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Im Gespräch mit dem Biografen Walter Isaacson nennt Peter Thiel das Apple der Zeit nach Steve Jobs „einen reinen, gut geführten Substanzwert“. Apples Jahresberichte stützen das Urteil zum Teil: Seit dem Geschäftsjahr 2013 gab der Konzern 3,5-mal so viel für eigene Aktien aus wie für Forschung und Entwicklung. Europa dient dem Palantir-Mitgründer als Beispiel für eine Wirtschaft ohne Wachstum.

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„Das Mobiltelefon war eine gewaltige Erfindung. Da gab es nicht mehr so viel zu tun.“ So erklärt Peter Thiel seine Sicht auf Apple. Isaacson zeichnete das Gespräch für seinen Podcast „The Builders“ am 16. September auf, gut zwei Wochen nach dem Wechsel von Tim Cook zu John Ternus an der Apple-Spitze; die vollständige Folge erschien am 22. Oktober.[1]

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Peter Thiel sieht bei Apple nach dem Abgang von Steve Jobs 2011 keine neue Erfindung.
  • Apple gab in den Geschäftsjahren 2013 bis 2025 rund 710 Mrd. € für eigene Aktien aus, für Forschung und Entwicklung 203 Mrd. €.
  • Hätten die USA Internet und KI verboten, ähnelten sie laut Thiel eher Europa oder Japan.

Was wirft Peter Thiel Apple vor?

Apfel unter Glassturz auf Sockel mit Plakette vor weißem Hintergrund
Thiel kritisiert Apple: Unter Tim Cook keine neuen Erfindungen, minimale Forschungsausgaben, maximale Aktienrückkäufe

Für Thiel hat Apple nach Jobs nur noch eine bestehende Erfindung ausgebaut. Apple habe „nach Jobs nichts Neues gemacht“, habe mit Abstand am wenigsten für Forschung ausgegeben und am meisten für Aktienrückkäufe, sagt der Investor.[1]

Den langjährigen Apple-Chef Tim Cook nennt Thiel „den Anti-Jobs“, einen effizienten Manager „ohne jedes Charisma“. „Aber ich würde trotzdem sagen, dass Elon [Musk] oder Steve Jobs irgendwie viel besser für die Gesellschaft sind als Tim Cook“, sagt Thiel.[1]

Was zeigen Apples eigene Zahlen?

Gemessen am Umsatz stützen Apples Zahlen den Vorwurf. Im Geschäftsjahr 2025 bis Ende September steckte Apple rund 30 Mrd. € in Forschung und Entwicklung, 8,3 Prozent des Umsatzes von 362 Mrd. €.[2] Alphabet investierte 2025 gut 15 Prozent seines Umsatzes in Forschung und Entwicklung, Meta 28,5 Prozent.[3]

Gegenbeispiele lässt Thiel aus. Unter Cook kamen 2015 die Apple Watch und 2016 die AirPods auf den Markt, seit 2020 entwickelt Apple die Prozessoren seiner Macs selbst. Neu ist die Kritik nicht: Schon im Januar 2017 bejahte Thiel in einem Interview der New York Times die Frage, ob das Zeitalter von Apple vorbei sei. Nachfolger Ternus kommt aus der Hardware-Entwicklung und will laut Bloomberg Managementebenen abbauen und mehr Produkte auf den Markt bringen.[4]

Apple steckt 8,3 Prozent seines Umsatzes in Forschung und Entwicklung, Meta mehr als das Dreifache. An dieser Quote muss sich der Ingenieur Ternus messen lassen.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Apple gibt mehr für eigene Aktien aus als für Forschung und Entwicklung
Was Apples Jahresberichte zu Peter Thiels Vorwurf zeigen

Geschäftsjahre 2013 bis 2025 zusammen

Aktienrückkäufe
710 Mrd. €
Forschung und Entwicklung
203 Mrd. €

Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Prozent des Umsatzes, 2025

Apple
8,3 %
Alphabet
15,2 %
Meta
28,5 %

Apples Geschäftsjahr schließt Ende September, bei Alphabet und Meta entspricht das Geschäftsjahr dem Kalenderjahr.

3,5-mal
so viel Geld floss seit 2013 in Rückkäufe wie in Forschung und Entwicklung
79 Mrd. €
zahlte Apple im Geschäftsjahr 2025 für eigene Aktien

Warum ist Europa für Thiel ein abschreckendes Beispiel?

Thiel misst Unternehmen an ihren Gründern. Sein Wagniskapitalfonds heißt Founders Fund. Die Alternative zum gründergeführten Unternehmen sei „ein Bürokrat mit MBA-Abschluss“ samt einem sehr bürokratischen Kontrollgremium aus Leuten, „die nie etwas tun wollen“, sagt Thiel.[1]

Auch Volkswirtschaften misst der in Frankfurt am Main geborene Palantir-Mitgründer am Wachstum durch neue Technik. Hätten die USA das Internet verboten und würden sie jetzt KI verbieten, bliebe das Wachstum laut Thiel nahezu aus. „Wir werden eher Europa ähneln, eher Japan“, sagt er. Diesen Zustand beschreibt Thiel als weit unangenehmere Nullsummengesellschaft, in der auf jeden Gewinner ein Verlierer kommt.[1]

Für Europa passt das Bild nur bedingt: Verboten hat die EU KI nicht. Die KI-Verordnung der EU von 2024 untersagt einzelne Anwendungen wie Sozialpunktesysteme und knüpft andere an Pflichten. Aus demselben Gespräch stammt Thiels Absage an jede KI-Pause. Für Entscheider lohnt der Blick in Apples Jahresbericht zum Geschäftsjahr 2027, dem ersten vollen Jahr unter Ternus: Die Zahlen darin zeigen, ob der neue Chef Geld von den Rückkäufen in die Entwicklung umschichtet.

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. The Builders with Walter Isaacson (Kaleidoscope, iHeartPodcasts)Peter Thiel: ‚We Need to Hit the Accelerator as Hard as Possible‘ on AI, Folge vom 22.10.2026 mit Transkript
  2. Apple, Form 10-K für das Geschäftsjahr 2025Annual Report, fiscal year ended September 27, 2025
  3. SEC EDGAR, Finanzdaten aus den Jahresberichten (Company Facts)Apple, Alphabet, Meta
  4. BloombergApple’s New CEO Moves to Overhaul Company to Run Faster and Leaner, 29.09.2026, hinter Bezahlschranke

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