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Mittags rollt der Lkw mit Ihrer Ware auf den Hof, in der Kantine gibt der Koch das Tagesgericht aus, nachts schient die Ärztin in der Notaufnahme Ihr gebrochenes Handgelenk. Nach dem Pass fragt keiner. Laut Bundesagentur für Arbeit hatte im Juni 2025 jeder dritte Lkw-Fahrer und mehr als jeder dritte Koch keinen deutschen Pass, Ende 2025 laut Bundesärztekammer jeder sechste Arzt.

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Ende 2025 lebten 12,4 Millionen Menschen ohne deutschen Pass in Deutschland, knapp 15 Prozent der Bevölkerung. Unser Szenario lässt diese Menschen über Nacht verschwinden und prüft mit amtlichen Zahlen, welche Betriebe am ersten Morgen stillstehen, welche Kassen im ersten Jahr leerer werden und wer davon profitiert. Außerdem zeigen wir, was Fälle aus den USA und Großbritannien über solche Lücken lehren und was Ihr Betrieb daraus ableiten kann.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Juni 2025 hatten 5,84 Millionen der 34,9 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten keinen deutschen Pass, 16,7 Prozent.
  • Am größten wäre die Lücke in Reinigung (47,5 Prozent), Lebensmittelherstellung (43,7 Prozent), Gastgewerbe (36,3 Prozent) und Bau (33,6 Prozent), dazu fehlten jede fünfte Pflegekraft und jeder sechste Arzt.
  • Von 2015 bis 2025 entfielen fast drei Viertel des Beschäftigungszuwachses auf Ausländer, im Güterverkehr sank die Zahl deutscher Lkw-Fahrer um rund 126.000.
  • Entlastet würden Wohnungsmarkt und Grundsicherung, belastet Pflege, Kliniken und Rentenversicherung: Ausländer stellen 21,4 Prozent der aktiv Rentenversicherten und 45,8 Prozent der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten.
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1 Welcher Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hatte im Juni 2025 keinen deutschen Pass? Aufklappen ↓
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Richtig: B. 5,84 Millionen von 34,9 Millionen Beschäftigten hatten einen ausländischen Pass. 2015 lag der Anteil bei 9,2 Prozent.
2 In welcher Berufsgruppe ist der Anteil der Beschäftigten ohne deutschen Pass am höchsten? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. In Reinigungsberufen haben 47,5 Prozent der Beschäftigten keinen deutschen Pass, in der Pflege 20 Prozent, im Hoch- und Tiefbau 33,6 Prozent.
3 Um wie viele ist die Zahl deutscher Lkw-Fahrer im Güterverkehr von 2015 bis 2025 gesunken? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. Die Zahl deutscher Fahrer sank auf 358.000, die der ausländischen stieg um 109.000 auf 176.000.
4 Wie viele Pflegekräfte mit ausländischem Pass arbeiteten 2025 in Deutschland? Aufklappen ↓
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Richtig: B. 353.000 von rund 1,8 Millionen Pflegekräften hatten einen ausländischen Pass. Seit 2022 wächst die Pflege nur noch durch Ausländerinnen und Ausländer.
5 Wo spielte eine Supermarkt-Filiale 2017 das Gedankenexperiment mit leeren Regalen durch? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Eine Edeka-Filiale in der HafenCity räumte die Importware aus den Regalen. Laut taz diente die Aktion als Drehort für ein Werbevideo.

Wie viele Menschen fehlten im Szenario?

Wandstechuhr, Notiz „Außer Betrieb“ und Metall-Prospekthalter mit orangefarbener Karte an weißer Wand
Ende 2025: 12,4 Millionen Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit in Deutschland, etwa 15 Prozent der Bevölkerung. 5,84 Millionen Ausländer sozialversicherungspflichtig beschäftigt

Ende 2025 lebten in Deutschland 12,4 Millionen Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit, knapp 15 Prozent der 83,5 Millionen Einwohner. Im Juni 2025 hatten 5,84 Millionen Ausländerinnen und Ausländer einen sozialversicherungspflichtigen Job, 16,7 Prozent aller Beschäftigten.

Die erste Zahl stammt aus der Bevölkerungsfortschreibung des Statistischen Bundesamts, die zweite aus der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Das Ausländerzentralregister, eine zweite amtliche Quelle, führt zum Jahresende 14,07 Millionen Personen. Für das Szenario rechnen wir mit der kleineren Zahl, damit die Lücke nicht größer erscheint, als sie ist.

Ausländer heißt in der Statistik schlicht: kein deutscher Pass.

Eingebürgerte zählen als Deutsche, ebenso Kinder eingewanderter Eltern, die mit der Geburt Deutsche wurden. Wie viele Menschen eine Einwanderungsgeschichte haben und warum die Bundesrepublik ab 1955 selbst Arbeitskräfte anwarb, beschreibt unsere Geschichte der Einwanderung nach Deutschland. Dieser Beitrag bleibt beim Pass, weil die Arbeitsmarktstatistik nur ihn kennt.

Laut Ausländerstatistik sind die Ausländerinnen und Ausländer im Schnitt 38,2 Jahre alt und leben seit 14,8 Jahren im Land. Rund 1,7 Millionen sind in Deutschland geboren, 5,0 Millionen besitzen den Pass eines anderen EU-Staats.

Ganz neu ist das Gedankenexperiment nicht. Im August 2017 räumte eine Edeka-Filiale in der Hamburger HafenCity die Importware aus ihren Regalen und stellte Schilder auf: „So leer ist ein Regal ohne Ausländer“. Nach Recherchen der taz war die Aktion abgesprochen und diente als Drehort für ein Werbevideo nach einem Konzept der Agentur Jung von Matt.

Unser Szenario nimmt sich statt der Waren die Menschen vor, die diese Waren herstellen, ausliefern und einräumen.

Die Annahmen des Szenarios

Ein Szenario ist keine Prognose. Gerechnet wird hier nicht mit einem Konjunkturmodell, sondern mit den amtlichen Anteilen je Beruf, die Bundesagentur für Arbeit, Bundesärztekammer und Statistisches Bundesamt veröffentlichen. Vier Annahmen gelten:

  • Über Nacht fehlen alle Menschen ohne deutschen Pass, die in Deutschland leben und arbeiten.
  • Alle Deutschen bleiben, arbeiten so viel wie bisher und wechseln nur langsam den Beruf.
  • Niemand wandert nach, weder aus der EU noch aus anderen Staaten.
  • Maschinen, Lieferanten und Kapital bleiben an ihrem Platz.

Die Untergrenze der Lücke bilden die 5,84 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Selbstständige, Minijobber und Saisonkräfte ohne deutschen Pass kämen hinzu, die tatsächliche Lücke wäre also größer.

Das Szenario auf einen Blick
Über Nacht fehlen alle Menschen ohne deutschen Pass: welche Menschen das wären und was wann stillstünde.
12,4 Mio.
Einwohner ohne deutschen Pass Ende 2025, knapp 15 Prozent der Bevölkerung
5,84 Mio.
sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, 16,7 Prozent aller Jobs
38,2 Jahre
Durchschnittsalter der Ausländerinnen und Ausländer
14,8 Jahre
durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Deutschland
Tag 1
Pflege, Klinik, Küche
Jede fünfte Pflegekraft, jeder sechste Arzt und mehr als jeder dritte Koch fehlen.
Woche 1
Lieferketten
Jeder dritte Lkw-Fahrer fehlt, Frischware erreicht die Regale nicht mehr.
Monat 1
Bau, Gastgewerbe, Zeitarbeit
Kolonnen fehlen, deutsche Planer, Disponenten und Kellner verlieren ihre Arbeit.
Jahr 1
Sozialkassen und Wohnungsmarkt
Jeder fünfte aktiv Rentenversicherte fehlt, die Grundsicherung verliert fast die Hälfte ihrer Bezieher.
bis 2060
Demografie
Ohne Zuwanderung schrumpft das Arbeitskräfteangebot um ein Drittel.

Szenario, keine Prognose: Gerechnet wird mit amtlichen Anteilen je Beruf. Deutsche bleiben, niemand wandert nach.

Was steht am ersten Morgen still?

Dienstplan-Tabelle mit vier Notizzetteln „UNBESETZT“ an Pinnwand und kleinem Rettungsring daneben
Am ersten Morgen fehlten jede fünfte Pflegekraft, jeder sechste Arzt und jeder dritte Lkw-Fahrer.

Am ersten Morgen fehlten jede fünfte Pflegekraft, jeder sechste Arzt, jeder dritte Lkw-Fahrer und fast jede zweite Reinigungskraft. Kliniken und Heime müssten Stationen zusammenlegen, Großküchen und Schlachthöfe blieben kalt, auf vielen Baustellen stünde der Kran still.

In der Pflege arbeiteten im Juni 2025 rund 1,8 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig, 353.000 davon mit ausländischem Pass. 2015 lag der Ausländeranteil bei 7 Prozent, 2025 bei 20 Prozent. Seit 2022 wächst die Zahl der Pflegekräfte laut Bundesagentur für Arbeit nur noch durch Ausländer: 2025 kamen 46.000 ausländische Pflegekräfte hinzu, die Zahl der deutschen sank um 5.000.

Einem Heim mit 100 Pflegekräften fehlten im Schnitt 20, ohne Vorwarnung und ohne Ersatz.

Ende 2025 arbeiteten in Deutschland 71.480 Ärztinnen und Ärzte ohne deutschen Pass, 16 Prozent der rund 446.000 berufstätigen Mediziner. Die Bundesärztekammer nennt Syrien mit 7.959 Ärzten als häufigstes Herkunftsland, gefolgt von Rumänien und der Türkei. Die meisten dieser Mediziner arbeiten im Krankenhaus.

Gleich danach fiele die Reinigung aus. In den Reinigungsberufen haben 47,5 Prozent der Beschäftigten keinen deutschen Pass, so viele wie in keiner anderen Berufsgruppe. Das zeigt eine Auswertung der Bertelsmann Stiftung auf Basis der Daten der Bundesagentur für Arbeit vom September 2025. Gereinigt werden Krankenhäuser, Büros, Schulen und Bahnhöfe, oft von Dienstleistern, die der Auftraggeber nur von der Rechnung kennt.

BerufsgruppeAnteil ohne deutschen PassStand
Reinigungsberufe47,5 ProzentSeptember 2025
Lebensmittelherstellung und -verarbeitung43,7 ProzentSeptember 2025
Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe36,3 ProzentSeptember 2025
Köche (Fachkräfte)35,4 ProzentJuni 2025
Hoch- und Tiefbau33,6 ProzentSeptember 2025
Lkw-Fahrer im Güterverkehr32,9 ProzentJuni 2025
Verkehr und Logistik31,0 ProzentSeptember 2025
Land-, Tier- und Forstwirtschaft27,6 ProzentSeptember 2025
Pflegeberufe20 Prozent2025
Alle Beschäftigten16,7 ProzentJuni 2025
Ärztinnen und Ärzte16 ProzentEnde 2025
Erziehung, Soziales, Hauswirtschaft9,5 ProzentSeptember 2025
Finanzdienstleistung, Rechnungswesen, Steuerberatung6,5 ProzentSeptember 2025
Recht und Verwaltung3,8 ProzentSeptember 2025
Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ohne deutsche Staatsangehörigkeit, bei Ärzten der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte. Quellen: Bertelsmann Stiftung nach Daten der Bundesagentur für Arbeit; Bundesregierung, Drucksache 21/7546; Bundesagentur für Arbeit, Pflegebericht 2026; Bundesärztekammer.

In der Lebensmittelherstellung und -verarbeitung liegt der Anteil bei 43,7 Prozent, dazu zählen Köche und die Berufe in der Fleischverarbeitung. Unter den ausgebildeten Köchen hatten im Juni 2025 laut Bundesregierung 35,4 Prozent einen ausländischen Pass, 2015 lag der Anteil bei 20,3 Prozent. Kantinen, Krankenhausküchen und Restaurants würden am ersten Tag improvisieren, am dritten Tag schließen.

Im Güterverkehr fehlte jeder dritte Fahrer. Von 534.216 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Lkw-Fahrern hatten im Juni 2025 genau 176.021 keinen deutschen Pass, 32,9 Prozent. Auch der Transit fiele aus: rund die Hälfte der mautpflichtigen Lkw-Fahrleistung auf deutschen Straßen erbringen laut Bundesamt für Logistik und Mobilität Fahrzeuge aus dem Ausland. Deren Fahrer stehen in keiner deutschen Beschäftigtenstatistik.

Das Edeka-Regal aus der HafenCity stünde damit doch leer, nur ein paar Tage später.

Auf dem Bau fehlte jeder dritte Arbeiter: 33,6 Prozent im Hoch- und Tiefbau, 29,4 Prozent im Innenausbau, vor allem bei Bodenlegern und im Trockenbau. In der Zeitarbeit hat mehr als die Hälfte der 563.000 Leiharbeitnehmer einen ausländischen Pass, insgesamt 291.000. Gerade die Branchen, die kurzfristig Personal ausleihen, verlören also ihre Reserve.

In der Landwirtschaft hat mehr als jeder vierte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte einen ausländischen Pass, 27,6 Prozent. Von Januar bis September 2025 begannen in der Branche laut Bundesregierung rund 197.000 kurzfristige Beschäftigungen, 151.000 davon mit Ausländern.

Auf den Punkt
  • Pflege und Klinik: 20 Prozent der Pflegekräfte und 16 Prozent der Ärzte ohne deutschen Pass
  • Reinigung und Küche: 47,5 Prozent in Reinigungsberufen, 35,4 Prozent unter Köchen
  • Transport und Bau: 32,9 Prozent der Lkw-Fahrer, 33,6 Prozent im Hoch- und Tiefbau

Was passiert nach einem Monat?

Ein oranger Dominostein mit dem Text „FAHRER“ fällt und stürzt eine Reihe weißer Dominosteine um
Fast drei Viertel aller Jobs, die seit 2015 hinzukamen, haben Ausländerinnen und Ausländer besetzt.

Nach einem Monat träfe die Lücke auch die Deutschen. Ohne Fahrer stünde das Lager, ohne Koch der Service, ohne Trockenbauer der Elektriker. Zugleich fehlten 12,4 Millionen Kunden, Mieter und Beitragszahler.

Viele deutsche Arbeitsplätze hängen an Tätigkeiten, die zu großen Teilen Ausländer erledigen. Ein Disponent ohne Fahrer, eine Restaurantleiterin ohne Küche und ein Bauleiter ohne Kolonne hätten nach wenigen Tagen nichts mehr zu tun. In Bauplanung und Architektur liegt der Ausländeranteil bei 10,3 Prozent, im Hoch- und Tiefbau bei 33,6 Prozent: Die Planer blieben, die Kolonnen nicht.

Besonders schwer wöge der Ausfall in den Engpassberufen, für die Betriebe schon heute kaum Bewerber finden. Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage arbeiteten dort im Juni 2025 rund 8,8 Millionen Menschen, 1,29 Millionen davon mit ausländischem Pass. Der Anteil hat sich seit 2015 von 7,6 auf 14,6 Prozent fast verdoppelt.

Das Beschäftigungswachstum der vergangenen zehn Jahre stammt zum größten Teil von Ausländern. Von Juni 2015 bis Juni 2025 stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 4,11 Millionen, davon entfielen 2,99 Millionen auf Ausländerinnen und Ausländer, nach Berechnung von Dr. Web fast drei Viertel. Im Jahr bis März 2026 sank die Zahl deutscher Beschäftigter um 269.000, die der ausländischen stieg um 194.000.

Im Güterverkehr lässt sich dieser Austausch Jahr für Jahr ablesen. Von 2015 bis 2025 sank die Zahl deutscher Lkw-Fahrer um rund 126.000 auf 358.000, die der ausländischen stieg um 109.000 auf 176.000.

Im Szenario fehlten den Speditionen über Nacht alle 176.000.

Gleichzeitig fehlte Nachfrage. 12,4 Millionen Menschen weniger kaufen keine Lebensmittel, mieten keine Wohnung und schließen keinen Handyvertrag ab.

Auch Arbeitgeber fielen weg. Laut KfW-Gründungsmonitor 2026 hatten 23 Prozent der Gründerinnen und Gründer des Jahres 2025 eine ausländische Staatsangehörigkeit, 11 Prozent die eines EU-Staats und 12 Prozent die eines anderen Landes. In der Vergleichsbevölkerung des Gründungsmonitors liegt der Anteil bei 18 Prozent, Ausländer gründen also überdurchschnittlich oft.

Auf den Punkt

Fast drei Viertel aller neuen Jobs seit 2015 haben Ausländer besetzt. Fielen diese Beschäftigten weg, verlören auch Disponenten, Bauleiter und Restaurantchefs ihre Arbeit.

Wer gewinnt, wer zahlt?

Waage mit Schlüssel (Zuhause) links und Dienstplan-Stapel mit Notiz (gestrichen) rechts
Entlastet würden Wohnungsmarkt und Grundsicherung, belastet Pflege, Kliniken, Sozialkassen und Betriebe.

Kurzfristig gewännen Wohnungssuchende, die Grundsicherung und deutsche Arbeitsuchende in Engpassberufen. Zahlen müssten Pflegebedürftige, Patienten, die Rentenversicherung und fast jeder Betrieb, der auf Fahrer, Köche oder Reinigungskräfte angewiesen ist.

Die Gewinner

Am deutlichsten spürbar wäre die Entlastung auf dem Wohnungsmarkt. 12,4 Millionen Einwohner weniger bedeuten rechnerisch knapp 15 Prozent weniger Menschen, die eine Wohnung brauchen. Wie stark die Mieten auf einen solchen Schock reagierten, hat niemand berechnet, die Richtung aber folgt aus jeder Rechnung mit Angebot und Nachfrage.

Die Grundsicherung verlöre fast die Hälfte ihrer Bezieher.

Im Juni 2026 hatten laut Migrationsmonitor der Bundesagentur für Arbeit 1,74 Millionen der 3,79 Millionen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten keinen deutschen Pass, 45,8 Prozent. Die Hilfequote nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch lag bei Ausländern bei 18,7 Prozent, bei Deutschen bei 5,2 Prozent.

Auch deutsche Arbeitslose hätten bessere Karten. Ihre Arbeitslosenquote lag im Juli 2026 bei 6,1 Prozent, und in Pflege, Küche und Fahrerkabine stünden plötzlich Millionen Stellen offen. Ob dabei auch die Löhne stiegen, ist unter Ökonomen umstritten.

Gewinner und Zahler des Szenarios
Wen der Wegfall aller Menschen ohne deutschen Pass entlasten und wen er belasten würde.
Gewinner
−15 %
Einwohner, die eine Wohnung brauchen: Druck auf die Mieten sinkt
45,8 %
der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in der Grundsicherung fielen weg
6,1 %
Arbeitslosenquote der Deutschen: Ihre Chancen in Engpassberufen stiegen
Zahler
5,7 Mio.
Pflegebedürftige, denen jede fünfte Pflegekraft fehlte
21,4 %
der aktiv Rentenversicherten haben keinen deutschen Pass
23 %
der Gründerinnen und Gründer 2025 haben einen ausländischen Pass

Einwohner Ende 2025, Grundsicherung Juni 2026, Arbeitslosenquote Juli 2026, Pflegebedürftige Ende 2023, Rentenversicherung Ende 2024 (Anteil von Dr. Web berechnet), Gründungen 2025.

Die Zahler

Ende 2023 zählte das Statistische Bundesamt 5,7 Millionen Pflegebedürftige, 800.000 davon in Heimen und 1,1 Millionen zu Hause mit Hilfe ambulanter Dienste. Fehlte jede fünfte Pflegekraft, übernähmen Angehörige die Pflege und fielen im eigenen Job aus.

Die Rentenversicherung verlöre jeden fünften aktiv Versicherten. Ende 2024 hatten laut Deutscher Rentenversicherung 8,61 Millionen der 40,14 Millionen aktiv Versicherten eine ausländische Staatsangehörigkeit, 21,4 Prozent; 7,26 Millionen davon zahlten Beiträge.

Die laufenden Renten blieben im Szenario fällig, die Beiträge dafür nicht.

Wie viel ein Ausländer dem Staat insgesamt bringt, hängt an der Methode. Holger Bonin vom ZEW berechnete 2014 für die Bertelsmann Stiftung, dass die damals 6,6 Millionen Ausländer 2012 rund 22 Milliarden Euro mehr an Steuern und Abgaben zahlten, als sie an individuellen Leistungen erhielten, 3.300 Euro je Kopf. Dieselbe Studie kommt in der Generationenbilanz, die auch Ausgaben für Verteidigung oder Straßen anteilig zurechnet, über das ganze Leben auf ein Defizit von 79.100 Euro je Ausländer.

Für die Zukunft rechnen Ökonomen ebenfalls gegensätzlich. Die Freiburger Forscher um Bernd Raffelhüschen kommen in der Generationenbilanz 2023 der ordnungsliberalen Stiftung Marktwirtschaft zu dem Ergebnis, dass künftige Zuwanderung die Nachhaltigkeitslücke des Staates von 447,8 auf 497,1 Prozent der Wirtschaftsleistung vergrößert. Der Bochumer Ökonom Martin Werding rechnet für den Mediendienst Integration mit Wachstumseffekten das Gegenteil vor: 200.000 zusätzliche Zuwanderer im Jahr senkten die Finanzierungslücke um rund 104 Milliarden Euro jährlich.

Für das Szenario entscheidet der Saldo wenig. Über Nacht fielen Einnahmen und Ausgaben zugleich weg, die Pflegebetten, Baustellen und Lkw aber blieben.

Auf den Punkt
  • Gewinner: Wohnungssuchende, Grundsicherung, deutsche Arbeitsuchende in Engpassberufen
  • Zahler: Pflegebedürftige und Angehörige, Patienten, Rentenversicherung, Betriebe
  • Staatshaushalt: je nach Methode Überschuss von 3.300 Euro oder Defizit von 79.100 Euro je Ausländer

Ohne Ausländer liefe die Verwaltung fast normal weiter, die Pflege verlöre dagegen 20 Prozent ihrer Kräfte.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was zeigen echte Fälle aus den USA und Großbritannien?

Weißes Lkw-Modell mit offenem Fahrerhaus und Schild „Fahrer gesucht“ vor weißem Hintergrund
Im Herbst 2021 bot Großbritannien 5.000 befristete Visa für ausländische Lkw-Fahrer an.

Die Fälle zeigen kein einheitliches Bild. Als die USA 1964 fast eine halbe Million mexikanischer Saisonarbeiter ausschlossen, stiegen die Löhne einheimischer Landarbeiter nicht messbar. Als die Behörden ab 2008 schärfer gegen Einwanderer ohne Papiere vorgingen, sanken sogar Beschäftigung und Löhne von US-Bürgern.

Michael Clemens, Ethan Lewis und Hannah Postel haben 2018 im American Economic Review untersucht, was nach dem Ende des Bracero-Programms geschah, über das US-Farmen mexikanische Saisonarbeiter angeworben hatten. Einen Lohn- oder Beschäftigungseffekt für einheimische Landarbeiter konnten die Forscher nicht nachweisen. Die Farmen setzten stattdessen auf arbeitssparende Technik und bauten andere Feldfrüchte an.

Ein zweites natürliches Experiment liefert das Programm Secure Communities, unter dem die US-Behörden von 2008 bis 2015 mehr als 454.000 Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus außer Landes brachten. Chloe East und vier Koautoren zeigten 2023 im Journal of Labor Economics, dass dabei auch US-Bürger Arbeit und Lohn verloren. Sank der Anteil der Männer, die vermutlich ohne gültigen Status arbeiteten, an allen Beschäftigten um 1 Prozent, fiel die Beschäftigungsquote männlicher US-Bürger um 0,12 Prozent. Als Gründe nennen die Autoren höhere Arbeitskosten und weniger Konsum vor Ort.

Die Gegenposition vertritt der Harvard-Ökonom George Borjas.

Borjas hat die Mariel-Bootskrise von 1980 neu ausgewertet, als binnen weniger Monate Kubaner in großer Zahl nach Miami kamen. Mindestens 60 Prozent der Neuankömmlinge hatten keinen Schulabschluss. In Miami sanken danach die Löhne von Arbeitern ohne Schulabschluss um 10 bis 30 Prozent. Andere Ökonomen bestreiten diese Neuauswertung, die Debatte läuft seit Jahren. Umgekehrt gelesen spräche Borjas’ Befund dafür, dass Geringqualifizierte vom Wegfall der Konkurrenz profitieren.

FallWas sich änderteBefund
USA, Ende des Bracero-Programms 1964fast eine halbe Million mexikanischer Saisonarbeiter durften nicht mehr kommenkein messbarer Lohn- oder Beschäftigungsgewinn für Einheimische, Farmen mechanisierten
USA, Secure Communities 2008 bis 2015mehr als 454.000 Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus außer Landes gebrachtauch Beschäftigung und Löhne von US-Bürgern sanken
USA, Mariel-Bootskrise 1980Zuzug aus Kuba nach Miami binnen weniger Monate (Zuzug, kein Wegfall)Löhne von Arbeitern ohne Schulabschluss in Miami 10 bis 30 Prozent niedriger, Befund umstritten
Großbritannien, Ende der Freizügigkeit 2021EU-Beschäftigte bis Ende 2024 13 Prozent unter dem HöchststandFahrermangel 2021, Gastgewerbe mit 37 Prozent weniger EU-Beschäftigten, 5.000 Notvisa
Natürliche Experimente zum Wegfall und Zuzug ausländischer Arbeitskräfte. Quellen: Clemens, Lewis, Postel (2018); East et al. (2023); Borjas (2017); Migration Observatory (2026); UK Government (2021).

Hinter den Befunden stehen zwei Schulen. Nach der Substitutionsthese konkurrieren Zuwanderer mit Einheimischen um dieselben Stellen, ihr Wegfall hebt die Löhne der Einheimischen. Nach der Komplementaritätsthese ergänzen Zuwanderer die Einheimischen, ihr Wegfall kostet auch einheimische Jobs. Bracero und Secure Communities stützen eher die zweite Sicht, Mariel die erste.

Europa hat seinen eigenen Fall. Seit dem Ende der Freizügigkeit zwischen Großbritannien und der EU sank die Zahl der EU-Bürger, die in Großbritannien als Arbeitnehmer beschäftigt sind, bis Ende 2024 auf 2,3 Millionen, 13 Prozent unter dem Höchststand vom November 2019. Im Gastgewerbe betrug der Rückgang laut Migration Observatory der Universität Oxford sogar 37 Prozent.

Im Herbst 2021 fehlten auf der Insel so viele Lkw-Fahrer, dass Tankstellen ohne Nachschub blieben. Der Branchenverband Road Haulage Association schätzte die Lücke auf rund 100.000 Fahrer, ein Teil davon bestand schon vor dem Austritt, ein anderer entstand, weil in der Pandemie weniger Fahrprüfungen stattfanden. Die Regierung bot im September 2021 befristet 5.000 Visa für ausländische Lkw-Fahrer an. Was der Austritt die Briten insgesamt gekostet hat, zeigt unsere Bilanz des Brexits.

Auf den Punkt

Wo Arbeitskräfte wegfielen, stiegen die Löhne der Einheimischen selten messbar. Häufiger stellten Betriebe auf Maschinen um oder verloren auch einheimische Jobs.

Wie lange bliebe die Lücke offen?

Weiße Sanduhr mit orangefarbenem Sand und einem Schild mit der Aufschrift „2060“
Ohne Zuwanderung sänke das Erwerbspersonenpotenzial bis 2060 von 47,4 auf 31,3 Millionen Menschen.

Jahrzehnte. Selbst ohne das Szenario schrumpft das Arbeitskräfteangebot in Deutschland, weil mehr Menschen in Rente gehen als nachkommen. Ohne jede Zuwanderung sänke das Erwerbspersonenpotenzial laut einer IAB-Projektion von 2021 bis 2060 von 47,4 auf 31,3 Millionen Menschen.

2025 starben in Deutschland 352.000 Menschen mehr, als geboren wurden. Die Nettozuwanderung von 235.000 Menschen glich dieses Geburtendefizit nur zum Teil aus, die Bevölkerung schrumpfte laut Statistischem Bundesamt um 110.000 auf 83,5 Millionen. Im Szenario käme der Wegfall von 12,4 Millionen Ausländern auf diese Entwicklung obendrauf.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat 2021 durchgerechnet, wie viel Zuwanderung das Angebot stabil hielte. Bei einem jährlichen Wanderungssaldo von 400.000 Menschen bliebe das Erwerbspersonenpotenzial bis 2035 etwa gleich und läge 2060 bei 47,9 Millionen. Ohne Wanderungen stünden 2060 noch 31,3 Millionen zur Verfügung, ein Drittel weniger als 2020.

Ausbildung schließt die Lücke nur langsam. Eine Pflegefachkraft lernt drei Jahre, für das Medizinstudium sieht die Approbationsordnung sechs Jahre und drei Monate vor. 2024/25 begannen laut Statistischem Bundesamt gut 59.000 Menschen eine Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann, so viele wie nie zuvor.

Ein Rechenbeispiel zeigt die Größenordnung. Angenommen, jeder einzelne Ausbildungsjahrgang ginge vollständig in die Lücke, ohne Abbrecher und ohne einen einzigen Renteneintritt auszugleichen: Für die 353.000 fehlenden Pflegekräfte bräuchte Deutschland dann sechs komplette Jahrgänge, und der erste stünde nach drei Jahren am Bett.

Zehn Jahre, die den Arbeitsmarkt verändert haben
Anteil der Beschäftigten ohne deutschen Pass im Jahr 2025, zum Vergleich 2015.
Lkw-Fahrer Güterverkehr
32,9 %
2015: 12,2 Prozent
Köche
35,4 %
2015: 20,3 Prozent
Pflegeberufe
20 %
2015: 7 Prozent
Alle Beschäftigten
16,7 %
2015: 9,2 Prozent
Engpassberufe
14,6 %
2015: 7,6 Prozent
+2,99 Mio.
ausländische Beschäftigte von 2015 bis 2025
−126.000
deutsche Lkw-Fahrer im selben Zeitraum
352.000
mehr Sterbefälle als Geburten im Jahr 2025

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte jeweils am 30. Juni, Pflegeberufe nach Abgrenzung des Pflegeberichts der Bundesagentur für Arbeit. Veränderungen 2015 bis 2025 von Dr. Web berechnet.

Der Mangel an Arbeitskräften gehört schon heute zu den Schwächen, die unsere Analyse zum Standort Deutschland neben Energiepreisen und Bürokratie beschreibt. Im Szenario rückte diese Schwäche über Nacht an die erste Stelle.

Auf den Punkt

Ohne Zuwanderung sänke das Arbeitskräfteangebot bis 2060 um ein Drittel. Selbst Rekordjahrgänge in der Pflegeausbildung bräuchten sechs Jahre für die Lücke.

Wo geht die Rechnung nicht auf?

Abakus mit orangefarbenen Perlen auf einer Reihe neben einem Zettel mit der Aufschrift „53,1 %“
Im Juli 2026 waren 53,1 Prozent der Ausländer im erwerbsfähigen Alter sozialversicherungspflichtig beschäftigt, bei Deutschen 64,2 Prozent.

Das Szenario überzeichnet in beide Richtungen. Ausländer stellen rund 17 Prozent der Beschäftigten, aber auch 45,8 Prozent der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in der Grundsicherung und 35,1 Prozent der Arbeitslosen. Beide Zahlen gehören in dieselbe Rechnung.

Im Juli 2026 lag die Beschäftigungsquote der Ausländer laut Bundesagentur für Arbeit bei 53,1 Prozent, die der Deutschen bei 64,2 Prozent. Die Arbeitslosenquote lag bei 14,2 gegenüber 6,1 Prozent.

Auch bei der Qualifikation klafft eine Lücke. 35,8 Prozent der ausländischen Beschäftigten arbeiten laut Bertelsmann Stiftung auf Helferniveau, unter Deutschen 12,2 Prozent, und ein Viertel hat keinen Berufsabschluss. Selbst Akademiker ohne deutschen Pass arbeiten zu 12,5 Prozent als Helfer, Deutsche mit Hochschulabschluss zu 2,7 Prozent.

Ausländer verdienen im Schnitt 19,6 Prozent weniger als Deutsche. Drei Viertel des Unterschieds erklären Branche, Position und Betrieb, ein Viertel entsteht durch ungleiche Bezahlung im selben Unternehmen und in derselben Position, so die Auswertung der Bertelsmann Stiftung.

Kritiker hoher Zuwanderung übersehen damit, dass die Lücke dort am größten wäre, wo Betriebe schon heute keine Bewerber finden: in Pflege, Küche und Fahrerkabine. Befürworter übersehen, dass ein großer Teil der Menschen, die schon hier sind, keine sozialversicherungspflichtige Arbeit hat oder unter seiner Qualifikation arbeitet.

Mehr Köpfe allein schließen keine Lücke, solange Anerkennung, Sprache und Arbeitsmarktzugang bremsen.

Die Statistik selbst verzerrt ebenfalls. Eingebürgerte zählen als Deutsche, gut integrierte Einwanderer verschwinden also aus der Ausländerstatistik, und die Bundesagentur weist darauf hin, dass ihre Arbeitslosenquoten für Ausländer neu berechnet werden und mit älteren Angaben nicht vergleichbar sind.

Auf den Punkt

Ausländer stellen rund 17 Prozent der Beschäftigten und 45,8 Prozent der Leistungsberechtigten. Die ungenutzte Arbeitskraft im Land ist die größte Reserve.

Was heißt das für Ihren Betrieb?

Klemmbrett mit Checkliste, Stift, Schnecke, Notiz mit „MACH ICH MORGEN“
Fünf Fragen klären, wie stark ein Betrieb von Beschäftigten ohne deutschen Pass abhängt.

Kein Betrieb verliert über Nacht seine ausländische Belegschaft. Viele hängen aber stärker an ihr, als die eigene Lohnliste zeigt: über Dienstleister für Reinigung, Logistik, Kantine und Zeitarbeit. Ein nüchterner Abhängigkeits-Check zeigt, an welcher Stelle Ihre Abläufe zuerst reißen würden.

Für die eigene Belegschaft ist der Überblick schnell gewonnen. Für Beschäftigte aus Staaten außerhalb der EU müssen Arbeitgeber nach § 4a Aufenthaltsgesetz für die Dauer der Beschäftigung eine Kopie des Aufenthaltstitels aufbewahren, die Ablaufdaten liegen also in der Personalakte. Lückenhaft wird das Bild bei allen, die nicht auf der eigenen Lohnliste stehen.

Fünf Fragen klären, wie abhängig ein Betrieb ist:

  1. Wie viele Beschäftigte je Abteilung und Schicht haben einen befristeten Aufenthaltstitel, und wann laufen die Titel ab?
  2. Welche Dienstleister für Reinigung, Transport, Kantine und Zeitarbeit sind für den laufenden Betrieb unverzichtbar, und wie besetzen diese Dienstleister ihre Teams?
  3. Welche Stellen sind seit mehr als drei Monaten offen, und in welchen davon bewerben sich überwiegend Menschen ohne deutschen Pass?
  4. Wie lange dauert im Betrieb die Einarbeitung einer neuen Kraft, bis sie allein eine Schicht übernimmt?
  5. Welche ausländischen Abschlüsse im Team sind noch nicht anerkannt, und wer kümmert sich um das Verfahren?

Für die letzte Frage stehen Werkzeuge bereit. Arbeitgeber können bei der Ausländerbehörde das beschleunigte Fachkräfteverfahren nach § 81a Aufenthaltsgesetz beantragen und so Anerkennung und Visum für eine neue Fachkraft selbst anstoßen. Für Staatsangehörige aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, dem Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien gilt die Westbalkanregelung, die der Gesetzgeber mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz entfristet hat.

Allein in der Pflege arbeiten über diese Regelung inzwischen 55.000 Beschäftigte, fünfmal so viele wie 2015.

Die eigentliche Reserve liegt allerdings im Inland. Ausländerinnen und Ausländer arbeiten in Deutschland seltener als Deutsche und häufiger unter ihrer Qualifikation, wie das vorige Kapitel zeigt. Betriebe, die Sprachkurse während der Arbeitszeit anbieten und Helfer zu Fachkräften weiterbilden, machen sich weniger abhängig von der nächsten Einwanderungswelle.

Auf den Punkt
  • Eigene Belegschaft: Aufenthaltstitel und Ablaufdaten aus der Personalakte auswerten
  • Dienstleister: Reinigung, Transport, Kantine und Zeitarbeit nach ihrer Besetzung fragen
  • Anerkennung: beschleunigtes Fachkräfteverfahren selbst beantragen
  • Inländische Reserve: Sprachkurse und Weiterbildung vom Helfer zur Fachkraft

Was folgt aus dem Gedankenexperiment?

Leeres, weißes Verkaufsregal mit einem orangen Aufsteller „Wird nachgefüllt“
Leere Regale lassen sich nachfüllen, eine Pflegestation lässt sich nicht nachbestellen.

Deutschland ginge ohne Ausländer nicht unter, liefe aber genau dort leer, wo Menschen mit den Händen arbeiten: am Pflegebett, in der Küche, am Steuer und auf dem Gerüst. Ämter, Banken und Kanzleien arbeiteten dagegen fast normal weiter.

Unsere Einordnung: Das Szenario widerlegt zwei bequeme Erzählungen zugleich. Die erste besagt, Deutschland käme ohne Zuwanderer besser zurecht; die Zahlen aus Pflege, Bau und Logistik zeigen das Gegenteil. Die zweite besagt, mehr Zuwanderung löse den Fachkräftemangel von selbst. Eine Beschäftigungsquote von 53,1 Prozent unter Ausländern, gegenüber 64,2 Prozent unter Deutschen, zeigt, wie viel Arbeitskraft schon im Land ist und ungenutzt bleibt.

Beide Befunde gehören in dieselbe Rechnung.

Über die Abhängigkeit entscheiden Regeln, nicht Gesinnungen: wie lange eine Anerkennung dauert, ob ein Sprachkurs neben der Schicht machbar ist, wie schnell ein Helfer zur Fachkraft aufsteigen kann. An diesen Stellschrauben drehen Gesetzgeber, Kammern und Betriebe, und an ihnen lässt sich messen, ob eine Maßnahme die Lücke tatsächlich verkleinert.

Die leeren Regale in der HafenCity ließen sich nach dem Dreh wieder füllen. Eine Pflegestation lässt sich nicht nachbestellen.

Glossar: 13 wichtige Fachbegriffe zum Szenario Deutschland ohne Ausländer

Geöffnetes Buch mit orangefarbener „Fleißpunkte-Karte“ darauf
Das Glossar erklärt die wichtigsten Begriffe von Arbeitnehmerüberlassung bis Westbalkanregelung.

Arbeitnehmerüberlassung

Arbeitnehmerüberlassung, umgangssprachlich Zeitarbeit, heißt das Verleihen von Beschäftigten an andere Betriebe. Der Verleiher bleibt Arbeitgeber, der Entleiher setzt die Leute ein. Mehr als die Hälfte der 563.000 Leiharbeitnehmer in Deutschland hat einen ausländischen Pass, gerade die kurzfristige Personalreserve vieler Betriebe hängt also an Ausländern.

Ausländerzentralregister

Ausländerzentralregister (AZR) heißt das Register des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, in dem die Ausländerbehörden alle Menschen ohne deutschen Pass mit Aufenthalt in Deutschland erfassen. Zum Jahresende 2025 führte das Register 14,07 Millionen Personen, mehr als die Bevölkerungsfortschreibung mit 12,4 Millionen.

Beschäftigungsquote

Beschäftigungsquote nennt die Bundesagentur für Arbeit den Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten an der Bevölkerung von 15 bis unter 65 Jahren. Im Juli 2026 lag die Quote bei Deutschen bei 64,2 Prozent, bei Ausländern bei 53,1 Prozent. Die Lücke zeigt, wie viel Arbeitskraft ungenutzt bleibt.

Beschleunigtes Fachkräfteverfahren

Beschleunigtes Fachkräfteverfahren heißt ein Verfahren nach § 81a Aufenthaltsgesetz, das ein Arbeitgeber mit Vollmacht der künftigen Fachkraft bei der zuständigen Ausländerbehörde beantragt. Die Behörde koordiniert dann Anerkennung des Abschlusses, Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit und Visum mit festen Fristen.

Bevölkerungsfortschreibung

Bevölkerungsfortschreibung nennt das Statistische Bundesamt die laufende Rechnung, die den Zensus mit Geburten, Sterbefällen, Zu- und Fortzügen und Einbürgerungen fortschreibt. Für Ende 2025 ergab die Rechnung 83,5 Millionen Einwohner, davon 12,4 Millionen ohne deutsche Staatsangehörigkeit.

Engpassberuf

Engpassberuf heißt ein Beruf, für den die Bundesagentur für Arbeit einen Mangel an Fachkräften feststellt, gemessen etwa an Vakanzzeiten, Arbeitslosen je Stelle und Lohnentwicklung. 2025 galten 157 Berufsgattungen als Engpass. Dort arbeiteten 8,8 Millionen Menschen, 14,6 Prozent davon mit ausländischem Pass.

Erwerbspersonenpotenzial

Erwerbspersonenpotenzial nennt das IAB die Zahl der Menschen, die arbeiten oder arbeiten könnten: Erwerbstätige, Erwerbslose und die stille Reserve. Ohne Zuwanderung sänke diese Zahl laut einer Projektion von 2021 bis 2060 von 47,4 auf 31,3 Millionen Menschen.

Geburtendefizit

Geburtendefizit heißt der Überschuss der Sterbefälle über die Geburten in einem Jahr. 2025 starben in Deutschland 352.000 Menschen mehr, als geboren wurden. Ohne Zuwanderung schrumpft die Bevölkerung mindestens um diese Zahl, in jedem Jahr neu.

Helfertätigkeit

Helfertätigkeit nennt die Bundesagentur für Arbeit das niedrigste Anforderungsniveau, also Arbeit ohne Berufsabschluss oder nach kurzer Einweisung. 35,8 Prozent der ausländischen Beschäftigten arbeiten auf diesem Niveau, unter Deutschen 12,2 Prozent. Auch viele Ausländer mit Abschluss arbeiten unter ihrer Qualifikation.

Natürliches Experiment

Natürliches Experiment nennen Ökonomen eine Lage, in der ein Gesetz, eine Grenze oder ein Zufall eine Gruppe verändert und eine vergleichbare andere nicht. Weil sich kontrollierte Versuche mit ganzen Arbeitsmärkten verbieten, liefern solche Fälle die besten Belege dafür, was beim Wegfall von Arbeitskräften geschieht.

Nettozuwanderung

Nettozuwanderung, auch Wanderungssaldo, heißt die Zahl der Zuzüge abzüglich der Fortzüge. 2025 lag der Saldo in Deutschland bei 235.000 Menschen. Das IAB hält rund 400.000 im Jahr für nötig, damit das Arbeitskräfteangebot bis 2035 etwa gleich bleibt.

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte heißen Arbeitnehmer, Auszubildende und andere, für die Beiträge zur Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung fällig werden. Nicht dazu zählen Beamte, Selbstständige und Minijobber. Im Juni 2025 zählte die Bundesagentur 34,9 Millionen, 5,84 Millionen davon Ausländer.

Westbalkanregelung

Westbalkanregelung heißt eine Regel der Beschäftigungsverordnung, nach der Menschen aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, dem Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien auch ohne anerkannten Abschluss in Deutschland arbeiten dürfen, sofern ein Arbeitsplatzangebot vorliegt und die Bundesagentur zustimmt. Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz wurde die Regel entfristet.

FAQ: Deutschland ohne Ausländer: Wer pflegt, putzt und baut dann?

Eine weiße Stempel- oder Zeituhr mit einem Einsteckfach, in dem eine orangefarbene Karte steckt
Die FAQ beantworten häufige Fragen zu Zahlen, Berufen, Pflege, Ärzten und Zuwanderung.

Wie viele Ausländer leben in Deutschland?

Ende 2025 lebten laut Statistischem Bundesamt 12,4 Millionen Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit in Deutschland, knapp 15 Prozent der Bevölkerung. Das Ausländerzentralregister führte zum selben Zeitpunkt 14,07 Millionen Personen. Eingebürgerte zählen in beiden Statistiken als Deutsche.

In welchen Berufen arbeiten besonders viele Ausländer?

Am höchsten ist der Anteil in Reinigungsberufen mit 47,5 Prozent, gefolgt von der Lebensmittelherstellung mit 43,7 Prozent und dem Gastgewerbe mit 36,3 Prozent. Im Hoch- und Tiefbau liegt der Anteil bei 33,6 Prozent, unter Lkw-Fahrern 32,9 Prozent. In Recht und Verwaltung liegt der Anteil bei 3,8 Prozent.

Wie viele Pflegekräfte in Deutschland haben keinen deutschen Pass?

Laut Bundesagentur für Arbeit hatten 2025 rund 353.000 von 1,8 Millionen Pflegekräften keinen deutschen Pass, 20 Prozent. 2015 lag der Anteil bei 7 Prozent. Seit 2022 wächst die Zahl der Pflegekräfte nur noch durch Ausländerinnen und Ausländer.

Wie viele Ärzte in Deutschland kommen aus dem Ausland?

Ende 2025 arbeiteten 71.480 Ärztinnen und Ärzte ohne deutschen Pass in Deutschland, 16 Prozent aller berufstätigen Mediziner. Häufigstes Herkunftsland ist laut Bundesärztekammer Syrien mit 7.959 Ärzten, die meisten arbeiten im Krankenhaus.

Würden ohne Ausländer die Löhne steigen?

Nicht zwingend. Als die USA 1964 fast eine halbe Million mexikanischer Saisonarbeiter ausschlossen, stiegen die Löhne einheimischer Landarbeiter nicht messbar, die Farmen setzten auf Maschinen. George Borjas fand dagegen nach einem großen Zuzug nach Miami 1980 deutliche Lohnverluste für Arbeiter ohne Schulabschluss.

Wie viel Zuwanderung braucht Deutschland?

Das IAB hat 2021 berechnet, dass rund 400.000 Menschen netto pro Jahr nötig sind, damit das Arbeitskräfteangebot bis 2035 etwa gleich bleibt. 2025 lag die Nettozuwanderung bei 235.000. Ohne jede Zuwanderung sänke das Angebot bis 2060 um ein Drittel.

Quellen

29 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 25.10.2026
  1. Statistisches BundesamtBevölkerung Deutschlands sinkt im Jahr 2025 um 0,1 % (Pressemitteilung Nr. 203 vom 16.06.2026)
  2. Statistisches BundesamtFinale Ergebnisse der Ausländerstatistik zum 31.12.2025
  3. Statistisches Bundesamt5,7 Millionen Pflegebedürftige zum Jahresende 2023 (Pressemitteilung vom 18.12.2024)
  4. Deutscher BundestagAntwort der Bundesregierung: Ausländische Beschäftigte in Engpassberufen (Drucksache 21/7546 vom 10.08.2026)
  5. Bundesagentur für ArbeitArbeitsmarktsituation in Pflegeberufen (Blickpunkt Arbeitsmarkt, Mai 2026)
  6. Bundesagentur für ArbeitFachkräfte bleiben knapp: Zuwanderung gewinnt weiter an Bedeutung (Presseinfo Nr. 32 vom 02.09.2026)
  7. Bertelsmann StiftungFocus Paper Arbeitsmarktintegration: Bedeutung, Hürden und Potenziale ausländischer BeschäftigungJuli 2026
  8. BundesärztekammerErgebnisse der Ärztestatistik zum 31.12.2025
  9. Bundesamt für Logistik und MobilitätMautverkehr kompakt, Jahresausgabe 2024 (Pressemitteilung 07/25)
  10. Institut für Arbeitsmarkt- und BerufsforschungFuchs, Söhnlein, Weber: Projektion des Erwerbspersonenpotenzials bis 2060 (IAB-Kurzbericht 25/2021)
  11. tazWerbeaktion von Edeka: Das ist ja super, Markt23.08.2017
  12. Bundesministerium der Justiz§ 4a Aufenthaltsgesetz: Zugang zur Erwerbstätigkeit
  13. Bundesministerium der Justiz§ 81a Aufenthaltsgesetz: Beschleunigtes Fachkräfteverfahren
  14. Bundesministerium der Justiz§ 6 Pflegeberufegesetz: Dauer und Struktur der Ausbildung
  15. Bundesministerium der Justiz§ 1 Approbationsordnung für Ärzte: Ziele und Gliederung der ärztlichen Ausbildung
  16. Statistik der Bundesagentur für ArbeitMigrationsmonitor, Ausgabe September 2026 (Tabellen 1.1 und 1.3)
  17. Deutscher BundestagAntwort der Bundesregierung zu Saison- und kurzfristiger Beschäftigung in der Landwirtschaft (Drucksache 21/5704 vom 30.04.2026)
  18. Deutsche Rentenversicherung BundStatistik der Deutschen Rentenversicherung: Versicherte 2024 (Band 235)
  19. KfW ResearchKfW-Gründungsmonitor 2026, Tabellen- und Methodenband
  20. ZEWHolger Bonin: Der Beitrag von Ausländern und künftiger Zuwanderung zum deutschen Staatshaushalt (Bertelsmann Stiftung, 2014)
  21. Stiftung MarktwirtschaftGenerationenbilanz 2023, Fokus Migration (Pressemitteilung vom 10.01.2024)
  22. Mediendienst IntegrationMartin Werding: Kosten und Einnahmen durch Migration (Expertise, Juni 2025)
  23. National Bureau of Economic ResearchClemens, Lewis, Postel: Immigration Restrictions as Active Labor Market Policy: Evidence from the Mexican Bracero Exclusion (Working Paper 23125, American Economic Review 2018)
  24. Journal of Labor EconomicsEast, Hines, Luck, Mansour, Velásquez: The Labor Market Effects of Immigration Enforcement2023
  25. EconofactChloe N. East: Secure Communities: Broad Impacts of Increased Immigration Enforcement13.01.2020
  26. National Bureau of Economic ResearchGeorge J. Borjas: The Wage Impact of the Marielitos: A Reappraisal (Working Paper 21588)
  27. Migration Observatory, University of OxfordEU migration to and from the UK (Briefing, 23.01.2026)
  28. Full FactWhat is behind the fuel shortage and lack of HGV drivers?28.09.2021
  29. UK GovernmentMore support to help people to become HGV drivers among package of government measures25.09.2021
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