Cadence bringt mit Maestro KI-Modelle für den Chipentwurf heraus, die zum Teil auf Nvidias offenem Modell Nemotron aufbauen. Chipfirmen können die Modelle in der Cadence-Cloud, bei einem Cloud-Anbieter oder im eigenen Rechenzentrum betreiben. Konkurrent Synopsys lässt sein Modell dagegen auf den Servern von OpenAI laufen.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen„Es gibt mehr Anbieter von KI-Modellen als Anbieter von Chipdesign-Software“, sagte Paul Cunningham, Senior Vice President bei Cadence, der Nachrichtenagentur Reuters.[1] Cadence bindet Maestro deshalb an keinen einzelnen KI-Hersteller, laut Cunningham setzt das Unternehmen gleichermaßen auf offene und proprietäre Modelle. Ausgewählte Kunden erhalten die ersten Modelle im vierten Quartal 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Cadence Maestro baut zum Teil auf Nvidias offenem Modell Nemotron auf und ist mit Nvidias Sicherheitstechnik OpenShell abgesichert.
- Kunden betreiben die Modelle wahlweise hinter der eigenen Firewall und trainieren sie mit ihren eigenen Chipentwürfen nach.
- In ersten Messungen von Cadence erzielen die Modelle bis zu 30 % bessere Ergebnisse als Allzweckmodelle und arbeiten bis zu fünfmal günstiger.
- Synopsys entwickelt mit OpenAI das Modell GPT-Synopsys, das auf der Infrastruktur von OpenAI läuft.
Was steckt in Cadence Maestro?

Chips entstehen mit Software für den automatisierten Schaltungsentwurf, kurz EDA (Electronic Design Automation). Cadence und sein Hauptkonkurrent Synopsys bauen ihre Werkzeuge so um, dass KI-Agenten Arbeitsschritte für die Ingenieure erledigen. Maestro liefert die Modelle für diese Agenten.
Nvidia stellt Nemotron mit frei herunterladbaren Modellgewichten bereit, also mit allen Parametern des trainierten Modells. Ein solches Modell lässt sich auf eigene Server kopieren und dort mit eigenen Daten weitertrainieren. Ein proprietäres Modell wie GPT läuft dagegen nur in Rechenzentren des Herstellers und seiner Cloud-Partner. Auch außerhalb der Chipbranche setzen US-Konzerne zunehmend auf offene Modelle, um Kosten und Daten selbst in der Hand zu behalten.
Warum sollen Chipentwürfe im eigenen Rechenzentrum bleiben?
Ein Chipentwurf bündelt Jahre an Entwicklungsarbeit und ist das wertvollste geistige Eigentum eines Chipentwicklers. Zum geschützten Material zählen auch Prozessdaten der Auftragsfertiger, die Entwickler nur unter Geheimhaltungsvereinbarung erhalten. Ein Modell, das mit solchen Daten weitertrainiert wird, speichert dieses Wissen anschließend in seinen Gewichten.
Synopsys kündigte am 30. September GPT-Synopsys an, ein mit OpenAI entwickeltes Modell auf der Infrastruktur von OpenAI. Die Partner teilen sich den Umsatz, abhängig davon, wie stark das Modell einen Entwurf verbessert. Für Cadence zählt dagegen die Kundenstruktur: 45 Prozent des Geschäfts kommen von Geräte- und Elektronikherstellern sowie Cloud-Konzernen, die eigene Chips entwerfen. Zu dieser Gruppe zählen Konzerne wie Google und Amazon, die mit OpenAI direkt konkurrieren.
Bei Chipentwürfen zählt der Serverstandort mehr als das beste Modell. Cadence lässt die Entwürfe beim Kunden, Synopsys rechnet auf den Servern von OpenAI.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Cadence Maestro
GPT-Synopsys
Was bedeutet das für Chipentwickler in Europa?
Auf Nvidias Konferenz GTC in Berlin stellte Cadence am 21. Oktober ein Rechenzentrum in München vor, in dem Entwurfsdaten europäischer Kunden unter europäischem Recht bleiben.[2] Verfügbar ist dort bisher die Cloud-Version der Cadence-Software, Rechner mit Nvidias Vera- und Grace-Prozessoren sowie der KI-Supercomputer Millennium M2000 sollen folgen. Der dritte große EDA-Anbieter ist ein deutscher Konzern: Siemens übernahm 2017 Mentor Graphics und kaufte im Juli den Hauptentwickler der offenen Chipdesign-Software OpenROAD.
Für Entwicklungsleiter in Halbleiter- und Elektronikfirmen folgen daraus zwei Prüfpunkte:
- Bei KI-Funktionen in EDA-Werkzeugen klären, wo die Modelle rechnen und ob der Anbieter mit Ihren Entwürfen trainiert.
- Vertraglich festhalten, wem ein mit eigenen Entwürfen nachtrainiertes Modell gehört und ob Sie dieses Modell beim Anbieterwechsel mitnehmen dürfen.
Quellen
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