Mit 198.666 zugekauften Aktien überschritt Mike Ashleys Frasers Group am Freitag die Hälfte des Kapitals von Hugo Boss. Der britische Händler will den Metzinger Modekonzern künftig als Tochter voll in seinen Konzernabschluss einbeziehen. Weisungen an den Vorstand darf Frasers trotzdem nicht erteilen.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenAm Freitagabend verbreitete Frasers in London die Pflichtmitteilung zum Zukauf. Für die Aktien zahlte der Konzern 7,6 Millionen Euro, 38,41 Euro je Stück und damit genau den Kurs, zu dem die Hugo-Boss-Aktie den Xetra-Handel beendete.[1] Mike Ashleys Konzern erreichte damit das Ziel, das er Anfang September nach dem knapp gescheiterten Übernahmeangebot ausgegeben hatte.
Das Wichtigste in Kürze
- Frasers hält 50,08 Prozent der Hugo-Boss-Aktien und will den Modekonzern voll konsolidieren.
- Über verkaufte Put-Optionen können die Vertragspartner Frasers weitere 21,87 Prozent der Aktien für bis zu 501 Millionen Euro andienen.
- Pro forma stammen knapp 39 Prozent des gemeinsamen Ebitda von 1,87 Milliarden Euro aus Metzingen.
- Als abhängiges Unternehmen muss Hugo Boss jedes Jahr alle Geschäfte mit Frasers in einem Bericht auflisten.
Wie kam Frasers über die Schwelle?

Das freiwillige Angebot über 38 Euro je Aktie hatte der Vorstand von Hugo Boss im Juli als zu niedrig abgelehnt. Nach der Annahmefrist hielt der britische Händler 47,89 Prozent. Weil Frasers die Kontrollschwelle von 30 Prozent während des Angebots überschritten hatte, verlangte das Übernahmerecht für die Zukäufe über die Börse kein neues Pflichtangebot.
Die Führung des Aufsichtsrats hatte sich Frasers schon ohne die Mehrheit gesichert: Seit dem 15. September leitet Frasers-Chef Michael Murray das Gremium, zwei Wochen später wechselte Hugo Boss den Finanzvorstand.
Was ändert die Mehrheit in der Bilanz von Frasers?
Bisher stand Hugo Boss bei Frasers als assoziiertes Unternehmen mit dem anteiligen Wert in den Büchern. Mit mehr als der Hälfte der Stimmen beherrscht der britische Konzern Hugo Boss im Sinne der Rechnungslegung und nimmt Umsatz, Vermögen und Schulden künftig voll in den eigenen Konzernabschluss auf.[1]
Wie stark sich das Gewicht verschiebt, beziffert Frasers: Pro forma kämen beide Konzerne auf ein Ebitda von 1,87 Milliarden Euro, davon 730 Millionen Euro von Hugo Boss.[1] Hugo Boss setzte in zwölf Monaten bis Ende Juni 4,08 Milliarden Euro um, Frasers im Geschäftsjahr bis April umgerechnet 6,24 Milliarden.
Den Anteil der übrigen Aktionäre, 49,92 Prozent, weist der Käufer als Minderheitenanteil im eigenen Eigenkapital aus, bewertet mit 38 Euro je Aktie. Pro forma belastet die Neubewertung des bisherigen Pakets zu diesem Preis das Ergebnis mit 36,9 Millionen Euro.
Für 7,6 Millionen Euro holt Frasers gut vier Milliarden Euro Umsatz in den eigenen Abschluss. Den Vorstand in Metzingen anweisen darf Mike Ashleys Konzern damit nicht.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was darf Frasers als Mehrheitsaktionär?
Ein Unternehmen in Mehrheitsbesitz gilt nach dem Aktiengesetz bis zum Beweis des Gegenteils als abhängig vom Mehrheitsaktionär.[2] Weisungen an den Vorstand erlaubt erst ein Beherrschungsvertrag, dem die Hauptversammlung mit drei Vierteln des vertretenen Kapitals zustimmen muss.[3] Als Risiko nennt Frasers in der Mitteilung, dass der Einfluss auf das Tagesgeschäft von Hugo Boss begrenzt bleiben könnte.[1]
Ohne diesen Vertrag darf Frasers Hugo Boss nur dann zu einem nachteiligen Geschäft veranlassen, wenn der Großaktionär den Nachteil ausgleicht.[4] Der Vorstand muss in den ersten drei Monaten jedes Geschäftsjahres einen Abhängigkeitsbericht aufstellen, der alle Geschäfte mit Frasers samt Leistung und Gegenleistung auflistet.[5] Dazu zählen auch die Geschäfte mit den Frasers-Ketten, die BOSS-Mode verkaufen.
Über verkaufte Put-Optionen können die Vertragspartner Frasers bis zu 15.050.100 weitere Aktien andienen, für rund 501 Millionen Euro.[1] Bei voller Ausübung käme Frasers auf knapp 72 Prozent. Lieferanten und Vertragspartner von Hugo Boss prüfen am besten, ob ihre Verträge eine Kontrollwechselklausel enthalten und an welche Schwelle sie anknüpft.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Frasers Group (über Investegate)Update on investment in HUGO BOSS
- Gesetze im Internet§ 17 Aktiengesetz, Absatz 2
- Gesetze im Internet§ 293 Aktiengesetz, Absätze 1 und 2
- Gesetze im Internet§ 311 Aktiengesetz, Absatz 1
- Gesetze im Internet§ 312 Aktiengesetz, Absatz 1
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