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Bis einschließlich Modelljahr 2029 bleibt der kanadische CO2-Grenzwert für Neuwagen bei 172 Gramm je Meile, dem Stand von 2026. Premierminister Mark Carney begründet die Pause mit den US-Zöllen, zusammen mit der Provinz Ontario gibt der Bund der Autoindustrie zusätzlich 2,5 Milliarden kanadische Dollar, umgerechnet 1,6 Milliarden Euro. Für 2035 plant Ottawa weiter mit einem Grenzwert, der einem Anteil der Elektroautos von 75 Prozent an den Neuwagen entspricht.

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„Ihr Ansatz hat sich geändert, und unserer muss sich auch ändern“, sagte Carney am 21. Oktober in Ottawa über die US-Regierung.[2] Seit Washington Zölle auf kanadische Autos erhebt, sind Kanadas Autoexporte in die USA laut Carney um mehr als 10 Prozent gesunken. Bauteile eines durchschnittlichen Autos überqueren die Grenze bis zu achtmal.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Kanada hält den Flottengrenzwert für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge bis Modelljahr 2029 bei 172 Gramm CO2 je Meile, rund 107 Gramm je Kilometer.
  • Ab Modelljahr 2030 sinkt der Wert wieder jährlich, 2035 soll er bei 74 Gramm je Meile liegen.
  • Bund und Ontario geben der Autoindustrie zusätzlich 1,6 Milliarden Euro für große Investitionsprojekte.

Was ändert sich an den kanadischen CO2-Vorgaben?

Ein in Eis eingefrorenes weißes Kabel mit Textlabel „Bis 2029“ und Parkschild
Kanadischer Flottengrenzwert für CO2-Emissionen bis 2029 auf 172 Gramm pro Meile eingefroren, Verschärfung erst ab 2030

Der Flottengrenzwert legt fest, wie viel CO2 die neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge eines Herstellers im Schnitt ausstoßen dürfen. Ab Modelljahr 2027 sollte der Wert jedes Jahr sinken, jetzt bleibt er bis 2029 bei 172 Gramm je Meile.[1] Erst ab Modelljahr 2030 verschärft Ottawa den Grenzwert wieder.

Unterbieten die Hersteller den eingefrorenen Wert, sammeln sie Gutschriften für spätere Jahre.[1] Auf diese Reserve sind die Konzerne angewiesen: Bis 2035 soll der Grenzwert auf 74 Gramm je Meile fallen, das sind 57 Prozent weniger in sechs Modelljahren.

Der Herstellerverband CVMA begrüßt den Aufschub als Schritt zu berechenbareren Regeln. Die kanadische Denkfabrik Pembina Institute hält das Ziel für 2035 dagegen für nahezu unerreichbar.

Warum lockert Ottawa die Regeln?

Im Februar hatte Kanada die verbindliche E-Auto-Quote aus der Amtszeit von Justin Trudeau gestrichen und dafür strengere CO2-Vorgaben bis 2035 angekündigt.[2] Die US-Umweltbehörde EPA hob im selben Monat sämtliche CO2-Vorgaben für Fahrzeuge auf.[3] Mit einem schärferen Grenzwert stünde Kanada allein da, obwohl die Werke auf beiden Seiten der Grenze für denselben Markt bauen.

Zum Aufschub kommt Geld: Bund und Ontario stellen in zwei Jahren bis zu 1,6 Milliarden Euro für große Investitionsprojekte der Autoindustrie bereit (EZB-Kurs vom 22. Oktober).[1] Im zweiten Quartal 2026 meldete Statistics Canada 58.811 neu zugelassene Elektroautos und Plug-in-Hybride, gut jeder zehnte Neuwagen.[5]

Ottawa gönnt den Herstellern drei Jahre Pause und schiebt die Rechnung in die Modelljahre 2030 bis 2035.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Kanadas CO2-Pause in Zahlen
Grenzwerte für Neuwagen, Fördergeld und Marktstand
172 g
CO2 je Meile im Flottenschnitt, gültig von Modelljahr 2026 bis 2029
74 g
CO2 je Meile im Modelljahr 2035, entspricht 75 % Elektroautos unter den Neuwagen
1,6 Mrd. €
von Bund und Ontario für Investitionsprojekte der Autoindustrie in zwei Jahren
58.811
neu zugelassene Elektroautos und Plug-in-Hybride im zweiten Quartal 2026

Was bedeutet das für europäische Hersteller?

Auch Brüssel hat den Herstellern Luft verschafft: Seit Juni 2025 dürfen Autobauer die CO2-Ziele der Jahre 2025 bis 2027 im Dreijahresschnitt erfüllen.[4] Für 2035 stimmten zwei Ausschüsse des EU-Parlaments am Donnerstag für 95 statt 100 Prozent CO2-Minderung, London prüft eine niedrigere E-Auto-Quote für 2030.

Anders als die EU öffnet Kanada seinen Markt für chinesische Elektroautos: 49.000 Fahrzeuge im Jahr kommen mit 6,1 Prozent Zoll ins Land, Geely kommt dort 2027 auf den Markt. In der EU fallen für chinesische Elektroautos bis zu 35,3 Prozent Ausgleichszoll an, zusätzlich zum regulären Satz von 10 Prozent.

Volkswagens Batterietochter PowerCo hat den Produktionsstart ihrer Zellfabrik in St. Thomas, Ontario, laut Branchenberichten von 2027 auf 2029 verschoben. Zulieferer mit Werken in Ontario sollten prüfen, ob ihre Vorhaben für die neuen Fördermittel infrage kommen. Exporteure planen den Anteil der Elektroautos in Nordamerika besser vorsichtig: Dort lag der Absatz von Elektroautos im September 44 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Quellen

5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Innovation, Science and Economic Development CanadaPrime Minister Carney and Premier Ford launch new action plan to protect workers from tariffs and strengthen Ontario industries (Hintergrundpapier)21.10.2026
  2. Premierminister von KanadaPrime Minister Carney and Premier Ford launch new action plan to protect workers from tariffs and strengthen Ontario industries (Rede)21.10.2026
  3. Federal Register, U.S. Environmental Protection AgencyRescission of the Greenhouse Gas Endangerment Finding and Motor Vehicle Greenhouse Gas Emission Standards18.02.2026
  4. EUR-LexVerordnung (EU) 2025/1214 zur Änderung der Verordnung (EU) 2019/631 im Hinblick auf eine zusätzliche Flexibilität bei der Berechnung der Einhaltung der CO2-Emissionsnormen für die Kalenderjahre 2025 bis 202717.06.2025
  5. Statistics CanadaA pan-Canadian electric feel22.09.2026

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