Von 100 Euro Umsatz gab Zalando im vergangenen Jahr 23 Euro vor allem dafür aus, Pakete zu lagern, zu verschicken und wieder zurückzunehmen, für Werbung keine 10 Euro. Kostenlose Lieferung ab 34,90 Euro und 30 Tage Rückgaberecht haben ihren Preis. Seit Anfang Oktober sortieren in einem Lager im münsterländischen Greven zweiarmige Roboter die Rücksendungen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenSereact, Zalando und der Logistikdienstleister CEVA meldeten am 7. Oktober, dass ihre KI-gesteuerten Retourenroboter in Greven und im polnischen Świebodzin den Regelbetrieb aufgenommen haben. Am 3. November legt Zalando die Zahlen zum dritten Quartal vor, nachdem der Konzern im August die Prognose für Umsatz und Warenvolumen auf die untere Hälfte der Spanne eingegrenzt hatte.
Wie viel Gewinn bei einem Händler mit 12,3 Milliarden Euro Umsatz an der einzelnen Bestellung hängen bleibt, rechnet dieser Beitrag nach.
Das Wichtigste in Kürze
- Zalando setzte 2025 12,3 Milliarden Euro um, bei einem Warenvolumen von 17,6 Milliarden Euro. Der bereinigte operative Gewinn lag bei 590,7 Millionen Euro, eine Marge von 4,8 Prozent.
- Rund vier Fünftel des Umsatzes stammen aus dem Eigenhandel, ein Fünftel aus Provisionen, Werbung, Zahlungsdiensten und Logistik für andere Händler.
- Das kleine B2B-Geschäft mit Logistik und Software für fremde Händler erzielte im ersten Halbjahr 2026 eine bereinigte Marge von 10,5 Prozent, das Kerngeschäft mit Endkunden nur 3,5 Prozent.
- Mit der Übernahme von ABOUT YOU für gut eine Milliarde Euro wuchs der Konzern 2025 kräftig, aus eigener Kraft legte der Umsatz im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreshalbjahr aber nur um 2,2 Prozent zu.
- Das Logistikzentrum in Erfurt mit rund 2.100 Beschäftigten sollte Ende September schließen, ein neues Lager in Gießen soll bis Ende 2027 auf 1.700 Stellen wachsen.
Fünf Fragen zum Schuhkarton-Konzern
1 Womit übten die Zalando-Gründer 2008, bevor der Schuhshop startete? Aufklappen ↓
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2 Welchen Anteil am Umsatz 2025 erzielte Zalando mit dem Verkauf eigener Ware? Aufklappen ↓
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3 Welches Segment erzielte im ersten Halbjahr 2026 die höhere bereinigte Marge? Aufklappen ↓
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4 Wie viel bereinigten operativen Gewinn erzielte Zalando 2025 rechnerisch je Bestellung? Aufklappen ↓
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5 Wie viele Tage haben Kunden in Deutschland seit 2025 Zeit, eine Bestellung zurückzuschicken? Aufklappen ↓
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Wer steckt hinter Zalando und wie fing alles an?
Robert Gentz und David Schneider gründeten Zalando 2008 in Berlin, finanziert von Alexander Samwer und dessen Beteiligungsfirma Rocket Internet. Das Vorbild war der US-Schuhversender Zappos, das Startkapital lag bei 50.000 Euro, und geübt wurde zuerst mit 100 Paar Flipflops.
Am Anfang stand nicht Zalando, sondern Fliptops. So hieß die Übungsfirma, mit der die beiden Absolventen der Wirtschaftshochschule WHU 2008 ausprobierten, wie sich Schuhe sortieren, verpacken und verschicken lassen. Der Journalist Hagen Seidel beschreibt in seinem Buch „Schrei vor Glück“ von 2013, dass die Gründer dafür genau 100 Paar Plastiksandalen bestellten. Nach vier Wochen trauten sich die beiden das eigentliche Geschäft zu.
Der Start fiel in die Finanzkrise: Die Subprime-Krise in den USA hatte die Finanzmärkte erfasst, die Banken verliehen kaum noch Geld.
Am 29. September 2008 ging die erste Bestellung ein, ein Paar Sportschuhe. Als Büro und Lager diente eine Wohngemeinschaft in der Berliner Torstraße, gepackt wurde im Keller, die Handys der Gründer dienten als Kundenhotline, und die Pakete brachten Gentz und Schneider selbst zur Post.
Offiziell ging die Website am 1. Oktober 2008 online, mit 400 bis 500 Paar Schuhen von sieben oder acht Marken. Von Anfang an waren Versand und Rücksendung kostenlos.
Abfuhr auf der Schuhmesse
Die etablierten Hersteller nahmen die beiden nicht ernst. Auf der Düsseldorfer Schuhmesse GDS wollte ihnen kaum ein Anbieter Ware verkaufen. „Die beiden Jungs sahen aus wie Teenager, erzählten etwas von einer neuen Online-Plattform nur für Schuhe. Ich habe nicht daran geglaubt“, sagte ein Hersteller 2010 der TextilWirtschaft.
Im Januar 2009 reichte der Keller nicht mehr aus, in dem eine Handvoll Beschäftigte Päckchen schnürte. Im Februar mietete Zalando ein Lager südlich von Berlin.
Ab Mai 2010 lief der erste Werbespot der Agentur Jung von Matt, in dem ein Ehemann vor der Website warnt, und mit ihm der Spruch „Schrei vor Glück“. Vor der Kampagne kannten laut einer Ipsos-Erhebung für den Effie-Wettbewerb 3 Prozent der Deutschen die Marke. Zwei Jahre später bezifferte die Fachzeitschrift Horizont die Bekanntheit auf 95 Prozent.
Ab Februar 2010 verkaufte Zalando neben Schuhen auch Kleidung.
- 2008Robert Gentz und David Schneider gründen Zalando in Berlin, erste Bestellung am 29. September
- 2010Erster Fernsehspot, Zalando verkauft neben Schuhen auch Kleidung
- 2014Börsengang am 1. Oktober zu 21,50 Euro je Aktie, erster Jahresgewinn
- 2015Partnerprogramm für fremde Marken in acht Ländern
- 2021Aufnahme in den Dax bei der Erweiterung auf 40 Werte
- 2023Logistik und Software für andere Händler unter der Marke ZEOS
- 2025Übernahme von ABOUT YOU für gut 1 Milliarde Euro
- 2026Neues Lager in Gießen, Schließung des Standorts Erfurt angekündigt
Rocket Internet hielt die Mehrheit
Gentz und Schneider gehörten anfangs je 15 Prozent, Rocket Internet 70 Prozent. Danach stiegen Holtzbrinck Ventures, Tengelmann und der schwedische Investor Kinnevik ein, der im Oktober 2012 für 10 Prozent der Anteile 287 Millionen Euro zahlte. Nötig war das Geld, weil Zalando 2011 bei 510 Millionen Euro Umsatz 12 Cent je Euro verlor, 2013 lag der operative Verlust bei rund 118 Millionen Euro.
Den ersten Jahresgewinn meldete Zalando für 2014, einen bereinigten operativen Gewinn von 82 Millionen Euro bei 2,2 Milliarden Euro Umsatz. Im selben Jahr, am 1. Oktober 2014, ging der Konzern an die Börse. Der Ausgabepreis lag mit 21,50 Euro am oberen Ende der Spanne, die Emission brachte einschließlich Mehrzuteilung 605 Millionen Euro ein.
Ohne den Emissionserlös bewerteten die Anleger Zalando mit 4,9 Milliarden Euro.
- Start: 100 Paar Flipflops zum Üben, 50.000 Euro Startkapital, Büro und Lager in einer Wohngemeinschaft.
- Verluste: Bis 2013 verlor Zalando Geld, 2011 rund 12 Cent je Euro Umsatz.
- Börse: Der Börsengang 2014 brachte 605 Millionen Euro, im selben Jahr kam der erste Gewinn.
Wie wurde aus dem Schuhversand ein Konzern mit 12 Milliarden Euro Umsatz?

Zalando wuchs in drei Schritten: erst als Händler in immer mehr Ländern, ab 2015 als Plattform für fremde Marken, ab 2023 als Dienstleister, der Lager und Software an andere Händler vermietet. Der Kauf von ABOUT YOU 2025 brachte 1,1 Milliarden Euro zusätzlichen Umsatz.
Ein Jahr nach dem Start ging Zalando nach Österreich, 2010 folgten die Niederlande und Frankreich, 2011 Italien, Großbritannien und die Schweiz. Heute ist der Konzern samt ABOUT YOU in 29 Märkten vertreten, 2025 kamen Portugal und Griechenland hinzu.
Das Prinzip blieb dasselbe: Zalando kaufte Ware ein, lagerte sie in eigenen Zentren und verschickte sie, die Rücksendung inklusive.
Die Plattform-Wende
Ab 2015 öffnete Zalando den Shop für fremde Anbieter. Im Januar 2015 lief das Partnerprogramm bereits in acht Ländern mit mehr als 170 Marken. Die Partner stellen ihre Ware selbst ein und verschicken sie oft auch selbst, Zalando übernimmt Bestellung, Zahlung und Kundendienst und kassiert eine Provision.
Im Mai 2016 kaufte der Konzern die Softwarefirma Tradebyte, über die Marken ihre Lagerbestände an Zalando und andere Plattformen anbinden.
Ein Partnerverkauf erhöht das Warenvolumen, ohne dass Zalando die Ware vorher bezahlen und lagern muss. 2019 setzte sich der Vorstand das Ziel, bis 2023 rund 40 Prozent des Volumens über Partner abzuwickeln. 2025 lag der Anteil bei 32,1 Prozent, im Zalando-Shop ohne ABOUT YOU im zweiten Quartal 2026 schon 36,9 Prozent.
Die Werbesparte Zalando Marketing Services verkauft seit rund zehn Jahren Anzeigenplätze an Marken, der Shopping-Club Lounge by Zalando gibt Restposten mit Rabatt ab, und das Bonusprogramm Zalando Plus bindet Stammkunden. Seit Oktober 2023 bündelt der Konzern seine Logistik- und Softwaredienste für andere Händler unter der Marke ZEOS. Ende 2025 nutzten mehr als 600 Partner in 25 Märkten die Lager von Zalando.
| Baustein | seit | Womit Zalando verdient |
|---|---|---|
| Lounge by Zalando | 2010 | Restposten mit Rabatt im Shopping-Club |
| Partnerprogramm | 2015 | Provision auf Verkäufe fremder Marken |
| Zalando Marketing Services | 2015 | Werbeplätze für Marken |
| Tradebyte | 2016 | Software zur Anbindung von Lagerbeständen |
| ZEOS | 2023 | Lager, Versand und Software für andere Händler |
| ABOUT YOU mit SCAYLE | 2025 | zweiter Modeshop und Shopsoftware für Unternehmen |
Den umgekehrten Weg hatte eBay nie nötig: Der Marktplatz besaß nie eigene Ware und lebt bis heute von Provision und Werbung.
ABOUT YOU und der Dax
Im September 2021 rückte Zalando mit der Erweiterung des Leitindex von 30 auf 40 Werte in den Dax auf. Danach stockte das Wachstum. Von 2021 bis 2024 stieg der Umsatz nur von 10,35 auf 10,57 Milliarden Euro.
Den nächsten Sprung kaufte Zalando sich. Im Dezember 2024 bot der Konzern 6,50 Euro je Aktie für den Hamburger Konkurrenten ABOUT YOU, mehr als das Doppelte des Durchschnittskurses der vorangegangenen drei Monate. Am 11. Juli 2025 war der Kauf vollzogen. Für 91,5 Prozent der Aktien setzt der Geschäftsbericht eine Gegenleistung von 1,03 Milliarden Euro an, die restlichen Anteile kosteten im Squeeze-out weitere 96,6 Millionen Euro.
ABOUT YOU steuerte im zweiten Halbjahr 2025 bereits 1,1 Milliarden Euro Umsatz bei, aber auch einen Verlust von 47,7 Millionen Euro.
Ende 2025 kam der Konzern auf 12,3 Milliarden Euro Umsatz, 62 Millionen aktive Kunden und mehr als 17.000 Beschäftigte, davon rund 8.000 in Berlin. Die Aktie notiert nur wenig über dem Ausgabepreis von 2014: Beim Schlusskurs von 24,90 Euro am 15. Oktober 2026 entsprachen die rund 250 Millionen Aktien einem Börsenwert von etwa 6,2 Milliarden Euro.
Bei der Dax-Überprüfung im September galt der Konzern bereits als Abstiegskandidat.
- Händler: Bis heute stammen rund 80 Prozent des Umsatzes aus Ware, die Zalando selbst einkauft und verkauft.
- Plattform: Fremde Marken liefern 32,1 Prozent des Warenvolumens und zahlen dafür Provision.
- Dienstleister: Über ZEOS mieten mehr als 600 Händler Lager und Software von Zalando.
Wie verdient Zalando tatsächlich sein Geld?

Zalando verdient vor allem als Händler: 9,9 Milliarden Euro der 12,3 Milliarden Euro Umsatz stammten 2025 aus eigener Ware. Die übrigen 2,4 Milliarden Euro aus Provisionen, Werbung, Zahlungsdiensten und Logistik für andere sind deutlich margenstärker. Vom Umsatz blieben bereinigt 4,8 Prozent als operativer Gewinn.
Eigene Ware, fremde Provision
Aus dem Verkauf eingekaufter Ware erlöste Zalando 2025 laut Geschäftsbericht 9,91 Milliarden Euro, rund 80 Prozent des Umsatzes.
Die übrigen 2,43 Milliarden Euro fasst der Konzern als „übrige Dienstleistungen“ zusammen: Provisionen aus dem Partnergeschäft, Gebühren von Zalando Payment Services, Werbeerlöse, Lagerdienste für andere Händler über ZEOS und die Shopsoftware SCAYLE, die mit ABOUT YOU in den Konzern kam.
Einzelne Eurobeträge für diese Posten nennt Zalando nicht. Für die Werbung liefert der Geschäftsbericht einen Anhaltspunkt: Die Retail-Media-Erlöse von Zalando Marketing Services und ABOUT YOU entsprachen 2025 1,8 Prozent des Warenvolumens von 17,56 Milliarden Euro. Das ergibt rechnerisch rund 316 Millionen Euro, ein Jahr zuvor lag der Anteil bei 1,4 Prozent.
Nach Regionen ist Deutschland der größte Markt, mit 29,8 Prozent des Umsatzes oder rund 3,7 Milliarden Euro. Die Schweiz folgt mit einem Anteil im niedrigen zweistelligen Prozentbereich.
Seit der Umstellung der Berichterstattung 2025 weist Zalando keine Zahlen mehr für das übrige Europa aus.
Die Marge sitzt im kleinen Segment
Seit 2025 berichtet Zalando in zwei Segmenten. B2C umfasst den Zalando-Shop, Lounge by Zalando, das Partner- und Werbegeschäft und ABOUT YOU. B2B umfasst die Logistik für fremde Händler, SCAYLE, Tradebyte und das Modemagazin Highsnobiety. 2025 brachte B2C 11,28 Milliarden Euro Umsatz und einen bereinigten operativen Gewinn von 536 Millionen Euro, eine Marge von 4,8 Prozent. B2B setzte 1,09 Milliarden Euro um und verdiente 53,9 Millionen Euro, 4,9 Prozent.
Im ersten Halbjahr 2026 liefen die Margen der beiden Segmente auseinander. Die bereinigte Marge im B2B-Geschäft lag bei 10,5 Prozent, im zweiten Quartal sogar auf 12,2 Prozent. Das Endkundengeschäft kam im Halbjahr auf 3,5 Prozent.
Mit knapp 10 Prozent des Umsatzes lieferte B2B damit ein Viertel des bereinigten Gewinns im Halbjahr.
Im B2C-Segment blieben 2025 nach Abzug der Umsatzkosten 42,3 Prozent vom Umsatz, im B2B-Segment nur 15 Prozent. Als Ausgleich trägt Zalando bei der Logistik für Partner kein Lagerrisiko: Die unverkaufte Ware gehört dem Händler.
Die Daten der Kunden als Anzeigenware
Zalando sieht bei 62 Millionen aktiven Kunden, wonach gesucht, was angeklickt, in den Warenkorb gelegt und zurückgeschickt wird. Zalando beziffert seinen Bestand auf mehr als eine Million Körpermaße. Aus diesen Daten berechnet ein Algorithmus Größenempfehlungen: Bei Artikeln mit Größenberatung lagen die größenbedingten Retouren 2023 um 10 Prozent niedriger als ohne.
Rund ein Drittel aller Rücksendungen geht auf die falsche Größe zurück.
Auf diesen Daten baut Zalando Marketing Services sein Werbegeschäft auf. In den Datenschutzhinweisen beschreibt Zalando, dass Erkenntnisse aus Nutzerdaten Werbekunden angeboten werden. Eine Marke, die bei Zalando Werbung schaltet, bezahlt also für den Zugang zu Kunden, deren Vorlieben Zalando besser kennt als die Marke selbst.
Einen Bilanzwert für diesen Datenbestand weist Zalando nicht aus, sein Wert steckt in den Werbeerlösen, die 2025 gegenüber dem Vorjahr um 42,4 Prozent wuchsen.
Seit 2023 beantwortet ein Assistent auf Basis von ChatGPT Modefragen, 2025 nutzten ihn mehr als 6 Millionen Kunden. Je genauer Zalando die Wünsche der Kunden kennt, desto weniger Pakete kommen zurück und desto teurer lassen sich Werbeplätze verkaufen.
Gratisversand als Lockmittel
Ab 34,90 Euro Bestellwert liefert Zalando in Deutschland kostenlos, die Rücksendung mit dem Zalando-Etikett oder QR-Code ist immer kostenlos. Zalando betreibt damit eine bewusste Quersubventionierung: Der Konzern bezahlt den Rückweg jedes Pakets aus der Marge der Pakete, die beim Kunden bleiben.
Wie hoch die Retourenquote heute ist, veröffentlicht Zalando nicht. 2013 bezifferte der Konzern die Quote auf rund 50 Prozent.
Ein zweites Bindungsmittel ist Zalando Plus. Bis Ende 2024 kostete die Mitgliedschaft eine Jahresgebühr, seit 2025 ist Plus ein Bonusprogramm mit Stufen. Mehr als 20 Millionen Kunden sind inzwischen Mitglied, Ende 2025 entfielen auf Plus-Mitglieder mehr als 40 Prozent des Warenvolumens.
Was sich seit 2021 verschoben hat
| Kennzahl | 2021 | 2023 | 2025 |
|---|---|---|---|
| Warenvolumen (GMV) | 14,33 Mrd. € | 14,63 Mrd. € | 17,56 Mrd. € |
| Umsatz | 10,35 Mrd. € | 10,14 Mrd. € | 12,35 Mrd. € |
| Bereinigter operativer Gewinn | 468 Mio. € | 350 Mio. € | 591 Mio. € |
| Bereinigte Marge | 4,5 % | 3,5 % | 4,8 % |
| Aktive Kunden | 48,5 Mio. | 49,6 Mio. | 62,0 Mio. |
Neu hinzugekommen sind seit 2021 vor allem Erlöse aus Diensten für andere: die Logistik über ZEOS, die Werbung und mit ABOUT YOU die Shopsoftware SCAYLE. Weggefallen ist die Jahresgebühr von Zalando Plus. Zalando will stärker an fremden Händlern verdienen und weniger Ware selbst ins Lager nehmen.
Bis 2028 soll die bereinigte Marge auf 6 bis 8 Prozent steigen.
Geld der Lieferanten
Im Anhang des Geschäftsberichts steht eine weitere Geldquelle: Über sogenannte Reverse-Factoring-Verträge kaufen Finanzdienstleister Rechnungen von Lieferanten an Zalando an. Die Lieferanten bekommen ihr Geld früher, Zalando zahlt später. Ende 2025 liefen Lieferantenforderungen von 931,6 Millionen Euro über diese Verträge, ein Jahr zuvor 639,2 Millionen Euro.
Das Nettoumlaufvermögen lag Ende 2025 bei minus 676 Millionen Euro: Lieferanten und Partner finanzieren das Warenlager mit.
Den Kauf auf Rechnung und die Zahlungen für Partnerware wickelt die Tochter Zalando Payments ab. Bis zur Auszahlung an die Partner lagen Ende 2025 295,7 Millionen Euro an Kundengeldern auf Treuhandkonten.
Größe hält die Kosten je Paket stabil
Zalando betreibt ein Netz eigener Logistikzentren in Deutschland, Frankreich und Polen. Jede zusätzliche Bestellung verteilt die Fixkosten dieser Zentren auf mehr Pakete. 2025 hielt der Konzern die Fulfilmentkosten bei 23,0 Prozent des Umsatzes, nach 22,9 Prozent im Vorjahr. Laut Geschäftsbericht glich eine bessere Wirtschaftlichkeit je Bestellung die höheren Fixkosten fast aus. Ein Partner, der Ware über das Netz verschickt, füllt dieselben Lager weiter und zahlt dafür.
Hinzu kommt ein Netzwerkeffekt: Mehr Marken locken mehr Kunden an, und mehr Kunden ziehen weitere Marken an.
- Eigenhandel: Rund 80 Prozent des Umsatzes stammen aus eigener Ware, bei einer Bruttomarge im B2C-Segment von 42,3 Prozent.
- Dienste für andere: Provisionen, Werbung und Logistik für fremde Händler wachsen schneller und erzielen im B2B-Segment zuletzt 10,5 Prozent Marge.
- Geld anderer Leute: Lieferanten und Partner finanzieren über Reverse Factoring und negatives Umlaufvermögen einen Teil des Geschäfts.
Wie groß ist die Marktmacht von Zalando?

In Deutschland ist Zalando der größte reine Onlinehändler für Mode, mit 2,58 Milliarden Euro Umsatz 2024 deutlich vor Shein. Am europäischen Modemarkt hält der Konzern gemessen an seiner eigenen Marktschätzung aber nur rund 3,5 Prozent, und der stärkste Druck kommt aus China.
Mode ist das größte Geschäft im deutschen Onlinehandel. Nach dem Online-Monitor 2026 des Handelsverbands HDE, erstellt vom IFH Köln, kauften die Deutschen 2025 online Waren für 92,3 Milliarden Euro netto, davon Mode und Accessoires für 21,2 Milliarden Euro. Bei Kleidung, Schuhen und Accessoires lief bereits 44,2 Prozent des Umsatzes über das Internet.
Der stationäre Modehandel erzielte dagegen nur 11,2 Prozent seines Umsatzes online.
Unter den Onlineshops in Deutschland lag zalando.de 2024 nach einer Auswertung des Handelsforschungsinstituts EHI mit 2,6 Milliarden Euro Umsatz auf Platz drei, hinter amazon.de mit 15,0 und otto.de mit 4,4 Milliarden Euro. Bei den reinen Modehändlern führte Zalando die Rangliste an. Dahinter folgten Shein mit geschätzt 1,12 Milliarden Euro und ABOUT YOU mit 817 Millionen Euro.
Seit der Übernahme gehören die Nummer eins und die Nummer drei zum selben Konzern, zusammen rund 3,4 Milliarden Euro.
Klein in Europa
Zalando selbst schätzt den europäischen Modemarkt auf rund 500 Milliarden Euro. Gemessen am Warenvolumen von 17,6 Milliarden Euro kommt der Konzern damit auf rund 3,5 Prozent. Langfristig will Zalando mehr als 15 Prozent erreichen. Von einer marktbeherrschenden Stellung ist der Konzern damit weit entfernt.
Shein meldet für die EU im Schnitt 127,9 Millionen monatlich aktive Nutzer von Februar bis Juli 2026, Temu kam im ersten Halbjahr 2025 auf 115,7 Millionen. Zalando nannte bei der Einstufung durch die EU-Kommission 2023 rund 83 Millionen.
In Deutschland kamen Temu und Shein laut HDE 2025 zusammen auf 5 Prozent des Onlinehandels, rund 4,7 Milliarden Euro.
Von der anderen Seite drängen Gebrauchtplattformen wie Vinted in den Markt, das 2025 Waren für 10,8 Milliarden Euro vermittelte. Inditex, der Konzern hinter Zara, setzte im selben Geschäftsjahr 39,9 Milliarden Euro um, mehr als dreimal so viel wie Zalando.
Amazon verkauft ebenfalls Mode, weist dafür aber keinen eigenen Umsatz aus. Seine Stärke liegt im Zusammenspiel von Marktplatz, Logistik und Abo, das wir in der Analyse des Amazon-Geschäftsmodells seziert haben.
Warum der Wechsel schwerfällt
Kunden wechseln mit einem Klick zu einem anderen Shop. Zalando bindet seine Kunden deshalb über das Bonusprogramm Zalando Plus, das 2025 für mehr als 40 Prozent des Warenvolumens stand.
Für Marken ist die Wechselhürde höher. Wer seine Lagerbestände über Tradebyte anbindet, seine Ware über ZEOS in Zalandos Lagern einlagert und bei Zalando Marketing Services Werbung bucht, hat drei Verträge mit demselben Konzern. Ein Ausstieg kostet Umstellungsaufwand in Logistik und Software.
Diese Bindung, der Lock-in, ist bei Partnern stärker als bei Kunden, und er wächst mit jedem Dienst, den Zalando zusätzlich verkauft.
Ein kartellrechtliches Verfahren gegen Zalando haben wir bei der Recherche nicht gefunden. Den größten Regulierungsstreit führt der Konzern mit der EU-Kommission über den Digital Services Act, mehr dazu in Kapitel 8.
- Deutschland: Zalando und ABOUT YOU sind die Nummern eins und drei unter den Online-Modehändlern.
- Europa: Am Modemarkt von rund 500 Milliarden Euro hält der Konzern etwa 3,5 Prozent.
- Bindung: Partner hängen über Software, Logistik und Werbung stärker an Zalando als Kunden.
Wer ist bei Zalando eigentlich das Produkt?

Bei Zalando zahlen Kunden für Ware, Marken für Reichweite und Händler für Lager und Software. Die Aufmerksamkeit der 62 Millionen aktiven Kunden ist das Gut, das Zalando an Marken weiterverkauft, über Provisionen und Werbeplätze.
Aus Sicht der Kunden ist Zalando ein Laden mit großer Auswahl, kostenloser Rücksendung und schnellen Paketen. Ein Kunde gibt im Schnitt 62,80 Euro je Bestellung aus und bestellt knapp fünfmal im Jahr. Bezahlt wird die Ware, unter 34,90 Euro Bestellwert auch der Versand, Plattformgebühren sieht der Kunde nicht.
Was der Kunde im Gegenzug liefert, steht in den Datenschutzhinweisen: Kauf- und Zahlungsdaten samt Größe, Vorlieben, Geräte- und Werbekennungen sowie daraus abgeleitete Interessen.
Die Marke zahlt doppelt
Für eine Modemarke ist Zalando Vertriebsweg und Werbefläche zugleich. Im Partnerprogramm verlangt Zalando eine Provision auf jeden Verkauf. Ab 2020 lagen die Sätze bei bis zu 25 Prozent des Bruttoumsatzes, wie die Lebensmittel Zeitung 2019 berichtete. 2023 kam laut Händlerbund eine Grundgebühr von 40 Euro im Monat hinzu, dazu eine Zahlungsgebühr von 1,45 bis 1,55 Prozent des Verkaufspreises.
Aktuelle Sätze veröffentlicht Zalando nicht.
Für mehr Sichtbarkeit bucht eine Marke zusätzlich Werbung bei Zalando Marketing Services. Die Marke bezahlt also einmal für den Verkauf und einmal dafür, dass Kunden ihr Angebot überhaupt sehen. Zalando verdient in beiden Fällen an derselben Aufmerksamkeit.
Marken mit eigenem Onlineshop nutzen Zalando zudem als Dienstleister. Über ZEOS lagern diese Marken Ware in Zalandos Zentren ein und lassen von dort auch Bestellungen aus anderen Kanälen verschicken. Die britischen Händler NEXT und Marks & Spencer gehören zu den großen Kunden.
Wer die Last trägt
Die körperliche Arbeit leisten die Beschäftigten in den Logistikzentren, mehr als 7.000 allein in Deutschland. Einen Tarifvertrag lehnt Zalando bisher ab, der Anteil der tarifgebundenen Beschäftigten in Deutschland liegt laut Geschäftsbericht zwischen 0 und 19 Prozent.
Die Gewerkschaft ver.di fordert die Anerkennung der Flächentarifverträge im Handel und rief im Dezember 2025 zu Streiks in Mönchengladbach und Erfurt auf.
Auch die Lieferanten finanzieren das Geschäft mit, über das in Kapitel 3 beschriebene Reverse Factoring.
Aus welcher Rolle Sie Zalando kennen
Die meisten Leser erleben Zalando als Kunden. Als Geschäftsführer eines Modelabels sitzen Sie auf der anderen Seite: Ihr Angebot steht dort neben der Ware, die Zalando selbst einkauft, und in denselben Trefferlisten, in denen Konkurrenten Werbeplätze buchen. Unsere Einschätzung: Für Marken ist Zalando weniger ein Kunde als ein Vermieter, dessen Miete mit jedem Zusatzdienst steigt.
- Kunden zahlen nur für Ware, liefern dabei aber die Daten für Werbung und Größenberatung.
- Marken zahlen Provision für den Verkauf und Werbegeld für die Sichtbarkeit.
- Beschäftigte in der Logistik arbeiten überwiegend ohne Tarifbindung.
Was kostet eine Bestellung wirklich, und wer trägt die Kosten?

Von einer durchschnittlichen Bestellung blieben Zalando 2025 rechnerisch 2,12 Euro bereinigter operativer Gewinn, bei 44,31 Euro Umsatz. Gut 10 Euro kostete das Fulfilment, vor allem Lager, Versand und Rücksendung, auf Ware und andere Umsatzkosten entfielen 26,64 Euro.
278,6 Millionen Bestellungen zählte Zalando 2025. Teilt man die Posten der Gewinn- und Verlustrechnung durch diese Zahl, ergibt sich das Bild einer einzelnen Bestellung. Die Rechnung ist eine Vereinfachung, weil im Umsatz auch Provisionen, Werbung und die Logistik für andere Händler stecken.
| Posten 2025 | je Bestellung | Anteil am Umsatz |
|---|---|---|
| Umsatz | 44,31 € | 100,0 % |
| Umsatzkosten, vor allem Wareneinkauf | −26,64 € | 60,1 % |
| Fulfilment, vor allem Logistik | −10,20 € | 23,0 % |
| Marketing | −4,04 € | 9,1 % |
| Verwaltung | −1,94 € | 4,4 % |
| Sonstige Erträge und Aufwendungen | −0,10 € | 0,2 % |
| Operativer Gewinn (EBIT) | 1,39 € | 3,1 % |
| Bereinigter operativer Gewinn | 2,12 € | 4,8 % |
| Gewinn nach Steuern | 0,76 € | 1,7 % |
Quelle: Zalando, Geschäftsbericht 2025; Werte je Bestellung eigene Rechnung. Die Bereinigung rechnet unter anderem aktienbasierte Vergütung, Umbaukosten und Kosten der ABOUT-YOU-Übernahme heraus.
Der Warenkorb eines Kunden kostete 2025 im Schnitt 62,80 Euro, nach Abzug der Rücksendungen. Der Unterschied zum Umsatz von 44,31 Euro entsteht, weil im Warenkorb die Umsatzsteuer steckt und bei Partnerware nur die Provision als Umsatz zählt, nicht der volle Kaufpreis.
Die Rücksendung als große Unbekannte
Was eine einzelne Retoure kostet, veröffentlicht Zalando nicht. Die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg hat 2019 für den deutschen Onlinehandel im Schnitt rund 11 Euro je zurückgeschicktem Artikel errechnet, Porto und Bearbeitung eingerechnet.
Ein Rechenbeispiel: Kostete eine Rücksendung bei Zalando ähnlich viel, würde eine einzige Retoure den bereinigten Gewinn aus fünf Bestellungen aufzehren.
Die Größenberatung soll Fehlkäufe verhindern, die Roboter in Greven und Świebodzin sollen die Bearbeitung billiger machen. Seit Januar 2025 haben Kunden für Rücksendungen 30 statt 100 Tage Zeit. Kunden, die besonders viel zurückschicken, sperrt Zalando zeitweise, laut t3n betraf das 2025 rund 0,02 Prozent der Kundschaft.
Was Marken und Kunden zahlen
Angenommen, eine Marke verkauft über das Partnerprogramm eine Jacke für 100 Euro und zahlt den 2020 berichteten Höchstsatz von 25 Prozent Provision. Mit der Zahlungsgebühr von rund 1,5 Prozent blieben der Marke rund 73,50 Euro vor Umsatzsteuer, Ware und Versand. Jede zusätzlich gebuchte Anzeige bei Zalando Marketing Services schmälert den Erlös weiter.
Kunden zahlen unter 34,90 Euro Bestellwert 4,90 Euro für den Versand. Beim Kauf auf Rechnung berechnet Zalando Payments laut Verbraucherzentrale Baden-Württemberg für automatische Zahlungserinnerungen per E-Mail 3,00 und 1,50 Euro als „Mahngebühren“. Die Verbraucherschützer halten das für unzulässig und klagen seit September 2026 vor dem Landgericht Berlin II auf Unterlassung.
Eine Stellungnahme von Zalando zur Klage haben wir nicht gefunden.
Strenger für Kunden, teurer für Partner
Für Kunden wurde Zalando in den vergangenen Jahren an einigen Stellen strenger: kürzere Rückgabefrist, Mahngebühren, Sperren für Vielretournierer. Die kostenpflichtige Mitgliedschaft in Zalando Plus fiel dafür 2025 weg. Für Partner stiegen die Sätze 2020 und 2023, und über ZEOS kommen neue Gebühren für Lager und Versand hinzu. Am Ende tragen alle Seiten die Kosten der kostenlosen Rücksendung: die Marken über ihre Provisionen, die Kunden über Preise und Bedingungen und die Aktionäre, die für 2025 keine Dividende erhielten.
- Umsatz: Je Bestellung erlöste Zalando 2025 rechnerisch 44,31 Euro.
- Logistik: 10,20 Euro kostete das Fulfilment, mehr als doppelt so viel wie das Marketing.
- Gewinn: Bereinigt blieben 2,12 Euro, nach Steuern 76 Cent.
Wer profitiert von Zalando und wer zahlt drauf?

Gewinner sind die Aktionäre, die 2025 und 2026 über Rückkäufe 400 Millionen Euro erhielten, das Management und große Marken, die Zalandos Logistik mitnutzen. Verlierer sind die rund 2.100 Beschäftigten in Erfurt, der stationäre Modehandel und kleine Partner ohne Verhandlungsmacht.
Eine Dividende hat Zalando für 2025 nicht gezahlt. Der Bilanzgewinn von 837 Millionen Euro wurde auf neue Rechnung vorgetragen. Stattdessen kaufte der Konzern im November 2025 für 100 Millionen Euro und von März bis Mai 2026 für weitere 300 Millionen Euro eigene Aktien zurück, zu Durchschnittskursen von 22,80 und 21,44 Euro.
Die Rückkäufe übertrafen damit den Jahresgewinn 2025 von 212,7 Millionen Euro deutlich.
Größter Einzelaktionär ist der dänische Unternehmer Anders Holch Povlsen mit 11,47 Prozent. Dahinter liegen die Fondsgesellschaften Massachusetts Financial Services mit 7,25 und BlackRock mit 5,32 Prozent, die Gründer halten zusammen 5,12 Prozent.
Für 2025 weist der Vergütungsbericht für Co-Chef David Schröder 4,67 Millionen Euro aus, davon 3,31 Millionen Euro aus einem Aktienoptionsprogramm von 2019. Mitgründer Robert Gentz, ebenfalls Co-Chef, kam auf 1,09 Millionen Euro.
Die Zielvergütung liegt für jeden der beiden bei 4,17 Millionen Euro im Jahr, die Obergrenze bei 15,75 Millionen Euro.
Erfurt zahlt den Preis
Am 8. Januar 2026 kündigte Zalando an, das Logistikzentrum in Erfurt Ende September 2026 zu schließen. Betroffen waren nach dem Sozialplan rund 2.100 Beschäftigte, etwa 1.800 davon unbefristet. Ein Interessenausgleich scheiterte, den Sozialplan setzte im Juli eine Einigungsstelle fest. Zalando stellte dafür rund 80 Millionen Euro zurück, die Finanzierung einer Transfergesellschaft lehnte der Konzern nach Angaben des Betriebsrats ab.
Der Betriebsrat sprach trotz der Abfindungen von einem bitteren Beigeschmack.
Zalando begründet die Schließung mit dem Umbau seines Logistiknetzes. Im Juni nahm ein neues Zentrum im hessischen Gießen den Betrieb auf, mit Robotern und automatisierten Kommissioniersystemen, ausgelegt auf bis zu 1.700 Beschäftigte. Nach Angaben der Lebensmittel Zeitung vom 16. Oktober nahmen nur rund 100 Erfurter das Angebot an, nach Gießen zu wechseln.
An den drei Standorten Lahr, Mönchengladbach und Gießen arbeiten demnach inzwischen 6.000 Menschen.
Auch in der Berliner Zentrale baut Zalando Stellen ab. Die TextilWirtschaft berichtete im Juli von rund 200 Stellen, die per Aufhebungsvertrag wegfallen, die Zahl hat Zalando nicht bestätigt. Ein neues Büro in Bukarest soll bis Anfang 2027 rund 60 Stellen bekommen.
| Gruppe | Rolle | Bilanz |
|---|---|---|
| Aktionäre | Kapitalgeber | 400 Mio. € Rückkäufe, keine Dividende für 2025 |
| Vorstand | Management | bis zu 4,67 Mio. € Vergütung je Mitglied 2025 |
| Große Marken | Partner und ZEOS-Kunden | Reichweite bei 62 Mio. Kunden, Lager ohne eigene Investition |
| Kleine Marken | Partner | Provision bis 25 %, Grundgebühr, Werbung für Sichtbarkeit |
| Beschäftigte Erfurt | Logistik | rund 2.100 Stellen gestrichen, keine Transfergesellschaft |
| Stationärer Modehandel | Wettbewerber | nur 11,2 % des Umsatzes online, Connected Retail endet 2027 |
| Gießen | Standort | bis zu 1.700 neue Arbeitsplätze |
Der Plattform-Fluch der Partner
Für den stationären Modehandel bot Zalando ab 2018 das Programm Connected Retail an, über das Geschäfte ihre Ware im Zalando-Shop verkaufen konnten. 2022 waren mehr als 6.000 Läden angeschlossen. 2023 lagen die Provisionen laut Händlerbund bei 5 bis 25 Prozent nach zuvor 5 bis 18 Prozent, dazu kam eine Grundgebühr.
Nach einem Bericht von FashionNetwork vom April 2026 geht das Programm im Partnerprogramm zDirect auf, die alte Technik wird im Juni 2027 abgeschaltet.
Ein Händler, der sein Onlinegeschäft auf Zalando aufgebaut hat, muss die neuen Bedingungen hinnehmen oder einen eigenen Vertriebsweg aufbauen, dessen Aufbau er sich bisher gespart hat. Wir halten diese Abhängigkeit für den eigentlichen Preis des bequemen Zugangs zu 62 Millionen Kunden.
Zalando verkauft Mode, verdient aber besser an anderen Händlern: 10,5 Prozent Marge gegen 3,5 Prozent im ersten Halbjahr 2026.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie politisch ist Zalando?

Zalando gibt für Lobbyarbeit in Brüssel rund viermal so viel aus wie in Berlin, 2025 zwischen 600.000 und 700.000 Euro. Seit 2023 streitet der Konzern vor den EU-Gerichten gegen seine Einstufung als sehr große Online-Plattform. Steuern zahlt Zalando vor allem in Deutschland, 2025 mit einer Quote von 40,7 Prozent.
Im Transparenzregister der EU meldet Zalando für das Geschäftsjahr 2025 Lobbykosten zwischen 600.000 und 699.999 Euro. Sieben Personen mit zusammen 4,3 Vollzeitstellen vertreten den Konzern, vier davon mit Zugang zum EU-Parlament. Die Plattform LobbyFacts zählt seit Dezember 2014 insgesamt 43 Treffen mit EU-Kommissaren, deren Kabinetten und Generaldirektoren, zuletzt am 8. Juni 2026 im Kabinett von Handelskommissar Maroš Šefčovič zur Zollreform.
Im Lobbyregister des Bundestags stehen für 2025 Ausgaben zwischen 150.001 und 160.000 Euro bei 0,6 Vollzeitstellen. Zalando ist dort unter anderem Mitglied bei Bitkom, beim Onlinehandelsverband bevh, beim Startup-Verband und beim Wirtschaftsrat der CDU.
Für ein Unternehmen mit 12,3 Milliarden Euro Umsatz fällt das Lobbybudget bescheiden aus.
| Lobbyarbeit 2025 | EU (Brüssel) | Deutschland (Berlin) |
|---|---|---|
| Ausgaben | 600.000 bis 699.999 € | 150.001 bis 160.000 € |
| Personal | 4,3 Vollzeitstellen | 0,6 Vollzeitstellen |
| Externe Agentur | Rud Pedersen, 100.000 bis 199.999 € | keine angegeben |
| Register | EU-Transparenzregister | Lobbyregister des Bundestags, R003005 |
Was Zalando von der Politik will
Laut Lobbyregister setzt sich Zalando für den Erhalt des Kaufs auf Rechnung ein und will dafür Bonitätsprüfungen gegen Betrug von neuen Datenschutzauflagen ausnehmen. Der Konzern lehnt eine nationale Digitalsteuer ab und wirbt für eine global abgestimmte Lösung. Ausdrücklich unterstützte Zalando die Abschaffung der Zollfreigrenze von 150 Euro für Pakete aus Drittstaaten, die zum 1. Juli 2026 gefallen ist.
Die Neuregelung trifft vor allem Anbieter wie Temu und Shein, die Kleinsendungen direkt aus China verschicken.
Aus dem Förderprogramm für klimafreundliche Nutzfahrzeuge erhielt Zalando 2025 vom Bundesamt für Logistik und Mobilität eine Zuwendung zwischen 280.001 und 290.000 Euro.
Der Streit um den Digital Services Act
Am 25. April 2023 stufte die EU-Kommission Zalando als sehr große Online-Plattform nach dem Digital Services Act ein. Grundlage waren rund 83 Millionen monatlich aktive Nutzer, die Zalando selbst veröffentlicht hatte. Für solche Plattformen gelten strengere Pflichten, etwa Risikoberichte, unabhängige Prüfungen und eine jährliche Aufsichtsgebühr an die Kommission.
Zalando klagte im Juni 2023 dagegen und argumentierte, das kuratierte Sortiment eines Händlers berge kein systemisches Risiko.
Das Gericht der Europäischen Union wies die Klage am 3. September 2025 ab. Zalando zeigte sich enttäuscht und legte im November 2025 Rechtsmittel beim Europäischen Gerichtshof ein, das Verfahren läuft noch. Am 7. Oktober 2026 scheiterte der Konzern vor dem Gericht der EU mit einer zweiten Klage, mit der er Einsicht in die Unterlagen zur Berechnung seiner Aufsichtsgebühr verlangt hatte.
Eine Stellungnahme von Zalando zu diesem Urteil haben wir nicht gefunden.
Mit Verbraucherschützern geriet Zalando auch wegen grüner Werbung aneinander. Nach Gesprächen mit der EU-Kommission und nationalen Verbraucherbehörden entfernte der Konzern bis zum 15. April 2024 die Nachhaltigkeitskennzeichnung und Blattsymbole aus dem Shop.
Steuern in Berlin, nicht in Dublin
Zalando hat 67 Tochtergesellschaften, darunter Firmen in Irland, der Schweiz, Hongkong und den USA. Den Umsatz erzielt laut Geschäftsbericht aber fast ausschließlich die Zalando SE mit Sitz in Berlin. 2025 zahlte der Konzern 145,7 Millionen Euro Ertragsteuern auf 358,4 Millionen Euro Gewinn vor Steuern, eine Steuerquote von 40,7 Prozent. Der rechnerische Konzernsteuersatz liegt bei 30,5 Prozent. Die Differenz erklärt der Konzern mit nicht abzugsfähigen Aufwendungen und Verlusten, für die keine Steuerentlastung angesetzt wurde.
Eine Gewinnverlagerung in Niedrigsteuerländer lässt sich aus den Zahlen nicht ablesen. Eine Drohung mit dem Rückzug aus einzelnen Märkten haben wir bei Zalando nicht gefunden.
- Lobby: In Brüssel gibt Zalando rund viermal so viel aus wie in Berlin.
- Recht: Gegen die Einstufung nach dem Digital Services Act klagt der Konzern inzwischen in zweiter Instanz.
- Steuern: Die Steuerquote lag 2025 bei 40,7 Prozent, der Umsatz entsteht fast vollständig in Berlin.
Was könnte Zalando zu Fall bringen?

Das größte Risiko ist schwaches Wachstum aus eigener Kraft: Ohne den Zukauf von ABOUT YOU wuchs der Umsatz im ersten Halbjahr 2026 nur um 2,2 Prozent. Hinzu kommen Billiganbieter aus China, teure Integrationsjahre und ein Logistiknetz, dessen Fixkosten bei sinkender Nachfrage schwer wiegen.
Auf dem Papier wuchs Zalando im ersten Halbjahr 2026 kräftig, der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahreshalbjahr um 22,2 Prozent. Rechnet man ABOUT YOU auch für das Vorjahr ein, bleibt ein Plus von 2,2 Prozent beim Umsatz und 5,0 Prozent beim Warenvolumen. Im August grenzte der Vorstand die Prognose für 2026 auf die untere Hälfte der Spannen ein, also ein Warenvolumen zwischen 19,7 und rund 20,2 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis soll zwischen 680 und 720 Millionen Euro liegen.
Ein Modehändler, der aus eigener Kraft nur im niedrigen einstelligen Bereich wächst, muss seine Marge über niedrigere Kosten und Zusatzgeschäfte verbessern.
Der Druck aus China
Shein mit 127,9 Millionen und Temu mit 115,7 Millionen monatlichen Nutzern in der EU melden mehr, als Zalando bei der Einstufung 2023 angab. Kleinsendungen aus Drittstaaten blieben bis Ende Juni 2026 bis zu einem Warenwert von 150 Euro zollfrei, ein Vorteil für Plattformen, die direkt aus China verschicken. Seit dem 1. Juli 2026 gilt diese Grenze nicht mehr, übergangsweise fällt ein Pauschalzoll von 3 Euro je angemeldeter Warenposition an, die vollständige Neuregelung folgt 2028. Ob der Pauschalzoll den Preisabstand spürbar verringert, ist offen.
Zalando setzt gegen die Billiganbieter auf Marken und schnelle Lieferung.
Die teure Integration
Die Übernahme von ABOUT YOU soll ab 2028 jährlich 100 Millionen Euro an zusätzlichem operativem Gewinn bringen. Im ersten Halbjahr 2026 meldete Zalando Synergien von mehr als 20 Millionen Euro. Gleichzeitig verbuchte der Konzern 52,8 Millionen Euro an Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Kauf und 138,9 Millionen Euro an Umbaukosten, vor allem für die Schließung in Erfurt. Unter dem Strich stand im Halbjahr ein Verlust von 13,8 Millionen Euro, der Free Cashflow lag bei minus 95 Millionen Euro.
Verfehlt Zalando die geplanten Synergien, zehren die Integrationskosten die Marge auf, die der Konzern gerade erst zurückgewonnen hat.
Fixkosten, Personal und Recht
Zalando hat stark in eigene, zunehmend automatisierte Lager investiert, zuletzt in Gießen, Paris und Frankfurt. Solche Anlagen rechnen sich nur bei voller Auslastung. Bricht die Nachfrage ein, bleiben die Kosten.
Die Auseinandersetzung mit ver.di um einen Tarifvertrag und die Schließung in Erfurt belasten zudem das Verhältnis zu den Beschäftigten in der Logistik.
Die rechtlichen Risiken bedrohen Zalando kaum in seiner Existenz. Verliert Zalando auch vor dem Europäischen Gerichtshof, bleiben die Pflichten und Gebühren einer sehr großen Online-Plattform bestehen, die heute schon gelten. Ein Schwarzer Schwan wäre aus unserer Sicht ein mehrtägiger Ausfall eines der großen Logistikzentren in der Hochsaison vor Weihnachten, weil ein großer Teil des Volumens über wenige eigene Standorte läuft.
Drei Szenarien bis 2031
Im günstigen Fall erreicht Zalando das Ziel von 6 bis 8 Prozent bereinigter Marge bis 2028, das B2B-Geschäft wächst zweistellig und die geplanten Synergien mit ABOUT YOU werden vollständig erreicht. Im wahrscheinlichsten Fall bleibt das Endkundengeschäft bei niedrigem einstelligem Wachstum, die Marge steigt langsam auf 5 bis 6 Prozent, getragen von Werbung und Logistik für andere. Im ungünstigen Fall drücken chinesische Plattformen und ein schwacher Konsum die Preise, die Lager sind nicht ausgelastet, und die Marge fällt unter 4 Prozent.
Die drei Szenarien sind Einschätzungen der Redaktion, keine Prognosen des Unternehmens.
- Eigene Kraft: Ohne den Zukauf wuchs der Umsatz im ersten Halbjahr 2026 um 2,2 Prozent.
- Integration: Die Synergien mit ABOUT YOU müssen die Umbaukosten erst einholen.
- Fixkosten: Automatisierte Lager lohnen sich nur bei hoher Auslastung.
Was bedeutet Zalando für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Für Verbraucher bleibt Zalando bequem, wird aber im Kleingedruckten strenger: 30 statt 100 Tage Rückgabe, Versandkosten bei Bestellungen unter 34,90 Euro, Sperren für Vielretournierer. Für Modemarken und Händler ist der Konzern zugleich Kunde, Vertriebsweg und Konkurrent.
Mit den Retourenrobotern in Greven und Świebodzin will Zalando die Kosten je Rücksendung senken. Deutschland ist mit knapp 30 Prozent des Umsatzes der wichtigste Markt, hier stehen auch 73 Prozent der langfristigen Vermögenswerte des Konzerns, darunter die großen Logistikzentren. Jeder Cent, den Roboter und Größenberatung je Retoure sparen, landet direkt im Ergebnis.
Ob die Einsparungen schon im dritten Quartal sichtbar werden, zeigen die Zahlen am 3. November.
Was Verbraucher wissen sollten
Kostenlos ist die Lieferung in Deutschland ab 34,90 Euro Bestellwert, darunter kostet sie 4,90 Euro. Zurückschicken dürfen Sie Ware innerhalb von 30 Tagen nach Erhalt, mit dem Zalando-Etikett oder QR-Code ohne Kosten. Kunden, die extrem viel zurückschicken, riskieren eine zeitweise Sperre ihres Kundenkontos.
Beim Kauf auf Rechnung haben Sie je nach Land 14 bis 30 Tage Zeit, die Forderung gehört dann Zalando Payments. Ob die Gebühren für automatische Zahlungserinnerungen per E-Mail zulässig sind, klärt gerade das Landgericht Berlin II. Ähnlich verdient der Zahlungsanbieter Klarna am Kauf auf Rechnung, allerdings ohne eigenen Shop.
Das Bonusprogramm Zalando Plus kostet seit 2025 keine Jahresgebühr mehr, mehr als 20 Millionen Kunden sind inzwischen dabei.
Was Händler und Marken wissen sollten
Für eine deutsche Modemarke ist Zalando der größte reine Online-Modehändler im Land. Der Zugang hat einen Preis: Provision von bis zu 25 Prozent, eine Grundgebühr, Zahlungsgebühren und für mehr Sichtbarkeit Werbung. Rechnen Sie diese Kosten am besten vollständig auf jeden verkauften Artikel um, bevor Sie Ihr Sortiment ausweiten.
Händler mit eigenem Shop können über ZEOS zusätzlich Lager und Versand auslagern, eine Alternative zu eigenen Logistikflächen.
Stationäre Modehändler, die über Connected Retail angebunden sind, sollten den Wechsel ins Programm zDirect frühzeitig planen. Die alte Technik soll nach einem Bericht von FashionNetwork im Juni 2027 abgeschaltet werden.
Gegenüber Zalando sind deutsche Mittelständler im Onlinehandel bei Logistik und Reichweite klar im Nachteil. Punkten können Mittelständler mit Beratung, Sortiment und direkter Kundenbeziehung. Unsere Einschätzung: Als einer von mehreren Kanälen bringt Zalando Reichweite, landet der gesamte Onlineumsatz dort, verlieren die Betriebe die Kontrolle über Preise und Kundendaten.
Die nächsten zwölf Monate
Im günstigen Fall bestätigt Zalando am 3. November die Prognose, das Weihnachtsgeschäft läuft gut und die Roboter senken die Kosten der Rücksendungen messbar. Im wahrscheinlichsten Fall erreicht der Konzern die untere Hälfte seiner Spanne, während Werbung und B2B weiter schneller wachsen als der Modeverkauf. Im ungünstigen Fall drückt die Konkurrenz aus China die Preise, und Zalando muss die Prognose senken.
- Rücksendefrist: Für Retouren bleiben Ihnen seit 2025 nur noch 30 Tage.
- Mindestbestellwert: Bündeln Sie Bestellungen am besten über 34,90 Euro, dann entfallen die Versandkosten.
- Partnerkosten: Rechnen Sie als Marke Provision, Grundgebühr und Werbung gerne auf jeden Artikel um.
- Connected Retail: Planen Sie als stationärer Händler den Umstieg auf zDirect am besten vor Juni 2027.
Glossar: 16 wichtige Fachbegriffe zum Geschäftsmodell von Zalando

Bereinigtes EBIT
Das bereinigte EBIT ist der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern, aus dem einmalige oder nicht zahlungswirksame Posten herausgerechnet sind. Zalando zieht aktienbasierte Vergütung, Umbaukosten und Kosten von Übernahmen ab. 2025 lag das bereinigte EBIT bei 590,7 Millionen Euro, das unbereinigte bei 387,2 Millionen Euro.
Bruttomarge
Die Bruttomarge gibt an, welcher Anteil des Umsatzes nach Abzug der Umsatzkosten übrig bleibt, bei einem Händler vor allem nach dem Wareneinkauf. Bei Zalando lag die Bruttomarge 2025 bei 39,9 Prozent. Im Endkundengeschäft war der Wert mit 42,3 Prozent fast dreimal so hoch wie im B2B-Segment.
Connected Retail
Connected Retail ist ein Programm von Zalando, über das stationäre Modegeschäfte ihre Ware im Onlineshop des Konzerns anbieten. Bestellungen verschickt der Laden selbst. Das Programm startete 2018, 2022 waren mehr als 6.000 Geschäfte angeschlossen. Connected Retail soll künftig im Partnerprogramm zDirect aufgehen.
Free Cashflow
Der Free Cashflow ist der Geldzufluss aus dem laufenden Geschäft nach Abzug der Investitionen. Die Kennzahl zeigt, wie viel Geld für Schuldentilgung, Zukäufe oder Ausschüttungen bleibt. Bei Zalando lag der Free Cashflow 2025 wegen der Übernahme von ABOUT YOU bei minus 2,9 Millionen Euro, nach plus 379,4 Millionen Euro im Vorjahr.
Fulfilment
Als Fulfilment bezeichnet der Onlinehandel alle Schritte zwischen Bestellung und Zustellung: Einlagerung, Kommissionierung, Verpackung, Versand und die Bearbeitung von Rücksendungen. Die Fulfilmentkosten von Zalando lagen 2025 bei 2,84 Milliarden Euro, das entsprach 23 Prozent des Umsatzes.
Gross Merchandise Volume
Das Gross Merchandise Volume (GMV) ist der Wert aller an Kunden verkauften Waren nach Stornierungen und Rücksendungen, einschließlich Umsatzsteuer. Bei Zalando enthält die Kennzahl auch die Ware der Partner, von der nur die Provision als Umsatz zählt. 2025 lag das GMV bei 17,56 Milliarden Euro.
Lock-in
Ein Lock-in liegt vor, wenn Kunden oder Geschäftspartner nur mit hohem Aufwand zu einem anderen Anbieter wechseln können. Bei Zalando entsteht diese Bindung vor allem für Marken, die Lagerbestände, Logistik und Werbung über denselben Konzern abwickeln. Jeder zusätzliche Dienst erhöht die Kosten eines Wechsels.
Netzwerkeffekt
Ein Netzwerkeffekt liegt vor, wenn ein Angebot für jeden Nutzer wertvoller wird, je mehr andere Menschen dasselbe Angebot nutzen. Auf einer Handelsplattform ziehen mehr Marken mehr Käufer an und umgekehrt. Der Effekt erschwert Neulingen den Einstieg, weil sie beide Seiten zugleich gewinnen müssen.
Partnerprogramm
Im Partnerprogramm verkaufen fremde Marken und Händler ihre Ware direkt im Zalando-Shop. Zalando übernimmt Bestellung, Zahlung und Kundendienst und erhält dafür eine Provision. 2025 stammten 32,1 Prozent des Warenvolumens der Gruppe aus dem Partnergeschäft, im Zalando-Shop allein im zweiten Quartal 2026 schon 36,9 Prozent.
Pro-forma-Wachstum
Das Pro-forma-Wachstum vergleicht zwei Zeiträume so, als hätte eine Übernahme schon im Vorjahr bestanden. Die Kennzahl zeigt, wie stark ein Konzern aus eigener Kraft wächst. Bei Zalando stieg der Umsatz im ersten Halbjahr 2026 berichtet um 22,2 Prozent, pro forma mit ABOUT YOU nur um 2,2 Prozent.
Quersubventionierung
Bei der Quersubventionierung finanziert ein profitabler Teil eines Geschäfts einen anderen, der wenig oder nichts einbringt. Zalando bietet kostenlose Rücksendungen an, die selbst nur Kosten verursachen. Bezahlt werden die Rücksendungen aus der Marge der Bestellungen, die beim Kunden bleiben, und aus den Provisionen der Partner.
Retail Media
Retail Media bezeichnet Werbung, die ein Händler auf seinen eigenen Verkaufsflächen an Marken verkauft, etwa gesponserte Produkte in der Suche. Grundlage sind die Kaufdaten der Kunden. Bei Zalando entsprachen die Retail-Media-Erlöse 2025 1,8 Prozent des Warenvolumens und wuchsen gegenüber dem Vorjahr um 42,4 Prozent.
Reverse Factoring
Beim Reverse Factoring kauft ein Finanzdienstleister die Rechnungen eines Lieferanten an einen Großkunden an. Der Lieferant erhält sein Geld früher, der Kunde zahlt später an den Finanzdienstleister. Bei Zalando liefen Ende 2025 Lieferantenforderungen über 931,6 Millionen Euro über solche Vereinbarungen.
Sehr große Online-Plattform
Als sehr große Online-Plattform (VLOP) gelten nach dem Digital Services Act der EU Plattformen mit mehr als 45 Millionen monatlich aktiven Nutzern in der EU. Für diese Plattformen gelten strengere Pflichten, etwa Risikoberichte und eine Aufsichtsgebühr. Zalando wurde 2023 eingestuft und klagt dagegen.
Squeeze-out
Beim Squeeze-out drängt ein Mehrheitsaktionär die verbliebenen Minderheitsaktionäre gegen eine Barabfindung aus einem Unternehmen. Zalando übernahm so im November 2025 die restlichen Aktien von ABOUT YOU für 96,6 Millionen Euro, nachdem der Konzern zuvor 91,5 Prozent erworben hatte.
ZEOS
ZEOS ist die Marke, unter der Zalando seit Oktober 2023 Logistik und Software an andere Händler verkauft. Händler lagern Ware in Zalandos Zentren ein und lassen von dort auch Bestellungen aus anderen Kanälen verschicken. Ende 2025 nutzten mehr als 600 Partner in 25 Märkten den Dienst.
FAQ: Wie viel verdient Zalando an einer Bestellung?

Gehört ABOUT YOU zu Zalando?
Ja, seit Juli 2025 gehört ABOUT YOU zu Zalando. Der Konzern bot 6,50 Euro je Aktie, übernahm zunächst 91,5 Prozent und im November 2025 per Squeeze-out auch die restlichen Anteile. Der Onlineshop ABOUT YOU läuft als eigene Marke weiter.
Ist die Rücksendung bei Zalando kostenlos?
Ja, in Deutschland ist die Rücksendung kostenlos, wenn Sie das Zalando-Retourenetikett oder den QR-Code nutzen. Seit Januar 2025 haben Sie dafür 30 Tage ab Erhalt der Ware Zeit, vorher galten 100 Tage. Versandkosten von 4,90 Euro fallen bei Bestellungen unter 34,90 Euro an.
Wem gehört Zalando?
Zalando ist eine börsennotierte Europäische Aktiengesellschaft mit Sitz in Berlin, die Aktien sind breit gestreut. Größter Einzelaktionär ist Anders Holch Povlsen mit 11,47 Prozent. Die Gründer halten zusammen 5,12 Prozent (Stand September 2026).
Macht Zalando Gewinn?
Ja, Zalando verdiente 2025 nach Steuern 212,7 Millionen Euro bei 12,3 Milliarden Euro Umsatz. Im ersten Halbjahr 2026 stand wegen hoher Umbaukosten unter dem Strich ein kleiner Verlust von 13,8 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der Konzern 680 bis 720 Millionen Euro bereinigten operativen Gewinn.
Warum schließt Zalando das Lager in Erfurt?
Zalando baut sein Logistiknetz um und hatte die Schließung in Erfurt zum Ende September 2026 angekündigt. Betroffen waren rund 2.100 Beschäftigte. Einen Teil des Volumens übernimmt das neue, stärker automatisierte Logistikzentrum in Gießen, das seit Juni 2026 in Betrieb ist.
Wann veröffentlicht Zalando die nächsten Quartalszahlen?
Zalando legt die Zahlen zum dritten Quartal 2026 am 3. November 2026 vor. Im August hatte der Konzern die Prognose für Umsatz und Warenvolumen auf die untere Hälfte der Spanne eingegrenzt.
Quellen
73 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 16.10.2026
- Zalando SEAnnual Report 2025
- Zalando SEHalf-Year Report 2026 (Halbjahresbericht 2026, 03.08.2026)
- Zalando SEQ2 2026 Earnings Call Presentation
- Zalando SEQuarterly Statement Q1 2026
- Zalando SEFY 2025 Fact Sheet
- Zalando SEAnnual Report 2022
- Zalando SEAnnual Report 2023
- Zalando SEAnnual Report 2024
- Zalando SEEinberufung der Hauptversammlung 2026
- Zalando SEFinancial Calendar (Finanzkalender)
- Zalando SEShareholder Structure (Stand 11.09.2026)
- Zalando SEShare Buy-back (Aktienrückkauf)
- Zalando SEThe Zalando share (Aktienzahl)
- Zalando SEZalando and ABOUT YOU team up (Pressemitteilung vom 11.12.2024)
- Zalando SEZalando launches public tender offer for ABOUT YOU (Pressemitteilung vom 20.01.2025)
- Zalando SEFashion spricht viele Sprachen: Zalando Plus kooperiert mit Duolingo (Pressemitteilung vom 28.09.2026)
- Zalando SEZalando and the Digital Services Act
- Zalando SEZalando files legal action against the European Commission
- Zalando SEZalando sets issue price per share at EUR 21.50 (Ad-hoc-Mitteilung vom 29.09.2014)
- Zalando SEZalando Profitable in 2014 After Strong Q4 2014
- Zalando SEZalando Launches Partner Programme in the UK
- Zalando SEQ1 2016 Results
- Zalando SEProductizing Zalando’s Capabilities: Introducing ZEOS
- Zalando SEZMS turns 10
- Zalando SEZalando to launch a fashion assistant powered by ChatGPT
- Zalando SESize recommendations based on customers’ own body measurements
- Zalando SEAllgemeine Geschäftsbedingungen (Stand 18.05.2026)
- Zalando SEDatenschutzhinweise
- SereactSereact, Zalando and CEVA Logistics start AI-powered, automated returns handling in Germany and Poland (Pressemitteilung vom 07.10.2026)
- EU Law LiveGeneral Court dismisses Zalando’s action for access to Commission documents on the calculation of the DSA supervisory fee
- EU Law RadarCase C-724/25 P Zalando v Commission
- Legal Tribune OnlineEuG weist Zalandos Klage gegen Einstufung als sehr große Online-Plattform ab
- Europäische KommissionPressemitteilung IP/24/948 zu Umweltaussagen von Zalando
- Handelsverband Deutschland (HDE)HDE Online-Monitor 2026 (Daten IFH Köln, 03.06.2026)
- TextilWirtschaftDas sind die umsatzstärksten Online-Modehändler der Republik (EHI/ECDB, 30.09.2025)
- onlinemarktplatz.deTop-Onlineshops Deutschland 2025 (EHI/ECDB)
- TextilWirtschaftTW-History: Die Schuhboten (Porträt vom 30.09.2010, neu veröffentlicht 26.02.2019)
- getAbstractZusammenfassung von Hagen Seidel: Schrei vor Glück (Orell Füssli, 2013)
- cash.ch (dpa)Zalando nach zehn Jahren noch nicht satt
- FashionUnitedZalando: Eine bewegte Geschichte neuen Handels
- GWAEffie-Case Zalando
- HorizontSchrei vor Glück: Zalando gewinnt den Deutschen Marketingpreis 2012
- TextilWirtschaftZalando erweitert Gesellschafterkreis
- deutsche-startups.deZalando steigert Umsatz auf 1,15 Milliarden Euro
- TextilWirtschaftZalando: Mehr Umsatz, mehr Verlust
- KinnevikFinal price in Zalando’s IPO
- FashionUnitedZalando y Puma entran a cotizar en el índice DAX alemán
- airliners.de (dpa)Lufthansa scheitert wieder an der Rückkehr in den Dax
- FashionUnitedZalando erhöht Provisionen für Markenpartner
- Lebensmittel ZeitungMarktplatz: Zalando verlangt mehr Provision
- OnlinehändlerNews (Händlerbund)Zalando: Grundgebühr, erhöhte Provisionen
- FashionUnitedConnected Retail by Zalando: Aufbau einer Omnichannel-Strategie im Jahr 2022
- FashionNetworkZalando ends its Connected Retail programme for brick-and-mortar retailers
- VerbraucherzentraleKlage gegen Zalando Payments (Stand 28.09.2026)
- Lebensmittel ZeitungVolumen-Recruiting in Gießen: Zalando nutzt Shop für Jobs
- Volksstimme (dpa)Sozialplan per Schiedsspruch: Aus für Zalando-Standort
- ver.diZalando: ver.di kritisiert geplante Schließung in Erfurt
- DGBver.di erhöht Druck auf Zalando: Streiks und Aktionen für Tarifvertrag
- TextilWirtschaftZalando: Weiterer Stellenabbau in Berlin
- hessenschauRiesiges Zalando-Logistikzentrum in Gießen eröffnet
- LobbyFactsZalando SE (EU-Transparenzregister 877966419254-70)
- Deutscher BundestagLobbyregister, Registereintrag R003005 (Stand 30.06.2026)
- SHEINDigital Services Act: monatlich aktive Nutzer in der EU
- retail-news.deTemu DSA-Transparenzbericht Halbjahr 2025
- FashionUnitedZara-Mutter Inditex meldet neue Rekorde
- FashionUnitedVinted steigert Jahresumsatz um 38 Prozent
- PwCGeneralzolldirektion: Wegfall der 150-Euro-Zollfreigrenze ab 1. Juli 2026
- Universität BambergRetourenmanagement 2019
- t3n (dpa)Jede 6. Bestellung im Onlinehandel geht zurück
- t3nWarum Zalando jetzt tausende Kunden von Bestellungen ausschließt
- t-onlineZalando: Rückgabefrist ab 2025 auf 30 Tage gekürzt
- Caschys BlogZalando verkürzt die Rückgabefrist und streicht Zalando Plus
- onvistaZalando-Aktie, Kursdaten (Xetra-Schluss 15.10.2026)
