Artikel teilen

Im Konzertsaal wandert der Lichtkegel mit der Sängerin quer über die Bühne, ohne Wackler und ohne Verzögerung, während Sie in der zwölften Reihe mitsingen. Manchmal folgt der Scheinwerfer dabei schon einem Sender am Kostüm. Acht von elf Kerntätigkeiten einer Fachkraft für Veranstaltungstechnik stuft das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung als ersetzbar ein. Im KI-Resilienz-Check erhält der Beruf die Note 3,0.

Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen

1.275 junge Menschen begannen 2025 eine Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik, so das Bundesinstitut für Berufsbildung, rund 160 weniger als 2023. Gleichzeitig ziehen Assistenzsysteme in die Technik ein: Mischpulte schlagen Pegel und Lautstärkebalance vor, Ortungssysteme steuern Scheinwerfer, und mit Visualisierungsprogrammen lassen sich ganze Lichtshows ohne aufgebaute Anlage vorprogrammieren.

Wie viele Aufgaben des Berufs Algorithmen übernehmen können, prüft dieser Beitrag mit demselben Sechs-Kriterien-Raster wie der Basisartikel zur KI-Resilienz von Ausbildungsberufen. Die Note folgt der Schulnotenskala von 1 bis 6, eine 1 steht für sehr KI-sicher, eine 6 für leicht ersetzbar.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Beruf erreicht die Gesamtnote 3,0 und liegt damit gleichauf mit dem Bäcker, hinter dem Bühnenmaler mit 2,6 und der Fachkraft für Schutz und Sicherheit mit 2,8.
  • Die Ausbildung dauert drei Jahre und läuft an Theatern, in Hallen und Kongresszentren, bei Verleihfirmen und Messebauern.
  • Die Einstiegsvergütung reicht im ersten Jahr von der gesetzlichen Untergrenze von 724 Euro bis zu 1.368,26 Euro an kommunalen Bühnen nach dem Tarifvertrag für Auszubildende im öffentlichen Dienst.
  • Assistenzsoftware übernimmt zunehmend Teile der Bedienung von Licht, Ton und Medientechnik. Auf- und Umbau, Elektroinstallation und die Planung der Veranstaltung bleiben laut IAB beim Menschen.
  • Der Job-Futuromat des IAB stuft 73 Prozent der Kerntätigkeiten als ersetzbar ein, ein Wert, der seit 2016 unverändert ist.

Kurzer Bauchgefühl-Test: Ersetzt die Maschine die Fachkraft für Veranstaltungstechnik?

Schätzen genügt, Vorwissen brauchen Sie keines.

Der Dr.-Web-Quizmaster
Wissenstest
Fünf Fragen zu Traverse, Pult und Lohn
Schätzen Sie zuerst und lesen Sie danach im Artikel nach. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 Wie viele junge Menschen begannen 2025 bundesweit eine Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
Richtig: B. Laut BIBB begannen 1.275, im Jahr 2023 noch 1.434. Mehr zum Nachwuchs steht in Kapitel 6.
2 Ein verbreitetes Bild: Ein Mischpult mit KI mische das Konzert bald allein. Was schreibt Yamaha über seine Funktion Mixing Assist? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
Richtig: B. Mixing Assist schlägt Pegel, Balance und Kompressor-Einstellungen vor, die Entscheidung bleibt beim Menschen am Pult. Mehr dazu steht in Kapitel 4.
3 Welche Kerntätigkeit stuft der Job-Futuromat des IAB in diesem Beruf als nicht ersetzbar ein? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
Richtig: B. Von elf Kerntätigkeiten gelten nur drei als nicht ersetzbar, darunter der Auf- und Umbau. Warum, steht in Kapitel 5.
4 Wie viel zahlt die Stadt Aschaffenburg Azubis an ihrem Stadttheater im ersten Jahr? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
Richtig: C. Nach dem TVAöD zahlt die Stadt seit Mai 2026 genau 1.368,26 Euro, die gesetzliche Untergrenze liegt bei 724 Euro. Die ganze Tabelle steht in Kapitel 1.
5 Welche KI-Resilienz-Note vergibt Dr. Web an die Fachkraft für Veranstaltungstechnik? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
Richtig: B. Der Beruf erreicht die Note 3,0, gestützt auf Aufbau, Rigging und Verantwortung vor Ort, belastet von der Bedienung am Pult. Das Siegel steht in Kapitel 2, Tacho und Rechnung finden Sie in Kapitel 3.

Was macht eine Fachkraft für Veranstaltungstechnik und wie läuft die Ausbildung ab?

Ausbildungsvergütung nach Lehrjahr
Monatliche Brutto-Spanne, Fachkraft für Veranstaltungstechnik (drei Ausbildungsjahre)
1. Jahr
Spanne
724–1.368 €
2. Jahr
Spanne
854–1.418 €
3. Jahr
Spanne
977–1.464 €

Eine Fachkraft für Veranstaltungstechnik plant, baut und bedient die Technik für Konzerte, Theateraufführungen, Messen, Kongresse und Fernsehproduktionen: Licht, Ton, Video, Bühnenaufbauten und die Stromversorgung dafür. Typische Arbeitgeber sind Theater und Opernhäuser, Hallen und Kongresszentren, Verleih- und Dienstleistungsfirmen der Veranstaltungsbranche sowie Messebauer. Gearbeitet wird oft abends, am Wochenende und auf Tour.

Rechtsgrundlage ist die Verordnung über die Berufsausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik vom 3. Juni 2016, in Kraft seit dem 1. August 2016 und zuletzt 2022 geändert. Der Ausbildungsrahmenplan reicht vom Auf- und Abbau von Traversen und Bühnenaufbauten über die Energieversorgung bis zum Bedienen von Lichtstellpulten, Tonmischpulten und Projektoren bei Proben und Vorstellungen.

Ausdrücklich gehören dazu auch Pyrotechnik, Nebel, die Tragfähigkeit von Abhängepunkten und die Sicherheit bei Veranstaltungen.

Die Ausbildung dauert drei Jahre. Im vierten Ausbildungshalbjahr steht eine Zwischenprüfung an, mit einer schriftlichen Aufgabe zur Stromversorgung und einer praktischen Arbeitsaufgabe. In der Abschlussprüfung realisieren die Prüflinge ein veranstaltungstechnisches Projekt im Betrieb, mit 35 Stunden Arbeitszeit, Dokumentation und Fachgespräch. Das Projekt zählt zur Hälfte, dazu kommen schriftliche Bereiche zur Planung der Technik, zur Planung der Veranstaltung, zur Energieversorgung und zu Wirtschafts- und Sozialkunde.

Die Datenbank der tariflichen Ausbildungsvergütungen des BIBB weist den Beruf nicht aus. Kommunale Arbeitgeber zahlen nach dem TVAöD, die Stadt Aschaffenburg etwa schreibt für ihr Stadttheater seit Mai 2026 monatlich 1.368,26 Euro im ersten, 1.418,20 Euro im zweiten und 1.464,02 Euro im dritten Jahr aus. Das Berufeportal BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit nennt als Beispiel aus der privaten Veranstaltungstechnik 1.020, 1.085 und 1.200 Euro. Ohne Tarifbindung gilt für einen Ausbildungsbeginn 2026 die Mindestvergütung von 724, 854 und 977 Euro.

Ausbildungsjahr Gesetzliche Mindestvergütung (Beginn 2026) Beispiel private Veranstaltungstechnik (BERUFENET) TVAöD, kommunale Bühnen (ab Mai 2026)
1. Jahr 724 € 1.020 € 1.368,26 €
2. Jahr 854 € 1.085 € 1.418,20 €
3. Jahr 977 € 1.200 € 1.464,02 €

Einen bestimmten Schulabschluss schreibt die Verordnung nicht vor. Von den 1.383 Anfängern 2024 brachten laut BERUFENET 55 Prozent die Hochschulreife mit, 36 Prozent einen mittleren Abschluss und 7 Prozent einen Hauptschulabschluss. Gefragt sind Kenntnisse in Elektrotechnik, Schwindelfreiheit und gutes Englisch, denn der Rahmenplan verlangt ausdrücklich deutsche und englische Fachbegriffe. Auf Frauen entfielen 2025 knapp 21 Prozent der Neuverträge.

Welche Note bekommt die Fachkraft für Veranstaltungstechnik im KI-Resilienz-Check?

KI-Resilienz3,0von 1 bis 6
Aufgebaut wird von Hand, bedient wird mit Assistenz

Punkte holt der Beruf beim Aufbau und bei der Sicherheit über den Köpfen, Punkte verliert er bei der Bedienung am Pult.

Die Fachkraft für Veranstaltungstechnik erhält im KI-Resilienz-Check die Note 3,0 und landet damit im Mittelfeld der Serie.

Den Wert teilt der Beruf mit dem Bäcker und dem Anlagenmechaniker. Der Bühnenmaler, der die Kulissen bemalt, kommt auf 2,6, die Fachkraft für Schutz und Sicherheit, die bei denselben Konzerten am Einlass steht, auf 2,8.

Der Elektroniker für Betriebstechnik liegt mit 2,4 vorn. Wo Handwerk, Büro und Gesundheit insgesamt stehen, zeigt unsere Übersicht der KI-resistenten Berufe.

Gegen eine schlechtere Note sprechen der Auf- und Abbau und die Verantwortung für alles, was über Köpfen hängt. Eine Traverse mit Scheinwerfern hängt an Kettenzügen, die jemand an geprüften Punkten anschlagen muss, und die Kabel für die Stromversorgung einer Halle verlegt ein Mensch von Hand.

Das Pult verhindert eine bessere Note. Licht, Ton, Video und Medientechnik laufen über digitale Stellpulte, Mischpulte und Netzwerke, und der Job-Futuromat des IAB führt genau diese Bedienung als ersetzbar.

Wir halten 3,0 für fair. Eine Fachkraft, die vor allem aufbaut, Lasten aufhängt und verkabelt, läge besser, eine, die nur am Pult eine fertig programmierte Show abfährt, deutlich schlechter.

Wie setzt sich die Note aus dem Sechs-Kriterien-Raster zusammen?

Wie die Note 3,0 zustande kommt
123 456
3,0
Gesamtnote auf der Schulnotenskala 1 bis 6
Physische PräsenzGewicht ×2
2
Empathie & VertrauenGewicht ×2
4
Urteilskraft & HaftungGewicht ×2
2
Regulatorische HürdeGewicht ×2
3
RoutineanteilGewicht ×1
4
DigitalisierungsgradGewicht ×1
4
(2×2) + (4×2) + (2×2) + (3×2) + (4×1) + (4×1) = 30  →  30 ÷ 10 = 3,0

Die Note 3,0 ergibt sich aus je einer Zwei für physische Präsenz sowie Urteilskraft und Haftung, einer Drei für die regulatorische Hürde und je einer Vier für Empathie, Routineanteil und Digitalisierungsgrad.

Physische Präsenz (Note 2)

Bühnen aufbauen, Traversen hochziehen, Kabel verlegen, Scheinwerfer ausrichten und Lautsprecher aufhängen verlangen Hände und Augen am Ort, oft unter Zeitdruck zwischen Anlieferung und Einlass. Kein Konzert und keine Messe lässt sich aus der Ferne aufbauen.

Teile der Arbeit wandern trotzdem an den Rechner: Shows werden in Visualisierungsprogrammen vorprogrammiert, bevor eine einzige Lampe hängt, und manche Pulte lassen sich per Netzwerk fernsteuern. Dr. Web vergibt die Note 2.

Empathie und Vertrauen (Note 4)

Die Fachkraft arbeitet eng mit Künstlern, Regie, Veranstaltern und Kunden zusammen, und eine Band verlässt sich darauf, dass der Klang auf den Bühnenmonitoren stimmt. Fürsorge im engeren Sinn spielt keine Rolle, das Vertrauen gilt meist dem Betrieb oder dem Theater, nicht der einzelnen Fachkraft. Für Empathie und Vertrauen steht die Note 4.

Urteilskraft und Haftung (Note 2)

Wer Lasten über Menschen hängt, trägt Verantwortung für deren Leben. Die Fachkraft beurteilt, ob ein Anschlagpunkt die Last aufnimmt, ob eine Konstruktion bei Wind standhält und ob eine Stromverteilung abgesichert ist.

2011 stürzte auf der Indiana State Fair in den USA bei einem Sturm ein Bühnendach ein, sieben Menschen starben. Ein Gutachten stellte später fest, dass die Konstruktion die vorgeschriebenen Windlasten nicht aushielt.

In deutschen Hallen und Theatern regelt die Versammlungsstättenverordnung, wann eine Aufsicht durch Fachpersonal vorgeschrieben ist. Dr. Web vergibt die Note 2.

Regulatorische Hürde (Note 3)

Die Versammlungsstättenverordnung, hier in der bayerischen Fassung, nennt die Fachkraft ausdrücklich. Bei Szenenflächen von 50 bis 200 Quadratmetern oder Hallen mit bis zu 5.000 Plätzen genügt als Aufsicht eine Fachkraft für Veranstaltungstechnik mit mindestens drei Jahren Berufserfahrung. Auf Großbühnen müssen dagegen Verantwortliche für Veranstaltungstechnik Auf- und Abbau leiten, in der Regel geprüfte Meister. Hinzu kommen die Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 17 für Veranstaltungs- und Produktionsstätten und die Branchenstandards zur Sachkunde für Veranstaltungsrigging. Einen Tätigkeitsvorbehalt nur für diesen Beruf kennen diese Regeln nicht. Bei der Regulierung steht die Note 3.

Routineanteil (Note 4)

Maschinen und Anlagen bedienen, elektrotechnische Montage, Lichttechnik, Energieversorgung, Beschallung, Bühnen- und Theatertechnik, Veranstaltungs- und Medientechnik: Der Job-Futuromat des IAB führt acht von elf Kerntätigkeiten als ersetzbar, was ein Substituierbarkeitspotenzial von 73 Prozent ergibt. Der Wert steht seit 2016 unverändert. Nicht ersetzbar bleiben Elektroinstallation, Auf- und Umbau sowie die Planung und Durchführung von Veranstaltungen.

Beim Routineanteil steht die Note 4.

Digitalisierungsgrad (Note 4)

Lichtstellpulte, digitale Mischpulte, Steuerungs- und IT-Netzwerke gehören laut Ausbildungsrahmenplan zum Pflichtprogramm, die Verordnung nennt die digitalisierte Arbeitswelt als eigene Berufsbildposition. Visualisierungsprogramme, Simulationsprogramme für Lautsprecher und Ortungssysteme für bewegte Scheinwerfer sind bei größeren Produktionen Alltag.

Traversen, Kettenzüge, Kabel und Bühnenpodeste bleiben dagegen analoges Material, das jemand trägt, schraubt und prüft. Beim Digitalisierungsgrad steht die Note 4.

Die gewichtete Gesamtrechnung

Physische Präsenz, Empathie, Urteilskraft und regulatorische Hürde zählen doppelt, Routineanteil und Digitalisierungsgrad einfach. Mit den sechs Einzelnoten ergibt die Rechnung (2×2) + (4×2) + (2×2) + (3×2) + (4×1) + (4×1) = 30 Punkte. Geteilt durch die Gewichtssumme 10 folgt ohne Rundung die Note 3,0.

Welche Teilaufgaben verschwinden zuerst?

Ein orangefarbener Schieberegler mit einer Notiz, die besagt: „Ich schlag mal was vor“
Mischpulte schlagen Pegel und Balance vor, Ortungssysteme führen Scheinwerfer automatisch nach

Zuerst verschwinden das Einpegeln am Mischpult, das Nachführen von Scheinwerfern von Hand und ein Teil der Programmierung von Licht und Ton. Für all das bieten Hersteller inzwischen Funktionen an, bisher brauchte die Fachkraft am Pult dafür Erfahrung.

Yamaha hat in seine Mischpulte der Serien DM7 und DM5 eine Funktionsgruppe namens Mixing Assist eingebaut. Die Software schlägt die Eingangsverstärkung vor, erkennt Instrumente per maschinellem Lernen, stellt Kompressoren ein und regelt die Lautstärkebalance mithilfe eines Modells, das auf Mehrspuraufnahmen trainiert wurde. Ziel sei nicht, Menschen zu ersetzen, sondern mit ihnen zu arbeiten, schreibt der Hersteller.

Das Wiener Unternehmen zactrack vertreibt Systeme, die Darsteller in Echtzeit im Raum orten und Scheinwerfer, Ton und Kameras automatisch nachführen. Der Mensch am Verfolgerspot, der früher hoch oben im Saal einen Scheinwerfer von Hand führte, wird dadurch nach unserer Einschätzung seltener gebraucht.

Visualisierungsprogramme wie Capture, das Avolites in seine Lichtpulte einbindet, zeigen die komplette Anlage dreidimensional, und die Fachkraft programmiert Lichtstimmungen, bevor die Traverse hängt.

Für die Beschallung berechnet die Software ArrayCalc von d&b audiotechnik, wie Lautsprecher hängen müssen, die Funktion ArrayProcessing stimmt jeden Lautsprecher einer Zeile einzeln auf eine gleichmäßige Beschallung des Publikumsbereichs ab.

Teilaufgabe Technik Stand
Pegel und Lautstärkebalance einstellen Assistenzfunktionen in Digitalpulten, maschinelles Lernen Im Handel, etwa Yamaha DM7
Scheinwerfer nachführen Echtzeit-Ortung von Darstellern Im Einsatz auf größeren Bühnen und Kreuzfahrtschiffen
Lichtshow vorprogrammieren 3-D-Visualisierungsprogramme Verbreitet
Beschallung planen Simulations- und Optimierungssoftware Standard bei Line-Arrays
Show abfahren Timecode und vorprogrammierte Abläufe Bei Tourneen üblich, nach unserer Einschätzung mit wachsendem KI-Anteil bis 2030

Welche Teilaufgaben bleiben unersetzbar menschlich?

Was die KI übernimmt, was menschlich bleibt
Das übernimmt die KI
  • −Pegel und Balance am Mischpult vorschlagen
  • −Scheinwerfer automatisch nachführen
  • −Lichtshows am Rechner vorprogrammieren
  • −Beschallung simulieren und berechnen
Das bleibt beim Menschen
  • +Traversen anschlagen und sichern
  • +Strom verteilen und installieren
  • +Auf- und Umbau unter Zeitdruck
  • +Entscheiden, sobald live etwas ausfällt

Beim Menschen bleiben der Auf- und Umbau, das Anschlagen von Lasten, die Elektroinstallation und die Entscheidung im laufenden Betrieb, sobald etwas schiefgeht. Alle vier Aufgaben verlangen jemanden, der vor Ort steht und für das Ergebnis geradesteht.

Außerhalb der elf Kerntätigkeiten stuft der Job-Futuromat auch Arbeitsschutz, Wartung und Veranstaltungssicherheit als nicht ersetzbar ein. Ein Visualisierungsprogramm zeigt, wo eine Traverse hängen soll, nicht, ob die Hallendecke an genau dieser Stelle die Last aufnimmt.

Beim Rigging prüft die Fachkraft Anschlagmittel, Kettenzüge und Lastangaben, gleicht die Werte mit dem Hallenplan ab und sichert jeden Punkt doppelt. Fehler verzeiht dieser Teil der Arbeit nicht, und eine Software kann keinen Schäkel festdrehen. Ein Ortungssystem führt den Scheinwerfer, aufgehängt und gesichert hat ihn trotzdem ein Mensch.

Fällt mitten in der Vorstellung ein Funkmikrofon aus, pfeift eine Rückkopplung oder springt eine Sicherung, entscheidet die Fachkraft in Sekunden, was das Publikum merkt und was nicht.

Auch das Gespräch mit Künstlern lässt sich nicht an ein Pult abgeben. Was eine Sängerin auf ihrem Bühnenmonitor hören will, sagt sie dem Menschen an der Monitorpult, oft mit einer Handbewegung während des Songs. Ein Assistenzsystem kann den Mix vorschlagen, aber kein Handzeichen von der Bühne deuten.

Wie verändert sich der Arbeitsalltag konkret?

Wachsende Berufsgruppe, schwankender Nachwuchs
Der Beruf und sein Umfeld in drei Zahlen
14.849
Beschäftigte in der Veranstaltungs- und Bühnentechnik 2024, im Jahr 2012 noch 5.902
1.275
neue Ausbildungsverträge als Fachkraft für Veranstaltungstechnik 2025, im Jahr 2023 noch 1.434
465
gemeldete offene Stellen in der Berufsgruppe 2024, bei rund 1.100 Arbeitslosen

Der Alltag verschiebt sich vom Einstellen und Nachführen zum Planen, Absichern und Überwachen: Am Fader regelt die Fachkraft seltener von Hand, mit Netzwerken und vorprogrammierten Abläufen arbeitet sie häufiger, an der Traverse bleibt die Arbeit gleich.

Die Berufsgruppe der Fachkräfte in der Veranstaltungs- und Bühnentechnik ist laut IAB von 5.902 Beschäftigten im Jahr 2012 auf 14.849 im Jahr 2024 gewachsen. Arbeitslos gemeldet waren 2024 rund 1.100, offen gemeldet 465 Stellen, das mittlere Bruttoentgelt lag bei 3.744 Euro im Monat.

Die Pandemie hat Spuren hinterlassen: 2020 sank die Zahl der Beschäftigten von 10.444 auf 9.521.

Der Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik VPLT meldete für 2021 unter Berufung auf die Bundesagentur für Arbeit 16,5 Prozent weniger Bewerber für den Ausbildungsberuf als im Vorjahr. Die Neuverträge erholten sich danach, von 831 im Jahr 2021 auf 1.434 im Jahr 2023, und sanken bis 2025 wieder auf 1.275.

Die Veranstaltungswirtschaft zählt laut Strukturbericht 2026 des Forums Veranstaltungswirtschaft rund 243.000 Betriebe und 1,13 Millionen Erwerbstätige.

Yamahas Mischpult schlägt heute Faderstellungen vor. Für die Traverse über mehr als 5.000 Zuschauern verlangt die Verordnung trotzdem einen verantwortlichen Menschen.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Zitat teilen

Neue Aufgaben entstehen dort, wo Netzwerk und Bühne zusammenkommen. Steuerungsnetze einrichten, Ortungssysteme kalibrieren, Vorschläge von Assistenzfunktionen prüfen und vorprogrammierte Shows an die echte Halle anpassen verlangen Technikverständnis plus das Wissen um Elektrotechnik, Lasten und Sicherheit, das die Ausbildung vermittelt. Den Bedarf an reiner Bedienung sehen wir dagegen sinken, besonders bei Konzerten mit festem Ablauf.

Was bedeutet das für angehende Azubis und Betriebe?

Ein orangefarbener Schäkel mit einem Anhänger „Doppelt gesichert“ und einem aufgerollten Stahlseil auf weißem Grund
Rigging, Elektrotechnik und Sicherheitsplanung machen die Ausbildung zukunftsfest

Angehende Azubis finden einen Beruf mit der Note 3,0, einer wachsenden Berufsgruppe und einer Zukunft bei Traverse, Stromverteilung und Netzwerk.

Azubis gewinnen am meisten, sobald sie sich auf die Teile des Berufs ausrichten, die im Raster am besten abschneiden: physische Präsenz und Urteilskraft. Azubis, die früh ins Rigging, in die Elektrotechnik und in die Sicherheitsplanung gehen, festigen ihre Rolle dort, wo Assistenzsysteme nur zuarbeiten. Kenntnisse in Steuerungsnetzen und Ortungssystemen machen aus dem Digitalisierungsgrad einen Vorteil, weil die Fachkräfte dann die Systeme einrichten, die sonst ihre Handgriffe übernehmen.

Mit Berufspraxis führt der Weg zum Geprüften Meister für Veranstaltungstechnik, seit 2020 zugleich Bachelor Professional, auf Niveau 6 des Deutschen Qualifikationsrahmens. Mit dem Meistertitel steht der Weg zum Verantwortlichen für Veranstaltungstechnik offen, den die Versammlungsstättenverordnung für Großbühnen vorschreibt. Hochschulen wie die Berliner Hochschule für Technik bieten zudem einen Bachelor in Theater- und Veranstaltungstechnik an.

Ob für Sie eine Lehre oder ein solches Studium besser passt, klärt unser Beitrag zu Ausbildung oder Studium. Verwandte Berufe vom Bühnenmaler bis zum Veranstaltungskaufmann finden Sie im Ausbildungsberufe-Finder.

Ausbildende Betriebe sollten Pult und Traverse gleich gewichten. Azubis, die vor allem vorprogrammierte Shows abfahren, lernen den Teil des Berufs, der zuerst schrumpft.

Verleihfirmen, Hallen und Theater sollten Assistenzfunktionen nicht als Ersatz für Personal planen, sondern als Werkzeug, mit dem ein kleineres Team mehr Kanäle und mehr Scheinwerfer im Griff behält. Ohne Fachkräfte, die anschlagen, verkabeln und im Ernstfall entscheiden, liefert die beste Show-Datei nur einen dunklen Saal.

Einpegeln, Nachführen und Teile der Programmierung übernehmen Assistenzsysteme. Auf- und Umbau, Rigging und die Entscheidung im Live-Betrieb bleiben beim Menschen. Aus diesem Verhältnis von Pult und Traverse folgt die Note 3,0.

Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik

Abhängepunkt

Ein Abhängepunkt ist eine Stelle an Decke, Dachtragwerk oder Bühnenkonstruktion, an der Lasten wie Traversen, Lautsprecher oder Scheinwerfer befestigt werden. Jeder Punkt hat eine zulässige Tragfähigkeit, die der Hallenbetreiber angibt. Die Fachkraft plant die Lasten so, dass kein Punkt überlastet wird.

Befähigungszeugnis

Das Befähigungszeugnis weist nach, dass jemand als Verantwortlicher für Veranstaltungstechnik nach der Versammlungsstättenverordnung arbeiten darf. Ausgestellt wird das Zeugnis auf Antrag von der Industrie- und Handelskammer, in der Regel für Geprüfte Meister für Veranstaltungstechnik.

DGUV Vorschrift 17

Die DGUV Vorschrift 17 ist die Unfallverhütungsvorschrift für Veranstaltungs- und Produktionsstätten für szenische Darstellung, früher bekannt als BGV C1. Die Vorschrift regelt Pflichten von Unternehmen und Beschäftigten an Bühnen, Studios und Hallen. Die DGUV Regel 115-002 konkretisiert die Anforderungen.

Kettenzug

Ein Kettenzug ist ein elektrisch betriebenes Hebezeug, das Traversen und Lasten an einer Kette nach oben zieht. In der Veranstaltungstechnik gelten für Kettenzüge über Personen erhöhte Sicherheitsanforderungen. Fachkräfte schlagen die Züge an, steuern sie und prüfen sie vor dem Einsatz.

Line-Array

Ein Line-Array ist eine senkrecht gehängte Zeile aus mehreren gleichartigen Lautsprechern, die den Schall gezielt über große Flächen verteilt. Neigung und Abstand der einzelnen Boxen berechnet eine Simulationssoftware. Line-Arrays sind bei Konzerten und in großen Hallen Standard.

Lichtstellpult

Das Lichtstellpult steuert Scheinwerfer, bewegte Lampen und Effekte, meist über das Steuerprotokoll DMX oder Netzwerkprotokolle. Lichtstimmungen werden programmiert, gespeichert und während der Vorstellung abgerufen. Moderne Pulte binden Visualisierungsprogramme ein, mit denen sich Shows vorab am Rechner programmieren lassen.

Mixing Assist

Mixing Assist heißt eine Gruppe von Assistenzfunktionen in den Yamaha-Mischpulten der Serien DM7 und DM5. Die Funktionen schlagen Eingangsverstärkung und Lautstärkebalance vor, erkennen Instrumente und stellen Kompressoren ein. Yamaha betont, dass die Entscheidung über den Klang beim Menschen am Pult bleibt.

Ortungssystem

Ein Ortungssystem bestimmt die Position von Darstellern auf der Bühne in Echtzeit, meist über kleine Sender am Körper oder Kostüm. Mit den Daten führt das System Scheinwerfer, Tonsysteme und Kameras automatisch nach. Anbieter sind etwa zactrack aus Wien oder BlackTrax.

Rigging

Rigging bezeichnet das Anschlagen, Abhängen und Sichern von Lasten über Bühnen und Publikum, etwa von Traversen, Lautsprechern und Leinwänden. Die Sachkunde dafür beschreibt in Deutschland der Standard SQQ2 der Interessengemeinschaft der Veranstaltungswirtschaft in drei Qualifizierungsstufen.

Szenenfläche

Die Szenenfläche ist nach der Versammlungsstättenverordnung die Fläche für künstlerische und andere Darbietungen. Ihre Größe entscheidet mit, welches Fachpersonal bei Auf- und Abbau, Proben und Vorstellungen anwesend sein muss. Über 200 Quadratmetern gelten die Pflichten für Großbühnen.

Traverse

Eine Traverse ist ein Gitterträger aus Aluminium, an dem Scheinwerfer, Lautsprecher oder Dekorationen hängen. Traversen werden am Boden verschraubt und mit Kettenzügen hochgezogen. Die zulässige Belastung hängt von Länge, Bauart und Aufhängung ab und steht in den Tabellen des Herstellers.

Versammlungsstättenverordnung

Die Versammlungsstättenverordnung ist eine Verordnung der Länder für Gebäude und Flächen, in denen viele Menschen zusammenkommen, etwa Theater, Hallen und Arenen. Die Verordnung regelt unter anderem, wann Verantwortliche für Veranstaltungstechnik oder erfahrene Fachkräfte für Veranstaltungstechnik anwesend sein müssen. Die Länderfassungen folgen einer Musterverordnung.

FAQ: Fachkraft für Veranstaltungstechnik: Show läuft live, ohne zweite Chance

Wie lange dauert die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik?

Die Ausbildung dauert drei Jahre im dualen System aus Betrieb und Berufsschule. Im vierten Ausbildungshalbjahr steht eine Zwischenprüfung an, am Ende folgt eine Abschlussprüfung mit einem betrieblichen Projekt von 35 Stunden, das zur Hälfte zählt, und vier schriftlichen Prüfungsbereichen.

Was verdient man in der Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik?

Kommunale Arbeitgeber zahlen nach dem TVAöD seit Mai 2026 monatlich 1.368,26 Euro im ersten, 1.418,20 Euro im zweiten und 1.464,02 Euro im dritten Jahr. BERUFENET nennt für private Betriebe als Beispiel 1.020, 1.085 und 1.200 Euro. Ohne Tarifbindung gilt für einen Ausbildungsbeginn 2026 die Untergrenze von 724, 854 und 977 Euro.

Wo arbeiten Fachkräfte für Veranstaltungstechnik?

Typische Arbeitgeber sind Theater und Opernhäuser, Hallen, Arenen und Kongresszentren, Verleih- und Dienstleistungsfirmen der Veranstaltungsbranche, Messebauer sowie Fernseh- und Hörfunkproduktionen. Gearbeitet wird häufig abends, an Wochenenden und auf Tourneen.

Welche Voraussetzungen sollte ich mitbringen?

Einen bestimmten Schulabschluss schreibt die Verordnung nicht vor. Von den Anfängern 2024 brachten 55 Prozent die Hochschulreife mit, 36 Prozent einen mittleren Abschluss. Hilfreich sind Interesse an Elektrotechnik, Schwindelfreiheit, körperliche Belastbarkeit und Englischkenntnisse.

Welche Weiterbildung folgt auf die Ausbildung?

Mit Berufspraxis führt die Fortbildung zum Geprüften Meister für Veranstaltungstechnik, seit 2020 zugleich Bachelor Professional, auf Niveau 6 des Deutschen Qualifikationsrahmens. Mit dem Meistertitel lässt sich das Befähigungszeugnis als Verantwortlicher für Veranstaltungstechnik beantragen. Ergänzend stehen Studiengänge in Theater- und Veranstaltungstechnik offen.

Kann KI die Fachkraft für Veranstaltungstechnik ersetzen?

Assistenzfunktionen schlagen am Mischpult Pegel und Balance vor, Ortungssysteme führen Scheinwerfer nach, und Visualisierungsprogramme erlauben die Programmierung ohne aufgebaute Anlage. Auf- und Umbau, das Anschlagen von Lasten und Entscheidungen im Live-Betrieb bleiben beim Menschen. Im KI-Resilienz-Check ergibt das die Note 3,0.

Quellen

26 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 26.10.2026
  1. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)Datenbank Ausbildungsvergütungen
  2. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)Tarifliche Ausbildungsvergütungen in dualen Ausbildungsberufen 2025, Bundesgebiet
  3. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge 2021 bis 2025, Tabelle 66
  4. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)Rangliste der Ausbildungsberufe nach Anzahl der Neuabschlüsse 2025, Tabelle 67
  5. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)Pressemitteilung Mindestausbildungsvergütung 2026
  6. Bundesamt für JustizVerordnung über die Berufsausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik vom 3. Juni 2016
  7. Bundesamt für JustizVerordnung über die Meisterprüfung zum anerkannten Fortbildungsabschluss Geprüfter Meister für Veranstaltungstechnik und Bachelor Professional für Veranstaltungstechnik
  8. Bayerische StaatskanzleiVersammlungsstättenverordnung, § 39 Verantwortliche für Veranstaltungstechnik
  9. Bayerische StaatskanzleiVersammlungsstättenverordnung, § 40 Aufgaben und Pflichten der Verantwortlichen für Veranstaltungstechnik
  10. Deutsche Gesetzliche UnfallversicherungDGUV Vorschrift 17, Veranstaltungs- und Produktionsstätten für szenische Darstellung
  11. Interessengemeinschaft der Veranstaltungswirtschaft (IGVW)SQQ2 Sachkunde für Veranstaltungsrigging, Stand Februar 2024
  12. Bundesagentur für ArbeitBERUFENET, Fachkraft für Veranstaltungstechnik
  13. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)Job-Futuromat, Fachkraft für Veranstaltungstechnik
  14. oeffentlichen-dienst.deTVAöD Besonderer Teil BBiG, Entgelttabellen
  15. Stadt AschaffenburgAusbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik, Stadttheater
  16. YamahaMixing Assist
  17. zactrackStartseite
  18. AvolitesCapture Visualiser, Handbuch
  19. d&b audiotechnikArrayProcessing
  20. CBS NewsReport: Collapsed Ind. fair stage not to code
  21. Prolight + Sound BlogFachkräftemangel in der Eventbranche: VPLT
  22. Forum VeranstaltungswirtschaftStrukturbericht Veranstaltungswirtschaft I/2026
  23. IHK KölnGeprüfter Meister für Veranstaltungstechnik
  24. Berliner Hochschule für TechnikTheater- und Veranstaltungstechnik und -management (B.Eng.)
  25. Dr. WebAusbildung oder Studium KI: Schulnote für 30 Berufe
  26. Dr. WebKI-resistente Berufe 2026
4,6 21 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?