrigen, und teureres Porto beschleunigt wiederum den Umstieg.

In Dänemark lief die Spirale bereits bis zum Schluss: PostNord stellte dort die Briefzustellung Ende 2025 ganz ein, nachdem die Menge seit dem Jahr 2000 um mehr als 90 Prozent gesunken war. In Deutschland schuldet die Post per Postgesetz die flächendeckende Grundversorgung, darf sich für die Zustellung seit 2025 aber drei Werktage Zeit lassen. Der Rückzug läuft hierzulande über Preise und Formate: Zum Jahreswechsel ändern sich auch die Briefformate der Deutschen Post.

Mit 20,35 Prozent mehr Porto treibt die Deutsche Post ihre Geschäftskunden zur E-Rechnung. Jeder verlorene Brief verteuert den nächsten.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Briefporto 2027: der geplante Spielraum
Entwurf der Bundesnetzagentur für die Deutsche Post, gültig 2027 und 2028
+20,35 %
Spielraum für Briefe von Privatkunden und für die Geschäftspost
+10,72 %
Spielraum für Pakete von Privatkunden
1,14 €
kostete der Standardbrief bei gleichmäßiger Verteilung, heute 95 Cent
So entsteht der Spielraum für Briefe
Inflationsrate
4,04 %
Abzug negativer Produktivität
16,31 %
Spielraum gesamt
20,35 %
Vergleich mit der Entscheidung von 2024
Briefe 2024
10,48 %
Briefe 2027
20,35 %
Pakete 2024
7,21 %
Pakete 2027
10,72 %

Was sollten Unternehmen jetzt tun?

Planen Sie den Versand für 2027 gerne schon jetzt mit rund einem Fünftel mehr Porto. Bei 2.000 Rechnungsbriefen im Monat zum heutigen Standardporto stiegen die Kosten von 1.900 auf rund 2.290 Euro, aufs Jahr gerechnet um etwa 4.640 Euro.

Prüfen Sie außerdem, welche Briefe sich digital ersetzen lassen. Rechnungen an Geschäftskunden wandern ohnehin ins strukturierte Format, passende Programme listet der Vergleich von E-Rechnungssoftware. Für Kündigungen und Fristsachen bleibt Papier oft nötig, dort zählt der Zugangsnachweis: Das Einwurf-Einschreiben verlor vor dem Bundesarbeitsgericht an Beweiskraft.

Die konkreten Preise für einzelne Produkte beantragt die Post erst nach der endgültigen Entscheidung im November.

Quelle

[1] Bundesnetzagentur: „Bundesnetzagentur veröffentlicht geplanten Spielraum für Porti“ (Pressemitteilung, 12.10.2026)

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