Bei der Volkswagen AG sollen bis 2030 weitere 12.000 Stellen wegfallen, zusätzlich zu den mehr als 35.000 aus der Einigung von Dezember 2024. Dafür will der Vorstand Beschäftigte in Transfergesellschaften wechseln lassen, die die Arbeitsagentur mitfinanziert. Die IG Metall lehnt das ab und bereitet sich auf einen Arbeitskampf ab Januar vor.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenAn der Beschäftigungssicherung bis Ende 2030 hält Volkswagen fest, betriebsbedingte Kündigungen bleiben ausgeschlossen.[1] Nach dem zweiten Überprüfungsgespräch mit der IG Metall am Freitag in Hannover nannte der Konzern trotzdem eine neue Zahl: Aus dem Konzernzielbild 2030 ergebe sich für die Volkswagen AG ein zusätzlicher Abbau von 12.000 Stellen.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Zu den mehr als 35.000 vereinbarten Stellen kommen bei der Volkswagen AG bis 2030 weitere 12.000 hinzu.
- Neben freiwilligen Austrittsprogrammen will der Vorstand geförderte Transfergesellschaften einrichten.
- Die IG Metall spricht von Wortbruch und verlangt, dass Volkswagen die Kündigung von zehn Tarifverträgen bis Ende Oktober zurücknimmt.
- Die Verhandlungen beginnen am 24. November in Emden, die Friedenspflicht endet am 31. Dezember.
Wie will Volkswagen 12.000 Stellen ohne Kündigungen abbauen?

Auch der zusätzliche Abbau soll nach Angaben des Konzerns sozialverträglich ablaufen.[1] Der Vorstand will dafür freiwillige Austrittsprogramme voll ausschöpfen und förderfähige Transfergesellschaften einrichten, in die Beschäftigte wechseln können, etwa für Zusatzqualifizierungen. Die Einzelheiten sollen die Tarifverhandlungen klären.
Arne Meiswinkel, Personalvorstand der Marke Volkswagen, begründet den Schritt so: „Seit dem Zukunftstarifvertrag 2024 hat sich die wirtschaftliche Situation drastisch verschlechtert.“[1] Der Zukunftsplan 2030 soll die Kosten entlang der Wertschöpfungskette um rund 20 Milliarden Euro senken, die Gemeinkosten um weitere rund 11 Milliarden Euro. Am 19. Oktober hatte der Betriebsrat bestätigt, dass der Vorstand die Entgelte bis 2030 einfrieren will, Ende September hatte Volkswagen zehn Tarifverträge zum Jahresende gekündigt.
Was zahlt die Arbeitsagentur in einer Transfergesellschaft?
Beschäftigte, die in eine Transfergesellschaft wechseln, beenden ihr bisheriges Arbeitsverhältnis und kommen bei einem externen Träger unter. Dort erhalten sie bis zu zwölf Monate lang Transferkurzarbeitergeld von der Bundesagentur für Arbeit, 60 Prozent des ausgefallenen Nettoentgelts, mit Kindern 67 Prozent.[3][4] Häufig stockt der frühere Arbeitgeber den Betrag auf. Finden die Beschäftigten danach keine neue Stelle, sind sie arbeitslos.
Das Gesetz knüpft den Anspruch an eine Betriebsänderung, durch die Arbeitsplätze dauerhaft entfallen, und an Beschäftigte, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind.[4] Bei Volkswagen schließt die Beschäftigungssicherung betriebsbedingte Kündigungen aber bis Ende 2030 aus. Die IG Metall sieht deshalb keine tragfähige Rechtsgrundlage und wirft dem Vorstand vor, die Jobgarantie auf diesem Weg auszuhebeln.[3]
Wie reagieren IG Metall und Betriebsrat?
Einen Abbau über Transfergesellschaften hatte die Gewerkschaft nach eigenen Angaben schon in den Tarifverhandlungen 2024 abgewehrt.[3] Daniela Cavallo, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, sagt: „Die Belegschaft hat ihre Beschäftigungssicherung teuer bezahlt.“ Laut IG Metall verzichten die Beschäftigten seit Anfang 2025 jedes Jahr auf 1,5 Milliarden Euro, etwa bei Sonderzahlungen.[3]
Verhandlungsführer Thorsten Gröger sieht zuerst die Aktionäre in der Pflicht: „Es darf nicht sein, dass die Allgemeinheit zahlt, während die Anteilseigner weiter Dividenden kassieren.“[3] Die Kündigungen der Tarifverträge soll Volkswagen bis Ende Oktober zurücknehmen, der Konzern hält laut Gewerkschaft daran fest.[2][3] Am 31. Dezember endet die Friedenspflicht, ab Januar sind Warnstreiks möglich.
Die Verhandlungen beginnen am 24. November in Emden und gehen am 15. Dezember in Zwickau weiter,[1] wo Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer das Werk in eine eigene Gesellschaft überführen will. Zulieferer und Dienstleister der Werke prüfen am besten jetzt, wie ihre Lieferverträge Ausfälle durch Arbeitskämpfe regeln.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Volkswagen AGZweites Überprüfungsgespräch: Volkswagen AG und IG Metall einigen sich auf den Start von Verhandlungen
- IG Metall Niedersachsen und Sachsen-AnhaltIG Metall fordert Rücknahme der VW-Tarifkündigungen
- IG Metall Niedersachsen und Sachsen-AnhaltVW-Vorstand will offenbar Sanierung auf Kosten der Steuerzahler
- Gesetze im Internet§ 111 SGB III, Transferkurzarbeitergeld
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