Am 15. Oktober fiel der Preis für Eisenerz an der Börse in Singapur auf 89,85 Dollar je Tonne, umgerechnet rund 80 Euro, den tiefsten Stand seit September 2024. Seit Dezember verlässt Erz aus Simandou die Küste Guineas, aus einer Lagerstätte, die zuvor vor allem Bestechungsprozesse geliefert hatte. Und Chinas staatlicher Einkäufer CMRG hatte den Hütten des Landes ab September 2025 monatelang den Kauf bestimmter Sorten des australischen Konzerns BHP untersagt.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenRund drei Viertel des Erzes, das über die Meere geht, landen in China. Die Minen in Australien und Brasilien verdienen trotz des Preisrutsches gut, doch ihr größter Kunde hat gelernt, seine Einkaufsmacht zu bündeln. Diese Stoffgeschichte folgt dem rostroten Gestein von den Urmeeren über Lothringen, Narvik und die Pilbara bis zu den Hochöfen an Rhein und Saar.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Anlass: Am 15. Oktober 2026 kostete Eisenerz in Singapur so wenig wie seit zwei Jahren nicht mehr. Analysten nennen die schwache Stahlnachfrage in China und das neue Erz aus Simandou in Guinea als Gründe.
- Der Markt: 2025 wurden weltweit rund 2,6 Milliarden Tonnen gefördert, gut die Hälfte des Seehandels kommt aus Australien. China führte 2025 so viel Erz ein wie nie zuvor.
- Die Macht: Seit 2022 bündelt die staatliche China Mineral Resources Group die Einkäufe der chinesischen Hütten. 2025 und 2026 sperrte der Staatseinkäufer mehrere Erzsorten von BHP, bis der Konzern im April einen neuen Vertrag abschloss.
- Die deutsche Lage: Deutschland fördert kein Erz mehr für seine Hütten und führte 2025 32,6 Millionen Tonnen ein. Billigeres Erz entlastet die Hütten nur wenig, ihre Krise hat andere Gründe.
Bluff oder Wissen? Der Eisenerz-Check
1 Wie viel Eisenerz verbraucht ein Hochofenwerk für eine Tonne Rohstahl? Aufklappen ↓
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2 Ab wann durfte Australien wieder Eisenerz ausführen? Aufklappen ↓
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3 Welcher Anteil der westaustralischen Erzausfuhren geht dem Wert nach in die Volksrepublik China? Aufklappen ↓
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4 In welchem Land liegt die Lagerstätte Simandou? Aufklappen ↓
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5 Wann schloss die letzte deutsche Eisenerzgrube, die noch Hütten belieferte? Aufklappen ↓
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Was ist Eisenerz und wie entsteht das rostrote Gestein?
Eisenerz ist Gestein, aus dem sich Eisen wirtschaftlich gewinnen lässt, meist in Form der Eisenoxide Hämatit und Magnetit. Die großen Lagerstätten gehen auf die Urmeere zurück, in denen vor rund 2,5 Milliarden Jahren gelöstes Eisen mit dem ersten freien Sauerstoff ausfiel.
Vor etwa 2,5 Milliarden Jahren setzten Bakterien in den Ozeanen erstmals Sauerstoff frei. Das gelöste Eisen im Meerwasser reagierte damit und sank als Magnetit und Hämatit zu Boden, beschreibt die Behörde Geoscience Australia. Fast eine Milliarde Jahre lang lagerte sich so Schicht um Schicht Eisenoxid ab, bis der Sauerstoff schließlich die Atmosphäre erreichte.
So entstanden die Bändereisenerze, dünn geschichtete Gesteine aus Eisenoxid und Quarz mit mindestens 15 Prozent Eisen. Fast alle großen Erzvorräte der Welt liegen in solchen Gesteinen aus dem Präkambrium.
Die reichen Erzkörper der Pilbara sind allerdings deutlich jünger als das Gestein, in dem sie liegen. Ein Forschungsteam der University of Western Australia datierte den Hämatit dort direkt und kam 2024 im Fachjournal PNAS auf ein Alter von 1,4 bis 1,1 Milliarden Jahren. Zum hochwertigen Erz reicherte sich das Eisen demnach erst lange nach der Ablagerung an.
Welches Mineral in einer Lagerstätte steckt, entscheidet über ihren Wert. Reiner Magnetit enthält 72,4 Prozent Eisen, Hämatit 69,9 Prozent, Limonit 59,8 Prozent und Siderit 48,2 Prozent, listet die Encyclopaedia Britannica. Lagerstätten unter 30 Prozent gelten als unattraktiv, viele abgebaute Erze liegen zwischen 50 und 60 Prozent. Im Handel zählt außerdem die Körnung: Grobes Stückerz wandert direkt in den Hochofen, Feinerz muss vorher zu Sinter gebacken werden. Fein gemahlene Konzentrate rollen die Bergbaukonzerne zu Kugeln und brennen sie zu harten Pellets, ein Verfahren, das Ingenieure in Schweden und Deutschland um 1912 entwickelten.
| Land | Förderung 2025 | Reserven (Roherz) |
|---|---|---|
| Australien | 980 Mio. t | 59 Mrd. t |
| Brasilien | 420 Mio. t | 34 Mrd. t |
| Indien | 310 Mio. t | 5,5 Mrd. t |
| China | 290 Mio. t | 17 Mrd. t |
| Russland | 86 Mio. t | 35 Mrd. t |
| Welt | 2.600 Mio. t | 200 Mrd. t |
Die Zahlen stammen von der US-Behörde USGS. Von den 59 Milliarden Tonnen in Australien genügen nur 24 Milliarden dem strengen australischen Berichtsstandard JORC.
Rechnerisch reichten die bekannten Reserven von 200 Milliarden Tonnen bei 2,6 Milliarden Tonnen Förderung im Jahr rund 77 Jahre. Die USGS schätzt die Ressourcen auf mehr als 900 Milliarden Tonnen Erz.
Am günstigsten fördern die Konzerne in Australien, das zeigen die Förderkosten. BHP kam in Westaustralien im Geschäftsjahr bis Juni 2026 auf direkte Betriebskosten, sogenannte C1-Kosten, von 14,65 Euro je Tonne, Fortescue auf 16,74 Euro, Rio Tinto im ersten Halbjahr 2026 auf 22,34 Euro. Chinesische Inlandsminen kamen 2025 nach Schätzung von Wood Mackenzie auf Gesamtkosten von 62,90 Euro je Tonne Feuchtgewicht.
Die Lagerstätte Carajás im Amazonasgebiet liefert Erz mit durchschnittlich 67 Prozent Eisen. Rund 60 Prozent der Produktion von Vale stammen von dort.
Eisenerz reicht für Generationen. Über die Rendite einer Mine entscheiden Eisengehalt und Abbaukosten, und bei den Kosten fördert die Pilbara für ein Viertel bis ein Drittel dessen, was chinesische Gruben ausgeben.
Wer entdeckte das Eisenerz und wie begann der Rausch?

Die ersten Eisengegenstände schmiedeten Menschen aus Meteoriten, das Schmelzen von Erz begann um 2000 vor Christus in Anatolien und Persien. Zum Massenrohstoff wurde Eisenerz mit dem Kokshochofen, dem Bessemer-Konverter und im 20. Jahrhundert mit den Riesenminen in Australien und Brasilien.
Meteoreisen nutzten Menschen schon vor 3000 vor Christus. Die eigentliche Eisenzeit setzte im Nahen Osten und in Südosteuropa um 1200 vor Christus ein, in China erst um 600 vor Christus.
Der Rennofen erreichte nur etwa 1.150 Grad und lieferte einen festen Klumpen von wenigen Kilogramm, die Luppe. Der Hochofen kam im 15. Jahrhundert nach Europa. 1709 schmolz der Engländer Abraham Darby Erz erstmals mit Koks statt Holzkohle, mit dem Siegeszug dieses Verfahrens wurde Kokskohle neben Erz zum zweiten Grundstoff des Hochofens. 1856 ließ sich Henry Bessemer seinen Konverter patentieren, der Roheisen mit eingeblasener Luft zu Stahl machte.
Sidney Gilchrist Thomas meldete 1877 ein Patent an, das den Phosphor aus dem Roheisen holte, ab 1879 arbeiteten die ersten Hütten damit. Erst jetzt taugte die lothringische Minette, ein Erz mit nur 20 bis 30 Prozent Eisen und viel Phosphor, für die Stahlherstellung. Für die deutsche Schwerindustrie war das ein Wendepunkt.
Im Norden Schwedens gründeten Unternehmer im Dezember 1890 die Gesellschaft LKAB. Seit 1902 bringt eine Bahn das Erz aus Kiruna zum eisfreien Hafen Narvik in Norwegen.
Australien durfte sein Erz ab 1938 mehr als zwei Jahrzehnte lang nicht ausführen. Im November 1952 will der Viehzüchter Lang Hancock bei einem Flug durch eine Schlucht der Pilbara rostrote Felswände gesehen haben, so erzählte er die Geschichte selbst. Am 24. November 1960 lockerte Canberra das Ausfuhrverbot, im Mai 1966 fiel das Verbot ganz, dokumentiert das National Museum of Australia. 1960 verschiffte Australien 500 Tonnen, 2013 rund 300 Millionen Tonnen. Hancock kassierte ab 1963 eine Lizenzgebühr von 2,5 Prozent auf das Erz, das Rio Tinto aus den von ihm entdeckten Lagerstätten abbaute.
Im August 1966 verließ die erste Schiffsladung von Rio Tinto die Pilbara in Richtung Japan. Am 19. Mai 2026 verschiffte der Konzern dort seine achtmilliardste Tonne.
Brasiliens größter Fund war ein Zufall. 1967 landete ein Hubschrauber mit Geologen einer Tochter von U.S. Steel zum Tanken auf einem kahlen Hügel im Amazonasgebiet. Unter dem Landeplatz lag die Lagerstätte Carajás, deren Vorrat die NASA 2009 auf rund 18 Milliarden Tonnen schätzte.
Deutschland hatte eigene Gruben, aber wenig reiches Erz. Im Siegerland schlossen die letzten Gruben der Erzbergbau Siegerland AG am 31. März 1965.
In Salzgitter gründete das NS-Regime am 15. Juli 1937 die Reichswerke „Hermann Göring“, um arme Erze aus dem eigenen Boden zu verhütten. Die letzte Grube dort schloss 1982.
Die letzte Grube, die noch Hütten belieferte, war Leonie in Auerbach in der Oberpfalz. Die Grube schloss im Mai 1987 nach dem Konkurs der Maxhütte. In Porta Westfalica wird bis heute Eisenerz abgebaut, allerdings als roter Zuschlag für Beton.
Den Massenmarkt schufen die Verhüttung mit Koks und das Thomas-Verfahren, später die Lockerung des australischen Ausfuhrverbots 1960. Deutschland verlor dabei Schritt für Schritt seine eigenen Gruben.
Wie hat Eisenerz die Weltkarte verändert?

Um Eisenerz wurde in Lothringen und 1940 in Narvik gekämpft, Mauretanien lebt bis heute vom Erzexport. Heute prägt der Rohstoff das Verhältnis zwischen Australien und China, und in Guinea hängt die Zukunft eines Präsidenten daran, der als Putschführer an die Macht kam.
Lothringen: Erz an der Grenze
Nach dem Krieg von 1870/71 annektierte das Deutsche Reich Elsass-Lothringen. Die Bodenschätze machten das Gebiet zu einer attraktiven „Kriegsbeute“, schreibt das Deutsche Historische Museum, im Vordergrund standen aber militärische Überlegungen. Der Geograf Richard Hartshorne zeigte 1950, dass die Grenze nicht einer älteren Linie folgte, sondern neu gezogen wurde, und verwies auf ein Gutachten des Bergingenieurs Wilhelm Hauchecorne zu den Erzlagern aus dem August 1870.
Ob Bismarck dieses Gutachten kannte, ist nicht belegt. Ein großer Teil der bekannten Minette lag fortan auf deutschem Gebiet, ein anderer im französischen Becken von Briey.
Im Ersten Weltkrieg besetzten deutsche Truppen Briey. Ein deutscher Industrievertreter bezifferte 1918 den Anteil des Beckens an der deutschen Erzversorgung auf 28 Prozent, gemessen am Eisengehalt, so berichtete das Fachjournal Nature. Die Zahl stammt aus Kriegszeiten und ist mit Vorsicht zu lesen.
1923 besetzten rund 60.000 französische und belgische Soldaten das Ruhrgebiet, das Zentrum der deutschen Kohle- und Stahlindustrie.
Nach diesen Erfahrungen gründeten sechs Staaten 1951 die Montanunion. Für Kohle, Eisenerz, Stahl und Schrott fielen die Zölle, die Branchen kamen unter gemeinsame Aufsicht. Auf diesen Rohstoffvertrag geht die heutige EU zurück.
Narvik 1940: die Erzbahn im Krieg
Erz aus Schweden und Norwegen deckte in den ersten Kriegsmonaten zwei Drittel des deutschen Verbrauchs, hält die offizielle Kriegsgeschichte der britischen Luftwaffe fest. Der schwedische Ostseehafen Luleå liegt von Mitte Dezember bis Mitte Mai im Eis, im Winter lief das Erz deshalb über die Bahn nach Narvik. Ein Drittel der deutschen Einfuhren aus Skandinavien kam über diese Route. Am 9. April 1940 griff die Wehrmacht Norwegen an, um Narvik wurde wochenlang gekämpft. 1944 drängten die Alliierten Schweden, die Lieferungen an Deutschland auf 200.000 Tonnen im Monat zu begrenzen.
Verstaatlichung: Erzstaaten nehmen sich ihre Gruben
In Mauretanien förderte seit 1963 die Gesellschaft MIFERMA, an der Stahlkonzerne aus Frankreich, Großbritannien, Italien und der Bundesrepublik beteiligt waren. Schon 1966 machte Eisenerz 92 Prozent des Exportwerts des Landes aus. 1974 verstaatlichte die Regierung den Bergbau, aus MIFERMA wurde die Staatsfirma SNIM.
Venezuelas Präsident Carlos Andrés Pérez kündigte im Juli 1974 an, auch die Erzgruben der US-Konzerne Bethlehem Steel und U.S. Steel zu verstaatlichen, wie Gesprächsnotizen des US-Außenministeriums festhalten.
Indien belegte 2022 für einige Monate die Ausfuhr von Erz mit bis zu 50 Prozent Zoll.
Simandou: Bestechung, Junta und chinesisches Geld
Die Lagerstätte Simandou im Hochland Guineas liefert Erz mit 65,8 Prozent Eisen, wie die ersten Verkäufe von Rio Tinto im Jahr 2026 zeigen. 2008 gingen die Rechte an zwei Blöcken, die die Regierung zuvor Rio Tinto entzogen hatte, an die Firma BSGR des Geschäftsmanns Beny Steinmetz. Für 51 Prozent daran zahlte Vale später rund 2,23 Milliarden Euro, damals das Doppelte des guineischen Staatshaushalts, berichtet das Recherchenetzwerk OCCRP.
2014 entzog Guinea BSGR die Rechte wieder. Ein Genfer Gericht verurteilte Steinmetz 2021 wegen Bestechung zu fünf Jahren Haft, die Berufungsinstanz senkte die Strafe 2023 auf drei Jahre, die Hälfte davon auf Bewährung. Rio Tinto zahlte 2023 eine Strafe von 13,4 Millionen Euro an die US-Börsenaufsicht SEC, weil ein Berater Geld an einen guineischen Amtsträger weitergeleitet hatte.
Nach dem Putsch von 2021 setzte die Junta unter Mamady Doumbouya die Konzerne unter Druck. Im Juli 2022 ordneten die Militärs einen Baustopp an, bis die Partner im März 2023 den Bedingungen für das gemeinsame Infrastrukturunternehmen zustimmten. Im Januar 2026 wurde Doumbouya nach einer Wahl als Präsident vereidigt.
| Simandou | Eigentümer | Rolle |
|---|---|---|
| Blöcke 1 und 2 (Konsortium WCS) | Winning International und Weiqiao 51 %, Baowu 49 % | chinesisches Konsortium |
| Blöcke 3 und 4 (Gesellschaft SimFer) | Guinea 15 %, Simfer Jersey 85 % | Simfer Jersey: Rio Tinto 53 %, Chinalco-Gruppe 47 % |
| Bahn und Hafen | SimFer 42,5 %, WCS 42,5 %, Guinea 15 % | über 600 km neue Bahnstrecke |
Im Dezember 2025 verließ die erste Schiffsladung Guinea. Bis zu 120 Millionen Tonnen im Jahr sollen über die neue Bahn kommen, rund ein Achtel der australischen Ausfuhr.
China gegen die Minen
Vierzig Jahre lang handelten Hütten und Minen einmal im Jahr einen festen Preis aus. Im April 2010 setzten die Bergbaukonzerne das Ende dieses Systems durch, weil der Vertragspreis regelmäßig unter dem Tagespreis lag, berichtete die USGS.
Am 19. Juli 2022 gründete China die staatliche China Mineral Resources Group, kurz CMRG, mit umgerechnet 2,68 Milliarden Euro Kapital. Das Ziel beschreibt die Kanzlei Clayton Utz: mehr Verhandlungsmacht für Chinas Hütten.
Im September 2025 wies CMRG die Hütten an, keine Jimblebar-Feinerze von BHP mehr zu kaufen, im November folgte die Sorte Jinbao, am 12. März 2026 die Newman-Feinerze. Im April 2026 meldete BHP einen neuen Liefervertrag, ohne Details. Wie Reuters unter Berufung auf ungenannte Quellen berichtet, rechnet BHP einen Teil des Erzes nun nach einer Mischung aus vier Indizes ab, darunter zu 26 Prozent der chinesische Hafenindex COREX.
Im Handelsstreit von 2020 belegte Peking australischen Wein, Gerste und Kohle mit Strafen, Eisenerz blieb verschont. Ohne Eisenerz brachen Australiens Warenexporte nach China im zweiten Halbjahr 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 40 Prozent ein, mit Eisenerz nur um 2 Prozent. Die Abhängigkeit ist ungleich verteilt: Westaustralien verkauft den größten Teil seines Erzes nach China, China kauft dagegen auch in Brasilien und bald in Guinea.
In Mariupol sind die Stahlwerke im Krieg zerstört worden, der Konzern Metinvest förderte 2022 zwei Drittel weniger Konzentrat als 2021. 2025 führte die Ukraine noch 30,99 Millionen Tonnen Erz aus, mehr als die Hälfte davon nach China.
Warum ist Eisenerz für die Weltwirtschaft so wichtig?

Ohne Eisenerz entsteht kein Hochofenstahl, und 98 Prozent des geförderten Erzes gehen in die Stahlherstellung. Nach Rohöl ist Eisenerz der meistgehandelte Rohstoff der Welt, schreibt worldsteel, rund 1,7 Milliarden Tonnen fahren jedes Jahr über die Meere.
Weltweit erzeugten die Hütten 2025 1.849 Millionen Tonnen Rohstahl, meldet der Weltstahlverband worldsteel. China allein kam auf 960,8 Millionen Tonnen, gut die Hälfte. Knapp 70 Prozent des Weltstahls entstehen im Hochofen und Konverter, der Rest im Elektroofen, der vor allem Schrott schmilzt.
China führte 2025 laut Zollbehörde 1,26 Milliarden Tonnen Erz ein, so viel wie nie zuvor. Von Januar bis September 2026 lagen die Einfuhren 4,1 Prozent über dem Vorjahreszeitraum.
Für Australien ist Eisenerz der wichtigste Exportartikel. Das Industrieministerium erwartet für das Finanzjahr 2025/26 Erlöse von umgerechnet 77,2 Milliarden Euro, für 2026/27 nur noch 67,1 Milliarden Euro. Der Hafen Port Hedland schlug im Geschäftsjahr 2025/26 allein 580,4 Millionen Tonnen um.
Maßgeblich für den Preis ist der Index IODEX des Preisdienstes Platts, der seit Januar 2026 Feinerz mit 61 Prozent Eisen frei chinesischem Hafen misst, bis dahin galten 62 Prozent. Gehandelt werden Terminkontrakte in Dollar an der Börse in Singapur und in Yuan in Dalian.
Mitte Oktober 2026 kostete die Seefracht für eine Tonne von Westaustralien nach China 12,89 Euro, von Brasilien 33,64 Euro.
Deutschland führte 2025 laut den Handelsdaten der Vereinten Nationen 32,6 Millionen Tonnen Erz ein, im Wert von 3,11 Milliarden Euro. Kanada lieferte 11,2 Millionen Tonnen, Südafrika 7,4, Brasilien 6,2 und Schweden 5,0, Australien fehlt unter den Lieferländern. Die Hochöfen in Duisburg, Salzgitter, Bremen, Eisenhüttenstadt und Dillingen hängen vollständig am Import. 2025 erzeugte Deutschland 34,1 Millionen Tonnen Rohstahl, knapp 70 Prozent davon über den Hochofen.
Fällt das Erz aus, stehen die Hochöfen still, mit ihnen die Lieferkette von Flachstahl für Autos, Maschinen und Bau.
Eisenerz ist ein Massengut mit einem Hauptkunden. Weil die Pilbara näher an China liegt, zahlt australisches Erz Mitte Oktober 2026 gut 20 Euro weniger Fracht je Tonne als brasilianisches.
In welchen Produkten steckt Eisenerz und was verschwindet ohne den Rohstoff?

Eisenerz steckt in jedem Auto, jedem Windrad und fast jedem Gebäude, sichtbar ist davon allerdings nur der Stahl. Für eine Tonne Hochofenstahl braucht ein Werk rund 1.370 Kilogramm Erz, Schrott deckt weltweit nur knapp ein Drittel der Stahlerzeugung.
Wo Eisenerz drinsteckt
Gut die Hälfte des Stahls, 52 Prozent, geht laut worldsteel in Gebäude und Infrastruktur. Auf den Maschinenbau entfallen 16 Prozent, auf Autos 12 und auf Metallwaren 10 Prozent.
Ein 2018 gebautes Auto enthielt nach worldsteel im Schnitt rund 900 Kilogramm Stahl. Ein Windrad an Land braucht nach Zahlen des US-Energieministeriums rund 109 Tonnen Stahl je Megawatt Leistung, dazu Gusseisen und Beton. Damit Stahl hart und zäh wird, legieren die Hütten ihn mit Mangan und anderen Metallen.
| Produkt oder Anwendung | Bedarf | Quelle |
|---|---|---|
| Eine Tonne Rohstahl aus dem Hochofen | 1.370 kg Erz, 780 kg Kohle, 270 kg Kalk, 125 kg Schrott | worldsteel |
| Eine Tonne Rohstahl aus dem Elektroofen | 710 kg Schrott, 586 kg Erz | worldsteel |
| Durchschnittliches Auto (2018) | rund 900 kg Stahl | worldsteel |
| Windrad an Land | rund 109 t Stahl je Megawatt | US-Energieministerium |
| Nutzung außerhalb von Stahl | 2 % des US-Erzes | USGS |
Eisenoxid dient als Pigment in Dachziegeln, Pflastersteinen und Farben, Magnetit beschwert Beton für den Strahlenschutz. In den USA dienen 2 Prozent des Erzes solchen Zwecken, meldet die USGS.
Was ohne Eisenerz stillstünde
Ein Elektroofen kann Schrott zu neuem Stahl einschmelzen, doch Schrott fällt nur so schnell an, wie alte Brücken, Autos und Maschinen ausgemustert werden. Weltweit setzten die Hütten 2025 rund 630 Millionen Tonnen Schrott ein, schätzt der Recyclingverband BIR. 30,3 Prozent des Rohstahls entstanden im Elektroofen.
Für die übrigen rund 70 Prozent fehlt ein Ersatz. Ohne Erz fehlte der Welt der größte Teil des neuen Stahls für Hochhäuser, Schiffe, Bahnstrecken und Windparks.
Selbst der Elektroofen kommt nicht ganz ohne Erz aus. Je Tonne Stahl setzt er im Schnitt 586 Kilogramm Erz neben 710 Kilogramm Schrott ein, rechnet worldsteel.
Wie setzt sich der Preis einer Tonne Eisenerz zusammen?

Von 81 Euro, die der australische Konzern Fortescue im Geschäftsjahr 2025/26 im Schnitt für eine Tonne Erz frei China erzielte, entfielen rund 18 Euro auf Abbau, Bahn und Hafen, zusammen rund 14 Euro auf Fracht und Förderabgabe. Fast 49 Euro blieben als Marge vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern.
Fortescue schlüsselt seine Kosten vom Abbau bis zum Kunden im Geschäftsbericht auf, deshalb eignet sich der Konzern als Rechenbeispiel. Die C1-Kosten für Abbau, Aufbereitung, Bahn und Hafen lagen bei 16,74 Euro je Tonne Feuchtgewicht. Zusammen mit Fracht und Förderabgabe kostete eine Tonne Trockengewicht frei Kunde rund 32 Euro. Der erzielte Preis lag bei 81,03 Euro je Tonne Trockengewicht, rund 12 Prozent unter dem Mittel des Platts-Index, weil Fortescue Erz mit niedrigerem Eisengehalt verkauft und die Hütten dafür einen Abschlag verlangen.
| Posten je Tonne Trockengewicht | Euro | Anteil am erzielten Preis | Empfänger |
|---|---|---|---|
| Abbau, Aufbereitung, Bahn, Hafen | 18,20 | 22 % | Belegschaft, Zulieferer, Energie |
| Seefracht nach China | 8,60 | 11 % | Reedereien, eigene Flotte |
| Förderabgabe Westaustralien | 5,32 | 7 % | Bundesstaat Westaustralien |
| Marge vor Abschreibungen, Zinsen, Steuern | 48,91 | 60 % | Konzern, Aktionäre, Staat über Steuern |
| Erzielter Preis frei China | 81,03 | 100 % |
Die Aufteilung ist eine eigene Rechnung aus den Gesamtwerten des Geschäftsberichts, umgerechnet vom Feucht- auf das Trockengewicht mit acht Prozent Feuchte, Fracht im Jahresschnitt. Die Förderabgabe beträgt in Westaustralien 7,5 Prozent für Hämatiterz, für aufbereitetes Feinerz gilt ein Satz von 5 Prozent.
Nach Verwaltung, Erkundung und sonstigen Kosten meldet Fortescue ein operatives Ergebnis vor Abschreibungen von 44,67 Euro je Tonne, die Marge auf den Konzernumsatz lag bei 51 Prozent. Davon gehen noch Abschreibungen auf Gruben, Bahnen und Schiffe ab, nach Rechnung der Redaktion rund 12,50 Euro je Tonne, außerdem Investitionen in Erhalt und Ausbau.
Vale zahlt für den weiten Weg: Der Konzern meldete für 2025 C1-Kosten von 19,03 Euro je Tonne, bis zum Kunden in China aber 48,42 Euro, davon 16,44 Euro Fracht im Jahresschnitt.
Chinesische Inlandsminen markieren die Preisuntergrenze des Markts. Mit 62,90 Euro je Tonne Feuchtgewicht lagen ihre Gesamtkosten 2025 nach Wood Mackenzie fast doppelt so hoch wie im Rest der Welt mit 32,70 Euro. Sinkt der Weltmarktpreis unter dieses Niveau, schließen zuerst die Gruben in China.
Bezahlt wird in Dollar. Fällt der Dollar gegenüber dem Euro, wird Erz für europäische Hütten billiger, auch wenn sich der Indexpreis nicht bewegt.
Für eine Tonne Warmbreitband aus dem Hochofen in der EU errechnete die Forschungsstelle der EU-Kommission mit Daten von 2019 Kosten von 458 Euro, davon 65 Prozent für Rohstoffe. Erz ist dort nur ein Posten neben Kohle, Schrott und Zuschlägen.
Wer verdient an Eisenerz und wer zahlt drauf?

Am meisten verdienen die vier großen Förderer in Australien und Brasilien, ihre Großaktionäre und der Bundesstaat Westaustralien. Die Lasten tragen Anwohner der Gruben in Brasilien, Ureinwohner in der Pilbara und Länder, die ihr Wohl an einen einzigen Rohstoff gekettet haben.
Rio Tinto verdiente 2025 mit Eisenerz vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern 13,57 Milliarden Euro, 11 Prozent weniger als im Vorjahr. Bei BHP lag der Wert im Geschäftsjahr bis Juni 2026 bei 12,95 Milliarden Euro, bei Fortescue bei 7,71 Milliarden Euro. Vale, Rio Tinto, BHP und Fortescue liefern zusammen nach Rechnung der Redaktion rund zwei Drittel des Seehandels.
Westaustralien kassierte im Finanzjahr 2024/25 Förderabgaben aus Eisenerz von 5,32 Milliarden Euro, 86 Prozent aller Rohstoffabgaben des Bundesstaats. Bis 2029/30 erwartet die Landesregierung nur noch 3,52 Milliarden Euro.
Gina Rinehart, Erbin von Lang Hancock, führt seit sieben Jahren die Reichenliste der Australian Financial Review an, mit geschätzt 24,47 Milliarden Euro. Fortescue-Gründer Andrew Forrest kommt auf 9,99 Milliarden.
Mit den Folgen leben andere. Am 5. November 2015 brach in Mariana der Damm eines Rückhaltebeckens der Firma Samarco, die Vale und BHP gemeinsam gehört, 19 Menschen starben. Im Oktober 2024 einigten sich die Konzerne mit dem brasilianischen Staat auf einen Vergleich über umgerechnet 30,1 Milliarden Euro.
Am 25. Januar 2019 brach in Brumadinho ein Damm von Vale, 272 Menschen starben. Der Vergleich von 2021 umfasst umgerechnet 6,67 Milliarden Euro.
In der Pilbara sprengte Rio Tinto im Mai 2020 die Felsüberhänge von Juukan Gorge, die von Ureinwohnern seit schätzungsweise 46.000 Jahren genutzt wurden, für Erz im Wert von rund 85 Millionen Euro. Konzernchef Jean-Sébastien Jacques musste gehen. Im Mai 2026 sprach ein Bundesgericht der Gemeinschaft der Yindjibarndi 94 Millionen Euro für den kulturellen Verlust durch eine Fortescue-Mine zu.
Für Länder, die fast nur Rohstoffe ausführen, kennen Ökonomen den Ressourcenfluch: Rohstoffländer wachsen oft langsamer, weil ein Sektor alles beherrscht. Bei der Holländischen Krankheit verteuert eine starke Währung die übrigen Exporte.
| Land | Abhängigkeit vom Erz | Ergebnis |
|---|---|---|
| Australien | Eisenerz wichtigstes Exportgut | Bergbauboom hob das verfügbare Einkommen bis 2013 um 13 % gegenüber einem Verlauf ohne Boom, Holländische Krankheit schwach (Notenbank RBA) |
| Sierra Leone | Erzförderung im April 2015 eingestellt | IWF erwartete für 2015 ein Minus der Wirtschaftsleistung von 21,5 %, Folge von Bergbau-Stopp und Ebola |
| Mauretanien | 1966: 92 % des Exportwerts | 1974 Verstaatlichung, Erz bleibt Hauptexport |
| Guinea | Simandou ab 2025 | IWF erwartet bis 2030 eine um mehr als 25 % höhere Wirtschaftsleistung als ohne Simandou, Armutsquote 2025 bei 22,3 % |
Australien entging dem Fluch, weil Industrie und Dienstleister an den Bergbau lieferten und der Boom das Einkommen der Haushalte steigerte, schreiben die Ökonomen der australischen Notenbank. Sierra Leone dagegen stürzte 2015 ab, als mitten in der Ebola-Epidemie die Erzförderung ausfiel.
Westaustralien kassiert 5,3 Mrd. € Erzabgaben im Jahr und hängt mit 86 Prozent seiner Erzausfuhren an einem einzigen Kunden.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Ob die Einnahmen aus Simandou bei der Bevölkerung Guineas ankommen, ist offen. Ein Teil soll in einen Staatsfonds fließen, eine Prognose der Einnahmen hat die Regierung nicht veröffentlicht.
Die Gewinne fließen an die Konzernsitze in Perth, Melbourne und Rio de Janeiro, mit den Folgen der Dammbrüche leben Mariana und Brumadinho. Guinea muss erst noch beweisen, dass ein Erzboom das Land reicher macht.
Wie mächtig ist die Eisenerz-Lobby?

Die australische Bergbaulobby trug 2010 nach Einschätzung von Fachleuten zum Sturz eines Premierministers bei. In Deutschland wirbt die Stahlbranche dagegen um Strompreishilfen und Zuschüsse für grünen Stahl, das Erz selbst spielt dort keine Rolle.
2010 plante die Regierung von Kevin Rudd eine Sondersteuer auf Übergewinne der Bergbaukonzerne. Der Verband Minerals Council of Australia gab für eine Werbekampagne dagegen umgerechnet 13,8 Millionen Euro aus.
Die Kampagne habe zum Sturz von Rudd beigetragen, schreibt The Conversation. Die Konzerne zeigten damit, wie teuer ein Streit mit ihnen für eine Regierung werden kann.
In Deutschland meldet die Wirtschaftsvereinigung Stahl im Lobbyregister für 2025 Ausgaben von 1,65 bis 1,66 Millionen Euro bei 9,83 Vollzeitstellen.
Für grüne Stahlwerke haben Bund und Länder Milliarden zugesagt. Thyssenkrupp erhielt 2023 einen Förderbescheid über rund 2 Milliarden Euro für eine Direktreduktionsanlage in Duisburg, Salzgitter bekam für sein Programm SALCOS 2022 eine Milliarde Euro und im Februar 2026 weitere 322 Millionen Euro. ArcelorMittal hatte für Bremen und Eisenhüttenstadt 1,3 Milliarden Euro zugesagt bekommen und stieg im Juni 2025 aus, bevor Geld floss. Die Strompreiskompensation erstattet Stahlwerken inzwischen 80 Prozent der eingerechneten CO₂-Kosten im Strompreis, bis 2029 sind dafür rund 4,5 Milliarden Euro eingeplant.
Den neuen Industriestrompreis kritisiert die Wirtschaftsvereinigung Stahl offen: Er gehe an der Stahlindustrie vorbei, weil Strom, für den ein Werk Kompensation erhält, nicht doppelt gefördert werden darf. Lobbyarbeit bedeutet hier das Feilschen um Cent je Kilowattstunde.
Die Erzlobby sitzt in Perth und Canberra, nicht in Berlin. Deutsche Hütten kämpfen um niedrigere Strompreise und Fördergeld, das Erz kaufen sie zu Weltmarktpreisen.
Wie kommt der Stahl mit weniger Eisenerz aus?

Mit mehr Schrott im Elektroofen, doch neuer Stahl für eine wachsende Welt braucht weiter Erz. Der klimafreundliche Weg über Wasserstoff ersetzt die Kohle, nicht das Erz, und verlangt sogar besonders reines Erz, das knapp ist.
Schrott ist der größte Hebel. Weltweit stieg der Anteil der Elektroöfen von 29,1 Prozent im Jahr 2024 auf 30,3 Prozent 2025, in Deutschland lag er bei 30,6 Prozent. Begrenzt wird dieser Weg durch die Schrottmenge.
Die Direktreduktion mit Wasserstoff soll den Hochofen ersetzen. Das Gas entzieht dem Erz den Sauerstoff, übrig bleibt Eisenschwamm, den ein Elektroofen zu Stahl schmilzt. Bevorzugt wird dafür Erz mit mindestens 67 Prozent Eisen, schreibt der Anlagenbauer Midrex. Außerhalb von Carajás und einigen Magnetitgruben ist solches Erz rar: Pellets in Direktreduktionsqualität machten 2022 nach Angaben der Denkfabrik IEEFA nur vier Prozent der weltweiten Ausfuhren aus. Das Analysehaus BloombergNEF erwartet bis 2030 eine Lücke von 15 Millionen Tonnen im Jahr, bis 2040 von 133 Millionen Tonnen.
Die Pioniere kommen langsamer voran als geplant. LKAB in Schweden hat die Investitionsentscheidung für seine Demonstrationsanlage verschoben, einen neuen Zeitplan nennt der Konzern nicht, meldet der schwedische Rechnungshof. Das Start-up Stegra in Boden braucht nach einer Prüfung im September 2026 laut der Zeitschrift Affärsvärlden mindestens 880 Millionen Euro zusätzlich.
Die Anlage von Thyssenkrupp in Duisburg soll ab 2027 in Betrieb gehen und darf zunächst mit Erdgas statt Wasserstoff laufen, die Kosten liegen bei rund 3 Milliarden Euro. Salzgitter plant den Start seiner ersten Anlage ebenfalls für 2027.
Das US-Unternehmen Boston Metal wollte Stahl direkt per Elektrolyse aus Erz gewinnen und schwenkte im Mai 2026 auf Metalle wie Niob und Tantal um.
Für Europas Hütten heißt das: Gefragt ist in Zukunft reineres Erz, nicht weniger davon.
Grüner Stahl spart Kohle, kein Erz. Hütten, die sich früh reines Erz mit 67 Prozent Eisen sichern, haben im nächsten Jahrzehnt einen Vorteil.
Was bedeutet der Preisrutsch beim Eisenerz für Deutschland?

Billigeres Erz senkt die Rohstoffkosten der deutschen Hütten rechnerisch um rund 19 Euro je Tonne Stahl, die Krise der Branche löst der Preisrutsch nicht. Für Verbraucher ändert sich wenig, für Einkäufer von Stahl entsteht etwas Spielraum bei Verhandlungen.
Für den Tiefstand von umgerechnet 80,27 Euro je Tonne am 15. Oktober nannten Analysten des Brokers Zhengxin Futures die schwache Stahlnachfrage in China und den Hochlauf von Simandou als Gründe, berichtete Reuters. Fallende Frachtraten ließen weiteren Spielraum nach unten.
Zugleich steigen die Kosten der Minen. Laut Vale-Chef Gustavo Pimenta stammen inzwischen rund zehn Prozent des Erzes im Seehandel aus Minen, die mit Verlust fördern, vor allem wegen des teurer gewordenen Diesels. Rio Tinto meldete für das erste Halbjahr 2026 höhere Stückkosten in der Pilbara als im Vorjahreshalbjahr, ebenfalls wegen Diesel.
Rio Tinto nennt für das erste Halbjahr 2026 einen Durchschnittspreis von umgerechnet 93,81 Euro für Erz mit 62 Prozent Eisen frei China. Läge der Preis dauerhaft bei 80 Euro, sparte ein Hochofenwerk bei 1,37 Tonnen Erz je Tonne Stahl rechnerisch rund 19 Euro. Für Pellets zahlen die Hütten einen Aufschlag auf den Index, die Rechnung bleibt deshalb eine Näherung.
Gemessen an den Problemen der Branche ist das wenig: Im September 2026 lag die deutsche Rohstahlproduktion 13 Prozent unter dem Vorjahresmonat, die Erzeugung über den Hochofen 20,2 Prozent.
Hochgerechnet erwartet die Wirtschaftsvereinigung Stahl für 2026 nur noch 35,4 Millionen Tonnen, zur Jahresmitte lag die Hochrechnung bei 37,3 Millionen. Thyssenkrupp baut bis 2030 rund 11.000 Stellen ab, die Gespräche über einen Verkauf der Stahlsparte an Jindal ruhen seit Mai 2026. Seit Juli schützt die EU ihren Markt mit Zollkontingenten, unsere Stoffgeschichte über Eisen und Europas Stahlpreis beschreibt die neue Zollmauer im Detail.
Auf dem Stahlgipfel im November 2025 kündigte die Bundesregierung eine längere Strompreiskompensation, einen Industriestrompreis und niedrigere Netzentgelte an. Rohstoffpolitik beim Erz gehörte nicht dazu.
Drei Szenarien für die kommenden Monate
Im Fall einer Erholung stützten neue Konjunkturprogramme in China die Stahlnachfrage, und die gestiegenen Dieselkosten nähmen teure Minen vom Markt. Der Erzpreis pendelte sich dann über dem jetzigen Niveau ein, für deutsche Hütten bliebe die Lage, wie sie ist.
Im realistischen Fall liefe Simandou planmäßig hoch, während Chinas Stahlproduktion stagnierte. Fiele der Preis dadurch unter 63 Euro, gerieten chinesische Inlandsminen als Erste in Not.
Im pessimistischen Fall bräche die Bauwirtschaft in China weiter ein, und billiger chinesischer Stahl drängte in andere Märkte. Das Erz würde billiger, doch die deutschen Hütten verlören zugleich Kunden an Importstahl, den die EU-Kontingente nur teilweise fernhalten.
Was Sie jetzt tun können
Als Einkäufer von Stahl oder Stahlprodukten sollten Sie Ihre Verträge prüfen: Preisgleitklauseln koppeln Stahlpreise oft an Rohstoffindizes. Fällt der Erzpreis, haben Sie ein Argument für Nachverhandlungen, auch wenn Erz nur einer von mehreren Rohstoffen im Stahlpreis ist.
Als Verbraucher merken Sie davon wenig: Bei einem Auto mit 900 Kilogramm Stahl sänken die Rohstoffkosten rechnerisch um weniger als 20 Euro.
Für Deutschland ist billiges Erz eine Randnotiz. Den Erzpreis machen Singapur, Dalian und Chinas Staatseinkäufer, über die deutschen Hütten entscheiden Strompreis und Stahlnachfrage.
Glossar: 13 wichtige Fachbegriffe zu Eisenerz

Bändereisenerz
Bändereisenerz ist ein fein geschichtetes Gestein aus Lagen von Eisenoxid und Quarz mit mindestens 15 Prozent Eisen. Das Gestein entstand vor mehr als 1,7 Milliarden Jahren in den Urmeeren. In solchen Gesteinen liegen fast alle großen Erzvorräte der Welt, auch in der Pilbara.
C1-Kosten
Die C1-Kosten sind die direkten Betriebskosten einer Mine je Tonne für Abbau, Aufbereitung, Transport zum Hafen und Verladung. Fracht, Förderabgaben, Abschreibungen und Zinsen sind nicht enthalten. Die Konzerne grenzen die Kennzahl unterschiedlich ab, Vergleiche bleiben deshalb ungenau.
CFR
CFR steht für „Kosten und Fracht“ und bezeichnet einen Preis einschließlich Seefracht bis zum Zielhafen. Der wichtigste Erzindex IODEX misst Erz frei chinesischem Hafen. Für den Käufer ist CFR der Preis, mit dem er rechnet.
Direktreduktion
Die Direktreduktion entzieht dem Erz den Sauerstoff mit Gas statt mit Koks, ohne das Eisen zu schmelzen. Heraus kommt Eisenschwamm, den ein Elektroofen zu Stahl weiterverarbeitet. Läuft die Anlage mit Wasserstoff, fällt Wasserdampf statt Kohlendioxid an.
Eisenschwamm
Eisenschwamm ist poröses, festes Eisen aus der Direktreduktion. Gepresst heißt das Material heiß brikettiertes Eisen und lässt sich so besser lagern und verschiffen. Elektroöfen setzen Eisenschwamm zu, wenn Schrott allein zu verunreinigt wäre.
Elektrolichtbogenofen
Der Elektrolichtbogenofen schmilzt Schrott oder Eisenschwamm mit Strom zwischen Graphitelektroden. Weltweit entstanden 2025 rund 30 Prozent des Rohstahls in solchen Öfen. Das Verfahren braucht viel Strom und kommt mit deutlich weniger Erz aus als der Hochofen, solange genug Schrott vorhanden ist.
FOB
FOB steht für „frei an Bord“ und bezeichnet einen Preis ab Verladehafen, ohne Seefracht. BHP und Rio Tinto weisen ihre erzielten Preise für Pilbara-Erz auf dieser Basis aus. Ein Vergleich mit CFR-Preisen gelingt nur, wenn die Fracht hinzugerechnet wird.
Förderabgabe
Die Förderabgabe ist eine Zahlung an den Staat für jede geförderte Tonne, meist als Prozentsatz des Verkaufswerts. Westaustralien verlangt für Hämatiterz 7,5 Prozent. Im Finanzjahr 2024/25 brachte die Abgabe auf Eisenerz dort rund 5,3 Milliarden Euro.
Hämatit
Hämatit ist ein Eisenoxid mit der Formel Fe₂O₃ und rein knapp 70 Prozent Eisen. Das Mineral färbt das Gestein rotbraun und ist der wichtigste Erzbestandteil in der Pilbara und in Carajás. Sein Name geht auf das griechische Wort für Blut zurück.
Magnetit
Magnetit ist ein magnetisches Eisenoxid mit 72,4 Prozent Eisen, dem höchsten Gehalt aller Erzminerale. Gefördert wird Magnetit etwa in Kiruna in Schweden. Magnetiterz muss meist fein gemahlen und aufbereitet werden, liefert dann aber besonders reines Konzentrat.
Pellets
Pellets sind gebrannte Kugeln aus fein gemahlenem Erzkonzentrat. Die Kugeln sind hart und gleichmäßig und eignen sich gut für Hochofen und Direktreduktion. LKAB liefert 87 Prozent seines Erzes als Pellets.
Sintern
Beim Sintern backen Hütten feines Erz bei hoher Hitze zu porösen Brocken zusammen. Erst in dieser Form lässt sich Feinerz im Hochofen einsetzen, das lose Pulver eignet sich dafür nicht. Sinteranlagen stehen deshalb meist direkt neben den Hochöfen eines Hüttenwerks.
Thomas-Verfahren
Das Thomas-Verfahren entfernt Phosphor aus dem Roheisen, indem der Konverter mit basischem Material ausgekleidet wird. Sidney Gilchrist Thomas ließ das Verfahren 1877 patentieren. Erst damit wurde die phosphorreiche Minette aus Lothringen für die Stahlherstellung brauchbar.
FAQ: Eisenerz: Wer setzt den Preis, Pilbara oder Peking?

Woher bezieht Deutschland sein Eisenerz?
Deutschland bezog 2025 sein Eisenerz vor allem aus Kanada, Südafrika, Brasilien und Schweden. Von 32,6 Millionen Tonnen kamen 11,2 Millionen aus Kanada, 7,4 aus Südafrika, 6,2 aus Brasilien und 5,0 aus Schweden. Australien, das größte Förderland, taucht unter den wichtigen Lieferländern nicht auf.
Wird in Deutschland noch Eisenerz abgebaut?
Für die Stahlherstellung nicht mehr. Die letzte Grube, die Hütten belieferte, schloss 1987 in Auerbach in der Oberpfalz. In Porta Westfalica fördert ein Betrieb bis heute Eisenerz, verkauft das Erz aber als farbigen Zuschlag für Beton.
Warum ist der Eisenerzpreis gesunken?
Der Preis sank, weil Chinas Stahlnachfrage schwächelt und neues Erz aus der Lagerstätte Simandou in Guinea auf den Markt kommt. Am 15. Oktober 2026 fiel der Terminkontrakt in Singapur auf den tiefsten Stand seit September 2024. Sinkende Frachtraten verstärkten den Druck.
Wie lange reichen die Eisenerzvorräte der Welt?
Rechnerisch reichen die bekannten Reserven von rund 200 Milliarden Tonnen bei heutiger Förderung etwa 77 Jahre. Die geschätzten Ressourcen liegen mit über 900 Milliarden Tonnen Erz deutlich höher. Knapp ist nicht das Erz an sich, sondern sehr reines Erz für die Direktreduktion.
Was ist der Unterschied zwischen Eisenerz und Eisen?
Eisenerz ist Gestein, das Eisen chemisch gebunden an Sauerstoff enthält, meist als Hämatit oder Magnetit. Eisen ist das Metall, das ein Hochofen oder eine Direktreduktionsanlage daraus gewinnt. Für eine Tonne Stahl braucht ein Hochofenwerk rund 1,37 Tonnen Erz.
Welches Land fördert das meiste Eisenerz?
Australien fördert mit Abstand das meiste Eisenerz, 2025 laut US-Behörde USGS rund 980 Millionen Tonnen. Dahinter folgen Brasilien mit 420, Indien mit 310 und China mit 290 Millionen Tonnen. Beim Seehandel stellt Australien 55 Prozent der Ausfuhren.
Quellen
108 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 26.10.2026
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