Rund 280 Beschäftigte in Gronau an der Leine bekommen einen neuen Eigentümer: Die Schweizer Tillotts Pharma kauft der Aenova-Gruppe das Werk ab, das seit Jahren einen großen Teil des Tillotts-Medikaments Asacol herstellt. Die Tochter des japanischen Zeria-Konzerns will in den nächsten Jahren 23 Millionen Euro investieren, der Umsatz des Werks war zuletzt auf 41 Millionen Euro gefallen.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenDen Kaufvertrag unterschrieb Tillotts am vergangenen Freitag, öffentlich wurde der Kauf am Montagvormittag.[1] Am selben Tag meldete die Muttergesellschaft Zeria das Geschäft an der Börse Tokio und nannte den Verkäufer: die Aenova Holding aus Starnberg, einen Auftragshersteller für Arzneimittel.[2] Den Kaufpreis halten beide Seiten geheim.
Das Wichtigste in Kürze
- Tillotts übernimmt alle Anteile an der Haupt Pharma Wülfing GmbH, die Behörden müssen noch zustimmen.
- Zeria plant den Vollzug für Januar 2027 oder später.
- Die rund 280 Beschäftigten kommen zu einer Gruppe, die 370 Menschen zählt.
- Zusagen zu Arbeitsplätzen hat Tillotts bisher nicht veröffentlicht.
Warum kauft Tillotts seinen eigenen Lieferanten?

Das Gronauer Werk stellt einen wesentlichen Teil von Asacol her, dem wichtigsten Produkt von Tillotts.[2] Tillotts verkauft das Mesalazin-Präparat gegen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen in rund 65 Ländern. Bisher fertigte Aenova die Tabletten im Auftrag.
Nach dem Kauf will Tillotts Kapazität, Planung und Qualität selbst steuern.[1] „Verlässlichkeit ist für uns entscheidend“, sagt Tillotts-Chef Thomas A. Tóth von Kiskér. Hängt ein Kernprodukt an einem fremden Werk, entscheidet dessen Eigentümer nach eigenen Renditezielen über Auslastung und Investitionen.
Was hat Aenova in Gronau zuletzt entschieden?
Im Jahr 2023 schloss Aenova in Gronau die Sterilfertigung. Von damals rund 440 Beschäftigten sollten 224 gehen, mit dem Sozialplan blieben 114 Stellen erhalten, 110 Menschen wurden entlassen.[3] Aenovas Investoren hätten „klare gewinnorientierende Vorstellungen“, sagte damals Jeannette Chiarlitti, Bezirksleiterin der IGBCE Südniedersachsen. Übrig blieb die Fertigung von Tabletten, Granulaten und anderen festen Arzneiformen, also der Teil, den Tillotts braucht.
Auch der Umsatz sank: Die Haupt Pharma Wülfing GmbH setzte 2023 noch 51,0 Millionen Euro um, 2025 nur 41,1 Millionen Euro. Gewinnzahlen veröffentlicht Zeria nicht, weil die Beträge unter der Meldeschwelle der Börse Tokio liegen.[2]
Was bedeutet der Kauf für den Pharmastandort?
Bis zum Wechsel vergehen noch Monate, denn vor dem Vollzug müssen die Behörden zustimmen.[2] Die 23 Millionen Euro will Tillotts über mehrere Jahre in Modernisierung, Qualität und Effizienz stecken.[1] Einen Zeitplan dafür nennt das Unternehmen nicht, Betriebsrat und IGBCE haben sich zum Verkauf bisher nicht geäußert.
Tillotts kauft in Gronau vor allem Sicherheit für Asacol. Für die rund 280 Beschäftigten ist ein Eigentümer, der das Werk selbst braucht, die bessere Nachricht als ein Investor mit Renditeplan.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zuletzt handelten Pharmameldungen aus Deutschland oft von Schließungen und Rückzügen. BioNTech schließt sein Tübinger Werk trotz eines Kaufangebots, Sachsen sucht für das GSK-Impfstoffwerk in Dresden einen Investor. Roche setzt neue Investitionen in Deutschland aus. In Gronau kauft dagegen ein Kunde sein Lieferwerk.
Für Mittelständler, die ein Kernprodukt bei einem einzigen Lohnhersteller fertigen lassen, zeigt der Fall eine Option neben Zweitlieferant und Lagerhaltung: den Kauf des Werks. Prüfen Sie gerne Ihre Lieferverträge: Was gilt, falls Ihr Auftragsfertiger verkauft wird oder eine Fertigung schließt?
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Tillotts PharmaTillotts stärkt pharmazeutische Produktionsbasis mit geplanter Übernahme in Gronau
- Zeria PharmaceuticalNotice Concerning Acquisition of Equity Interests of Haupt Pharma Wülfling GmbH (Making It a Sub-subsidiary) by a Consolidated Subsidiary (Mitteilung an die Börse Tokio, 26.10.2026, PDF)
- IGBCE110 Beschäftigte von Teilschließung betroffen
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