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Auf „Hier drin wird’s warm“ regelt der Cadillac Lyriq die Klimaanlage herunter. General Motors spielt dafür in den kommenden Monaten OnStar AI auf den Lyriq des Modelljahrs 2027, einen KI-Assistenten, der auch Warnleuchten erklärt. Was der Dienst kostet, sagt GM nicht.

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Vorgestellt hat General Motors den Assistenten am Mittwoch auf seiner Technikschau GM Forward in New York, am selben Tag wie die vierte Elektroauto-Generation.[1] Nach „Hey OnStar“ öffnet er Handschuhfach und Ladeklappe, meldet Reifendruck und Ladestand und plant Ladestopps, wenn der Akku fürs Ziel nicht genügt. Kommt er nicht weiter, verbindet er den Fahrer mit einem OnStar-Berater.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • OnStar AI kommt per Over-the-Air-Update zuerst in den Cadillac Lyriq des Modelljahrs 2027, weitere GM-Modelle sollen folgen.
  • Der Assistent greift auf Fahrzeugdaten und GMs Wissen über das jeweilige Modell zu.
  • Ab 2027 ersetzt eine neue OnStar-App die Apps von Buick, Cadillac, Chevrolet und GMC sowie OnStar Guardian.
  • Preis, Sprachen und Märkte nennt GM nicht.

Was kann OnStar AI, was Gemini nicht kann?

Weißer Modell-Smart mit Mikrofon auf Dach und orangefarbener Fahne („VOLLE STIMME LADEN“)
OnStar AI erklärt Fahrzeugfunktionen wie Spurhalteassistent oder Ein-Pedal-Fahren spezifisch für das jeweilige GM-Modell

Laut GM kennt der Assistent das Fahrzeug, die Situation des Fahrers und das Herstellerwissen zu jedem Modell. Deshalb erledige er Aufgaben, an denen Allzweck-Assistenten scheitern.[1] Gemeint ist der direkte Zugriff auf das Auto: Fragt der Fahrer nach Spurhalteassistent oder Ein-Pedal-Fahren, erklärt OnStar AI die Funktion für genau sein Modell.

Seit dem Frühjahr verteilt GM Googles KI-Assistenten Gemini auf rund vier Millionen Fahrzeuge in den USA ab Modelljahr 2022. Gemini schreibt und übersetzt Nachrichten und sucht Musik passend zur Fahrt.[2] Im April kündigte Tim Twerdahl, bei GM Vizepräsident für Produktmanagement, ein tiefer ins Auto eingebundenes Angebot für „später in diesem Jahr“ an. Jetzt spricht GM von den kommenden Monaten. Welches Sprachmodell in OnStar AI arbeitet, verrät der Konzern nicht.

Warum will GM den Assistenten selbst bauen?

Über den Assistenten läuft künftig der Kontakt zum Kunden im Auto. GM hat Apple CarPlay und Android Auto aus seinen Elektroautos weitgehend verbannt und nimmt dafür einen messbaren Preis in Kauf: Der baugleiche Honda Prologue mit CarPlay und Android Auto verkauft sich besser als der Chevrolet Blazer EV.

Mit OnStar AI rückt das Abo in den Mittelpunkt. OnStar zählt nach GM-Angaben mehr als 12 Millionen Abonnenten in 22 Märkten, die Berater nehmen in Nordamerika jährlich über 20 Millionen Anrufe an.[3] Die neue App soll Kameraaufnahmen liefern: Erkennt das Auto einen Auslöser wie aggressives Hupen, zeichnen die Bordkameras auf, laden das Video in die App und schicken dem Halter eine Meldung.[1]

Bei den Daten muss GM Vertrauen zurückgewinnen. Die US-Handelsbehörde FTC verbot dem Konzern im Januar für fünf Jahre, Standort- und Fahrdaten an Auskunfteien weiterzugeben, und verlangt 20 Jahre lang eine ausdrückliche Einwilligung.[4] GM verspricht, dass jede Funktion nur auf Wunsch läuft, Aufnahmen befristet und verschlüsselt gespeichert werden und der Konzern keinen Zugriff auf die Kameravideos hat.[1]

Der Hersteller, dessen Assistent das Auto bedient, behält den Kunden. Google wird dann zum Zulieferer.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Vom Notrufknopf zum KI-Assistenten
OnStar in Zahlen nach Angaben von General Motors
12 Mio.
Abonnenten zählt OnStar in 22 Märkten
20 Mio.
Anrufe nehmen OnStar-Berater in Nordamerika jedes Jahr an
4 Mio.
Fahrzeuge in den USA können seit dem Frühjahr Googles Gemini bekommen
5 in 1
Die Apps von Buick, Cadillac, Chevrolet, GMC und OnStar Guardian ersetzt ab 2027 eine OnStar-App
30 Jahre
alt ist OnStar, jetzt kommt der KI-Assistent dazu

Was heißt das für Fahrer und Fuhrparks in Deutschland?

Cadillac verkauft den Lyriq seit 2024 auch in Deutschland. Ob OnStar AI nach Deutschland kommt und Deutsch versteht, lässt GM offen. Gemini verstand zum Start nur amerikanisches Englisch, weitere Märkte und Sprachen will GM nach und nach ergänzen.[2]

In Europa träfe der Assistent auf strengere Regeln. Vernetzte Produkte, die seit 12. September 2026 neu auf den Markt kommen, müssen nach dem EU Data Act so gebaut sein, dass Nutzer ihre Daten einfach abrufen können.[5] Die Kameras passen zu einem Urteil des Bundesgerichtshofs von 2018: Eine dauerhafte, anlasslose Dashcam-Aufzeichnung verstößt gegen den Datenschutz, eine kurze Speicherung erst bei Kollision oder starker Verzögerung hält das Gericht für technisch machbar.[6]

Fuhrparks, die Dienstwagen mit Kamera, Mikrofon und KI-Assistent bestellen, gleich von welchem Hersteller, klären vorab, welche Daten jede Funktion nutzt und wer sie sieht. Eignen sich die Systeme, Verhalten oder Leistung der Fahrer zu überwachen, hat der Betriebsrat nach dem Betriebsverfassungsgesetz mitzubestimmen.[7] Eine Betriebsvereinbarung, die Auslöser, Speicherfrist und Zugriff regelt, sollte deshalb stehen, bevor die Funktion eingeschaltet wird.

Quellen

7 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. General MotorsSay ‚Hey OnStar‘ for a more intelligent drive (englisch)21.10.2026
  2. General MotorsGM brings Google Gemini to millions of vehicles on the road (englisch)28.04.2026
  3. General MotorsGM Forward: Engineering the intelligence-defined vehicle for everyone (englisch)21.10.2026
  4. Federal Trade CommissionFTC Finalizes Order Settling Allegations that GM and OnStar Collected and Sold Geolocation Data Without Consumers’ Informed Consent (englisch)14.01.2026
  5. EUR-LexVerordnung (EU) 2023/2854 (Datenverordnung), Artikel 3 Absatz 1 und Artikel 50
  6. BundesgerichtshofVerwertbarkeit von Dashcam-Aufnahmen als Beweismittel im Unfallhaftpflichtprozess, Pressemitteilung 88/2018 zum Urteil VI ZR 233/17 vom 15. Mai 2018
  7. Gesetze im Internet§ 87 Betriebsverfassungsgesetz, Mitbestimmungsrechte, Absatz 1 Nummer 6

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