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Über gekaperte App-Zugänge des US-Softwareanbieters ConnectWise versuchten Angreifer, sich bei mehr als 2.250 Microsoft-365-Mandanten anzumelden. Hinter der Kampagne sieht Microsoft die staatsnahe chinesische Gruppe Storm-0940 und das frei verfügbare Agenten-System ARTEX. Bei mehreren Firmen lagen zwischen Zielauswahl und weitreichenden Rechten in der Cloud weniger als drei Stunden.

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Bis zu 2.900 fehlgeschlagene Anmeldungen pro Minute zählte Microsoft am 11. Oktober, als die Angreifer bei 327 Konten in acht Organisationen gängige Passwörter durchprobierten.[1] Keine einzige Anmeldung gelang. Danach nahm Storm-0940 einen Weg ohne Passwort: die Zugänge, die Kunden der Software von ConnectWise längst freigegeben hatten.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Microsoft ordnet den Angriff auf ConnectWise der Gruppe Storm-0940 zu, die seit 2021 aktiv ist und dem chinesischen Staat nahesteht.
  • ARTEX verteilt Erkundung, Anmeldeversuche und Datendiebstahl auf KI-Agenten mit beliebigem Sprachmodell.
  • ConnectWise hat Cloud Backup, SaaS Security und Cloud Management abgeschaltet und sieht keine Hinweise auf abgeflossene Sicherungsdaten.[2]
  • Einrichtungen, die unter NIS2 fallen, melden erhebliche Sicherheitsvorfälle binnen 24 Stunden an das BSI.

Wie kamen die Angreifer ohne Passwort in die Firmen?

Kleiner weißer Roboter hält großen Schlüssel mit Anhänger „Alle Türen“ vor weißem Hintergrund
ConnectWise Cloud Backup: Hacker erbeuten Herstellerzertifikat und erlangen Zugriff auf Microsoft-365-Daten von Firmenkunden weltweit

ConnectWise Cloud Backup, früher SkyKick, sichert die Microsoft-365-Daten von Firmen. Beim Einrichten räumen Kunden dem Dienst weitreichende Rechte in ihrem Mandanten ein, also in ihrer Firmenumgebung bei Microsoft. Angemeldet wird die App mit einem Zertifikat des Herstellers, das in allen Kundenumgebungen gilt. Storm-0940 erbeutete diese Zugangsdaten laut Microsoft und meldete sich im Namen der App an, ohne dass ein Mensch sich einloggen musste. Eine Abfrage per zweitem Faktor entfällt bei dieser Anmeldung.

Über die Microsoft-Graph-Schnittstelle durchsuchten die Agenten das Benutzerverzeichnis des Mandanten, legten neue Zugangsdaten für Apps an und versuchten, ihre Rechte auszuweiten. In einem Fall wiesen die Angreifer einer Verwaltungs-App von ConnectWise die Rolle des globalen Administrators zu. Solche nachträglich angelegten Schlüssel bleiben gültig, auch wenn der Hersteller seine eigenen sperrt.[1]

Was ändert sich, wenn KI-Agenten angreifen?

Am stärksten ändert sich das Tempo: Microsoft beobachtete mehr als 200 Anmeldungen in weniger als vier Minuten, ausgeführt mit vier verschiedenen App-Zugangsdaten. „Agenten unterliegen nicht den Grenzen, die für Menschen gelten“, schreiben die Analysten von Microsoft Threat Intelligence. Die Agenten verfolgten mehrere Einbruchswege gleichzeitig.

Das quelloffene ARTEX tauchte Anfang Oktober schon bei den Bankenhacks in Südkorea auf, Microsoft sieht Nutzer aus mehreren Weltregionen. Den Umweg über einen Dienstleister nahmen im August 2025 auch Angreifer, die mit gestohlenen Token des Chat-Anbieters Salesloft Drift in fremde Salesforce-Instanzen gelangten.

Eine App mit Zugang zu allen Kunden ist ein Generalschlüssel. ARTEX probiert ihn schneller aus, als ein Administrator den Alarm liest.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Der Angriff über ConnectWise
Tempo und Reichweite der Kampagne von Storm-0940, Stand 23. Oktober 2026
2.900
fehlgeschlagene Anmeldungen pro Minute zählte Microsoft am 11. Oktober
über 2.250
Microsoft-365-Mandanten wollten die Angreifer über ConnectWise-Apps erreichen
200 in 4 Min.
Anmeldungen mit nur vier verschiedenen App-Zugangsdaten
unter 3 Std.
lagen in mehreren Fällen zwischen Zielauswahl und weitreichenden Rechten in der Cloud
7
App-Zugänge hat ConnectWise am 17. Oktober gesperrt

Was müssen Unternehmen in Deutschland jetzt tun?

Das BSI-Gesetz verlangt von Einrichtungen, die unter NIS2 fallen, die Lieferkette abzusichern, einschließlich der Beziehungen zu Diensteanbietern.[4] Ein erheblicher Sicherheitsvorfall geht spätestens 24 Stunden nach Kenntnis als Erstmeldung an das BSI.[3] Sind personenbezogene Daten betroffen, etwa Postfächer, läuft parallel die 72-Stunden-Frist der DSGVO. Microsoft und ConnectWise raten:[2]

  • die betroffenen Verbindungen gesperrt lassen, bis ConnectWise eine Anleitung zur Wiederherstellung schickt
  • Protokolle sichern, bevor Apps gelöscht werden
  • in Microsoft Entra nach den App-IDs suchen statt nach dem Anzeigenamen, auch dort, wo die App ungenutzt eingerichtet ist
  • Anmeldungen der Apps ab 1. Oktober prüfen, Änderungen an Zugangsdaten, Freigaben und Rollen ab 15. Oktober

Einmal ausgestellte Zugriffstoken funktionieren laut ConnectWise bis zu ihrem Ablauf weiter. Auf ihre Sicherungen sollen Kunden Anfang kommender Woche wieder zugreifen können. Microsoft rät, die Rechte fremder Apps im Mandanten auf das Nötigste zu beschränken. Für KI-Agenten verlangt der Konzern dasselbe: ein eigenes Konto und nur die Rechte, die die jeweilige Aufgabe braucht.

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Microsoft Threat IntelligenceAI-driven, large-scale nation-state campaign using ARTEX enables supply chain compromise21.10.2026
  2. ConnectWise Trust CenterCloud Backup (formerly SkyKick) Service Interruption (16. Oktober 2026, aktualisiert am 23. Oktober 2026)
  3. Gesetz über das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik§ 32 BSIG, Meldepflichten
  4. Gesetz über das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik§ 30 BSIG, Risikomanagementmaßnahmen, Absatz 2 Nummer 4

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