Artikel teilen

Volkswagen begrenzt bei mehreren Elektromodellen in Europa den Ladestand auf 80 Prozent, weil fehlerhafte Batteriezellen von Zulieferern überhitzen können. Betroffen ist laut Handelsblatt eine fünfstellige Zahl von Autos aus den Baujahren 2023 bis 2025. In Großbritannien läuft der Rückruf bereits, in Deutschland soll er in Kürze beginnen.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Knapp 660.000 Autos der Baureihen ID.3, ID.4, ID.7 und ID. Buzz kamen zwischen 2023 und 2025 in Europa neu auf die Straße, gut 210.000 davon in Deutschland.[2] Wie viele davon fehlerhafte Zellen enthalten, sagt Volkswagen nicht. Bei den betroffenen Autos sperrt ein Software-Update aus der Ferne vorerst ein Fünftel der Akkukapazität.

Das Wichtigste in Kürze

  • VW begrenzt bei betroffenen ID.-Modellen und dem Cupra Born den Ladestand per Update auf 80 Prozent.
  • Ursache sind laut VW Fertigungsfehler bei Zulieferern, die Zellen können in seltenen Fällen überhitzen.
  • Die Ladegrenze fällt erst, nachdem die Werkstatt den Akku für einwandfrei befunden hat.
  • Die Teilnahme am Rückruf ist für Halter verbindlich, sonst droht am Ende eine Betriebsuntersagung.

Was hat Volkswagen bestätigt?

Stilisierte weiße Batterie mit orangen Ladebalken, Schloss und Etikett auf weißem Hintergrund
Volkswagen ruft Fahrzeuge zurück, da Batteriezellen von Zulieferern Fertigungsfehler aufweisen und in seltenen Fällen überhitzen oder Brand verursachen können

Zellen bestimmter Fahrzeuge erfüllen laut einem VW-Sprecher wegen Fertigungsfehlern bei Zulieferern nicht die Qualitätsanforderungen. In seltenen Fällen könnten sie überhitzen, im Extremfall drohe ein Brand.[2] Zuerst hatte das Handelsblatt am Donnerstag unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet.[1] Modelle nannte der Konzern nicht. Nach Angaben der Zeitung betrifft die Aktion ID.3, ID.4, ID.7, ID. Buzz und den Cupra Born, Škoda-Modelle sind nicht betroffen.[2]

In Großbritannien läuft die Aktion bereits, dort zählt auch der Transporter ID. Buzz Cargo dazu. Deutschland und weitere Märkte sollen kurzfristig folgen, VW stimme sich nach eigenen Angaben eng mit den Behörden ab.[3] In der Datenbank des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) stand der Rückruf am Donnerstag noch nicht.[2] Die Halter erhalten einen Brief.[3]

Warum hilft die Ladegrenze?

Ein voller Lithium-Ionen-Akku arbeitet mit höherer Zellspannung, eine fehlerhafte Zelle kann dann bei einem inneren Kurzschluss mehr Energie freisetzen. Die Grenze senkt dieses Risiko, den Fertigungsfehler beseitigt sie nicht. Den Mechanismus beschreibt unser Artikel zum ID.4-Rückruf in den USA, wo VW 22.524 Haltern dieselbe Grenze empfiehlt. Mit dem Batterieschonmodus, den Fahrer selbst einschalten, hat die Sperre nichts zu tun.[2]

Wegen der Batterie rief VW in diesem Jahr schon zweimal Elektroautos zurück. Im Januar betraf ein Rückruf den ID.7 wegen ähnlicher Zellprobleme. Im März folgten weltweit rund 94.000 Elektroautos, davon etwa 28.000 in Deutschland, weil einzelne Hochvoltmodule aus den Baujahren 2022 bis 2024 nicht der Spezifikation entsprachen.[4] Ob die neuen Zellfehler mit den Fällen in den USA zusammenhängen, ist offen.[2]

Bis die Werkstatt den Akku geprüft hat, bezahlen die Halter den Fehler des Zulieferers mit einem Fünftel ihrer Reichweite.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zitat teilen
Der Batterie-Rückruf bei VW in Zahlen
Ladegrenze, Bauzeitraum und die Vorgänger-Aktionen bei den ID.-Modellen
80 %
höchster Ladestand der betroffenen Autos, bis die Werkstatt den Akku geprüft hat
2023 bis 2025
Bauzeitraum der betroffenen ID.3, ID.4, ID.7, ID. Buzz und Cupra Born laut Handelsblatt
rund 660.000
Neuzulassungen der vier ID.-Baureihen in Europa 2023 bis 2025, gut 210.000 in Deutschland; betroffen ist nur ein Teil
rund 94.000
Elektroautos im Batteriemodul-Rückruf vom März 2026, davon etwa 28.000 in Deutschland

Was müssen Halter und Flotten jetzt tun?

Die Teilnahme an einem Rückruf ist laut KBA verbindlich. Der Hersteller schreibt die Halter an, die im Zentralen Fahrzeugregister stehen. Reagiert ein Halter auch auf mehrere Aufforderungen nicht, schaltet das KBA die Zulassungsbehörde ein, die den Betrieb des Autos untersagen kann.[5]

Flottenmanager sollten die Fahrgestellnummern ihrer ID.-Fahrzeuge aus diesen Baujahren beim Händler prüfen lassen und Langstrecken mit weniger Reichweite planen. Einen Teil der Autos holt VW in die Werkstatt. Fällt der Befund gut aus, entfällt die Grenze. Module muss die Werkstatt nicht zwangsläufig tauschen, mitunter genügt ein Software-Update.[3] Beim Kauf eines Gebrauchten aus diesen Baujahren lohnt die Frage, ob die Werkstatt den Akku schon geprüft hat.

Quellen

5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. HandelsblattBrandgefahr bei E-Autos: VW bereitet nächsten Rückruf vor15.10.2026
  2. electriveVW bereitet Batterie-Rückruf für mehrere ID.-Modelle in Europa vor16.10.2026
  3. MM Maschinenmarkt (dpa)VW-Rückruf: ID-Modelle wegen Hochvolt-Batteriezellen16.10.2026
  4. newmobility.newsVW Group plans recall of around 100,000 BEVs, nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts, Referenz 16271R25.03.2026
  5. Kraftfahrt-BundesamtRückrufe, Informationen für Fahrzeughalter (abgerufen am 16. Oktober 2026)

Mehr Newshunger?

4,2 13 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?