Eine SSD mit einem Terabyte kostet in China inzwischen über 1.000 Yuan, umgerechnet mehr als 133 Euro, nach 300 bis 400 Yuan im Jahr 2023. Billiger dürfte Speicher so bald nicht werden: SK hynix und Micron nehmen ihre nächsten großen NAND-Werke erst 2028 in Betrieb.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie NAND-Knappheit treibt die Speicherpreise seit 2025 nach oben, ein Mitarbeiter des chinesischen Herstellers Yangtze Memory Technologies (YMTC) rechnet erst um 2029 mit einem Ende. Seine Einschätzung gab der anonyme Mitarbeiter dem Wirtschaftsmagazin The Wire China, das am 4. Oktober eine Titelgeschichte über den Konzern aus Wuhan veröffentlichte.[1] YMTC habe außerdem die Preise für die eigenen Speicherchips erhöht, berichtete der Mitarbeiter.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein YMTC-Mitarbeiter erwartet laut The Wire China noch rund drei Jahre NAND-Knappheit, der Hersteller hat seine Chippreise bereits angehoben.
- Eine 1-TB-SSD kostet in China heute über 1.000 Yuan (mehr als 133 €), 2023 lag der Preis bei 300 bis 400 Yuan.
- Der Marktforscher TrendForce erwartet für das vierte Quartal 15 bis 20 % höhere NAND-Vertragspreise als im dritten.
- PC-Hersteller verbauen in Standardmodellen bereits kleinere SSDs, um Kosten zu sparen.
Warum bleibt NAND-Flash so lange knapp?

Den Engpass verursachen die KI-Rechenzentren. Cloud-Konzerne kaufen SSDs mit großer Kapazität, um Trainingsdaten und Modelle vorzuhalten. Nach Daten von TrendForce gingen im zweiten Quartal 2026 bereits 48 Prozent aller ausgelieferten NAND-Bits in solche Server-SSDs, nach 26 Prozent ein Jahr zuvor. Für Notebooks und Smartphones bleibt entsprechend weniger übrig.
Neue Kapazität entsteht nur mit Jahren Vorlauf. Zwischen Investitionsentscheidung und stabiler Serienproduktion liegen der Bau und lange Testläufe, bis die Ausbeute stimmt. SK hynix plant den ersten Reinraum seines NAND-Werks M17 im südkoreanischen Cheongju für Dezember 2028, Micron sein neues NAND-Werk in Singapur für die zweite Jahreshälfte 2028.[2] Micron selbst verkauft Speicher inzwischen gegen Anzahlung. Für 2027 und 2028 erwartet der US-Konzern eine noch angespanntere Lage.
YMTC baut früher aus. Das dritte Werk in Wuhan soll Ende 2026 anlaufen und 2027 hochfahren, zwei weitere Werke sollen die Kapazität mehr als verdoppeln, berichtet das chinesische Techportal Kuai Keji.[3] Seit Dezember 2022 steht der Konzern auf der Entity-List der USA und darf keine amerikanischen Fertigungsanlagen kaufen. Ersatz fand YMTC bei Maschinenbauern aus den Niederlanden und Japan.[1]
Wie belastbar ist die Prognose aus Wuhan?
Die drei Jahre beruhen auf der Aussage eines einzelnen, anonymen Mitarbeiters, öffentlich bestätigt hat YMTC die Zahl nicht. Der Hersteller verdient an hohen Preisen und bereitet einen Börsengang vor, eine Warnung vor anhaltender Knappheit kommt ihm also gelegen. Die Konkurrenz rechnet allerdings ähnlich: SK hynix erwartet die Knappheit laut Konzernchef sogar bis 2030.[2]
Bei Endkunden stößt der Preisanstieg dagegen an Grenzen. Die Preise für NAND-Wafer haben laut TrendForce ein Rekordniveau erreicht, das der Einzelhandel immer schwerer an die Kunden weitergeben kann.[4] PC-Hersteller zehren von Lagerbeständen aus dem ersten Halbjahr, die Lieferanten halten sich bei SSDs für Notebooks und Desktop-PCs deshalb mit Aufschlägen zurück. Nur bei Server-SSDs steigen die Preise im vierten Quartal schneller als im dritten.
Die Drei-Jahres-Prognose kommt von YMTC, also aus einem Konzern, der an jedem knappen Chip mitverdient. Glaubwürdig macht die Warnung erst, dass Micron und SK hynix dasselbe sagen.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wann neue NAND-Kapazität kommt
Was heißt das für Unternehmen in Europa?
Speicherchips werden weltweit zu denselben Vertragspreisen gehandelt, die Knappheit erreicht damit auch europäische Preislisten. Nach Beobachtung von TrendForce sparen PC-Hersteller zuerst an der Speichergröße: Mainstream-Modelle bekommen kleinere SSDs, um die Materialkosten zu senken.[4] IT-Einkäufer sollten in Ausschreibungen für Notebooks deshalb eine Mindestkapazität festschreiben und Angebote mit 512 Gigabyte statt einem Terabyte nicht als gleichwertig werten.
Auch in Europa kämpft YMTC um Marktanteile, notfalls vor Gericht. Das Landgericht München I hat Micron im September den Verkauf zweier Speicherprodukte in Deutschland untersagt, nachdem YMTC wegen verletzter Gebrauchsmuster geklagt hatte. Micron hat Berufung angekündigt.
Bei Servern und Speichersystemen lohnt sich ein früher Einkauf. Der Hoster Hostinger kaufte schon im Sommer über 3.000 Server auf Vorrat. Auf die Preise früherer Jahre zu warten, bringt wenig: 2025 endete der jahrzehntelange Preisverfall bei Speicher. Mittelständler, die 2027 Hardware ersetzen müssen, sichern sich Preise und Liefertermine am besten jetzt über Rahmenverträge.
Quellen
[1] The Wire China: „The Survivor“, Titelgeschichte über Yangtze Memory Technologies, 4. Oktober 2026 (englisch, Bezahlschranke)
[2] TrendForce: „Micron Sees Tighter Memory Supply Through FY28: When Will the Big Three’s New Capacity Arrive?“, 6. Oktober 2026 (englisch)
[3] Kuai Keji (MyDrivers): „1-TB-SSD von 300 auf über 1.000 Yuan: YMTC erwartet mindestens drei Jahre Knappheit“, 8. Oktober 2026 (chinesisch)
[4] TrendForce: „AI Server Demand Sustains Memory Contract Price Increases in 4Q26, While Consumer-Side Pressure Persists“, 30. September 2026 (englisch)
Mehr Newshunger?
- Biren sammelt binnen drei Monaten zum zweiten Mal Geld ein, weil Chipbauteile knapp werden
- Huawei und Cambricon verteuern ihre KI-Chips um bis zu 50 Prozent
- Minus 25 Prozent: Warum der Speicher-Boom die Smartphone-Chips trifft
- DRAM 2027: Warum für den freien Speichermarkt nur ein Drittel übrig bleibt
- Speicherchips aus China: US-Senatoren setzen Apple eine Frist bis zum 21. August
- Die KI frisst den Arbeitsspeicher, alle zahlen mit
