Ein Dekret aus dem Weißen Haus sollte amerikanisches Polysilizium stärken. Stattdessen verlor Wacker Chemies Werk in Tennessee laut einem Reuters-Bericht seine letzten beiden Kunden und gilt seither als schließungsgefährdet. Der Konzern widerspricht und stellt klar, den Standort mit rund 600 Beschäftigten nicht schließen zu wollen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm 6. August unterzeichnete das Weiße Haus eine Proklamation, die den Kauf von US-Polysilizium ankurbeln sollte. Für Wacker Chemie kippte die Rechnung ins Gegenteil, denn Vorstandschef Christian Hartel hatte Anleger schon vorher gewarnt, dem Konzern drohe eine Fabrik zu viel. Klarheit über die Zukunft des Standorts soll der Kapitalmarkttag am 17. September in London bringen.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Reuters-Bericht vom 4. September stuft Wacker Chemies Polysiliziumwerk in Charleston (Tennessee) mit rund 600 Beschäftigten als schließungsgefährdet ein. Wacker widerspricht und erklärt, keine Pläne für eine Schließung zu haben.
- Auslöser ist eine Proklamation des Weißen Hauses vom 6. August, die laut Wacker in der jetzigen Fassung US-Polysilizium nicht wirksam bevorzugt.
- Die letzten beiden Abnehmer des rund 2,3 Milliarden Euro teuren Werks brachen dem Bericht zufolge weg, weil die neuen Handelsmaßnahmen die Kosten der gesamten Lieferkette anhoben.
- Eine Entscheidung fällt in den kommenden Wochen, Klarheit erwartet der Markt frühestens zum Kapitalmarkttag am 17. September in London.
Was ist in Tennessee passiert?

Kunden weggebrochen: Wacker Chemie stellt in Charleston Polysilizium her, den Grundstoff für Solarmodule und Computerchips. Nach dem Reuters-Bericht verlor der Standort seine letzten beiden Abnehmer, nachdem die Handelsmaßnahmen der Trump-Regierung die Preise entlang der Kette verteuert hatten.[1] Wacker bestreitet einen Schließungsbeschluss und verweist auf laufende Gespräche mit der US-Regierung.
Dekret verfehlt Wirkung: Die Proklamation vom 6. August sollte den Kauf von amerikanischem Polysilizium anschieben. In der jetzigen Fassung bevorzugt der Erlass US-Ware jedoch nicht wirksam, wie Wacker selbst einräumt. Eine belastbare Bewertung der Folgen hält der Konzern noch für verfrüht, baute am rund 2,3 Milliarden Euro teuren Standort aber bereits Stellen ab.
Warum trifft der Schutz ausgerechnet den heimischen Hersteller?
Verkehrte Wirkung: Die Zölle und Mindestpreise verteuerten nicht nur chinesische Importe, sondern die gesamte Wertschöpfungskette. Für Wackers Abnehmer wurde damit jeder Einkauf von Polysilizium teurer, auch der von einem Werk auf US-Boden. Hinzu kommt der jahrelange Preisverfall durch chinesische Überkapazitäten, der westliche Hersteller ohnehin an den Rand drängt. Ähnlich zwiespältig wirkt die US-Handelspolitik auf andere Konzerne, wie die jüngst gekippten US-Zölle mit Milliarden-Rückerstattung zeigten.
Bekanntes Muster: Der Fall reiht sich in den Rückzug der westlichen Solar-Vorstufe ein, in der China den Großteil der Polysilizium-Produktion kontrolliert. Wie schnell aus hohen Kosten das Aus für einen Standort wird, zeigte zuletzt ArcelorMittals Rückzug aus der Duisburger Stahlerzeugung.
Ein Schutzzoll, der die eigenen Hersteller vertreibt, verfehlt seinen Zweck. Für Konzerne mit US-Werken wird das politische Risiko damit zum festen Kalkulationsposten.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für europäische Entscheider?
Standortrisiko USA: Der Fall zeigt, wie schnell sprunghafte Handelspolitik ein Werk auf US-Boden entwerten kann, das eigentlich unter Schutz stehen sollte. Für europäische Konzerne mit US-Fertigung rückt dieses Risiko in die Investitionsrechnung. Wackers deutsche Standorte in Burghausen und Nünchritz sind davon nicht betroffen und liefern das hochreine Polysilizium für die Chipindustrie.
Für Entscheider: Einkäufer in Solar- und Halbleiter-Lieferketten prüfen jetzt sinnvollerweise die Abhängigkeit von einzelnen Standorten und Handelsräumen. Die nächste Wegmarke setzt der Kapitalmarkttag am 17. September, an dem Wacker über die Zukunft des Standorts und neue Konzernziele informieren will.[2] Für die europäische Solar- und Chipsouveränität bleibt der Fall ein Warnsignal, dass Förderpolitik ohne saubere Ausgestaltung ins Leere läuft.
Quellen
[1] Reuters (Alexandra Alper, Nichola Groom): „Trump’s bid to shield chip supply chain could backfire in Tennessee“ (4. September 2026)
[2] Wacker Chemie AG: Capital Market Days (Investor Relations)
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