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Die chinesische Videoplattform Kuaishou hat mehr als 1.700 Konten gesperrt, die mit erfundenen Identitäten Geld verdienten, vom angeblich armen Bauern bis zum falschen Arzt. Anlass ist eine Sonderaktion der Internetaufsicht, das noch bis Ende November läuft und auch KI-Nachbildungen bekannter Personen erfasst. Neu daran: Ein Hinweis wie „KI-generiert“ unter dem Video schützt solche Inhalte nicht mehr vor der Löschung.

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Kuaishou nennt zwei Konten, die sich als arme Bauern ausgaben und mit erfundenen Schicksalen Produkte verkauften. Beide sind dauerhaft gesperrt.[1] Kuaishou ist nach Douyin, der chinesischen Ausgabe von TikTok, die zweitgrößte Kurzvideo-Plattform des Landes.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Kuaishou hat laut eigener Bilanz mehr als 21.000 Kurzvideos entfernt und mehr als 1.700 Konten gesperrt.
  • Die Internetaufsicht CAC hat die Sonderaktion am 30. September für zwei Monate gestartet.
  • Ein Etikett wie „KI-generiert“ oder „fiktiv“ befreit Plattformen ausdrücklich nicht mehr von der Prüfpflicht.
  • In der EU verlangt die KI-Verordnung seit August 2026 einen Hinweis auf Deepfakes, eine Erlaubnis der gezeigten Person ersetzt er nicht.

Was hat Kuaishou gesperrt?

Weiße Maske mit Anhänger „KI-generiert“ und orangefarbenem Stempel „GESPERRT“ auf Weiß
Chinas Cyberspace Administration verbietet fünf Muster betrügerischer Inhalte: falsche Bedürftige, erfundene Qualifikationen, KI-Fälschungen, vorgetäuschter Reichtum und Aberglauben

Fünf Fallgruppen. Die Cyberspace Administration of China (CAC) hat den Plattformen fünf Muster vorgegeben: falsche Bedürftige, erfundene Berufsqualifikationen, KI-Nachbildungen realer Personen, vorgetäuschter Reichtum, Geschäfte mit dem Aberglauben sowie inszenierte Konflikte.[2] Gemeint sind etwa angebliche Essenskuriere, die mit Kleinkind ausliefern, falsche Ärzte und Anwälte mit kostenpflichtiger Beratung oder angebliche Wahrsager, die Waren gegen Unglück verkaufen.

Kuaishous Bilanz. Die Plattform hat nach eigenen Angaben mehr als 21.000 Videos gelöscht und mehr als 1.700 Konten gesperrt.[1] Wie viele davon auf KI-Fälschungen entfallen, schlüsselt Kuaishou nicht auf. Für diese Gruppe hat das Unternehmen die Prüfregeln und Erkennungsverfahren nach eigenen Worten ergänzt, außerdem prüft es Berufsangaben und Identitäten genauer. Kuaishou verkauft mit dem KI-Videogenerator Kling selbst ein Werkzeug, das realistische Videos erzeugt.

Der Hebel der Behörde. Die CAC droht nicht nur den Kontoinhabern. Sie will auch gegen Agenturen vorgehen, die gleichförmige Kunstfiguren in Serie produzieren und über viele Konten und Plattformen verteilen. Solche Videos dürfen zudem nicht mehr in Ranglisten und Empfehlungen auftauchen.[2] Über genau diese Plätze lenken Kurzvideo-Plattformen die Aufmerksamkeit ihrer Nutzer.

Warum reicht ein KI-Hinweis nicht?

Pflicht seit 2025. Seit dem 1. September 2025 müssen KI-generierte Texte, Bilder, Tonaufnahmen und Videos in China sichtbar gekennzeichnet sein, zusätzlich mit einer Markierung in den Metadaten der Datei.[4] Die Regel erfüllen auch Betrüger, denn der Hinweis kostet sie nichts und schützt sie vor dem Vorwurf, Kennzeichnungspflichten zu verletzen.

Fall Wu Yue. Am 18. Oktober veröffentlichte die Schauspielerin Wu Yue ein Video, in dem ihr KI-Doppelgänger mit ihrer Stimme eine Hautcreme anpries. Jemand aus ihrem Freundeskreis hatte gefragt, ob sie für das Produkt werbe, die eigene Mutter habe ein Set gekauft. Unter dem Video stand der Hinweis des Kontos, der Inhalt enthalte KI-generiertes Material.[3] Auf welcher Plattform das Video lief, nennen die Berichte nicht, das Konto ist inzwischen dauerhaft gesperrt.

Ein Hinweis entlastet nicht mehr. Genau diese Lücke schließt die CAC-Mitteilung: Plattformen dürfen sich nicht darauf berufen, dass ein Video als fiktiv, KI-generiert, Werbung oder persönliche Meinung markiert ist.[2] Entscheidend ist der Inhalt, nicht das Etikett. Eine ähnliche Debatte führt der Westen über Metas Umgang mit Fälschungen, die Metas eigenes Aufsichtsgremium, das Oversight Board, als unzureichend gerügt hat.

Ein Hinweis auf KI macht aus einer gefälschten Empfehlung keine echte. Plattformen, die nur das Etikett prüfen, prüfen das Falsche.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Zwei Monate gegen erfundene Identitäten
Die Sonderaktion der chinesischen Internetaufsicht und die erste Bilanz von Kuaishou
30. September
kündigt die Internetaufsicht CAC die zweimonatige Sonderaktion an
5 Fallgruppen
von falschen Bedürftigen bis zu KI-Doppelgängern bekannter Personen
21.000
Kurzvideos hat Kuaishou nach eigenen Angaben bisher entfernt
1.700
Konten hat die Plattform gesperrt, besonders dreiste Fälle dauerhaft

Was gilt für Unternehmen in der EU?

Hinweispflicht. Nach Artikel 50 Absatz 4 der KI-Verordnung müssen Betreiber eines KI-Systems, das Deepfakes erzeugt, seit dem 2. August 2026 offenlegen, dass Bild, Ton oder Video künstlich erzeugt sind.[5] Ein Freibrief ist der Hinweis auch hier nicht. Bildnisse dürfen nach § 22 Kunsturhebergesetz nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet werden.[6] Ein KI-Doppelgänger, der für eine Creme wirbt, bleibt deshalb unzulässig, auch wenn er korrekt gekennzeichnet ist.

Risiko für Marken. Gefälschte Werbevideos treffen nicht nur Prominente, sondern auch Geschäftsführer und Firmen, deren Gesicht oder Logo für fremde Produkte wirbt. Wie schnell solche Fälschungen entstehen, zeigt der Streit um Grok-Deepfakes bei xAI.

  • Suchen Sie regelmäßig auf Videoplattformen nach Ihrem Firmennamen und den Namen Ihrer Geschäftsführung in Verbindung mit Werbung.
  • Legen Sie fest, wer im Unternehmen gefälschte Videos meldet und die Löschung bei der Plattform beantragt.
  • Veröffentlichen Sie eigene KI-Videos mit echten Personen nur mit deren schriftlicher Einwilligung und mit einem Hinweis auf die KI.

Quellen

6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. JiemianAI盗脸、扮穷卖惨,快手处置1700余个虚假人设违规账号 (chinesisch, 23. Oktober 2026, mit der Mitteilung von Kuaishou)
  2. Cyberspace Administration of China中央网信办部署开展, 清朗·整治短视频虚假人设乱象”专项行动“ (chinesisch)30.09.2026
  3. Guangming Online / Beijing Youth Daily演员吴越再发声:我不会选择沉默! (chinesisch)20.10.2026
  4. Cyberspace Administration of China《人工智能生成合成内容标识办法》答记者问 (chinesisch)14.03.2025
  5. EUR-LexVerordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Artikel 50 Absatz 4 und Artikel 113
  6. Bundesministerium der Justiz§ 22 KunstUrhG

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