Drei Milliarden Euro hat die Europäische Investitionsbank im Juni für die Forschung von Airbus zugesagt. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer sieht darin eine Gefahr für das Flugzeugabkommen von 2021, mit dem Zölle auf Waren im Wert von rund 10 Mrd. Euro ausgesetzt sind. Die Konditionen des Kredits kennt seine Behörde nach eigenen Angaben bis heute nicht.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenAm Montag verschärfte das Büro des US-Handelsbeauftragten (USTR) in einer Erklärung den Ton im transatlantischen Flugzeughandel.[1] Greer wirft Frankreich, Deutschland und Spanien vor, Airbus seit Jahrzehnten „aggressiv“ zu stützen, um dem Konzern einen „unfairen Vorteil“ gegenüber US-Herstellern zu verschaffen. Neue Zölle kündigte er nicht an.
Das Wichtigste in Kürze
- Die EIB hat Airbus 3 Mrd. Euro für Forschung und Entwicklung bis 2030 zugesagt, die größte Unternehmensfinanzierung ihrer Geschichte.[2]
- Greer sieht das Flugzeugabkommen von 2021 gefährdet und verlangt Details zum Kredit.[1]
- Airbus und die EIB sprechen laut Reuters von einem gewöhnlichen, verzinsten Darlehen.[3]
Warum stört Washington ein Kredit für Forschung?

Der Streit dreht sich um eine Bedingung. Im Juni 2021 setzten die USA und die EU nach 17 Jahren Verfahren vor der Welthandelsorganisation (WTO) ihre Strafzölle für fünf Jahre aus und sagten zu, Hersteller großer Verkehrsflugzeuge nur noch zu Marktkonditionen zu finanzieren.[1][3] Staatliche Kredite bleiben nach dieser Vereinbarung erlaubt. Entscheidend ist der Zins: Liegt er unter dem, was Airbus am Kapitalmarkt zahlen müsste, gilt die Differenz nach den Maßstäben der WTO als Subvention.
Genau dort liegt die Unschärfe. Die EIB gehört den EU-Mitgliedstaaten und leiht sich Geld mit bester Bonität, günstige Konditionen kann sie an ihre Kreditnehmer weitergeben. Airbus-Finanzchef Thomas Toepfer sagte im Juli laut Reuters, der Kredit sei „vollständig zu Marktkonditionen“ aufgenommen worden.[3] Von außen prüfen lässt sich das nicht, solange weder Zins noch Laufzeit öffentlich sind.
Was verbindet den Kredit mit dem alten Subventionsstreit?
Über Jahrzehnte stützten Frankreich, Deutschland, Spanien und Großbritannien neue Airbus-Programme mit rückzahlbaren Anschubkrediten, deren Rückzahlung vom Verkaufserfolg des Flugzeugs abhing. Die WTO erlaubte den USA 2019 deshalb Gegenzölle auf EU-Waren im Wert von 7,5 Mrd. Dollar im Jahr, rund 6,5 Mrd. Euro. Ein Jahr später durfte die EU wegen Steuervorteilen für Boeing Zölle auf US-Waren im Wert von rund 3,5 Mrd. Euro verhängen.
Die EIB vergab den neuen Kredit nicht für ein bestimmtes Flugzeugmodell. Das Geld fließt laut Bank bis 2030 in Forschung und Entwicklung für Verkehrsflugzeuge sowie für Sicherheits- und Verteidigungssysteme in Frankreich, Deutschland und Spanien, unterzeichnet ist bisher eine erste Tranche über 1 Mrd. Euro.[2] Boeing hatte die US-Regierung im Juli gedrängt, auf Transparenz zu bestehen, weil Airbus das Geld für ein neues Flugzeugmodell nutzen könnte.[3] Welche Projekte profitieren, ist offen. Beim Wasserstoff hat Airbus sein geplantes Flugzeug auf rund 80 Sitze verkleinert.
Vom WTO-Verfahren zur Warnung aus Washington
Der Zollfrieden im Flugzeughandel hängt an einem Zinssatz, den die EIB bisher für sich behält.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Streit für Zulieferer und Exporteure?
Für die deutsche Exportwirtschaft geht es um mehr als Flugzeuge. Die US-Zölle von 2019 trafen neben Airbus-Jets auch Agrarprodukte wie Wein und Käse, bei einer Eskalation ließe sich eine solche Liste erneut füllen. Im Juli verlängerten beide Seiten die Zollpause, nachdem das EU-Parlament einem breiteren Handelsabkommen mit den USA zugestimmt hatte.[3] Für Mittelständler wäre es nicht der erste Handelskonflikt mit Washington in kurzer Zeit.
Für Ihre Planung folgt daraus:
- Prüfen Sie in Lieferverträgen mit US-Kunden, ob eine Zollklausel regelt, wer bei einem Aufschlag die Mehrkosten trägt.
- Rechnen Sie für Waren, die 2019 auf der US-Zollliste standen, die Kalkulation für 2027 auch mit einem Strafzoll durch.
Legt die EIB Zins und Laufzeit offen, ließe sich der Streit schnell klären.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Office of the United States Trade RepresentativeAmbassador Greer Issues Statement on the Status of the U.S.-EU Détente Following Record-Breaking Loan from the European Investment Bank to Airbus
- Europäische InvestitionsbankEIB commits €3 billion to Airbus to boost Europe’s industrial base and technological edge in aerospace innovation (Pressemitteilung 2026-228)
- Reuters, David Lawder und David ShepardsonUSTR Greer tells EU that loan to Airbus threatens trade truce on aircraft financing (26. Oktober 2026, mit Stellungnahmen von Airbus und EIB, Abdruck bei The Jakarta Post)
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