Artikel teilen

Amazon-Chef Andy Jassy nennt die Rechenkapazität von AWS für 2026 ausverkauft und für 2027 weitgehend vergeben. Trotz geplanter Investitionen von rund 220 Mrd. Dollar (191 Mrd. €) in diesem Jahr kann der Konzern nach seinen Worten nicht jede Anfrage bedienen. Unternehmen mit größeren KI-Vorhaben sollten Rechenleistung deshalb früher einplanen als bisher.

Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen

Jassy sprach im Podcast The a16z Show mit Ben Horowitz und Erik Torenberg von Andreessen Horowitz, die Folge erschien am Freitag.[1] „2027 ist weitgehend ausverkauft“, sagte Jassy, „ein guter Teil von 2028 ist ausverkauft.“ Eine schriftliche Mitteilung gibt es dazu nicht, neue Zahlen legt Amazon am 29. Oktober mit dem Quartalsbericht vor (Stand: Samstag, 24. Oktober, 2 Uhr).

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Kapazität von AWS ist laut Jassy für 2026 verkauft, für 2027 weitgehend und für 2028 zu einem guten Teil.[1]
  • Im zweiten Quartal wuchs der AWS-Umsatz um 37 Prozent auf 42,2 Mrd. Dollar (36,7 Mrd. €).[2]
  • Auch Google kann Cloud-Kunden Rechenleistung für 2027 kaum zusagen.

Was hat Jassy über die Kapazität gesagt?

Server-Rack mit Schild „Ausgebucht bis 2028“ auf weißem Hintergrund
AWS hat große Rechenleistungs-Kontingente langfristig verkauft. Reservierte Kapazität bleibt für EC2-On-Demand und Bedrock. KI-Entwickler benötigen beispiellose Rechenleistungsmengen

Verkauft sind vor allem die großen Kontingente, also Rechenleistung, die Kunden über Jahre fest buchen. Einen Rest hält AWS laut Jassy zurück: für Server, die Kunden über den Dienst EC2 nach Bedarf mieten, und für Bedrock, über den Unternehmen KI-Modelle nutzen. Den größten Bedarf sieht Jassy bei den KI-Entwicklern, die „Unmengen an Rechenleistung“ verbrauchten, „wie ich sie noch nie gesehen habe“.

Allein der Claude-Entwickler Anthropic hat laut Wall Street Journal Cloud-Verträge über rund 390 Milliarden Euro abgeschlossen, knapp 96 Milliarden davon bei AWS. Amazon „könnte noch viel mehr investieren, und das Geld wäre nicht schlecht angelegt“, sagte Jassy. Den Betrieb von KI-Modellen nennt Jassy zugleich „immer noch um eine Größenordnung zu teuer“ für eine breite Nutzung in Unternehmen. Senken sollen die Kosten unter anderem Amazons eigene Trainium-Chips, die AWS seit Oktober für PyTorch-Code ohne Umschreiben nutzbar macht.

Warum reicht selbst Amazons Rekordbudget nicht?

Im zweiten Quartal steckte Amazon 54,2 Mrd. Dollar (47,2 Mrd. €) in Sachanlagen.[2] Über zwölf Monate gerechnet floss mehr Geld ab, als das Geschäft einbrachte, der freie Cashflow lag bei minus 7,6 Mrd. Dollar (6,6 Mrd. €).

Geld allein löst den Engpass trotzdem nicht. Ein Rechenzentrum braucht vor allem einen Netzanschluss, und auf den warten Betreiber oft Jahre. In Essex stellen die Behörden einem geplanten Rechenzentrum für Microsoft laut Telegraph Strom aus dem Netz erst in den 2030er-Jahren in Aussicht. Server lassen sich in Monaten nachrüsten, Leitungen und Umspannwerke nicht.

AWS am Limit
Kapazität, Wachstum und Investitionen, Stand 24. Oktober 2026
2028
bis in dieses Jahr ist ein guter Teil der AWS-Kapazität laut Jassy schon verkauft
191 Mrd. €
will Amazon 2026 investieren, vor allem in KI und Cloud
+37 %
AWS-Umsatz im zweiten Quartal, das schnellste Wachstum seit 18 Quartalen
96 Mrd. €
Cloud-Verträge hat allein Anthropic bei AWS abgeschlossen (laut Wall Street Journal)
−6,6 Mrd. €
freier Cashflow von Amazon über zwölf Monate bis Ende Juni

Hat nur AWS dieses Problem?

Drei Tage zuvor hatte Alphabet-Chef Sundar Pichai es „äußerst schwierig“ genannt, Kunden Rechenleistung für 2027 zuzusagen, weil Google zuerst seine eigene KI-Forschung versorgt und erst danach die Cloud-Kunden. Die großen Anbieter verkaufen Rechenleistung damit nicht mehr wie Strom aus der Steckdose, sondern wie Plätze auf einer Warteliste.

Bei KI-Projekten für 2027 ist Rechenleistung inzwischen knapper als das Budget.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Zitat teilen

Was bedeutet das für Unternehmen in Deutschland?

Für 2027 hat Amazon 4,8 Milliarden Euro für die AWS-Region Frankfurt eingeplant, Frankfurt ist ohnehin der wichtigste Standort für Rechenzentren in Deutschland. Über einzelne Regionen sprach Jassy nicht. Knapp sind laut Jassy vor allem die langfristig gebuchten Kontingente.

Für KI-Vorhaben ab 2027 lohnen sich vier Schritte:

  • Bedarf für Training und den Betrieb größerer KI-Modelle jetzt mit dem Anbieter klären. AWS bietet dafür Kapazitätsreservierungen und die Capacity Blocks for ML an.
  • Einen zweiten Anbieter prüfen, etwa europäische Clouds wie STACKIT von Schwarz Digits.
  • Den Anbieterwechsel einplanen: Ab 12. Januar 2027 dürfen Cloud-Anbieter in der EU nach dem Data Act keine Wechselentgelte mehr verlangen.[3]
  • Die Modellgröße prüfen, denn kleinere Modelle brauchen weniger Rechenleistung.

Quellen

3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. The a16z ShowAmazon CEO Andy Jassy on the $220 Billion AI Buildout (Podcast, 23. Oktober 2026, mit Ben Horowitz und Erik Torenberg)
  2. AmazonAmazon.com Announces Second Quarter Results30.07.2026
  3. EUR-LexVerordnung (EU) 2023/2854 über harmonisierte Vorschriften für einen fairen Datenzugang und eine faire Datennutzung (Datenverordnung), Artikel 29

Mehr Newshunger?

4,5 20 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?