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Am Montag stellte Tencents KI-Sparte Hunyuan ein Modell ins Netz, das gesprochenes Chinesisch und Englisch überträgt, während der Redner noch spricht. Das trainierte Modell steht unter der Apache-Lizenz und darf damit auch in der EU laufen, die ältere Hunyuan-Lizenzen ausdrücklich ausnahmen.

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Jeweils rund sechs Minuten dauerten die 18 Aufnahmen, mit denen Tencent sein Modell Hy-SimulMT gegen sechs menschliche Simultandolmetscher antreten ließ.[1] Der Konzern bewertet die Übersetzungen als gleichwertig mit denen der Fachleute. Klangqualität und Ähnlichkeit der geklonten Stimme hat der kleine Test nicht erfasst.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Hy-SimulMT überträgt Chinesisch und Englisch in beide Richtungen, als Text oder in der Stimme des Redners.
  • Bei langen Mitschnitten misst Tencent rund drei Sekunden Rückstand, den niedrigsten Wert im eigenen Vergleich.
  • Deutsch fehlt, im DACH-Raum taugt das Modell vor allem für Gespräche mit Partnern in China.

Wie dolmetscht eine KI, bevor der Satz zu Ende ist?

Ein weiß-oranges Headset und ein Anhänger mit der Aufschrift „3 Sekunden“
Hy-SimulMT übersetzt Audiosignale gleichzeitig während des Sprechens. Das Modell 30B-A3B nutzt 30 Milliarden Parameter, aktiviert aber nur 3 Milliarden pro Rechenschritt mittels Mixture-of-Experts-Architektur

Datenstrom statt fertiger Sätze: Hy-SimulMT nimmt das Audiosignal fortlaufend auf und übersetzt, während der Redner weiterspricht.[1] Die Bezeichnung 30B-A3B steht für 30 Milliarden Parameter, von denen je Rechenschritt nur drei Milliarden aktiv sind. Diese Mixture-of-Experts-Bauweise hält den Rechenaufwand pro Wort klein.

Die drei Sekunden beziehen sich auf die Kennzahl StreamLAAL, den mittleren Abstand zwischen Original und Übersetzung über lange Mitschnitte der Testdatensammlung RealSI. Bis zum ersten hörbaren Wort kann mehr Zeit vergehen, räumt Tencent ein. Die Demovideos auf GitHub zeigen nachträglich abgespielte Aufzeichnungen, keine Live-Messung.[1]

Bei kurzen Tests fällt die Bilanz gemischt aus: Im Sprachtest FLEURS erreicht Hy-SimulMT 90,3 Punkte, Googles Gemini3.5-LiveTranslate 92,4. Im Vergleich stehen außerdem ByteDances Seed-LiveInterpret 2.0, OpenAIs GPT-Realtime-Translate und Confucius4, das NetEases Tochter Youdao im September frei zugänglich machte.

Warum gibt Tencent einen Dolmetschdienst frei?

Für das Videomodell HunyuanVideo schloss Tencent Ende 2024 die EU, Großbritannien und Südkorea per Lizenz ausdrücklich aus.[3] Hy-SimulMT steht dagegen unter Apache-2.0, Einschränkungen nennt die Lizenzdatei nur für eingebundene Fremdkomponenten.[2] Firmen dürfen das Modell damit verändern und kommerziell einsetzen.

Die Öffnung folgt einem Muster: ByteDance gibt sein Simultanmodell nicht frei, NetEase und nun Tencent stellen ihre Modelle frei zur Verfügung, wie schon beim Modell Hy4. Offene Modelle ersparen chinesischen Anbietern zudem Papierkram, weil Pekings geplante Exportkontrolle für große KI-Modelle quelloffene Modelle ausnimmt.

Ein offener Dolmetscher hält das Lieferantengespräch im eigenen Rechenzentrum. Die geklonte Stimme des Gegenübers bleibt trotzdem dessen Sache.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Hy-SimulMT in Zahlen
Was Tencent über seinen KI-Dolmetscher angibt
30 Mrd.
Parameter hat das Modell, je Rechenschritt sind davon 3 Milliarden aktiv
rund 3 s
Abstand zwischen Original und Übersetzung bei langen Mitschnitten
18
Aufnahmen von je rund 6 Minuten im Vergleich mit 6 menschlichen Dolmetschern
2
Sprachen in beide Richtungen: Chinesisch und Englisch, Deutsch fehlt

Was bedeutet das für Unternehmen im DACH-Raum?

Eigener Server statt Cloud: Ein selbst betriebenes Modell hält Verhandlungen mit Lieferanten aus China im eigenen Netz. Nötig sind laut Anleitung Linux, eine Nvidia-Grafikkarte und vLLM ab Version 0.31.[1]

Seit dem 2. August 2026 verlangt Artikel 50 der KI-Verordnung, dass Betreiber künstlich erzeugte Audioinhalte offenlegen, die echten Personen täuschend ähneln.[4] Eine geklonte Stimme des Gesprächspartners fällt darunter, der Hinweis auf die KI gehört deshalb an den Gesprächsbeginn.

Nach der DSGVO zählt die Stimme zudem als personenbezogenes Datum, für den Stimmklon holen Betreiber am besten vorab die Einwilligung des Sprechers ein.

Vor dem Einsatz lohnt ein Test mit eigenen Mitschnitten voller Fachbegriffe, denn alle Werte stammen aus Tencents eigenem Vergleich. Für Gespräche auf Deutsch bleiben Cloud-Dienste wie der Live-Dolmetscher in Google Meet die Alternative.

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Tencent HunyuanHy-SimulMT: A Low-Latency, High-Quality Model for Real-Time Simultaneous Translation (englisch, GitHub)26.10.2026
  2. TencentLICENSE-Hy-SimulMT.txt (englisch, Lizenzdatei, Apache-2.0)
  3. TencentTencent Hunyuan Community License Agreement (englisch, Lizenz von HunyuanVideo)03.12.2024
  4. Amtsblatt der Europäischen UnionVerordnung (EU) 2024/1689 (Verordnung über künstliche Intelligenz) (Artikel 50)

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