Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) schlägt Volkswagen vor, das Werk in Zwickau-Mosel in eine eigene Gesellschaft zu überführen. Die AutoUnion Sachsen GmbH soll die Fabrik mit rund 8.000 Beschäftigten übernehmen und zu Kosten wie in Osteuropa produzieren. Eine Beteiligung des Freistaats schließt Kretschmer aus.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenDen Plan stellte Kretschmer am Mittwoch vor.[1] Volkswagen soll Gesellschafter der neuen Firma werden, weitere Investoren sind willkommen. Die Fabrik und die übrigen Vermögenswerte von VW am Standort gingen in die AutoUnion über, die Beschäftigten würden aus der heutigen Belegschaft gewonnen.[2] Den Namen versteht Kretschmer als Arbeitstitel. Er verweist auf die Auto Union, zu der sich 1932 Audi, DKW, Horch und Wanderer mit Sitz in Chemnitz zusammenschlossen.[3]
Das Wichtigste in Kürze
- Die AutoUnion Sachsen soll das Werk Zwickau-Mosel übernehmen, Volkswagen bliebe Gesellschafter.
- Ein eigener Tarifvertrag und ein neues Arbeitszeitmodell sollen die Kosten senken.
- Die IG Metall lehnt Eingriffe in die Tarifautonomie ab, Volkswagen hat sich noch nicht geäußert.
- Für Zwickau ist ab 2031 laut VW keine wettbewerbsfähige Folgeproduktion gesichert.
Was schlägt die Staatskanzlei vor?

Im Mittelpunkt stehen die Kosten. „Wir brauchen eine eigene Gesellschaft, die rauskommt aus diesen schwierigen tariflichen Regelungen“, sagte Kretschmer. Erfolgreich werde Zwickau nur, „wenn die Produktionspreise genauso sind wie in Osteuropa“.[1] Dafür sieht der Plan einen eigenen Tarifvertrag unter dem Niveau des VW-Haustarifs vor, dazu eigenverantwortliche Teams, flache Hierarchien und eine Beteiligung der Beschäftigten am Erfolg.[1][2]
Den Wechsel in die neue Firma sollen Abfindungen und Steuervorteile erleichtern. Für die Steuervorteile müsste der Bund erst ein Gesetz beschließen. Mit der Stadt Zwickau prüft die Landesregierung, den Hebesatz der Gewerbesteuer zu senken. Als Vorbild für die Eigentümerstruktur nennt die Staatskanzlei die Chipfabrik ESMC in Dresden, an der TSMC 70 Prozent hält und Bosch, Infineon und NXP je 10 Prozent.[2] Gemeinsam mit dem Bund will Sachsen zudem ein Exzellenzcluster für humanoide Robotik aufbauen. In der AutoUnion sollen die Roboter für den Einsatz in der Fertigung angelernt werden.[1]
Im Gegenzug erwartet die Landesregierung, dass Volkswagen dem Werk bei nachgewiesenem Erfolg neue Aufträge zuteilt, damit die Fabrik ausgelastet bleibt.[2] Über die Verteilung der Modelle auf die Werke entscheidet allein der Konzern.
Warum steht das Werk Zwickau auf der Kippe?
Die europäischen Werke von Volkswagen können mehr Autos bauen, als der Konzern verkauft. Die Überkapazität beziffert der Aufsichtsrat auf 500.000 Fahrzeuge. Mit dem Zukunftsplan 2030 billigte er Anfang September weltweit rund 50.000 weitere Stellenstreichungen. Für Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm sei ab 2031 bis 2034 „aktuell keine wettbewerbsfähige Folgebelegung“ gewährleistet. Beschlossen sind Werksschließungen damit nicht, bis Ende Juni 2027 will VW ein Konzept für seine europäischen Werke vorlegen.[4]
Ein internes Papier für den Aufsichtsrat nennt laut WirtschaftsWoche bereits die Jahre, in denen die Produktion endet: Zwickau und Emden 2031, Hannover 2032, Neckarsulm 2034. Den Nachfolger des Audi Q4 e-tron, der heute in Zwickau vom Band läuft, soll demnach das Werk in Bratislava bauen. Volkswagen hat den Bericht über die vier Werke nicht bestätigt. Um den Q4 bewirbt sich auch das Audi-Werk Neckarsulm. Kretschmer erinnerte an ein früheres Versprechen der Konzernspitze, Zwickau zum Leitwerk der Elektromobilität zu machen: „Das Gegenteil ist der Fall.“[1]
Was sagen IG Metall und Volkswagen?
Die IG Metall begrüßt den Einsatz der Landesregierung, widerspricht aber beim Tarif. „Jegliche Einmischung in die Tarifautonomie lehnen wir entschieden ab“, sagt Bezirksleiter Jan Otto.[3] „Längere Arbeitszeiten und eine Lohndrückerei sind dafür das völlig falsche Instrument“, zitiert ihn das Dresdner Nachrichtenportal Oiger.[5] Volkswagen hatte sich bis Mittwochabend nicht zu dem Vorschlag geäußert.[3]
Der Vorstoß fällt in eine angespannte Tarifrunde. Ende September hat Volkswagen die meisten Haustarifverträge zum Jahresende gekündigt, nach Angaben des Betriebsrats will der Vorstand zudem die Gehälter bis 2030 einfrieren. Kretschmer drängt auf Gespräche in den nächsten Wochen: „Die Zeit drängt, die Zeit läuft gegen Zwickau, sie läuft für andere Standorte in Deutschland.“[1]
Noch ist der Vorschlag nur eine Idee der Landesregierung: Ein Gesellschaftsvertrag, ein Investor oder eine Zusage von Volkswagen liegen nicht vor. Offen ist auch, wer das Geld für den Umbau aufbringt, wenn der Freistaat sich nicht beteiligt. Wie eine Lösung mit dem Land aussehen kann, zeigt Niedersachsen. Dort einigten sich Volkswagen, das Land und der Investor Aurelius im September auf den möglichen Verkauf des Werks Osnabrück, das künftig für die Rüstungsindustrie fertigen soll.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- dpa via Nordbayerischer KurierRobotik und mehr Flexibilität sollen VW-Werk Zwickau retten
- TAG24VW-Werk in Zwickau: So will Michael Kretschmer den Standort retten
- MDRKretschmer fordert Gründung von Autounion zur Rettung von VW in Zwickau
- ProduktionVW-Zukunftsplan 2030: 50.000 Stellen und vier Werke
- OigerNeue Auto-Union soll VW-Werk Zwickau retten, doch IG Metall ist gegen Mehrarbeit
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